muschel,
die
;
-Ø/-n
, auch
.
›Muschel, Schnecke, muschel-, schneckenartiges Kleintier‹; tropisch: ›Muschelschale‹; ›Schneckenhaus‹; ›aus Muscheln gearbeitetes Zierstück‹; ›kleiner Zierbehälter aus Muschelschalen‹; auch: ›Trinkflasche der Jakobsbrüder‹.
Phraseme:
sich wie eine muschel zum jakobsmantel reimen
›nicht passen‹;
zu einem müschlein werden
›zur Kleinigkeit werden‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , (Zuordnung zu den angegebenen Nuancen je nach tropischer Verwendung unterschiedlich).
Syntagmen:
muscheln anhaben / essen / fangen / machen / nemen
(letzteres als Mittel gegen Hautflecken);
die muscheln bei dem wasser sein, im mer liegen, sich weit gegen den tau, die sonne auftun, eine deutung haben, ein zeichen der tugend sein
;
der muscheln haben
(Gen.obj.; partitiv);
sich auf muscheln verstehen, etw. für eine m. sehen lassen
(›als Schmuckstück ausgeben‹),
in den muscheln perlen wachsen, schnecken stecken, j. mit muscheln behenkt sein, eine schelle von muscheln sein
, [einen Betrag]
um x muscheln geben
;
die m. des herzen
;
die tochter der m
.
Wortbildungen:
muschelfisch
,
muschelflasche
,
muschelgeschir
,
muscheln
›aus Muscheln‹, ˹
muschelnfaher
,
muschelfänger
˺,
muschelschulpf
›Muschelschale‹,
muscheltochter
(poetisch, Bezug auf bdv.
perle
1).

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
90, 400
(
1635
):
Er redet der Liebsten Halsperlen an. | Was bildet ihr euch ein, ihr Muscheltöchter ihr?
Mieder, Lehmann. Flor.
823, 26
(
Lübeck
1639
):
Es reumet sich zur Sach / wie ein alts Weib zur Haasenjagt. Wie ein Muschel zum Jacobs mantel
(hier: ›wie teurer Schmuck zum Pilgermantel‹).
Luther, WA
18, 146, 34
(
1525
):
Ist [...] seyn [Carlstad] schreyben recht, so ist dis stuck eraus zu zwacken und hat eyne sonderliche meynung, zu dem gantzen, voͤlligen text hynzu gesetzt und auffgeflickt wie eyne mosschel auf eym Jacobs mantel.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1679
(
Köln
1476
):
Gyngen dye luyd sonder rasten | All vmb dye stat in dye grauen, | Dar vyssz do mallych would hauen | Der mosschelen dyr in laegen.
Apherdianus
74
(
Köln
1575
):
ein musschel. Testa conchylii, ein musschelschulpff. [...]. Conchiliarius, ein musschelfaͤnger.
Neumann, Rothe. Keuschh.
854
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
der angel blibet | in des menschen hertzen stecken, | also in den moschelen thun di snecken.
Ebd.
1962
:
in deme meyen ist ein zyt | das sich di moscheln uff thun wid.
Ebd.
1991
:
der thud sines hertzin
[gen. explicativus]
moschelelin uff | gegen gotes tauwe, der en geschuff.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
60, 15
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dy do sich vorsten uf di sneckin husir odir muschiln in den do wachsin di perln.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
36a, 21
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
daz wir grozziv dink wollen schaffen [...] so wirt ez zv ainem mvͤschelein.
Rupprich, Dürer
1, 158, 168
(
nobd.
,
1520
):
Ich hab 2 stüber umb zwo muschel geben.
Franck, Decl.
331, 27
(
Nürnb.
1531
):
will er [wirt] gaͤst haben vnd sich also allenthalben / mit frembden / zuͦ seinen eygnen sünden / behenckt / wie ein Jacobs bruͦder mit muschel.
Sachs
17, 338, 4
(
Nürnb.
1563
):
Ein landstreicher, ein uralt mann, | Hett vil zeichen und musschel an.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 313, 14
(
Straßb.
1466
):
Vnd mache nusselin oder muscheln
[Var. 1475
2
:
hacken
;
Eck
1537:
krumhacken
;
Luther
1545, 2. Mose 28, 13:
Spangen
]
von golde.
Dasypodius
278r
(
Straßb.
1536
):
Pinna etiam genus conchae est, Ein schnecke / od’ müschlëvisch.
Ebd.
382v
:
Muschlenfaher / die [...] muschlen oder schnecken fahen.
Maaler
296r
(
Zürich
1561
):
Muschelen (die) schalen. Concha, Testa, Calix, Calix conchæ. Die Muschelen an meerschnaͤcken. [...]. S. Jacobs Muschelen / Kleine meermüschele mit streymen [...]. Muschelen decke.
Klein, Oswald
105, 38
(
oobd.
,
1432
):
Doch ward im auch ain bick | zu seiner nasen gruschel, | den er zu Rom wol vierzen tag | liess sehen für ain muschel.
Weitz, Albich v. Prag
151, 8
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
Ain salb die fleck zu vertreiben vnder den augen. Nym weiß schnegken mit jr schaln vnd sunst muscheln.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
323
(
oobd.
,
1607
/
11
):
schellen, die sein von [...] schnegenheuser oder muscheln.
Ebd.
515
:
1 muschelfläßchlein von weißgrawem stein.
Ebd.
1384
:
Ein klein ablang von grien orient: jaspis geschnitten muschelgeschirrlin.
Luther, WA
10, 3, 165, 19
;
Buch Weinsb.
1, 85, 22
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
158, 4
;
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
3, 355, 1
;
Deinhardt, Ross Artzney
20
;
Vgl. ferner s. v.
2
,
1
 6, .