mur,
das
,
auch
der
;
zu
mhd.
muor
(Lexer
1, 2240
); frnhd. Entsprechung von nhd.
Moor
; die
nd.
-o-
Schreibung ist im eigenen Material zum ersten Mal im Kompositum
morbrand
belegt;
s. u. den Beleg
Bischoff.
›feuchter, schlammiger Boden; Schlamm (von Gewässern), Morast‹; dient mit gen. explicativus zur Kennzeichnung von Fehlverhalten.
Obd.
Bedeutungsverwandte:
 2,
1
 2,
1
 1, , ; vgl. , , (
das
), , .
Syntagmen:
m. nemen
;
das m. tief sein
;
blutegel aus dem m. sein, sich in das m. legen, im m. ertrinken, gewin suchen
;
das m. der schanden, der unkeusche
;
das horbige / tiefe m
.
Wortbildungen:
morbrand
›von Armen vorgenommene Brandrodung zum Zweck von Getreideanbau‹, ˹
murecht
,
murente
,
murig
˺ ›unrecht, in Sünden verstrickt‹,
mureln
›nach Sumpf riechen, schmecken‹,
murerdreich
,
murkolbe
›Kaulkopf, Cottus gobio‹ (eine Fischart; dazu bdv.:
2
 1, ,  ),
murlache
›Sumpf, Schmutzlache‹ (auch ütr.; dazu bdv.:  3).

Belegblock:

Schöpper
77b
(
Dortm.
1550
):
Stercus. Kott kaat dreck. ¶ wust mur vnflat.
Lemmer, Brant. Narrensch.
108, 103
(
Basel
1494
):
Wir suͦchen gwynn jn dieffen muͦr.
Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 18, 15
(
Straßb.
um 1514
):
Kuten / Mürkolbe͂ / schnetterling vñ stichling.
Dasypodius
361r
(
Straßb.
1536
):
Kop / muͦrkolb. grop. Carabus.
Golius
34
(
Straßb.
1579
):
Limus, schleim / muͦr / moß.
Goedeke, Fischart Flöh Haz
249
(
Straßb.
1594
):
dieweil wir [flöh] bei inen | Gewont sind und gar gern in dinen. | Jene [blutegel] aber sind aus dem mur, | Daraus sonst komt alle unfur.
Adrian, Saelden Hort
4798
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
tuͦt er [tiefel] watten | mit haimlichem getúsche | in daz muͦr der unkuͤsche.
Maaler
239r
(
Zürich
1561
):
Kaatig / Laͤttaͤchtig / Voll Muͦrs.
Ebd.
295r
:
Muͦr vnd kaat (das) Limus. Muͦrachtig. Limosus. Muͦraͤchtiger fisch / der muͤrelet. Piscus lutensis. Muͦrerdtrich (das) Putre solum. Muͦrent /Sorent (die) Querquedula.
Panzer, Seifrid Füetrers
395, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
In schannden mür ertrincket | ew̌r wird vmb dise tat.
Jaksche, Gundacker
622
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
da von mein sel muͤrick | ist dick insunden worden.
Primisser, Suchenwirt
4, 447
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Tief was geror und auch der der sant | Pey den schiffen, und daz muer.
Drescher, Hartlieb. Caes.
255, 13
(
moobd.
,
1456
/
67
):
Mit dem sprang er von dem pferd und legt sich zw veny in das horbig muͦr und chott und pog sein knye und lobt Gott.
Winter, Nöst. Weist.
4, 181, 4
(
moobd.
, Hs.
16. Jh.
)
und soll nemen den mur am grunt und soll den hanf oder haar damit schwären.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
225, 6
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
die ledig chnecht schol chainer morprenter slachen pei der pen des traids verliesen.
Primisser, a. a. O.
3, 96
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
248
.