mund,
der
;
-(e)s/e
,
auch
münder
; vgl. generell: Rwb
9, 965
 ff. einschließlich der Kompositenstrecke.
1.
›Mund‹ (des Menschen; meist); ›Maul, Schnauze‹ (größerer Tiere); ›Schnabel‹ (der Vögel); jeweils gesehen als Teil der Anatomie des Lebewesens, tropisch auch als das gemeinte Lebewesen selbst (vereinzelt; vgl. zu dieser Nuance auch 4). Der menschliche Mund erscheint mehrfach zeichenhaft mit verschiedenen Deutungen: als Teil der Schönheit, als Index ungetrübten, frischen Lebens, als Pforte des Atemweges, damit auch des Aushauchens / Ausfahrens der Seele aus dem Körper, als Körperbereich, der der Mißhandlung und darauf beruhenden Strafen ausgesetzt ist. Der Mund des Fremden, Unvertrauten tendiert zu abwertender, dämonisierender und dehumanisierender Darstellung (dies z. B. in Tiervergleichen).
Phraseme:
jm. speklein in den mund legen
›jm. schmeicheln‹ (auch zu 2 stellbar);
von mund zu himmel kommen
›mit der Erklärung des Ablasses zum Himmel kommen‹ (auch zu 4 stellbar).
Bedeutungsverwandte:
1
 1.
Syntagmen:
den m. aufblähen / auslecken / spülen / waschen, kraniche den m. als ein pferd haben, jm. den m. abschneiden, den m. missefar machen, mit einem wergeld bessern
;
der / ein m. bleich / süchtig / eng sein, rot werden, beben / stinken / verbleichen, jm. bluten, offen stehen, der m. sich in dem spiegel erbilden, js. m. js. gesicht verspirzen
;
an dem munde jm. gleich sein, aus dem m. wind lassen, ein zan aus dem munde ragen, dem ochsen feuer aus dem munde schlagen, jm. die zäne aus dem m. schlagen, wasser in den m. blasen / tun, jn. in den m. schlagen, die lewin ein kind in den m. nemen, in dem munde einen olzweig bringen, die sele aus dem munde faren, (sich) von dem munde scheiden, die speise im munde behalten, in dem munde der stercus geboren werden, jm. schaum in dem munde machen
(wörtlich gemeint),
das blut zu munde ausgiessen
;
der m. der neidigen
;
der blutige / dürre / grosse / kleine / rosenfarbene / rote / weite / wolriechende m
.;
die fäulung des mundes, im munde
.
Wortbildungen:
mundfäule
, ˹
mundholz
,
mundweide
˺ ›zur Zahnpflege gekautes Hartholz (Liguster)‹,
mundleim
›Hausenblase‹,
mundsucht
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
364, 1
(
Wolfenb.
1594
):
Vnd wil jhme von Seiffen ein wenig Schaum in dem Mundt machen, Damit man meinen sol, Er sey an der schweren Kranckheit gestorben.
Quint, Eckharts Pred.
1, 266, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der munt und diu nase und diu ougen und alliu diu gestaltnisse des antlites daz erbildet sich in dem spiegel.
Voc. inc. teut. q
vijr
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Munt sucht [...] infirmitas oris.
Karnein, Salm. u. Morolf
777, 6
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
er druckte sie also susse, | das ir die sele lachende von irem munde schiet.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
82, 19
(
Frankf.
1535
):
Alaun in essig zergangen ist auch guͦt wider die feulung des munds.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 25
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Alle rosenfar mündelein, alle rote wengelein müßen bleich werden.
Thür. Chron.
1v, 20
(
Mühlh.
1599
):
die Tauben [...] bracht einen Oele Zweig in jrem Mundt.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
20, 27
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Si [krenyche] han ouch czene und mund sam eyn pfert.
Ebd.
70, 2
:
si [volk] han ouch groze munde sam die vorloufe, groze oren unde wite ougin.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
152v, 22
(
Leipzig
1588
):
wenn der [Reuter auff dem fahlen Pferdt] koͤmpt / so muss manch rother Mund verbleichen.
Mylius
E 1r
(
Görlitz
1577
):
Ligustrum Rein Weide / Mundweide.
Gille u. a., M. Beheim
173, 123
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Spricht Poet: ,der neidigen mund | ist plaich und süchtig, ungesund.‘
Lauchert, Merswin
4, 37
(
els.
,
1352
/
70
):
daz ir daz bluͦt zuͦ mvnde vnd zuͦ nasen wart vs giessende.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
674
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Was hilft mich ain roter mund, | Und wär an der sel ungesund!.
Lemmer, Brant. Narrensch.
29, 20
(
Basel
1494
):
das er [narr] sterben muͦß | Wo / wenn / vnd wie / ist jm nit kundt | Biß das die sel fert vß dem mundt.
Sudhoff, Paracelsus
4, 457, 28
(
1527
):
ir sehent, das im munde der stercus intestinorum geboren wird.
Ebd.
7, 162, 25
(
1529
):
wie er [mercurius] mundfeule macht, also macht er auch die lungfeule.
Plant u. a., Main. Naturl.
297r, 12
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
so man morgens von dem slafe gat so sol die arme gelich denne͂ vñ dc hoͮbit strele͂ vñ ogen den munt vñ die zene vñ hende weschen dur svverheit.
Bächtold, N. Manuel. Papst
90, 1571
(
Zürich
1525
):
Sine [bapst] krämer in allem land umbloufen | Und gebend brief und sigel drum, | Dass man von mund zuͦ himel kumm.
Ebd. Zugabe A. R. Manuel
382, 17, 11
(
Bern
1557
):
man muͦss im specklin in mund geben, | vil guͦter wort daneben.
Maaler
295r
(
Zürich
1561
):
Die beid seyten am Mund oder backen die sich auffblaasend von dem trummeten. Buccæ. Den Mund spuͤle͂ od’ waͤschen. [...]. Mundleym (der) Ichthyocolla.
hail. altvaͤter
92r, 16
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
dú loͤwin [...] nam irú kint in den munt vnd truͦg sú fúr das hol fúr vns.
Sappler, H. Kaufringer
11, 200
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
die sel sich schaidet von dem mund | ietzo hie zuo diser zeit.
Henisch
260
(
Augsb.
1616
):
Beinholtz / beinhoͤltzlin / mundholtz / hartriegel / reinweiden, [...]. Vsus ligni ad dentifricia, ut lentisci.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 51
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
sie zigen in vil falscher sund, | der juden mund verspierzten sein gesicht.
Klein, Oswald
110, 14
(
oobd.
,
1417
):
Ir öglin, nas, mund, kinn und kel | formieret schon.
Weber, Füetrer. Poyt.
264, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
sein windpra rauch, mit weyttem munnd, | sein augen gleich aim glüennden fewer waren.
Piirainen, Stadtr. Sillein
72a, 32
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von den glyden dy man bezzeren zol mit eim halben wergelde DEn munt vnd nase vnd augen zunge oren vnd daz mannez gemechte.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
958
.
Chron. Köln
1, 4991
;
Froning, Alsf. Passionssp.
6096
;
J. W. von Cube. Hortus
6, 30
;
Alberus
Ff iijr
;
Jungbluth, a. a. O.
25, 33
;
Jahr, H. v. Mügeln
1218
;
2534
;
Keil, Peter v. Ulm
149
; S. 
426
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
447, 24
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
11, 32
;
Rieder, St. Georg. Pred.
243, 28
;
Wiessner, Wittenw. Ring
443
;
3734
;
Munz, Füetrer. Persibein
394, 5
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
106, 2
;
Schmitt, Ordo rerum 364, 13.
24
;
Alberus
Ff iijr
;
Harsdoerffer. Trichter
3, 353
.
2.
›Mund als Bereich der Nahrungsaufnahme‹ sowie (seltener:) als ›Sitz des Riech- und Geschmackssinnes‹, jeweils meist des Menschen, vereinzelt größerer Tiere; auch ütr., dann: ›Rachen (der Gier)‹ (dazu bdv.:  ).
Phraseme:
jm. schmekt etw. in seinem munde
›j. hört etw. gerne‹;
die speise im munde vergessen
(aus Faszination vor e. P.);
den Jordan mit dem munde ausschöpfen
(als Zeichen der Großsprecherei);
vom munde zum himmel faren
›vom gedeckten Tisch in den Himmel fahren‹ (sozialkritisch).
Bedeutungsverwandte:
1
 1, , ; vgl.  3, .
Syntagmen:
js. m. durstig sehen, js. m. tränken, den m. auslecken, mit tüchern bedecken, die fische den m. am leibe haben
;
der m. geschmecken
›der Geschmackswahrnehmung dienen, schmecken‹,
sich erquicken / äsen, des ases gepflegen, jm. bitter sein, ein stinkender m. aus der sauferei kommen
;
dem munde etw. schmecken; etw
. (Akk.obj.)
in den m. nemen
(z. B.
arznei
),
im munde haben, etw
. (Subj.)
in den m. fliegen
(z. B.
eine taube
),
in den m., aus dem munde gehen, arznei im munde bitter sein, ˹etw. in den m. legen / tun, in dem munde behalten / kauen / reiben˺
(jeweils ein Heilkraut),
etw. in den m. stossen, mit dem munde niessen
(die Hostie),
in die küche kotzen, jn. vor dem munde des lewen behalten, jn. zu dem m. speisen
;
der m. des bapsttums / lewen
;
der reiche / stinkende / weite m
.;
das kin des mundes
;
das versuchen
(›der Geschmackssinn‹)
im munde
.
Wortbildungen:
mundkoch
›Kochkünstler‹,
mündlich
1 (›mit dem Munde‹, bezogen auf die Aufnahme der Hostie),
mundschenk
,
mundspiel
›Eßvergnügen‹,
mundtränke
›Getränkelager‹.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 548, 26
(
1532
):
das ist gleuben, wie er wol thun kan im Abentmal und on glauben den leib und blut Christi muͤndtlich entpfahen.
Ders. Hl. Schrifft.
Hiob 40, 18
(
Wittenb.
1545
):
[der Behemoth] schluckt in sich den Strom / vnd achts nicht gros / lest sich düncken / er wölle den Jordan mit seinem munde ausschepffen
(als Zeichen für Großtuerei).
Ebd.
Mt. 15, 17
:
alles was zum munde eingehet / das [...] wird durch den natürlichen Gang ausgeworffen.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
1388
(
Eisleben
1565
):
du getrewer frund / | Wie gar wol schmeckt mir das in meinem mund / | Das du dich so getrewlich wilt halten | Gegen der Bepstin in jhren vnsalden.
Quint, Eckharts Pred.
2, 618, 14
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als dem arn süezze ding nicht smekchen als dem mund, also erchennt der fleischleich mensch dy geistleichen ding nicht.
Karnein, Salm. u. Morolf
17, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
sie [kunigin] was so rechte wunnesam. | sie vergassent ir spise in dem munde | und gafftent die edele kunigin an.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 69, 28
(
Frankf.
1557
):
Denn wie man sagt, allzeit bey parn | Die Moͤnch von mund zu Himel fahrn.
Eggers, Psalter
44, 14
(
thür.
,
1378
):
Di [ochzen] taten iren munt
[
Froschauer
1530, Ps. 22, 14:
maul
;
Luther
1545:
Rachen
]
vf obir mich alz der lauwe nemende vn̄ grimmende.
Ebd.
45, 12
:
Behalt mich von deme munde dez levwen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
15, 11
(
osächs.
,
1343
):
Daz befleckit den menschin nicht, daz in den munt în gêt, abir waz ûz dem munde vor gêt: daz befleckit den menschen.
Schönbach, Adt. Pred.
3, 8
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
als der wise mensche izzet wurze [...], so ribet er sie lange in dem munde dŭrch daz daz die craft des rŭches chume in sin gehirne.
Ebd.
30, 31
:
so mugen die ougen niht gesehen noch die oren gehoren noch die nasen geriechen noch der munt gesmekken.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
22, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dy schenkin unde dy becker, dy han alle iren munt bedakt mit sydinen tuchirn das ir odem dem herren mache keyn unlust.
Gajek, Seidelius. Tych.
9, 5
(
Breslau
1613
):
Ob jhn ein gebratn Taub bereit. | Kem in den Mund geflogen ein.
Gille u. a., M. Beheim
129, 61
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz wir czu unserm mund | durch sy [rass, kü] gespeiset werden, und | also wir in gucz wellen.
Reichert, Gesamtausl. Messe
9, 9
(
Nürnb.
um 1480
):
wie groß [...] ist das ambt des priesters, [...], mit den lebsen zu segnen, [...], mit eygnem munde zu niessen und mit andernn handelnn.
Sachs
22, 279, 23
(
Nürnb.
1543
):
Das thier het auch eins leben schlundt, | Pedewt des pabstum weitten mundt.
Franck, Decl.
345, 18
(
Nürnb.
1531
):
vber das [...] kompt auß der saufferey die strauch / ein stinckender mundt / vnd schwerer athem.
Ebd.
351, 26
:
das er truncken mit seinem stinckendem munde in ein scheutzliche jarkuchen hab gekopt vnd gekotzt.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 712, 27
(
Nürnb.
1631
):
Dergleichen Tracht, kein Mundkoch macht, | Wer wolt sich nicht zgast laden.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
205r, 29
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
nim bertthram vnd rib in [...] vnd tuͦ in denne in dem mund.
Bremer, Voc. opt.
1056
(
halem.
,
1328
/
9
):
Os [...] munt [...] est membrum animalis organicum apperturam recipiens et clausuram, per quod summitur alimentum. Et dicitur (os) quasi hos a nomine hostium quia cibos intus mittimus et sputum foris proicimus; uel dicitur a nomine hostium, quia ibi ingrediuntur cibi et egrediuntur sermones.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk.
190, 533
(
Bern
1551
):
Seh, stoß die amplen in din mund | und lär sie us, das ist dir gsund.
Stammler, Berner Weltger.
417
(
ohalem.
,
1465
):
Mich turste dik ze menger stund, | Da tranktent jr gern minen mund.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
329, 31
(
Genf
1636
):
Mundtschenck [...] Poculi administrator.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
118, 16
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz uns mangeu tier übertreffen an den fünf sinnen: [...] der luhs an dem gesiht, der aff mit dem versuochen in dem mund.
Ebd.
251, 32
:
die visch habent ir münd ze mitelst an dem leib.
Niewöhner, Teichner
276, 17
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
do sprach der narr: ,ich han in
[einen Habicht]
gaz. | ez waz daz aller zachist as | dez mein munt ye gephlach‘.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
39, 70
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
protes form die wirt verpert | von des / mundes chinne.
Bastian, Runtingerb.
2, 24, 1
(
oobd.
,
1392
):
ich sol alle morgen nuͤchtern in den muͤnt nemen fumf chorn kubeben.
Lampel, Qu. Wien
1, 8, 16759, 3
(
moobd.
,
1634
):
Paßbrief [...] auf die Lieferung steirischer Landweine
zu der kaiserl. munttränk
nach Wien.
J. W. von Cube. Hortus
85, 32
;
Karnein, a. a. O.
111, 1
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
66, 1
;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
2030, 14
;
Rohland, Schäden
484
;
Goldammer, Paracelsus
5, 180, 8
;
Stammler, a. a. O.
428
;
Kummer, Erlauer Sp.
3, 468
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1,  1.
3.
›Mund als Organ, Ort der (meist) liebevollen Zuwendung zum Nächsten‹, speziell als ›Organ der erotischen bis sexuellen Zuwendung, besonders des Küssens‹; vereinzelt: ›Organ des Verrates‹; damit offen zu 4.
Mehrfach literarische und didaktische Texte, oft gebundener Form.
Syntagmen:
den m
. [wo]
ansetzen, mund an m. drucken / legen, jm. den m. darbieten, das küssen js. m. an js. m. drücken
;
js. m
. (Subj.)
almende werden, als ein rubin brennen, jn. erzünden, zum küssen gestelt sein, js. füssen küsse bieten, jm. das herz verscharen, mund von mund berürt werden, der m. den m. küssen
;
jn. an / in den m. küssen
(auch: Zeichen des Verrates),
an js. m. denken, das haupt sich gegen dem munde senken, jm. die zunge in den m. schmitzen, jm. der aufbast im munde werden, jm. mit dem munde dienen
;
der anlachenliche / auserwälte / beschlossene / feine / rosenfarbe / rote
(häufig)
/ rubeine / rubeinrote / wolgefarbe m
.;
der mund durchbrehet
;
das rosenblat des mundes
(poetisch).
Wortbildungen
vielfach diminutiv gebraucht:
mundchen
,
mündchen
,
mundel
,
mündel
.

Belegblock:

Buch Weinsb.
5, 475, 3
(
rib.
,
um 1560
):
Die liebde wirt durch geraubte montger im schun
›Schatten‹
erneuwert.
Froning, Alsf. Passionssp.
3236
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Wen ich kusße an synen mont, | den griffet an zu derselben stund!
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
153, 24
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Der beckart viel vff Ludewigen / vnd küste yne an sinen münt.
Adrian, Saelden Hort
8009
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
do si
[Maria Magdalena]
hat ab geweschen | in alles hor und eschen | mit haisser trehen gússe, | vil demuͤtiger kússe | suftzend do daz mundel rot | den fúessen mit begird bot.
Morrall, Mandev. Reiseb.
17, 4
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
und kussent ir mich in minen mund, so wúrd ich wider zuͦ mensche als vor.
Sappler, H. Kaufringer
29, 74
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
schön macht die keln weiß und fein; | darob ain rotes mündlein. | zuo küssen also gestellet.
Brandstetter, Wigoleis
206, 19
(
Augsb.
1493
):
er dancket jr auch züchtiklichen [...]. Hiemitt warde mund von mund beruret.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 72, 245/8
(
schwäb.
,
1471
):
Ich sprach: du redst die waͮrhait! | Vnd graiff ir nach dem vff past. | Sy gumpet ser vnd weret sich vast | Mit fluͦchen, schelten, wie sy kund, | Doch ward der vfpast mir in mund.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
12, 38
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
o wie gar selig küssen drukt | dein mund an kindleins mund.
Klein, Oswald
20, 69
(
oobd.
,
1415
):
Das zünglin gan si im spitzen, | smitzen in den mund.
Ebd.
91
:
mich hat dein mündlin wolgevar | erzunt mit rechter liebe gar.
Ebd.
34, 35
(
1416
):
wenn sich mein houpt wirt sencken | gen deinem veinen mündlein rot, | so tü mich, lieb, bedencken.
Karnein, Salm. u. Morolf
5, 3
;
Opitz. Poeterey
32, 17
;
Pyritz, Minneburg
2433
;
3225
;
Goedeke, P. Gengenb.
134, 638
;
Sappler, a. a. O.
2, 161
;
15, 94
;
Klein, a. a. O.
1, 30
;
16, 33
;
18, 66
;
53, 35
;
82, 58
;
120, 12
;
Munz, Füetrer. Persibein
57, 7
.
Vgl. ferner s. v.  1, .
4.
›Mund als Ort und Organ der Artikulation von Lauten, des partnerbezogenen sprachlichen Handelns, der Schaffung von Realitätsbildern‹; Vollzieher dieses Handelns ist der sprechende Mensch mit dem Blick auf die ihm vorgegebene Gegenständlichkeit, mit dem Blick auf die Kommunikation mit anderen Menschen sowie mit dem als sprechend / hörend gedachten Gott, damit auch reziprok mit dem Blick auf dessen Sprechen mit anderen. Demnach steht
mund
für alle Einzelaspekte verbalsymbolischer Tätigkeit vom bloßen Ausdrücken und Bezeichnen bis hin zur Setzung gesellschaftlicher Realitäten, sozialer Beziehungsverhältnisse und allseitiger Bewertungen positiver wie negativer Art (in letzterem Falle z. B. gegen unnützes, eitles Sprechen). In den Belegen lassen sich bei Anerkennung dichter wechselseitiger Überlagerungen gewisse illokutive Dominanzen erkennen: die deklarative Konstitution von Welt (vor allem dem sprechenden Gott zugeschrieben), unter kommunikativem Aspekt: ausdrücken, bekennen, bewerten, beten, (be)zeugen, anmaßend reden, sich widersetzen, schwören, erbauen, lehren, lügen, betrügen, (be)urteilen, schweigen (jeweils vom Menschen gesagt); als pars pro toto tendiert
mund
vielfach zu ›sprechende Person‹ unter dem Aspekt ihrer persönlichen und verantwortlichen Beteiligung an Rechtsgeschäften (dies gehäuft in Rechtstexten; s. dazu differenziert und mit reicher Belegung: Rwb
9, 966
; man beachte ferner die im Folgenden genannten Phraseme / rechtssprachlichen Formeln); in ütr. Gebrauch mit Bezugsgrößen verbunden, die mit
mund
unter dem Aspekt des Sprechens assoziiert werden (z. B. mit
warheit
).
Phraseme:
als viel / manig mund als viel / manig man
o. ä. steht für die erbrechtliche Teilung nach Personen;
mit mund
›mit mündlichem Bescheid‹; ˹
von mund, mund gegen / wieder mund
˺ ›persönlich, in persönlichem Gegenüber‹;
mund unter mund
›mündlich‹;
eigenes mundes
›eigens, persönlich‹;
von mund zu mund
o. ä. (Ggs.:
mit briefen
);
aus einem mund
etw. tun (z. B.
bekennen / erzälen
);
bei beschlossenem mund
›unter Wahrung der Schweigepflicht‹;
mit lachendem munde
›zustimmend‹;
durch einen mund
o. ä. ›übereinstimmend, einvernehmlich‹;
mit gichtigem mund
;
mit goldenem mund
›schmeichelnd, schönrednerisch‹;
nach beschlossenem munde
›nach dem Tod‹;
den mund umdrehen
›seine Meinung ändern‹; ˹
den mund in meisterschaft halten
;
dem mund hute setzen
˺ ›seine Zunge hüten‹;
reinen mund halten
›schweigen‹, auch: ein Zeichen für die Unschuld einer der Hexerei beschuldigten Person;
den mund zämen
;
jm. den mund auftun
›jn. in Erstaunen versetzen‹
/ stopfen / zuschoppen
;
den mund in (den) himmel setzen / legen / stossen
o. ä. ›Gott ins Handwerk pfuschen, sich anmaßend verhalten‹;
mund zu mund kommen
›innere Einheit herrschen‹;
dem mund ein schlos anschlagen
;
kalt und warm aus einem munde blasen
;
jm. im munde liegen
›Gesprächsgegenstand sein‹;
in seinen mund liegen
›sich selbst etwas vormachen‹;
mit hand und mund etw. geloben
o. ä. ›etw. eidlich beteuern‹;
mit mund, hand und helm
etw. tun (z. B.
etw. aufgeben, jn. rechtlich einsetzen
);
es wäre mit dem mund oder dem ars
›wie auch immer‹;
jm. nach dem munde reden
.
Bedeutungsverwandte:
1
 5, , .
Syntagmen:
einen m. haben, seinen m. auftun / hüten / bewaren / zusperren
(z. B.
der warheit
),
in den himmel heben
›kritisch gegen Glaubensinhalte richten‹,
js. m. beschümeln, jm. den m. verstricken
;
der m. vol der fliegen
(des Geredes)
sein, die kraft der sele sein, nach dem himmelreich sein
›stehen‹,
der m. e. S
. (Gen.)
übergehen, jm. überlaufen, der m. sprechen, sich auftun, etw. sagen / vorbringen, nicht felen, amen drein tun, beschnitten sein
;
gottes m. glauben
;
Christo am munde hangen, jm. an den m. greifen, j. aus dem munde sprechen, durch den m. betriegen, etw. sagen, j
. (z. B.
got
)
aus / durch js
. (z. B.
der propheten
)
m. reden / sprechen, das gebet im munde käuen, im munde des menschen arbeit sein, die worte jm. im munde wachsen, js. lob im eigenen munde erstinken, mit dem m. begabet / schnel sein, zeugen, das [...], jm. mit dem munde dienen, etw. abbrechen, got mit dem munde anbeten / haben, mit dem munde leren, jn. bekennen / schmieren, etw. aussprechen, sich mit dem munde
›nur mit Worten‹
minnen, von js. m. etw. hören, etw
. (Subj.)
von gottes m. kommen, von dem m
. ›laut päpstlicher Aussage‹
auf gegen den himmel faren
;
der m. gottes / Christi, der sele, des gerechten, des weibes
;
der beschlossene
›schweigende‹
/ böse / eigene / falsche
(auf die Person bezogen)
/ geschübelte / heilige / heuchlerische / lebende / offene / reine / teilende
›klar unterscheidende, urteilende‹
/ schweigende m
.;
der geist, die beichte / rede, das gebet des mundes
.
Wortbildungen:
mundaffe
, wohl Parallelbildung zu , aber mit partiell anderer Bedeutung (s. auch
munaffe
in Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
247
):
a) ›großsprecherische Mißgestalt‹;
b) ›Grimasse‹,
mundbeichte, mundberer
›Schwätzer‹ (Gw zu
2
 1; dazu bdv.: vgl. ),
mundfällig
›strafbar wegen eines verbalen Vergehens‹,
mundmäre
›Gerücht, Lügengeschichte‹ (Gw zu
1
,
die
, 356),
mundmassen
›etw. sprachlich ausformulieren‹ (Bw volksetymologische Umdeutung von
mut
, Gw zu , V., 5),
mundraum, mundrichter
(dazu bdv.: , ),
mundrute, mundschwert
,
mundsüsse
›Verlockung, Schmeichelei‹,
mundtot
.

Belegblock:

Schöpper
37a
(
Dortm.
1550
):
Obturare os alterius. Geschweigen ein treiben betuͤsten verstuͤmmen mundt stopffen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
82, 1209
(
Magdeb.
1608
):
Ein Heger was sein Procurator. | Ein weisse Ganß / war sein Mundschenck.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
86, 8
(
Hamburg
1646
):
Sihe zu / Forsthold / daß du reinen mund haltest / und dasselbe nicht nachsagest.
Pfefferl, Weigel. Ges.
20, 15
(
Hamburg
1646
):
diß bildnis ist [...] aus dem Munde Gottes kommen, [...] alß ein Sohn vom Vater.
Luther, WA
8, 683, 9
(
1521
):
Hab ich nit dem Bapst, Bisschoffen, Pfaffen unnd munchen alleyn mitt dem mund, on allen schwerd schlag, mehr abbrochen, denn [...].
Ebd.
17, 2, 314, 31
(
1527
):
Wes das hertz vol ist, des gehet der mund uber.
Ebd.
19, 624, 22
(
1526
):
Ein richterampt ist ein koͤstlich, goͤttlich ampt, es sey der mundrichter odder faustrichter, wilchen man den scharffrichter heist.
Ebd.
32, 453, 21
(
1532
):
das es sich nicht leidet zweyen ungleichen herrn zugleich dienen, [...], und heisst auff deudsch [...] ,kald und warm aus einem mund blasen‘.
Ebd.
33, 46, 35
(
1530
):
O der [Charteuser] fheret vom munde auff gehn himmel.
Ebd.
33, 391, 42
(
1531
):
Christo an dem munde gehangen und auff sein wort gehört.
Ebd.
46, 731, 13
(
1537-38
):
sol heissen eine Mundrut oder Mundschwert, und also nennet S. Paul. auch Gottes wort des [Eph. 6, 17] Geistes Schwert.
Ebd.
52, 120, 20
(
1544
):
Das ist ein hertzen Beycht, die nit leugt wie die ohren oder mund beycht.
Lappenberg, Fleming. Ged.
287, 65
(
1632
):
Die Munde tun ihr Amen drein, | was beide Händ’ eins worden sein.
Große, Schwabensp.
61a, 16
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
so sal man den knapen mid dissen dingen vorzuͦgen; man sal ime grifen obene an den muͦnt vnder der nesen vnde oben siner Schame
(als Kriterien für den Zeugenstatus).
Ebd.
155a, 41
:
SWeme De muͦnt oder de nese oder de oren oder de ouͦgen beschuͦmelt werden.
Quint, Eckharts Trakt.
18, 14
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der munt des menschen sprichet von dem, daz im inne ist, als unser herren sprichet, daz ,der munt sprichet von der vülle des herzen‘, und Salomôn sprichet, daz ,des menschen arbeit ist im in dem munde‘.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 449, 13
(
rib.
,
1483-90
):
die vorg. amptzmeistere ind mich mont intgaen muͦnt vor u. g. bescheiden.
Chron. Köln
1, 5960
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
wie sy dich myt dem munde mynnen, | ir hertze meint ein anders en bynnen.
Rosenthal. Bedencken
41
(
Köln
1653
):
sie seind die Pest [...] sie betriegen durch den Mund der Schlangen.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
998
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Daz swert, als ich finden in der schrifft, | Ist der deilende mont.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
7, 11
(
hess.
,
14. Jh.
):
Sinen munt vor bosen reden huden, vil zu sprechene nit minnen.
Brinkmann, Bad. Weist.
66, 17
(
rhfrk.
,
1555
):
do sollen kaufer und verkaufer, [...] fur gericht kommen und erscheinen und der verkaufer den kaufer mit mund, hand und helm rechtlich insetzen.
Perez, Dietzin
1, 318, 8
(
Frankf.
1626
):
Mit dem Mundt bekennen zwar viel den HErrn Christum / mit jhrem taͤglichen Sauffen aber thun sie jhrem Christentumb geringe Ehre an.
Strauch, Par. anime int.
104, 33
(
thür.
,
14. Jh.
):
der munt ist di uberste craft der sele, da di sele gelabit wirdit fon Gode.
Jostes, Eckhart
6, 27
(
14. Jh.
):
Wen daz alleroberst teil der (sel) bloz und ledich ze mal vereint wird mit got, da wirt daz wort gesprochen und der spruch, und da ist mund zu mund kumen und da ist kuͤz ze kuͤz chumen.
Eggers, Psalter
77, 11
(
thür.
,
1387
):
Sie
[Feinde]
inbreiten iren munt
[
Froschauer
1530 /
Luther
1545, Ps. 35, 21:
maul
]
ober mich.
Beyer, UB Erfurt
2, 529, 39
(
thür.
,
1375
):
und ist des von mir und von andern unsern herren dicke gescholdiget wurden mund wiedir mund, daz [...].
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
190r, 33
(
Leipzig
1588
):
lose Leute hin / die mit Mundmehren vnd Newenzeitungen sich zuflicken.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
440
(
schles. inseldt.
,
1469
):
do habin dÿ geczewg durch eÿnen mẅnth geczewgt, wÿ das Hannis Andrisz son hot bekanth, das [...].
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
45, 21
(
nobd.
,
1384
):
so haben wir [...] daz vorgenant winwahs uf gegeben mit munden, mit handen und mit halmen.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
9b, 34
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
vnd mvnt vnd ellev ir
[der
leut
]
andaht ist nach dem hymelreich.
Gille u. a., M. Beheim
3, 216
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann er [mensch] mit denn funf sinnen ist pegaubet, | mit aug und mund gen himel auf gerekt.
Chron. Nürnb.
3, 99, 2
(
nobd.
,
1488
):
so achten die Teutschen nit auf cronitisten, die ire that und herkomen breisen, sonder sie halten sie sam fürtretter und mundberer.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
97
(
Nürnb.
1517
):
als er [got] geredt hat durch den mundt der heiligen propheten.
Sachs
16, 173, 20
(
Nürnb.
1561
):
König, du bist weiß, | Daß du vergißt deß mundspiels nicht!
v. Birken. Erzh. Österreich
70, 48
(
Nürnb.
1668
):
Wann nun der Adel [...] zu einem Schauspiel ritte / lagen diese beyde [Geschlechte] den Leuten allemal zuvoͤrderst im mund.
Schorer, Sprachposaun
14, 15
(o. O.
1648
):
da redet man dir nach dem Munde.
Vetter, Pred. Taulers
186, 13
(
els.
,
1359
):
sunder ich wisen úch an den munt der worheit.
Bihlmeyer, Seuse
173, 14
(
alem.
,
14. Jh.
):
ich merck iez an mir selb, [...] daz mir der beschlossen mund miner sele gen dir ist uf gebrochen.
Goedeke, P. Gengenb.
122, 193
(o. O.
1516
):
Dry ding, die do sond hangen an | Der iugend, [...] | Das erst ist ein schwigender mundt.
Barack, Teufels Netz
1686
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
thuo in [pfarrer] an zwieren | Und mit dem mund smieren.
Ebd.
4368
:
spræch üch da buos und den applas, | Es wær mit dem mund oder dem ars.
Lemmer, Brant. Narrensch.
19, 79
(
Basel
1494
):
wer syn mundt jnn hymel setzet | Der würt offt mit sym schad geletzt.
Krebs, Prot. Konst. Domkap.
1761
(
nalem.
,
1503
):
den noch strittigen Artikel
scil. super diffinicione seu cognicione arbitratorum [...] zu mundtmassen.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
2953
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
ich weiß das wol, | Das ich mein mundt bewaren sol, | Dorum die glerten sagen lossen, | Mein mund nit in den himmel stossen.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 96, 13
(
Straßb.
1520
):
vff das es vch für kein vermessenheit erschetzet würde / vnd vwer lob nit in eygnem mund erstüncke.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 5, 23
(
Hagenau
1534
):
wuchß ein sprichwort zu Athen / das den Romern die wort ym hertzen / den Griechen aber alleine ym munde wuchsen.
Ebd.
2, 52, 23
([
Augsb.
]
1548
):
Wir haben zway oren / und ainen mund.
Ebd.
58, 21
:
Sey nicht schnell mit deinem mund.
Ebd.
185, 8
:
Weissagung ist in dem mund des Künigs / sein mund fehlet nicht im Gericht.
Roloff, Brant. Tsp.
1071
(
Straßb.
1554
):
Du lügest auch inn dein haupt und mundt.
Goldammer, Paracelsus
3, 282, 21
(
1530
/
5
):
so folgen wir ihnen [bilder] und lassen die euangelisten und verbot gottes fahren und glauben ihnen mehr denn dem mund gottes.
Schmidt, Rud. v. Biberach
37, 18
(
whalem.
,
1345
/
60
):
was der sel munt old zvnge si, mit dien der geist mit got sprachet. Hie spriechet sant Gregorius, das der sel mund ist ir meditieren old ir gedank vnd betrachtunge, want Cristus sprichet in dem ewangelio: „Von genuͥht des hercen red der munt“, das ist der geistlich vnd der liplich mvnd der liplich red vsseruͥ vnd lippliche wort; der geistlich munt, das ist dvͥ betrachtunge, redet inrvͥ geistlichvͥ wort, das sint gedenke.
Ebd.
46, 9
:
daz daz da gat von gottes mvnde, das kvͥnt nvͥt wider ler vnd vͥppig.
Ebd.
148, 9
:
dvͥ goͤtlichvͥ wisheit [...] heilt vnd widerbringt den mvnd
[hier wohl: ›Sprache‹]
des herzen.
Ebd.
160, 16
:
es ist ein anders, etwas wissen vnd bekennen von gotte, vnd ein anders, daz der mensche bekent bekoren vnd emphinden mit dem mvnt der verstentnissi.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
288, 7
(
halem.
,
1391
):
[das] ein botte, zwene oder me kement und von munde abseitent, darumb suͥllent si [...].
Koppitz, Trojanerkr.
2099
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
uss sinem mund rume | Vand er vil kume | Mitt schneller rede underschaid.
Stammler, Berner Weltger.
830
(
ohalem.
,
1465
):
Mit minem gar boͤsen munde | Han ich verschworn gottes wunden.
Boos, UB Aarau
272, 19
(
halem.
,
1472
):
und si ir sachen beider sit ouch von mund erzalten [...], ward er des ersten urteil gefragt ze sprechen.
Schib, H. Stockar
112, 14
(
halem.
,
1520
/
9
):
das wier hiam zugend mit mund und mit brieffen by lib und by leben.
Bachmann u. a., Volksb.
299, 3
(
alem.
,
15. Jh.
):
Got hat mich adenlichen geschaffen; min ubermuet hat mich gemacht zue einem mundaffen, wan daz ich han flugel, damit erflug ich mangen lug.
Maaler
295r
(
Zürich
1561
):
Mundsuͤsse (die) Illecebra.
Rapp, UB Stuttg.
45, 24
(
schwäb.
,
1354
):
wer, daz in daz vorgnant holtz wuͤrd anspreͣchig [...], swenne sie dann werdent gemant – munt under munt, mit botten oder mit briefen, [...], so [...].
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 50, 23
(
schwäb.
,
1552
):
so erbend dieselbige alle gleich haab und guet ligend und fahrend miteinander als vil mund als vil pfund.
Ebd.
652, 13
(
1587
):
das er [haußvater] genzlich seiner verwaltung entsetzt [...], darzu er munttod gemacht.
Bauer, Geiler. Pred.
462, 2
(
Augsb.
1508
):
ain nutzlich underweisung aim menschen der da wil lernen seinen mund in maisterschafft halten.
Ebd. 8:
(D)Ie ader der lebens / ist. der mund des gerechten.
Ebd.
471, 5
:
ich befind wol das mir der mund diser fliegen gantz vol ist.
Barack, Zim. Chron.
3, 57, 7
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wer wolt sein mundt in himel legen und sich des orts ainer beweisung understeen?
Kohler, Ickelsamer. Gram.
9, 12
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Das, a, würdt allein nitt dem Athem durch den Rachen, vnnd mit weyt offnem mund außgesprochen.
Henisch
178
(
Augsb.
1616
):
Balmond / ein falscher pfleger / falsus tutor, [...] falsch mond / mund.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
4, 21
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Also besniten ist mein mund, | Das übermazz gib ich nü auf | Und pind mich in der himel lauf.
Niewöhner, Teichner
242, 6
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
daz poͤsist az daz iemen fuͤnd | daz ist eins posen weibez muͤnd.
Ebd.
705, 27
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1479
˺):
also will die fraw dann waͤnen, | sie süll yenen und disen spenen | und will machen mundoffen.
Fuchs, Kart. Aggsbach
187, 26
(
moobd.
,
1403
):
dŷ all bechanten aws ainem munt beÿ iren trewn, das [...].
Winter, Nöst. Weist.
2, 214, 28
(
moobd.
,
1437
):
Ob ein vorsprech vör dem pantaiding mundvällig würt, darumb ist er nichtz phlichtig.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
27, 42
(
tir.
,
1464
):
Die sölich christen sint, die haben got nur alain lieb mit dem mund.
Dies., Imitatio Haller
104, 8
(
tir.
,
1466
):
als denn der herr spricht aus seinem heiligen mund vnd ret also: „[...]“.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 245, 1
;
Luther, WA,
11, 444, 5
;
33, 445, 11
;
46, 735, 23
;
Mieder, Lehmann. Flor.
124, 4
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 101, 6
;
2, 229, 3
;
Sievers, a. a. O.
4, 17
;
8, 29
;
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 118, 19
;
v. Keller, Amadis
386, 20
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
250a, 27
;
Jahr, H. v. Mügeln
2497
;
Strauch, a. a. O.
123, 1
;
Schönbach, Adt. Pred.
19, 6
;
27, 30
;
Fastnachtsp.
1433, 37
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
46, 11
;
Köbler, Ref. Nürnberg
215, 24
;
ders., Stattr. Fryburg
157, 6
;
Franck, Decl.
354, 16
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
75, 15
;
Kurz, Murner. Luth. Narr
2399
;
Spanier, Murner. Schelmenz.
49, 89
;
Gilman, a. a. O.
1, 87, 24
;
188, 2
;
2, 242, 30
;
Geier, Stadtr. Überl.
301, 26
;
Schorer, Sprach-Verd.
16, 16
;
Rennefahrt, a. a. O.
390, 14
;
Welti, Stadtr. Bern
412, 6
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
164, 5
;
734, 2
;
Wyss, Luz. Ostersp.
10291
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
506, 10
;
Kohler, a. a. O.
9, 25
;
28
;
13, 19
;
Brévart, a. a. O.
18, 11
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
107
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
158, 9
;
Qu. Brassó
4, 213, 40
;
Pfälz. Wb.
4, 1464
.
5.
steht ütr. für verschiedene Bezugsgegenstände, die mit
mund
verglichen werden, z. B. ›Rachen, Spalt, Tiefe (der Erde)‹; ›Türöffnung; Ofentür‹; ›Flußmündung‹; ›Schwertspitze, -schneide‹ (dazu bdv.: ); ›Magenmund‹; ›Rand, äußere Öffnung einer Wunde‹; ›Verletzung einer Ader‹; die Zuordnung der hier zusammengestellten Übertragungen zu einer der unter 1-4 angesetzten Bedeutungen von
mund
ist nicht sicher möglich.
Wortbildungen:
mundstük
›Ausgußöffnung an Geschirren‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
11559
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
odir man dî erdin | ûfsperrin iren munt gesît | und vorslindin gar dî dît.
Buch Weinsb.
1, 291, 5
(
rib.
,
um 1560
):
an miner hausfrau haife dar hatte vormails ein dur gestanden, wie der steinen mont, der zugemaurt were, anzeigte.
Ralegh. America
14, 30
(
Frankf.
1599
):
da der Mund oder Auszfluß deß Stroms ist.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
21, 24
(
osächs.
,
1343
):
si sullen vallen in dem munde
[
Froschauer
1530:
schärpffe
]
des swertis und werden gevangen gefûrt undir di heiden.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
234r, 24
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
ist aber das sy [faulle] ist in allen aderen, so macht / sy den causonem, ab sy sunderlich ist wey / dem herczen ader wey dem munde des // mages.
Ebd.
240r, 7
:
FJstula ist ein diff swer, des munt / ader das loch oben enge ist vnd / inwenig weyt.
Benzenhöfer, Rupescissa. Consideratione.
1989, 93va
(
nalem.
/
rhfrk.
,
1438
/
40
):
vnd mache dem ofen vnden einen munt.
Cirurgia H. Brunschwig
25vb, 15
(
Straßb.
[
1497
]):
das in allem fluß des pluͦtes [...] ein finger dar vff gehalten werd zuͦ dem mund der wunden vff die ader.
Ebd.
27
:
das man den munt der adern verbind vnnd hefft ob man sie habe͂ mag.
Eis, Gesundheitsl.
126, 11
(
oobd.
,
1520
/
30
):
iedoch neme man seyn eyn wenig nach dem essen mit gebeetem brodt, den mundt des magens czu stercken.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2334
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein fläschlin von glaß [...], ist das mundtstuckh oder schrauflin und das füeßlin mit gold [...] gefasst.
Ralegh. a. a. O.
9, 21
;
18, 26
;
Wyss, Luz. Ostersp.
612
.
Vgl. ferner s. v.
1
 9, (V.) 1, .