mummerei,
die
;
–/-en
;
1 und 2 gehäuft obd.
1.
›im Zusammenhang mit Fasnachtfeiern, Festen inszenierter Aufzug, Umzug Verkleideter‹; generell: ›aufwendige Lustbarkeit, kurzweiliges Spiel, buntes Treiben, Narretei‹;
vgl. .
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1, (mehrfach), , , , , .
Syntagmen:
eine m. anrichten, die m. abstellen / verbieten
;
die m
. (Subj.)
umgehen, iren gang haben
;
in der m. trinken, etw. in m. hinausfüren, etw. mit m. zugehen, jn. mit einer m. aufheben
›überraschen‹,
j. mit m. jm
. (z. B.
mit den Römern
)
gleich kommen
;
die m. auf einem wagen
;
die offene m
.

Belegblock:

Luther, WA
50, 454, 11
(
1530
):
das sie solche feine Lere und Warnung unter der lieblichen gestalt der Fabeln gleich wie in einer Mummerey oder Spiel deste lieber lerne und fester behalte.
Sachs
20, 502, 15
(
Nürnb.
1563
):
Wil kostlich schmuck und kleider tragen, | [...] | Mit schlitten-farn und mummerey.
Bell, G. Hager
571, 1, 5
(
nobd.
,
1595
):
als in Der fase nacht | Die mumereÿ gingen mit macht | jn Der stat gar ge meine.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 371, 31
(
halem.
,
n. 1529
):
Nach dem immiss sind die meister und studenten zuͦgefaren und hond mit ofner mummerî uf einem wagen hinussgefuͤert ablasbrief, bullen, summisten- und sofistenbuͤecher.
Müller, Stadtr. Ravensb.
277, 28
(
oschwäb.
,
1541
):
so wil ain radt [...] das faßnachtörlin zu holen [...] verbieten lassen und darbi sollend die mummerien, so zu nacht umbgend, ouch abgestelt [...] sin.
Barack, Zim. Chron.
2, 102, 12
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
hat er etlich seiner freundt [...] beschaiden, in [...] mit ainer mumerei bei seinem gemahel im bet aufzuheben.
Turmair
4, 334, 27
(
moobd.
,
1522
/
33
):
do [...] alles köstlich mit tanzen und andern spilen und mummerei und panketirn zuging.
Ebd.
1181, 16
:
Mit haltung grosser spil, mumerei, panketirn und fechten laufen rennen stechen und solchen dergleichen kurzweilen ist er gleich komen den alten Römern.
Sachs
5, 296, 30
;
20, 372, 14
;
Barack, a. a. O.
1, 574, 2
;
3, 167, 26
.
2.
›bei einer
mummerei
1 getragene Verkleidung, Maskenanzug; Maske‹; Metonymie zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl. ,  1.

Belegblock:

Luther, WA
15, 373, 16
(
1524
):
Das man wol mag sagen, der wellt laufft und sonderlich seyner heyligen wesen sey Gottes mummerey, darunter er sich verbirgt.
Ebd.
32, 358, 19
(
1532
):
ein ander frey unnotig ding, das uns nichts gibt noch nimpt, wie man einem zu gefallen zur fastnacht jnn der mumerey leufft.
Rupprich, Dürer
1, 165, 106
(
nobd.
,
1521
):
Jch hab den Fockorischen ein viesierung zur mumereÿ gemacht, die haben mir geschenckt ein angloten.
Sachs
2, 264, 27
(
Nürnb.
1530
):
Da het man dentz, dort singend reyen. | Etlich giengen in mumereyen.
Ebd.
21, 293, 34
(
1543
):
Also durch diese mumerey, | Glaub ich, das auch aufkumen sey | Unser fasnacht-scheinpart-vermumen.
Barack, Zim. Chron.
3, 160, 36
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das sie sich mit ime [...] in ain mommerei begaben, das waren grüne hosen und kurze röckle.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 246, 16
(
schwäb.
,
1578
):
Das mummereien mans- und weibspersonen in frembder cleidung, darunder groß greuel und leichtfertigkeit geschicht [...], soll [...] verpotten sein.
Luther, WA
16, 262, 36
;
17, 192, 29
;
Rupprich, a. a. O.
165, 11
;
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
590
.
3.
›Posse, trügerisches Spiel, täuschende Maske‹; als Generalisierung zu 1 und 2 auffaßbar.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
497, 27
(
Lübeck
1639
):
Jeder gehet in seiner Mummerey / der Geitzig ist Narhafft / der Stoltz ist sauber vnd Gravitaͤtisch / der Prasser ist mild.
Ebd.
901, 24
:
Die Welt ist ein Mummerey / darumb hat man fuͤr sich zu sehen / daß man von der Larven nit betrogen werd.
Luther, WA
17, 2, 263, 1
(
1527
):
sie sind nur aine larve und mummeley
[hier variante Schreibung],
durch welche Gott sein wercke und willen außrichte.
Ebd.
30, 2, 133, 16
(
1529
):
Nu aber sihet man wol das ewer keinem ernst ist [...], sondern yhr haltet ewer ampt fur einen schertz und schimpff, gerade als were es eine mumerey fur fastnacht.