molken,
das
.
1.
›Molke, Käsewasser, Rückstand der von Fett und Käsestoffen befreiten Kuhmilch‹; in einzelnen Belegen generell: ›jedes Produkt der Milchwirtschaft‹; teils auch Verschiebung auf eines dieser Produkte; Molke diente als Nahrungsmittel, als Viehfutter, als Heilmittel gegen unterschiedliche Gebrechen, sie unterlag bestimmten Ankaufs- und Verkaufsregeln und fungierte als Naturalabgabe; an letzteres anschließbar: ›bemessbare Menge von Molke‹ (als Abgabe).
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):
1
, (
der
), , , , ,
3
,  1, , .
Syntagmen:
m. nemen / haben / behalten / sieden / (auf fürkauf) kaufen
;
m
. (Subj.)
von milch sein, die hitze vertreiben
;
etw. mit m. mischen
;
das kalte / saure / oberländische m
.
Wortbildungen:
molkbehalter
(zum Gw s.  8),
molkenbauch
›verfressener Kerl‹ (als Schimpfbezeichnung),
molkendieb
›Kohlweißling‹ (dazu bdv.: ; Motivation von dem Volksglauben her, daß Schmetterlinge in Hexengestalt Milch stehlen oder verderben; vgl. , , in nhd. Mundarten z. B.
Molkenzauberchen
, s. Dwa
13, 1
für den Raum Dillenburg; zur Motivation der Synonyme s. auch hochsprachliches
Schmetterling
; z. B. bei Pfeifer
2000, 1223
),
molkendremmel
›Unflat, grober Klotz‹ (als Schimpfwort),
molkenfar
›bleich, molkenfarbig‹,
molkenfas
,
molkenkar
(zum Gw vgl.
1
 12),
molkenschlauch
(wie
molkenbauch
),
molkenschüssel
(14. Jh.),
molkenzol
,
molkkübel
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
245, 12
(
preuß.
,
1452
):
eine bothe, ein molkenvas und 3 tonnen zcu schefenkompst.
Follan, Ortolf. Arzneib.
44, 2
(
rib.
,
1398
):
Is de harn molkenuar in ener sucht, dat bedutet it wanne den dot.
Mosler, UB Abtei Altenb.
2, 240, 40
(
rib.
,
1494
):
Den same beide, weich ind hart, sullen die elude die eyne helfte ind wyr die ander geven, ind vur unsen knecht, den wyr dae haven, ind vur den scheifer ind hirden sullen sy dat molken alleyne haven.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
110, 13
(
Frankf.
1535
):
Kalck gemischt mit oͤle vnd molcken / so hilfft er denen die blatern vnd faul apostemen haben.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
20, 38
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Des mittages: zwei zugemüse, als ein essen erbes, ein essen möhren, und ein molken
(als Speise für das Gesinde).
Ebd.
72, 35
:
Darnach machet man spulicht von molken und kleyen
(als Viehfutter).
Ebd.
177, 20
:
Durch die ganze Fasten seind steinregenwürmer gutt. Im Mayen kefer, molckendiebe
(als Fischköder).
Ebd.
184, 8
:
Barmen im Mayen zu fangen ist ein gutter querder weisse mulkendiebe, beissen sehr gerne daran.
Fastnachtsp.
306, 24
(
nürnb.
,
v. 1468
):
Her Ott Molkenpauch und her Kalbseuter, | Nun sagt ein urteil dester leuter.
Sachs
14, 33, 8
(
Nürnb.
1536
):
Die magdt spricht: | Was hat er denn gesaget dir, | Du unflats-halß, du molcken-dremel?
Menge, Laufenb. Reg.
5407
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Alle milche sye dir verbotten | One die suren molken zwore.
Bobertag, Eulensp.
27, 20
(
Straßb.
1515
):
ein meier [...] gedacht einen syn wie dz er sie [kynder] des weckbrotz müd wolt machen vnd schnit in ein molcken kar, von fetten rinden des brotz.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
26, 33
(
halem.
,
1309
):
Da hat die heirschaft das recht, das si umbe mitten ougsten nemen sol als das mulchen, das in funfthalben tagen in den selben gadenstetten wirt.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
6, 26
(
halem.
,
1478
):
das niemant, [...] uͥtzit uff fuͥrkouff kouffen noch verkouffen solle; [...] es sye korn, habern, roggen, vich, [...] huͤnr, eyger, molcken.
Ders., Gebiet Bern
603, 26
(
halem.
,
1595
):
Von ancken- und molchenzoll.
Ders., Statut. Saanen
238, 30
(
halem.
,
1623
):
äßige spysen, als anken, käsen und allerley der glychen molchen und ander ding berürend, sol einem jeden [...] zugelaßen syn.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 131, 6
(
halem.
,
1470
):
das man deß [gaben zuͦ nemmen] etwas fürsehung erdechte; denn uns das Oberlentsch molchen sunst gar die ougen ußstechen woͤlte.
Maaler
293r
(
Zürich
1561
):
Molcken (das) was von milch ist. Lactarius. Kaͤß / Ziger / Ancken.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
327, 11
(
Genf
1636
):
molckbehalter [...] Reseruatorium.
Ebd.
14
:
molckkuͤbel [...] Mulctrale.
Barack, Zim. Chron.
3, 79, 3
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
was wendt ir also fürreiten? last uns auch absteen und den grossen mollenkopf besehen!
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
90, 4
(
oobd.
,
1349
/
50
):
fünf kügellein, in der apoteken gemacht von ladano und nem die in kæswazzer oder in molken, daz haiz ich allz ainz.
Strauss, A. v. Villanova dt.
159r, 11
(
obd.
, Hs.
1421
):
Molken vetribet hytze vnd ubergelle vnd ist gut gryndigen leuten vnd den, die gelben sucht hant.
Follan, a. a. O.
44, 13
;
Ermisch u. a., a. a. O.
195, 14
;
198, 16
;
Weitz, Albich v. Prag
167, 25
;
Fastnachtsp.
342, 20
;
Menge, a. a. O.
5719
;
Sudhoff, Paracelsus
10, 560, 28
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
276, 29
;
ders., Statut. Saanen
244, 37
;
Bremer, Voc. opt.
13049
;
Rot
329
;
Mylius
C 7r
;
D 6v
;
Rwb
9, 826
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›Behälter für Molke‹; Metonymie zu 1.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Schmitt, Ordo rerum
192, 16
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
Serum mulcken, Sinum idem [...] chässnapf.