mitleidung,
die
;
-Ø/-en
(Pl. nur für 3 belegt).
1.
›Mitleiden mit der Passion Christi sowie dem Unglück seines Nächsten‹ (in der Regel vom Menschen vor dem Hintergrund der Seinseinheit von Gott, Mensch und Schöpfung gesagt); vereinzelt mit der Unterstellung sozialer Pflichten gegenüber dem Nächsten;
vgl. (V.) 1, (
das
1.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
2620
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dem nêstin mitlîdunge pflicht | irbûtit sî [gerechtikeit].
Voc. inc. teut. q
iiijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Mitleidu͂g cõpatie͂tia Cõdole͂tia Cõpassio.
Mayer, Folz. Meisterl.
27, 118
(
nobd.
,
v. 1496
):
O mensch, bedenck dar pey das leid, | Mitleidung marter und der pein | Marie, Johansen der peid.
Vetter, Pred. Taulers
148, 6
(
els.
,
1359
):
und [der mensche] solt mit herzeklicher mitleidunge [mit dem nechsten] von Gotte begeren das er in troͤste.
Bihlmeyer, Seuse
358, 27
(
alem.
,
14. Jh.
):
Er [ein wolgelazsener mensch] hat gemeinsam der lúten ane inbildunge und minlichi ane beheftunge und mitlidunge ane sorge in rehter friheit.
Steer, Schol. Gnadenl. 3, A
2
,
291
(
schwäb.
,
1447
):
Wer ez ioch tet, daz er zü dem güten werk, daz jn im selber güt ist, kert alle sine güten andacht, [...] von luter mitlidung.
Adrian, Saelden Hort
3381
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
dis jamer sol ze hertzen tragen | in ainer mit litdung | ain tugenthaftú zunge.
Drescher, Hartlieb. Caes.
113, 21
(
moobd.
,
1456
/
67
):
In der selben unnsers herren leyden und marter betrachtung und mitleidung er bey einem halben jar im den fleiz und arbait nam unverdrossenleich.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
115, 5
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
dew inprunstig lieb der pesserung vnd der widercherung der andern in den weg des hailes [...]; vnd ob sy staͤt ist mit ainer gutleichen mitleidung.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
191, 24
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Si [fraw Agnes] het mitleidung mit allen gefangen und verurtailten.
Mayer, a. a. O.
72, 129
.
2.
›Mitgefühl, empathische Anteilnahme‹;
vgl. (V.) 2, (
das
2.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
3917
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Dî vrowe disen ungevûc | vil hôhe an den wîbin wûc | want sî mitlîdunge trûc.
Chron. Magdeb.
2, 146, 26
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
Das ich mit grosser mitleitung [...] habe helfen verhören.
Thiele, Chron. Stolle
308, 10
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Durch metelidunge der bekummernisse unde sunderlichs missefals, czufelliglichs gedrengnisses [...] habe ich conradus N. etliche stucke des kriges [...] moriale geczeichent.
Strehlke, a. a. O.
21594
;
Maaler
292r
.
3.
›Abgabepflicht, Steuerpflicht, Beitrag zu den Kosten und Unternehmungen eines Gemeinwesens; tatsächlich entrichtete Abgabe, erbrachte Leistung; Recht auf die Erhebung von Abgaben‹;
zu (V.) 2, (
das
3.
Gehäuft obd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 67,  6,
1
 2,  3,  2,  5,  8,  4, , ,  1, .
Syntagmen:
m. haben / leisten / mitleiden / entrichten
;
jn. für
›von‹
m. freien
;
sich aus der m. ziehen
.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 40, 28
(
schles.
,
1536
):
uns unserer cron Beheim [...] an regalien hochaiten oberkhaiten mitleidungen pflichten dienstn und sonst meniglichs rechtn one schaden.
Ebd.
194, 30
(
1641
):
unsere hohe obmessigkeiten sowol andere pflichten bürden zuzüge landesanlagen türkenhülfen biergefäll granizzölle sowol alle andere mitleidungen und [...] erforderliche onera publica, [...] zu leisten schuldig sein sollen.
Welti, Urk. Rheinfelden
255, 5
(
halem.
,
1450
):
das sy nw hinfür stewr wacht thorhuͦt vnd aller ander mitladung
[hier volksetymologische Umdeutung? oder Schreibvariante?]
hie frey sitzen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 14, 21
(
moobd.
,
1438
/
52
):
sover sich aber ainer des setzt und unzt her nicht mitleidung gehabt [...], der wër zu wandl 72 ₰.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 3944, 8
(
moobd.
,
1459
):
[sein Haus]
für alle statsteur, raise und ander mitleidung [...] gänczlich
zu freien
.
Ebd.
4832, 10
(
1480
):
gelobt,
[...]
sich
[...] mit der vorgenannten stat in steur, ansleg, robat und ander mitleidung [...] mitleidn
zu wollen.
Ebd.
4430, 13
;
5055, 4
;
Rwb
9, 772
.