mitleidig,
vereinzelt
mitleidenlich,
mitleidlich
;
Adj.
1.
›jm. gegenüber voller Mitleid, mitleidig‹ (von Gott und Menschen gesagt, aber ohne die mystisch-theologische Begründung von
mitleiden
,
das
, 1); offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 12, ,  1,  124,  2, (Adj.) 13; vgl.  2, .

Belegblock:

Schöpper
12a
(
Dortm.
1550
):
Misericors. Barmhertzig erbärmig erbarmend gnedig mitleidig.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
6296
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
er inmûste andin | [...] | dî mortlîche âchte | und sô leidin smerzin | in mitlîdigim herzin?
Bauer, Geiler. Pred.
81, 81
(
Augsb.
1508
):
daz ist und haißt ain marter des hertzen Bit sy dir zuͦ erwerben das du ain mitleidig hertz gewinnest gegen deinem naͤhsten.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
25, 14
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Von der triegnuß Eve mueter | was mitlaidig got schepher gueter.
Schmitt, Ordo rerum
498, 30
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Compaciens medeledig [...] Compassiuus mitleydleich.
Vgl. ferner s. v.  2.
2.
›mitfühlend, am Leid eines anderen Anteil nehmend; nachsichtig‹;
zu (
das
2.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ; vgl. ,  1,  1.
Syntagmen:
j. gegen den armen m. sein
;
etw. m. ˹dulden / tragen˺
(z. B.
js. schwachheit
),
zu herzen / gemüt nemen, etw
. (Subj.)
jn. m. erbarmen, sich m. stellen
;
j. js., der blindheit m. erbarmen
;
der mitleidige beistand, die mitleidige entschuldigung
.

Belegblock:

Luther, WA
22, 59, 30
(
1544
):
DJE andern stucke, so S. Petrus fordert, sind auch leicht zu verstehen, Mitleidig, bruͤderlich, barmhertzig und freundlich.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
139, 2982
(
Magdeb.
1608
):
Dem Pfarrer ward dis bald vermeldt / | Der sich gar sehr mitleidich stelt.
Perez, Dietzin
1, 316, 4
(
Frankf.
1626
):
als ein Trunckener Mensch / dessen beydes seine Feind vnnd Diener lachen vnd spotten / seine Freunde mitleydentlich erbarmen.
Franck, Klagbr.
231, 16
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
es seind nit wenig / [...] die der warheit guͤnstig / vnnd vnserer blindheyt mitleydig erbarmende / ir aigen namen / gut / vnd auch ir aigen leib allen geferden entgegen werffen.
Goldammer, Paracelsus
2, 57, 10
(
1531
/
4
):
nun erfordert die liebe ein ordnung, daß ein teil dem andern sein kreuz helf tragen und mitleidig sei.
Chron. Augsb.
7, 276, 17
(
schwäb.
, zu
1522
):
als die glider aines leibs, [...] ainer des andern schwachait etwan mitleidenlich dulden und tragen, [...] sollen.
Mieder, Lehmann. Flor.
812, 30
;
Perez, a. a. O.
1, 130, 24
;
Chron. Augsb.
7, 264, 19
;
297, 2
;
3.
›verpflichtet, die Lasten einer Rechts- oder Wirtschaftsgemeinschaft, -einheit mitzutragen, steuer-, abgabepflichtig‹ (von Personen);
zu (
das
3.
Obd.; Rechtstexte.
Syntagmen:
sich m. erzeigen
,
in der herschaft, in den ausgaben, in steuer, wacht, nach seiner müglichkeit m. sein
;
der mitleidige markt, die mitleidige stat
.

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
6, 10
(
m/soobd.
,
1594
):
so oft ein inwohner sich des burgerlichen gewerbs [...] gemäß wil tailhaftig machen, mueß er [...] in allen gemainen burgerlichen ausgaben mitleidig sein.
Mell u. a., Steir. Taid.
48, 41
(
m/soobd.
,
um 1590
, Hs.
1. H. 17. Jh.
):
wer im purkfrid gewant der het auch im wacht, steuer und andern mitleidig sein miessen.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 155, 7
(
moobd.
,
1524
):
wer in wacht vnd steuer mitleidig sein söll.
Rwb
9, 772
.