mitgeselle,
der
;
-n
, vereinzelt:
-ns/-n
.
1.
›Person, die mit einem oder mehreren anderen einzelnen oder mit den Gliedern einer sozial, rechtlich, wirtschaftlich, religiös, beruflich begründeten, auch mit einer durch individuelle Interessen gesteuerten Personengruppe in einem kooperativen Näheverhältnis steht‹; dessen genaue Art ergibt sich aus den Zielen der jeweiligen Beziehung; im einzelnen z. B.: ›Reisebegleiter, -gefährte‹; ›Kollege in einem verfassungsrechtlichen, administrativen, pädagogischen Amt‹; ›Teilhaber eines Geschäftes‹; ›Mithandelnder (generell)‹; ›Mitkläger‹; ›Spießgeselle, Komplize‹; ›Genosse, Handlanger des Teufels‹; die Belege lassen sich teilweise kaum sicher zuordnen; in einzelnen Fällen kühne Übertragungen, z. B.
sonne
als
m. gottes
;
die verständnis
als
mitgesellin des willens
;
speisung
als
mitgeselle
;
vgl.  23,  45678910.
Bedeutungsverwandte:
 2, ; vgl.
1
 4.
Syntagmen:
die mitgesellen angeben, nicht fragen
[im Verhör],
js. mitgesellen kennen, einen mitgesellen etw. leren
, [wohin]
schicken
;
die mitgesellen
(Subj.)
jn. mit händen füren, an etw. verhindern
;
j. js. m. sein
;
ane mitgesellen sein, jn. für einen mitgesellen zuordnen, für mitgesellen des lasters angeben, mit den mitgesellen in eine einöde ziehen, jm. um der mitgesellen willen frieden wünschen, jm. etw. (speisung) zu einem mitgesellen antworten
;
der m. gottes, des krieges / schwerens
;
der m. in einem ampt
;
der nuz, die grobheit, das abwesen / laster, die hände des mitgesellen
.
Wortbildungen:
mitgesellin
,
mitgesellisch
(Übersetzungslehnwort aus lat.
consocialis
),
mitgeselschafter
.

Belegblock:

Voc. inc. teut. q
iiijr
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Mit gesellisch Cõsocialis.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
283a, 9
(
Frankf./M.
1649
):
Die Kaͤys. Rechten habens ernstlich verbotten / daß man bey peinlicher Frage die arme Suͤnder auff die complices oder Mittgesellen / mit nahmen nicht inquiriren [...] solle.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 99, 11
(
schles.
,
1543
):
dessen ich von h. Jobst Ludwigen, der dies orts mit dem halben teil mein mitgesell und gewerck ist, so heftig bedrängt bin worden.
Opitz. Poeterey
8, 7
(
Breslau
1624
):
haben sie vorgegeben / die schoͤnen Coͤrper vber vns / Sonne / Monde vnd Sternen / item allerley gutte Geister des Himmels wehren Gottes Soͤhne vnnd Mitgesellen.
Gille u. a., M. Beheim
303, 222
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wie | Die edel speisung hie | ist uns in der gepürt | geben und geantwürt | zu ainem mitgesellen | in wirtschafft, wÿ wir wellen, | zu einer speisung fron.
Mayer, Folz. Meisterl.
12, 95
(
nobd.
,
v. 1496
):
Dem hochsten gleich zu komen, | Hot ym fur war gezomen, | Die niderst stat | in dem abgrunt der hellen, | Auch all sein mit gesellen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 381, 14
(
Straßb.
1466
):
do ich nichten sach vor der klarheit seins liechts ich wart gefuͤrt mit den henden von mein mitgesellen.
Warnock, Pred. Paulis
15, 66
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Der will, als die kúngin der sel, gát wohin sy wil und nimpt mit ir die verstentnus als ain mitgsellinen und ain dienerinen.
Köbler, Stattr. Fryburg
159, 33
(
Basel
1520
):
so einer vnder inen abstürb / blibt sin teil den gesetzten erben / vnd falt nit an die andern / dãn sy sind nit sonder mitgesellen.
Kläui, Urk. Hermetschwil
70, 29
(
halem.
,
1458
):
an den selben zedel wir [...], uͥnser insigel fuͥr die obgenanten uͥnser mitgesellen [...] gehenckt habent.
Maaler
292r
(
Zürich
1561
):
Mitgesel (der) Coamicus. Mitgesel in eim ampt. Collega. Mitgesel der vereinbarung oder zesamen schweerens. Coniurationis particeps.
Lauater. Gespaͤnste
72v, 16
(
Zürich
1578
):
[Bruno] ist mit sechs goͤttsfoͤrchtigen mannen sinen mitgesellen in ein einoͤde oder wilde gezogen.
Müller, Handel Paumgartner
230, 3
(
schwäb.
,
1523
):
auch alle anderen des Jörg Besserer selig Mitgesellschafter ihnen 16 000 fl. Bargeld schuldig gewesen seien.
Chron. Augsb.
7, 119, 18
(
schwäb.
, zu
1548
):
so dann schon ainer von den erbern geschlechten ime zuͤgeordnet [...] wirdet [...] muͤß er sich doch seines mitgesellens übelkinden und grobhait schemen.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
7, 25
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Mancher gesell kündts
[das
lesen
]
seinen mitgesellen bey jm in der werckstatt eylendts leren.
Turmair
4, 459, 16
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Sein mitgesel Marcus Claudius Marcellus rückt auf Mayland.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 247, 6
;
Wyss, Limb. Chron. U
123, 20
;
Koeniger, Sendgerichte
129, 1
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
117, 31
;
Oorschot, a. a. O.
326b, 11
;
411a, 25
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
76, 33
;
Mathesius, Passionale
49v, 8
;
Chron. Nürnb.
2, 529, 33
;
5, 794, 2
;
Bihlmeyer, Seuse
246, 20
;
490, 15
;
Köbler, a. a. O.
99, 27
;
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
530, 21
;
Rennefahrt, Gebiet Bern
609, 32
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
61, 6
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
150, 10
;
Rechn. Kronstadt
3, 464, 25
;
5, 454, 38
;
Voc. inc. teut. q
iiijr
;
Hulsius
G jv
;
Rwb
9, 758
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›Person, die zu einer anderen im Näheverhältnis der Rivalität steht‹;
vgl.  3,  3.

Belegblock:

Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
15, 15
(
Straßb.
1650
):
etliche [Poeten] werden darinn zur belohnung gepeiniget, wenn sie ihrer Corrivalium oder Competitorum ihrer Mittmeister, Mit⸗gesellen opera vnd Carmina, grillen vnd bossen lesen hören.