mistun,
V., unr. abl.
1.
›übel handeln; Verkehrtes tun, freveln, ein Verbrechen, eine Straftat begehen‹, auf die volle Breite des Fehlverhaltens in alltäglichen, sozialen, rechtlichen, wirtschaftlichen Zusammenhängen verbaler wie gewalttätiger Art bezogen.
Rechtstexte, didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
 1011, ,  123, , , .
Syntagmen:
j. m
. (z. B.
an jm., an den gesetzen, gegen / wieder jn., js. ere
);
mangerlei m
.;
die mistunde suster
; subst.:
etw. ein mistun heissen
;
das kleine mistun
.
Wortbildungen:
mistäter
.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
4335
(
rib.
,
1444
):
Want so wat misdaen wirt of misprochen, | Dat wirt zer stunt van dē swerde gewrochen.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Die [suster] da missedunt, die sal man vor in allen berespen.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1335
):
he mac in wol ufhalden mit gewalt [...], he missetut dran nicht.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
darumb die aussfluchtigen misstetter jr gut verwuͤrckt hetten.
Adrian, Saelden Hort
6131
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ob aber sie
[Ehefrau]
bevinde | daz ir dehaines misse tuͦ, | dem red sie tugentlichen zuͦ.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
n. 1437
):
weͣre ouch, das deheinr, [...], mißtaͤte wider sin ere, als verr das dz antwerk beduͤchte, [...], dz sol das antwerk bringen fuͥr vnsren schultheissen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 240, 7
([
Augsb.
]
1548
):
So enhabt ir nicht sehr missethan | Sprach der Fuchs / Ir thets in zuͦ guͦt.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Merck wie er das ain schimpff haist und nit ain mißtuͦn oder übel.
wann ye groͤsser und wirdiger ain person ist ye minder er mißtuͦn soll.
Sie maint es widerwertig. als so wir mengerlay mißtüend.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
Inquirirung uber der müsstäther aussag.
Meijboom, a. a. O.
1632
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
881
;
Sievers, a. a. O. ;
Pyritz, Minneburg
3902
;
4044
;
Thiele, Minner. II,
10, 212
;
Roder, Stadtr. Villingen ;
Leisi, Thurg. UB
8, 322, 6
;
Roth, E. v. Wildenberg ;
2.
›im Sinne christlicher Lehre übel handeln, etw. tun, das als Sünde gegen Gott und seine Gebote interpretiert wird‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 4, , ; vgl.
2
,
4
 8.
Syntagmen:
j. m
. (absolut);
j. mit etw
. (z. B.
mit
›durch‹
missetat, mit
›mit Bezug auf‹
gehorsam / keusche / armut
),
wieder jn
. (z. B.
wieder got
)
m
.;
j. etw. m
.; als Part. Präs.:
j. missetunde sündigen
; subst.:
die mistunden gottes wort mispreisen
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Peccare. Suͤnden suͤndigen mißthun mißhandlen.
Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
24, 16
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
di missetatigen haben missetan, mit missetat der obirtreter haben si missetan.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
[Daz wir] alle einen mut | An dem gelouben heten | Und nimmer misgeteten.
Ders., H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
daz er sin obez iht eze | und daz paradis beseze | [...] | ob er niht missetete.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ie sich der mensche gebrestenlîcher vindet und mêr missetân hât, ie mêr er ursache hât sich an got ze bindenne.
Froning, Alsf. Passionssp.
2745
(
ohess.
,
1501ff.
):
nach men hon ich [Maria Magdalena] dan tusent stund | widder got missethayn!
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
hat man út misseton, des enwellent si nút vergeben.
Niewöhner, Teichner
347, 42
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
wann iegleich orden gemacht ist | von drin stukchen zu aller vrist: | gehorsam, chausch und armuͦt. | mit den drin man misetuͦt.
Ziesemer, a. a. O. Hes.
25, 12
;
Helm, H. v. Hesler. Apok. ; ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
331
.