missiv,
das
;
–/auch
-s
;
vereinzelt
missive,
die
.
›Sendschreiben‹ (meist einer rechtlichen oder wirtschaftlichen Instanz an einen entsprechend einzuordnenden Empfänger); teils fließender Übergang zu ›Abschied, Beschluß, der zur Kenntnis genommen wird‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte, berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
 5,  2,  2, , .
Syntagmen:
das / ein m. aufschreiben / registrieren / verschicken / vernemen, jm. ein m. machen, schicken, senden / zuschreiben, ein m. an die obrigkeit schicken
;
das m. an jn. ausgehen
;
erworte wie in einem m. brauchen, etw. mit einer missive beweisen
;
das m. des herzogen / königs, der stat
;
das m. an jn
.;
das geschlossene / versiegelte / keiserliche m
.
Wortbildungen:
missivschreiben
(a. 1610).

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 43, 9
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
die 16 gekorn [...] uberquamen eins briefs, [...] mit der stat missiven ingesegel [...] virsegelt.
Laufs, Reichskammergo.
129, 27
(
Mainz
1555
):
Wo aber eyn procurator oder parthei bey- oder fußbotten ausserhalb der keyserlichen proceß und missiven [...] zur notturft abtzufertigen hette.
Köbler, Ref. Franckenfort
77, 19
(
Mainz
1509
):
Der and’ weg durch ein missiue an die oͤberkeit geschickt / dariñ schultes vñ Schoͤffen der oͤberkeit zu erkennen geben / wie [...].
v. Keller, Amadis
8, 21
(
Frankf.
1571
):
weil selbige [Ehrwort] sich im reden nicht allezeit, wie in Missiuen, gebrauchen lassen.
Loose, Tuchers Haushaltb.
117, 19
(
nürnb.
,
1514
):
verert ich [A. Tucher] den Lazarus Spengler ratschreiber mit einer weißen chattelonischen deck, darumb das [...].
Merz, Urk. Wildegg
52, 42
(
halem.
,
1456
):
Albrecht von Rinach ist wieder nicht erschienen, sondern hat bloß ein beschlossen versigelte missiue gesandt.
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 77, 16
(
halem.
,
n. 1529
):
Ein Missiv des herzogen von burgun an den herzogen von Oesterrich.
Maaler
370r
(
Zürich
1561
):
Sendbrieff (der) vnd missiuen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
296, 1
(
halem.
,
1559
):
Habent si ein rächtlichen tag [...] angesetzt und sölchen rächtztag hochgedachten unserm gnädigen herren [...] durch ir besiglete abscheid und missiven zuͦgeschriben.
Rot
329
(
Augsb.
1571
):
Missiue oder Missif [...] Ein sendbrieff / hat seinen vrsprung vom verbo mittere.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
426, 35
;
ders., Bauernkr. Oberschw.
78, 4
;
Sachs
23, 110, 1
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 562, 41
;
Rwb
9, 702
;
Vorarlb. Wb.
2, 424
.