misglaube,
der
.
1.
›falscher Glaube, Aberglaube; Glaube, der nicht den eigenen religiösen, speziell den eigenen konfessionellen Wahrheiten entspricht, dem folglich die Abführung vom wahren Glauben zugeschrieben wird und der deshalb samt seinen Anhängern zu bekämpfen ist‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): ,  1, , ,  2.
Gegensätze:
vgl.
1
 134.
Syntagmen:
misglauben haben / ausschlagen / wiederrufen, auf jn. setzen
;
etw
. (Subj., z. B.
das bokfaren
)
aus m. kommen, etw
. (Subj.)
auf den m. stecken
›den
misglauben
anzeigen‹,
die welt mit misglauben überschütten, jn., das land mit m. verwirren, vom misglauben abstehen
;
der schändliche m
.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Wortbildungen:
misglauben
›etw. leugnen, gegen die Wahrheit nicht glauben‹,
misgläubig
›dem falschen Glauben anhängend; ein Kennzeichen falschen Glaubens bildend‹,
misseglauben
.

Belegblock:

Schöpper
16a
(
Dortm.
1550
):
Superstitio. Mißglaub aberglaub superstition.
Luther, WA
47, 605, 16
(
1538
):
So ist bei uns deutschen auch der misglaube, das wir pflegen zu sagen, wen ein golckrabe auff einem hause sitzet undt schreiet, das es eine prophecei [...] sei mit den raben.
Wunderlich, Fierrabr.
148, 6
(
Simmern
1533
):
darumb wardt von jn allen / aller mißglaub außgeschlagen.
Sachs
5, 287, 36
(
Nürnb.
1531
):
Des teuffels eh und reutterey | Ist nur gespenst und fantasey. | Das bockfaren kumpt auß mißglauben.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
529, 34
(
els.
,
1362
):
Bi diser geschiht was sant Thomas nút, do von missegloͮbte er dis.
Enders, Eberlin
1, 150, 5
(
Basel
1521
):
Buß ist nit mißgleübig, wo ir ein mol lesen die offenlich ewangelische lere mit der goͤttlichen vßlegung apostoli pauli.
Roder, Hugs Vill. Chron.
159, 24
(
önalem.
,
1527
):
da stallt man sy och für geriecht, die widerrüfften, 15 man und 9 frowen, irn misgloben.
Bartsch, Reinfrid
13041
(
halem.
, Hs.
14. Jh.
):
ich weiz wol, swer diz eine | umb ein hât misgeloubet, | daz der ist geroubet | der sêle êweclîche.
Ebd.
19696
:
die satirî ouch offenbâr | tragent füeze sam ein geiz. | [...] | swer daz misseloubet, | des mag ich niht, ez ist alsô.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
989
(
ohalem.
,
1538
):
den [waren glouben] wett er gern üch stälen, rouben, | d’sünd, missgloub üch stellen für, | damit [...].
Wyss, Luz. Ostersp.
4964
(
Luzern
1571
):
Ein grosser prophett ist vfferstanden | Allen mißglöubigen Juden zschanden.
Reu, Süddt. Kat.
1, 598, 8
(
Nördlingen
1542
):
Ich sol abgötterey vnd allen mißglauben meiden vnnd allein dem waren, ewigen Got vertrauen.
Luther, WA
17, 1, 418, 16
;
Turmair
4, 814, 6
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
243
;
Schweiz. Id.
2, 587
;
590
.
2.
›Treulosigkeit, Unzuverlässigkeit, Falschheit, Verschlagenheit, Hinterhältigkeit‹.
Gegensätze:
1
 9.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 145, 13
(
preuß.
,
1450
):
wir hoffen nicht, das ir sulchen misgelouben uff uns setczet, das [...].
Wackernell, Adt. Passionssp. H. III,
1824
(
tir.
,
1514
):
Dem edlman gib ich [diabolus] ain grossen misgelauben: | Auf der stras lern ich sy rauben.
Rwb
9, 686
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
243
.