minnereich,
auch:
minreich,
minnenreich
,
Adj.
– Nahezu ausschließlich alem.; 14. Jh.; Texte der Mystik.
1.
›liebend (als Wesensqualität Gottes); liebevoll, liebend (vom Verhältnis Gottes zu den Menschen gesagt)‹;
vgl.  13.
Bedeutungsverwandte:
 2.

Belegblock:

Rieder, Gottesfr.
147, 10
(
els.
,
1390
/
1402
):
sine
[des
herren
]
minnenrichen troͤstlichen wort, die er dicke in glichnißen und in parabelen mit in rette.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
2, 127, 6
(
schwäb.
,
1493
/
4
):
zwen groß Fluͤß von beiden durchnaͤgloten Henden, zwen suͤß Prunnen von sinem goͤtlichen minnrichen Hertzen.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1423
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Dar umb ziehent alle den bogen in | Und schießent in [Cristus] in das minrich hertze sin.
Schmidt, Rud. v. Biberach
3, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Die VI. [wonunge] werdent genomen in ein (herzelich) vmbevahvnge in minnericher vereinvnge.
2.
›liebend, voller Liebe‹ (vom Menschen und von Engeln als menschenähnlich gedachten Wesen hinsichtlich ihrer Liebe zu Gott gesagt);
vgl.  3.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , (Adj.), .
Syntagmen:
j. (Petrus) m. sein
;
minnereichlich leiden, etw. minnereichlich an jn. ordenen, der gotheit m. überfliessen
;
jn. für m. halten
;
der minnereiche geist / liebhaber / volleist, die minnereiche emsigkeit / schauung / sele / wirklichkeit, das minnereiche herz / getrauen
.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
161, 488
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
tausent | Stund tausent engelischer geist, | die dir dienen des aller meist | mit mynreichen ganczen volleist.
Strauch, Schürebrand
24, 27
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das ir alles liden lüstlich und begirlich wurt zuͦ lidende [...] durch ires geminneten willen froͤliche und minnenrichliche in nochvolgender wise one alle swermuͤtikeit.
Warnock, Pred. Paulis
7, 254
(
önalem.
,
1490
/
4
):
und tuͦnd es darumb, daz man sú
[ekstatische Tänzergruppen]
für minneriche und andechtige hertzen habe, so sú doch in der warhait voll glichsnery und boshait sint.
Schmidt, Rud. v. Biberach
2, 14
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Also sint oͮch alle die vas der menscheit vol vberfliezende der gotheit. Dis hat als genossen vnd gessen die minneriche sel.
Ebd.
30, 10
:
want tu nuͥt eigens dir selbvn hest gelan vnd das nvͥt als minrichlich in mich [Cristus] geordenot hast, darvmbe [...].
Vetter, Pred. Taulers
216, 11
;
Bihlmeyer, Seuse
18, 14
;
26, 8
;
193, 12
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
398, 21
;
Warnock, a. a. O.
3, 212
;
Schmidt, a. a. O.
48, 19
.
Vgl. ferner s. v. (Adv.) 4.
3.
›etw. (das Klosterleben, die Klosterregel) streng, gehorsam, aus Liebe zu Gott befolgend‹.

Belegblock:

Strauch, Schürebrand
4, 21
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das ir deste fruhtberlicher die regele [...] des lieben herren sante Franciscus [...] gehalten künnent mit andehtigeme minnenricheme ervolgende durch alles uwer leben in demuͤtiger gehorsame.
Ebd.
42, 5
:
von der zale der uzerwelten frúnde gottes, die hie in zit ein geordent geistlich leben libes und gemuͤtes minnenrichliche gehalten hant.