minner,
der
;
-s/–
.
– Generell Beleghäufung im Wobd.; älteres Frnhd., im 15. Jh. auslaufend; 1; 2; 3; 5 Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, innerhalb dieser meist der Mystik.
1.
›Gott (meist in der Person Jesu Christi) in seiner umfassenden Seinsqualität (seiner
hohen natur
) als Liebender der Menschheit‹;
vgl.  13.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.
Syntagmen:
der m. liebe zeugen, jm. rufen, jn. (den vater) anrufen, die dürnene krone tragen
;
got, die ewige weisheit ein m. sein
;
sich mit dem m. vereinigen
(von der
sele
gesagt);
der m. der selen
;
Jesus / got, der herre der minner
(nachgestellte Apposition);
die edelkeit / hochheit / tiefheit / miltekeit, das kreuz des minners
.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
105, 18
(
14. Jh.
):
Eya, zarte sele, nun verein dich mit dem minner din, da vindest du [...] úberflúzzig alles, daz du begerst.
Vetter, Pred. Taulers
254, 5
(
els.
,
1359
):
got ist ein minner der herzen, und nút enist ime umbe das das uswendig ist, denne umbe einen innigen lebenden gunst.
Bihlmeyer, Seuse
226, 28
(
alem.
,
14. Jh.
):
Entwúrt der Ewigen Wisheit: Ich bin ein solicher minner, der in einikeit nit wirt verklemmet noch in der mengi vermenget.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
655, 21
(
els.
,
1362
):
Herre ich dancke dir, du minner der seligen selen daz du mir geruffet hest an din ruͤwig bettelin
(Ausruf einer zum Tode Verurteilten).
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 301
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
des beclagete sich Cristus vnd sprach: „Min got, min got, war vmb hast du mich gelassen“. Alles des lidendes gesweig vnser minner vnd rief sinen vatter an.
Ebd.
2, 1856
:
her vmb wandelt er
[der Erleuchtete]
in dem himel vnd siht an vnd merket mit allen heiligen die edelkeit sins minners: sine vnbegriffenliche hocheit vnd sine abgruͤndige tiefheit, langheit vnd breitheit, wisheit vnd warheit, sine guͤte vnd sine vnsprechenliche miltekeit vnd alsoliche minnekliche eigenschaft, die in gotte sint vnser minners, sunder zal sunder grunt in siner hohen naturen, wan er ist es selber.
Warnock, Pred. Paulis
27, 267
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Also hat der herr, únsser minner, och ton: er hát ainen schonen krantz umb únser willen tragen: die scharpfen, durninen cron.
Vetter, a. a. O.
229, 24
;
Warnock, a. a. O.
27, 302
.
2.
›Gott im Sinne der Mystik liebender, damit die
eigene natur
verläugnender Mensch (Mann oder Frau)‹; in dieser Eigenschaft zugleich: ›Einhalter der Gebote Gottes, der Regeln der Tugend‹;
vgl.  4.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Wortbildungen
minnerin
1 (dazu bdv.: , , ).

Belegblock:

Reissenberger, Väterb.
15693
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Der groze vater Apollo, | Der was gar ein minner Gotes | Unde ein behalder sines gebotes.
Bihlmeyer, Seuse
325, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
Ein usrichtunge drier dinge, dú einem minner aller meist moͤchtin an gote widerstan: [...]; V. Daz ander: war umbe er [got] sich sinen minnern dicke nach herzluste enzúhet.
Strauch, Schürebrand
36, 19
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
alse er noch siner froͤlichen urstende der geworen ruwerin und der hitzigen inbrünstigen minnerin sante Marien Magdalenen erschein.
Ebd.
37, 39
:
Lieben gemyntten truͤttinen des gemynten und alle lieben sunderlichen gotes gemächlette myner und mynerin in allen bewertten örden.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 663
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
kein ding ist gnuͤgelicher dem minner gottes, denne daz er beuindet, daz er sines liebes eigen ist.
Ebd.
3, 3
:
DEr innige minner gottes, der got besitzet in gebrúchlicher rasten vnd sich selber in zvͦfuͤgender wirglicher minnen vnd alles sin leben in túgenden [...], so kummet der innige mensche in ein gotschowende leben.
Rieder, Gottesfr.
223, 5
(
els.
,
1401
/
2
):
ach ir lieben gottes minnerin nemment [...] des goͤttlichen insprechendes mit fliße und mit ernste war.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
25, 33
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
41, 3
.
3.
›Liebhaber, Verehrer, Anhänger, Freund hoher religiöser oder weltlicher Werte‹;
vgl.  6.
Wortbildungen:
minnerin
2.

Belegblock:

Williams u. a., Els. Leg. Aurea
306, 15
(
els.
,
1362
):
Philippus ist gesprochen ein munt dez liechtes durch sine schinber lere [...]. Oder ist ein minner der obersten froͮden.
Rieder, St. Georg. Pred.
23, 32
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
du minnerin minnet guͤtú ding: dú antwúrtet únsers herren guͤti.
Warnock, Pred. Paulis
7, 268
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Die dritten haissent poverelli, und die glichsnent sich vor der welt, als ob sú gross miner der armuͦt sigint, tragent zerrissne böse chlaider, darumb daz man inen vil und gern daz almuͦsen gebe.
Guth, Gr. Alex.
3034
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
vater mein [Alexander], | Du [Aristotiles] pist ain lerer gemait | Und miner der gerechtickeit.
4.
›Liebhaber, Liebender im erotischen Sinne, Person, die nach Liebesabenteuern trachtet, sich entsprechend verhält (vgl. die Syntagmen) und im allgemeinen kritisch beurteilt wird‹; vgl.  7, im Unterschied dazu aber ohne die Komponente ,Gewalt‘.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , , ,  1, , ,  3.
Syntagmen:
den m. affen / ansehen
;
der m. senen / seufzen, über sich blicken, unsin machen, schämlich lachen
, [nicht]
ruhen, nicht bekleibt stehen, frauen lieb haben, wilden mut haben, ein minnigliches kleid auflegen, den man
(der
frau
)
erwerben
›umgarnen‹,
jehen, wie [...]
;
der gute / hübsche / klaffende m
.
Wortbildungen
minnerin
3 (dazu bdv.: , ),
minnerkämpfer
(Kopulativkompositum),
minnerwerk
.

Belegblock:

Palm, Veter Buoch
38, 8
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Das
[verbranntes
gut
]
liez sie [wîp] alle ir minnere an sehen, des was virzic marc goldes.
Bihlmeyer, Seuse
12, 1
(
alem.
,
14. Jh.
):
Nu erbútet sich dú ewig wisheit in der heiligen scrift als minneklich als ein lútseligú minnerin, dú sich finlich uf machet, dar umb daz si menlich wol gevalle.
Ebd.
449, 25
:
Luͦge, ewige wiszheit, wie die valschen minnerin tuͦnd: swaz unlútseliges, ungestaltes und gebresthaftes an in ist, daz bergent sú genote, herre, heint sú aber icht dúplicher gestifter schoͤne oder lútselikeit, daz bútent sú her fúr.
Matthaei, Minner. I,
1, 1439
(Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
der minner ruͦwet zuͦ kainer stund.
Chron. Strassb.
586, 1
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
dirre was ein minner und hette frowen offenliche liep, und was gritig noch eren und guͦte [...], und mahte sich und den hof vaste flechaftig mit symonie.
Koppitz, Trojanerkr.
3946
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Von Throye der gehüre | [...] | Kam geritten zü der schar. | Venuss, din minenkliches klaid | Hatt der miner uff gelaitt.
Ebd.
9933
:
Venus, diner rette | Bedarff din miner kempffer wol.
Wiessner, Wittenw. Ring
4957
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Minner werch schol sei nicht kiesen, | Wil sei das krentzel nicht verliesen.
Sappler, H. Kaufringer
13, 144
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
als noch ain ieglich minner tuot: | wil er die frawen lieb han | er sol erwerben iren man.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
220, 13
(
oobd.
,
1349
/
50
):
passer, daz ist ain leider, wan welhez tier diu prunst der unkäusch vil rüert, daz hât vil leidens, dar umb sprechent die weisen: minner, martrer.
Niewöhner, Teichner
193, 27
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
mir begund ein mynner jehen, | wie in ein vraw hiet uͤber sehen | der er dient manig jar.
Klein, Oswald
55, 44
(
oobd.
,
1422
):
dorumb ain jeder minner tracht, | damit er bül, das er des schimpfs müg glachen.
Matthaei, a. a. O. I,
1, 1216
;
Thiele, Minner. II,
3, 157
;
Kummer, Erlauer Sp.
4, 215
;
Wiessner, a. a. O.
2435
;
Voc. Ex quo P
1130
.
Vgl. ferner s. v. (V.) 1.
5.
›Liebhaber der Gegebenheiten der Welt, damit falsch Liebender, in Eigenliebe Verhafteter, Gottvergessener, andere von religiösen Werten und Wahrheiten Ablenkender‹;
vgl.  8.
Wortbildungen:
minnerin
4.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
19185
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der pfert biezende unc ist | Der mortgirige Antecrist, | Der der werlde minnere | Vorleitet offenbere.
Jostes, Eckhart
65, 21
(
14. Jh.
):
lieb on huͤte die ist ein valsch minnerin und ist ein ubergreifferin dez rehten gemaheln [...] und ist ein fugerin der súnde und ist ein lag dez teufels
(im Folgenden wird die
minnerin
als
fugerin der sünde, lage des teufels, liegerin, luderin, ruffianin, kebskind, morderin, verkererin
charakterisiert).
Vetter, Pred. Taulers
250, 28
(
els.
,
1359
):
Dis sint verblibende menschen; dise stont in irem natúrlichen liechte [...] und enhant enkeinen durbruch geton durch das hoch wirdige leben unsers herren Jhesu Christi, [...], wan die menschen sint worden minner irs selbes.
Bihlmeyer, Seuse
554, 7
(
alem.
,
14. Jh.
):
sele min, ich bitt dich, daz du dis in din hertz schribest [...], daz dich der betrogen glantz keins bildes icht betriege und dekein froͤmde minnerin din hertz verkere.