messer,
das
;
-s/–
;
undurchsichtig gewordene Zusammensetzung aus
wgerm.
matizsahsa
,
ahd.
mezzisahs
›Speiseschwert‹
(
Pfeifer
2000, 864
;
Kluge/S.
2002, 615
).
›Messer, spitz zulaufendes, mit scharfer Schneide versehenes Instrument verschiedener Größe und verschiedener genuiner Funktion‹; die Belege beziehen sich gehäuft auf den Mißbrauch des
messers
zu Schlägereien, Kämpfen, Verbrechen;
messer
tendiert dann zu ›Schlag- oder Stoßwaffe‹ (speziell das
lange messer
); ansonsten erscheint
messer
als Küchengerät (in verschiedenen hauswirtschaftlichen Zusammenhängen), als Schneidewerkzeug in verschiedenen Berufen (darunter im Weinbau, in der Human- und Tiermedizin als Skalpell), als Handelsware (die bestimmten Durch- und Ausfuhrverboten unterliegt), auch als Qualitätsmarke (z. B. auf Tuchen), als Zeichen des hochmütigen, weltzugewandten Verhaltens (an der Kleidung getragen), als Kennzeichen in verschiedenen wirtschaftsrechtlichen Zusammenhängen (z. B. für minderwertiges Fleisch), als Zeichen für Ehrverlust, für ein begangenes Verbrechen.
Phraseme:
das lange messer
›Degen‹;
mir zerrünne messer oder leute
›es sei denn, dass ich außer Kräften wäre‹;
jm. schwert und messer nemen
›jn. demütig stimmen‹;
das messer stille halten, unz [...]
›warten, bis [...]‹;
das längere messer tragen
›die Oberhand behalten‹;
das messer noch nicht bei dem heft begriffen haben
›seine Sache noch nicht beherrschen‹; [eine Menge]
des brotes für ein messer verkaufen
›billig verkaufen, verramschen‹;
wissen, wo das messer steckt
›wissen, wo die Seele des Widerstandes steckt‹ (; a. 1571).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  1 (für kleinere
messer
in der Hauswirtschaft); ,
1
,
2
, ,  12, , , ,  1, (für Streitigkeiten, Verbrechen, Kampfhandlungen); vgl. .
Syntagmen:
das m. tragen / (aus)rücken / (aus)zücken
(häufig)
/ ziehen / brauchen / werfen / nemen / schleifen / ˹stürzen / umkeren˺
›umgekehrt, mit der Spitze nach unten tragen‹ (als Zeichen der Hoffart),
messer einfüren, feil haben, das (lange) m. verbieten, das m. an js. kele setzen, das / ein m. in die scheide tun, auf den tisch legen, die hoffart trägt lange messer
›geht stolz daher‹,
das m. in jn. stossen, ein m. zu einem zeichen (bei finnichtes fleisch) stecken, mit etw
. (z. B.
mit kelchen / monstranzen
)
beschlagen, weder m. noch schwert tragen
(als Zeichen des Angeklagtenstatus),
das m. zum inoculieren brauchen, jm. ein m. geben, an die hand binden
(als Zeichen für begangenen Mord);
ein (langes) m. sich einem kalbssticher vergleichen, das m
. (Subj.)
scharfe ort haben, nicht zur were gehören
;
dem m. der stahel abgewezt sein
;
an das m. greifen, sich mit einem m. stechen / abnemen
(›töten‹),
mit einem m. zu einem gestösse laufen, zum tanze kommen, etw. schneiden
(z. B.
brot, einen braten
)
/ abschneiden / anschneiden
(z. B.
die rinde
) /
schaben, zeichen
(z. B.
barchent
)
/ aufspalten
(z. B. einen
stengel
)
/ durchstechen, in eine wunde stechen, jn. mit einem m. stechen / werfen, als kraut hacken, den wein
›Weinstöcke‹
mit einem m. beschneiden, jm. mit dem m. die gurgel abschneiden, das fleisch abfirmen, jm. geht es mit dem m. an den hals
;
kurzes kleid und langes m
. (Formel für weltzugewandte Mode);
das m. am gürtel
;
das abgebrochene / beinene / beschlagene / blutige / kleine / scharfe / schneidende / silberne m
.;
die spitze des messers
.
Wortbildungen
messerbereiter
(a. 1387; dazu bdv.: ),
messerbeschlächt
›Beschlag des Messers‹ (dazu bdv.: ; a. 1586),
messerfeile
›messerähnliche Feile‹,
messerfutter
›Messerscheide‹,
messerkäufer
›Messerhändler‹ (a. 1368),
messerklinge
,
messerraufen
,
messerrücke
,
messerrupfen
,
messerschale
(dazu bdv.: ),
messerschleifer
(a. 1346/7),
messerschneide
,
messerschüssel
›Schüssel für Tischmesser‹,
messerspitze
,
messerstiel
(dazu bdv.: vgl. ),
messerwerk
›Reglementierungen des Handwerks der Messerschmiede‹,
messerwunde
,
messerwurf
,
messerzeichen
,
messerzeug
›Messeretui‹,
messerzug
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
148, 2
(
preuß.
,
1410
):
2 messer, do man den wyn methe besnyet.
Hertel, UB Magdeb. (
nd.
/
omd.
,
1469
):
Nymant sal auch mortwapen ader lange messir boben gesetcze desz rathes tragen.
Luther, WA (
1530
):
An welcher exempel sich zu letzt die rauhen, rohen, losen Christen auch stossen wurden [...], wie ein messer das ander wetzet.
Ebd. (
1532
):
des Teuffels kinder heissen die zornigen junckern, die von stund an messer sturtzen und von leder zucken umb eines worts willen.
Loersch, Weist. Boppard (
mosfrk.
,
v. 1536
):
Ist die boeß: ein messerzug 12 albus, ein roperwonde 2½ gulden, ein waffengeschrey und ein steinwurf in der hern gnade und ungnade.
Aubin, Weist. Köln/Brühl (
rib.
,
1635
):
fluchen, schweren, aufruhr, messerrupfen, schlegerei.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
durch daz sollen in von der ebdissen alle notdurfteclie sachen gegeben werden, daz ist cogele, rok, sokke, gurtel, mezzer, griffel, nalde, daz aller slachte ursach abe genomen werden.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 253
(
1360
):
um meszerreyffin. Der busz ist 60 s geber phennige.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
147, 16
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Der morder meyster warff Warakyren mit eyeme messer / das es yme durch sin hemde [...] ginge.
Dedekind/Scheidt. Grob.
117, 3
(
Worms
1551
):
so dir etwas bliben ist | Jn zaͤnen stecken / [...] / | So nim͂ ein messer / stich vnd grübel | Jn zaͤnen fast.
Lichtenstein, Lindener. Katzip. (o. O.
1558
):
Das messer schneidt ubel, dann ich an dem ort auch nit sechs kreützer verzert wolt haben.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
84, 3
(
Frankf./M.
1568
):
[Der Schleyffer] Jch schleiff sehr scharff auff meim schleyff | Messerklinge͂ / mittl / groß vnd klein.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Brot von Cassaui, dessen sie einen Centner fuͤr ein Messer verkauffen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
358a, 37
(
Frankf./M.
1649
):
es seind nicht alle gute Koͤche / welche nur lange Messer trage͂.
Goerlitz u. a., Magd. Schöff./Schweidnitz
59, 20
(
omd.
,
1363
):
deme
[Täter]
mit deme swerte geit iz an di hant vnd dem mit dem mezzer an den hals; wen das mezzir ist eyn dupplich mort.
Bergner, Urk. Kahla (
thür.
,
1455
):
welchen fleischawer unsrer burger das misseginge, das her vinnicht vleisch hette [...], der sal ein messer zu einem zeichen derbie stegke.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
ime ist ein messer an sein hand gepunden on schulde und wider recht, und ist nicht begriffen mit handhafter tat.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
111, 19
(
osächs.
,
1570
/
7
):
pericht des inoculirens und wie man das messer darzu brauchen soll.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
119, 3
(
nobd.
,
1391
):
daz man sie ze(i)h, si solt irem mann ein messer zutragen solt haben (!), daz er dez Loͤsels sun erstechen solt.
v. Groote, Muskatblut (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
hoffart dreit lange messer | da mit si doch nit fechten kan.
Gille u. a., M. Beheim
310, 81
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
gurtel, messer und swert | peslahen sie da mite
[mit
kelchen ...
]. Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
Jch hab 18 stüber geben für rosin und für trey paar messer.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Sein [schaf] gebeyn gibt gut messerschaln.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
117, 4
(
Coburg
1626
):
aus einem geringen Erbarmen / liesse er [Rauber] jhm [Menschen] den Strick eines Messerruͤckes breit widerumb aufflauffen / were daß auch eine Gutthat?
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Halt stille daz messer untz daz du besihest waz du sniden soͤllest.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
wan mit soͤlicher senftmuͤtigen demuͦt benimest du in swert und messer und machest sú unmehtig in ir schalkheit.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1371
):
so ich sú sihe vor mir gonde und ritende [...] mit kurtzen kleidern und mit langen meßern.
Ebd. (
1390
/
1402
):
und sante ir dez zuͦ urkúnde ein silberin messer, domitte sú abe sniden solte alle úberflúßikeit dez zitlichen guͦtes.
Golius (
Straßb.
1579
):
Theca culteraria messerfuͦter.
Schmitt, Ordo rerum
186, 37
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
Lanx bekken [...] messerschüssel.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1413
):
dis nachgeschriben frevel, [...], nemlich umb wundetten und streiche, umb messer, spies oder andri waffen ze zucken.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
737, 2
(
halem.
,
1472
/
3
):
das ein gast hin gewesen sy, der rott messerschúßlen und teller veil hett.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
321, 10
(
Genf
1636
):
Messerruͤck / [...], Cultri tegmen.
Ebd.
27
:
messerschneide / [...], Acies cultri.
Ebd.
30
:
messerspitz / [...], Mucro cultri.
Ebd.
32
:
messerstiel / [...], Cultri capulus.
Ebd.
34
:
messerzeug / [...], Theca.
Morrall, Mandev. Reiseb.
111, 19
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
der der sich sol toͤtten, der hat ain wol schnident messer in der hand, und schnit ain stuck von flaisch uß sinem lib.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
344
(
schwäb.
,
1455
):
Das messer by dem hefft | Hon ich noch nitt begriffen.
Sappler, H. Kaufringer
30, 27
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
die messer tragent sie [die albernen Modegecken] wunderlich: | die heft kerent sie under sich | und kerent über sich den spitz. | das haisset alles newe witz.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
er soll kain meßer nimer tragen dann ain klain meßerlin, damit er prot schneid.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das keinem nimmer bass seie, dann so er das messer nur uf den disch lege und der würt schon bezalt seie.
wie dann der zeit die langen messer user Frankreich und Italia kommen, die sich auch warhaftigclichen mer aim kalbssticher, dann eim dischmesser vergleichen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 123, 4
([
Augsb.
]
1548
):
Wann du [...] issest mit ainem Herren / so mercke / wen du vor dir hast / und setze ain Messer an deine keele / wiltu das leben behalten.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 767, 35
(
schwäb.
,
1622
):
welcher den andern mit waffen oder messern bluetreisent schlegt oder verwund, ist verboten an 10 ℔ fl.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Swer verchlagt wirt, daz er weder messer noch swert tragen sol und man im ze essen noch ze trinchen geben sol.
Bastian, Runtingerb.
2, 73, 8
(
oobd.
,
1384
):
der paraircht sint 40 gezaichent mit dem mezzer und 60 mit den gemainen zaichen.
Klein, Oswald
63, 26
(
oobd.
,
1416
?):
käm mir die blösslich an die brust, | so wär mein greisen gar umb susst, | der bart müsst weichen von der heut, | mir zerunn denn messer oder leut.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1432
):
Herzog Albrecht V. verleiht
[...] Jorgen dem Bayer ein messerzeichen, geschikht als ain wind, [...],
und gestattet ihm
[...]
, es
auf messer, degen und anderlei waffen
zu
slahen
und
die damit zu beczaihen, als messerwerchs, lehens und lands recht ist.
ain gürtl, daran zwai messer und ain phrieml mit messein heiblein.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
214, 41
(
moobd.
,
1538
):
[Verbot]
kaufmanswaar als segens, vässer, klingen und messer, auch eysen und annder kaufmansguetter [...] ein und auszufüren.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
E. 16. Jh.
):
Ain hackenwurf oder ain messerwurf zu wandl funf phunt.
Ebd. (
E. 15. Jh.
):
von ainem messerzug in frëvel 12 ₰, und von ainer fliessunden messerwundn 24 ₰.
Deinhardt, Ross Artzney
104
(
oobd.
,
1598
):
Zwo neu khunst für den elbuch Item nimb ain neus messer, das vor nie gebraucht ist.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
184
(
oobd.
,
1607
/
11
):
schnabel von einem vogel, ist das ober und underthail gar flach und dinn, [...], ist wie ein messerfeihel.
Ebd.
730
:
das hefft von perlenmutter, under disen sein auch 2 damascinirte messerklingen ohne hefft.
Starzer, Qu. Wien (
moobd.
,
1624
):
pantoffelholtz und von puchsbaumen und sandlen messerschaln, gibt man vom gulden zue mauth.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
so ist das sein messer, | wer das meit, das ist peßer.
lat mich das lenger meßer tragen, | oder ich gib eu [uxor] ains an den chragen.
Zingerle, Inventare (
vorarlb.
/
tir.
,
1489
):
ein beslagen messerlin mit silber.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
335, 27
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
er sol auch chain woffen tragen, nür ein messer, das vor abgeprochen sey, do er ein prat mit sneyd.
Joachim, Marienb. Tresslerb. ;
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn ;
Bergner, a. a. O. ;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
109, 22
;
Kisch, a. a. O. ;
Schultheiss, a. a. O.
96, 30
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
227r, 11
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
18, 36
;
Gille u. a., a. a. O.
99, 510
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Gilman, a. a. O.
1, 31, 27
;
Welti, Stadtr. Bern ; ;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ;
Dirr, a. a. O. ;
Auer, Stadtr. München Anh. ;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
2, 8
;
Brunner, a. a. O.
134, 44
;
Deinhardt, a. a. O.
116
;
163
;
343
;
Bretholz, a. a. O.
336, 13
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
28, 25
;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 84
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib. 1989, S. 
198
;
Vgl. ferner s. v. ,  7, (V.) 7,  1, ,  1,  2,
1
,  2, , (Adj.) 3,
1
, .