meissel,
der
;
–/-Ø
;
1 und 2 als Nomina instrumenti, 3 und 4 als Metonymien, jeweils zu , auffaßbar.
1.
›scharfes, mit einer Schneidfläche versehenes Instrument zur Bearbeitung von Holz, zum Behauen von Steinen, Eingravieren von Bildern u. ä.‹; auch tropisch;
vgl. .
Bedeutungsverwandte:
 2, ,  12, ; vgl. (
der
),  1.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
78, 33
(
preuß.
,
1420
):
im schirhuwsze 1 czymmerbiel, 1 axs, 4 nebiger, 2 meysel.
Luther, WA (
1527
):
Die Juden aber und Pilatus sind hiezu
[zur Vervollkommnung durch das Leiden]
unsers Gottes meissel, steinexte und kloͤppel eisen gewest, die er dazu gebraucht hat, diesen stein zu polieren.
Thiele, Minner. II,
31, 434
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
noch harter dan kein meizel | sleit syn hant dorch vindes her.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Man wol mit eynem meyzel scharf | Grabe ineynen kyseling.
Voc. inc. teut.
p iiijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Meyssel der steinmetze͂. [...] Meissel der zimerleit.
Bremer, Voc. opt.
14023
(
oschwäb.
,
1468
):
Scalprum [...] maissel [...] stoßysen [...] significat instrumentum ferreum predurum in cono, per quod effigantur ymagines in lapidibus uel metallis.
Voc. rerum (
Augsb.
v. 1474
):
Scalprũ gruͤbel eysen vel meissel vel stoß eysen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
A. 15. Jh.
/
1566
):
unrechte weer, armbst wurfpeil maissel und häckl, [...], die sint verpotten.
Ziesemer, a. a. O.
144, 27
;
ders., Gr. Ämterb.
607,
Anm. 4;
Schmitt, Ordo rerum
231, 7
;
Voc. Teut.-Lat.
m vijv
;
Vgl. ferner s. v.  2.
2.
›Sonde, kleines Messer des Wundarztes‹.
Obd.; meist fachbezügliche Texte.
Wortbildungen:
meisseleisen
,
meisseln
3 ›eine Wunde mit einer Sonde bearbeiten‹.

Belegblock:

Keil, Peter v. Ulm
39
(
nobd.
,
1453
/
4
):
ein gut pflaster, daz do heilt all frischen wunten an maissel.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
ein clein subtil meissel der den neruu͂ nit berürt / vff das er keinen schmertzen bring.
Das [Canfer] vnder ein ander getemperieret vnnd dan von dem ie ein wenig gewermet vnd dar in ein meyssel genetzet vnd in die wunden gestossen vnd gegossen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
38, 16
(
Basel
1494
):
Wer gern well werden bald gesund | Der zoug dem artzet recht die wund | Vnd lyd sich / so man die vff brech | Oder mit meißlin dar jn stech.
Maaler (
Zürich
1561
):
Meisseleysen der wundartzten. Speciu͂, Specilium, Scalprum chirurgicum.
Weitz, Albich v. Prag
149, 11
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
wenn ain wunden gar durch gieng, so solt du die wunden zu paiden seytten maisseln.
Ebd.
12
:
die maissel sullen ain ander nit ruͤren.
Keil, a. a. O., S. 
420
;
Rohland, Schäden
478
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
3.
›jm. geschlagene Wunde‹.

Belegblock:

Pfälz. Wb. (a. 
1469
).
4.
›Charpie, Bausch, Pfriem, Wieche, aus Tuch, Baummark o. ä. hergestellter und mit Salbe bestrichener Gazepfropfen zum Einführen in eine Wunde‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1.
Wortbildungen:
meisseln
4 ›einen Charpiepfropfen einlegen‹,
meisselwunde
›Wunde, die eines Charpies bedarf‹ (dann hierher) oder ›mit einer Sonde behandelte Wunde‹ (dann zu
meissel
2; a. 1399).

Belegblock:

Voc. inc. teut.
p iiijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Maissel in ein wunde͂ plagella.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
v. 1494
):
Wann ich wone in gar fleißig bei | Mit pflastern, meiseln und ander arznei.
Rohland, Schäden, S. 
478
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
nim holder marck, das dürr ist, vnd trucke es vast zuͦ samen vnd mach dar uß ein meissel, das wol an ruͤorre in das löchlin gaut.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die winckel der Geschwaͤren mit vndergeschobnen meisseln vnd lumpen außfullen.
Meissel von schleissen gemacht / wie jn die wundartzet brauchend. Pannus [...]. Ein Meissel in die wunden thuͦn oder lege͂. Linamentum dare in plagam.
Müller, Stadtr. Ravensb.
161, 17
(
oschwäb.
,
1367
):
daz man die selben wunden maiseln oder pflestern muͤsi.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .