marktrecht,
das
;
-(e)s/-Ø
.
– Meist Rechts- und Wirtschaftstexte.
1.
›Gesamtheit aller Rechte, die eine mit einem Markt begabte Siedlungs- / Rechtseinheit (meist eine Stadt, auch ein Marktflecken oder ein Dorf) besitzt und nach denen sie den Markt betreibt; Gesamtheit der Rechte der Personen, die unter das marktbezogene Recht fallen‹; ütr. auf die als Marktteilhabe gedachte
geselschaft
der Menschen mit den Engeln;
zu  12, (
das
4.
Phraseme:
zu marktrecht liegen
von Häusern und Personen gesagt, deren Zugang zum Markt besonderen Rechtsregeln unterliegt (damit metonymische Tendenz zu
marktrecht
als Raum; vgl. 3); vgl.  2, auch 1 und 5.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
die
1, , , I, 2,  1.
Syntagmen:
m. empfangen / haben / lösen
›kaufen‹
/ niessen, das m. verlesen / verrechnen / betreffen, jm. m. geben / leihen, einem dorf m. leihen
;
des marktrechtes geniessen
;
auf dem / zu m. sitzen, etw. (einen handel) mit dem m. abhandeln, jm
. [einen Betrag]
nach m. schulden, zu m. zins geben, etw. zu m. empfangen
(ein
gut
) /
haben
(einen
acker, ein haus
);
das rechte m
.;
der brief um das m
.

Belegblock:

Hertel, UB Magdeb. (
nd.
/
omd.
,
1494
):
vorgnanther rath [...] die gherechtikeit ghehabt und noch hadt, das sye marchtrecht und nydderlaghe in der alden stad Magdeburg alleyne und gentzlich ghehabt.
Ebd. (
nd.
/
omd.
,
1497
):
Anclage das marcketrecht, nyderlage, auch das kornschiffen auf der Elbe betreffende sein also betedinget, dasz [...].
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
130, 1, 30
(
schles.
,
um 1350
):
do wir ouch woͤllin, daz kein Creschim si. von den czollin czu wretslau ein islich mensche, iz habe markit recht adir nicht, vri sy.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
23a, 22
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Zv dem dritten mal gemainsamt vns disev heilichait geselleschaft aller engel also daz wir marckt recht. vnd hantslac enphahen daz wir mit den engeln ze hymel [...].
Mon. Boica, NF.
2, 1, 44, 7
(
nobd.
,
1464
):
Es haben etwan die castner verrechnet die merkrecht auf den kirchtagen.
Leisi, Thurg. UB
7, 673, 8
(
halem.
,
1388
):
Swas húser, dú ze maͤrckt reht ligent, [...], die sond stúr und waht geben, als andrú húser, die ze maͤrktreht ligent. Es sol ouch enkain herr von sinem aigen manne erben nach sinem tode dehain hus noch enhain ligendes guͦt, das ze markrecht lit.
Müller, Stadtr. Ravensb.
98, 19
(
oschwäb.
,
1338
):
man sol daz guͦt enphahen ze markreht und anders niht.
UB ob der Enns
10, 657, 11
(
moobd.
,
1390
):
Freyheitsbrieff vmb die markhrecht, so der markht Weyr, anderen märkhten im landt gleich, haben soll.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1420
):
so sol er hern Christoffel Fuchs xvi marck, ii lib. perner nach marktrecht.
Leisi, a. a. O.
5, 341, 26
;
8, 434, 4
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm ;
Rwb f.;
Vgl. ferner s. v. .
2.
›mit
marktrecht
1 verbundenes Recht auf Abgaben-, Steuer-, Gebührenerhebung für die Teilhabe und Teilnahme am Markt‹; als Metonymie: ›erhobene Abgabe, Steuer, Gebühr‹;
zu  12, (
das
5.
Bedeutungsverwandte:
 5, (
das
4,  1, , .
Syntagmen:
m. haben / nemen / heben / geben
;
jm. etw. zu m. geben / verkaufen
;
etw. zu m. haben
;
zu m. x pfennig
.

Belegblock:

Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
69, 4
(
omd.
,
1371
):
daz sie vnd alle ire nochkomelinge [...] nymmerme keyn marktrecht genemen sullen vor keynerley war, sie sy kleyne odir groͤz, die man kegen der Sweidnicz brenget.
Schnelbögl, Salb. Karls IV.
74, 2
(
nobd.
,
1366
/
8
):
daz marchrecht zu der Weiden auf 6 ℔.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
178, 14
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
Auch geuelt daselbs ze weinachten von dem vngelt markchtrecht 9 lb. den.
Foltz, UB Friedb. ;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Vgl. ferner s. v.  8.
3.
›Gebiet, in dem
marktrecht
1 gilt‹;
zu  12, (
das
16.

Belegblock:

Boner, Urk. Brugg
326, 16
(
halem.
,
1514
):
wann es erb vnd eigen guͦt in marckts recht gelegen antriffet.