mördlich,
Adj.
1.
›übel, übeltätig, verbrecherisch, heimtückisch, hinterhältig, gewalttätig, eine Tötung, einen Mord in Kauf nehmend oder beabsichtigend, todbringend, tödlich, mörderisch‹ (von Handlungen und Haltungen des Menschen und deren Bezugsgröße gesagt); speziell auf die Passion Christi bezogen;
vgl.  12.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 45,  123, , , , (Adj.) 7,  23, , , , .
Gegensätze:
›mit der Geduld eines Schafes‹.
Syntagmen:
js. blik m. sein, m. etw. begehen
(z. B.
eine grausamkeit
),
mit jm. umgehen, jn. m. erschlagen / ertöten / niederlegen / verkaufen, auf einen zaun spiessen, jm. m. jn. nemen, jm. etw. m. entweren
;
der mördliche has / neid, das mördliche mord, der / das mördliche mein, die mördliche geschichte / tat
;
das mördliche ziel
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
1600
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Sî ructin vreislîch mit unzucht | den mûtren den vil armen | dî kindir von den armen | und spîtztin sî mortlîchen sâ | ûf dî zûne.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
21739
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sie
[Martyrer]
ensazten lib und gesunt | Vor irre viende schult | in schefiner gedult, | Nicht durch mortlichen nit.
Jahr, H. v. Mügeln
2500
(
omd.
, Hs.
1463
):
gar giftik ist sin
(des im Zeichen des Skorpions geborenen
menschen
)
arger will, | sin blik ist mortlich und schil.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
13, 20
(
nobd.
,
n. 1525
):
das vil der weltlichen haupter, [...] sölichs alles uff iren aigen vortail und nutz, auch gewaltig, tetlich frevenlich, rauplich und mörtlich handlung und furnemen zu ziehen [...] understunden.
Matthaei, Minner. I,
10, 726
(Hs.
15. Jh.
):
ich [Venus] won im gunstlich by | und han in auch alweg | gehabt in myner pfleg, | als ich dan furbaß wil, | biß in das moͤrtlich zil
[›der Tod‹]
| zu dienen myr benympt.
Roder, Stadtr. Villingen
126, 2
(
önalem.
,
1501
/
16
):
ob aber denen von Villingen etwas mortlich, roblich oder dieblich endtwert
[würde].
Päpke, Marienl. Wernher
10800
(
halem.
,
v. 1382
):
Owe, wie hat man mir genun | So mortlich minen lieben sun.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
267, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
mordlichen und verholen, | in rechter diebes weyse, | habt ir mein guete statt mir vor verstolen!
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1591
(
tir.
,
v. 1496
):
Ich [Judas] han das unschuldig pluet | Verkawfft übel und mördleich.
Helm, a. a. O.
2694
;
6079
;
Gille u. a., M. Beheim
99, 761
;
Sachs
2, 362, 20
;
20, 182, 18
;
Brandstetter, Wigoleis
204, 1
;
Chron. Augsb.
1, 345, 10
;
2, 173, 18
;
Turmair
4, 376, 34
;
Wackernell, a. a. O.
1474
;
1596
.
2.
›tödlich, zum Töten gebraucht oder geeignet‹ (von Waffen und waffenähnlichen Gegenständen gesagt);
vgl.  2.

Belegblock:

Hertel, UB Magdeb.
3, 709, 34
(
nd.
/
omd.
,
1503
):
Es sal nymant swert, messer, barten ander mortliche wehr tragen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
161, 20
(
thür.
,
1474
):
wy daz er [...] yme met syner morttlichin were in synen koph [...] gehouwen habe.
Winter, Nöst. Weist.
3, 486, 15
(
moobd.
, Hs.
E. 15. Jh.
):
alle stecher und merlich
[Var.:
mordlich, mörderliche
]
hacken sein verpoten.
3.
›grausam, blutig, für den einzelnen nicht mehr kontrollierbar‹ (vom Gemetzel in Kriegen und kriegsähnlichen Zuständen gesagt);
vgl.  12.
Syntagmen:
jn. m. schlagen
›niedermetzeln‹;
der mördliche krieg / überfal, die mördliche not, das mördliche niederlegen der stat
.

Belegblock:

Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
237, 38
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Als dann laider ain mortlicher krieg gewesen ist.
Roth, E. v. Wildenberg
10, 32
(
moobd.
,
v. 1493
):
nach dem volget ein zehen järigs geleger und ein mördlichs niderlegen der stat Troia.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
6267
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
603
;
Boner, Urk. Brugg
396, 3
.
4.
drückt auf dem Hintergrund der in 1 bis 3 genannten Bedeutungsansätze den je nach Bezugsgröße spezifisch ausgeprägten Grad von etw. aus; im einzelnen z. B.:
mördlich
(Gradadv.)
feind
›todfeindlich‹,
das mördliche geschrei
›überlautes Geschrei‹,
die mördliche pein
›Pein der Hölle‹ usw.
Phraseme:
etw. zum mördlichsten auslegen
›etw. zum übelsten auslegen‹; vgl.  123.

Belegblock:

Luther, WA
22, 215, 2
(
1544
):
ER sticht und hawet hiemit umb sich auff die falschen Apostel und Prediger, Denn er ist moͤrdlich feind solchen tropffen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
355, 2997
(
Magdeb.
1608
):
So hebt sich ein murren vnd klagen / | Vnd endlich ein Moͤrdlich geschrey.
Mayer, Folz. Meisterl.
15, 48
(
nobd.
,
v. 1496
):
Auff das dir fort an hang der graus | Zu flihen sülch groß mörtlich pein.
Lemmer, Brant. Narrensch.
84, 17
(
Basel
1494
):
Moͤrtlich schwür duͦt man by dem wyn | Vnd by dem spyel.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 97, 24
(
Straßb.
1520
):
gedencken das solche vbeldaten [...] vß menschlicher bloͤdigkeit beschehen / vnd nit in dem heiligen geist gesündet wurt / [...] / vnd nit alle ding also zuͦ dem mortlichsten vßlegten.
Luther, WA
30, 2, 288, 17
;
32, 324, 19
;
Koppitz, Trojanerkr.
5943
;
Kottinger, Ruffs Adam
385
.
5.
s.  3.