möglich,
auch
müglich
; vereinzelt mit
Präfix
ge-
;
Adj.
1.
›in js. Macht, Handlungsmöglichkeit stehend, jm. machbar, ausführbar, möglich, erreichbar‹;
vgl.  1.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘, auch berichtende Texte.
Phraseme:
als / so (viel) (jm.) (etw.) möglich (ist)
.
Bedeutungsverwandte:
.
Wortbildungen:
mögliche
›dem Menschen eigene Möglichkeit, etw. Gewolltes zu erreichen‹,
möglichen
(V.) ›etw. ermöglichen, entscheiden‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
210, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der mensche sol [...] nemen in allen dingen got in der hœhsten wîse, als ez mugelich ist.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 255
(
rhfrk.
,
1379
):
der scheffen hat gemogelich, [...], daz [...].
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 11
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
einen schein zu begreifen, einen guten, getreuen, beistendigen freunt zu finden ist nahent geleich mügelich auf erden worden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
138, 30
(
omd.
,
1529
/
30
):
Domit nu dy gbot [...] ghalten, so vil megelich, so muß dy
e
arbeit am stein am feyertag abgthan werden.
Barack, Teufels Netz
2246
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
haimliche bringt muglichen | Und veraint och wip und man.
Michels, Murner. Badenf.
29, 34
(
Straßb.
1514
):
[adam] hochfartig begeret das | Jm vnd vns nie müglich was.
Schmidt, Rud. v. Biberach
1, 10
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Das svͦchen der natur der gotheit, als es dem menschen mvͥglich ist, ist ein ilen [...] zem ewigen leben.
Maaler
294v
(
Zürich
1561
):
Müglich. Possibilis. Das sein mag. Luͦg daß du zuͦ mir kommest / so es dir Müglich ist.
Heydn. maister
33r, 1
(
Augsb.
1490
):
er hat geacht / das jm nitt müglich seÿ reíchtumb vnd tugend miteı͂ander zebesiczen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
153, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Aber etwenne so enist ez niht gegenwertig aber ist wol in der müglichi, ez zegewinnen, unde denne so ensuochet ez sin ouch niht. Aber etwenne so ist ez im müglich zegewinnen, aber ez ist erhaben über die müglichi dez gewinnenden.
Barack, Zim. Chron.
2, 596, 19
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
darzu im dann baide seine gebrüeder getrewlichen und sovil inen müglichen, verholfen zu sein versprochen.
Bäumker, Geistl. Liederb.
1, 16, 2
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der engl sprach: nicht wunder dich, | got alle ding sind mügelich.
Turmair
4, 6, 10
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ich mich befliessen hab des alten, natürlichen, iederman verstendigen teutsches, [...] und ie dannocht nit zue weit als vil müglich ist und die art der sprachen erleiden mügen, vom latein.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
236b, 36
;
Ralegh. America
3, 6
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
19, 26
;
Vetter, Pred. Taulers
87, 27
;
Wyss, Luz. Ostersp.
2526
;
10188
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
191, 151
;
Schöpper
102a
.
2.
›denkbar, möglich‹; von Geschehen, Sachverhalten, Zuständen, Tatsachen gesagt, die außerhalb der Handlungsmöglichkeiten des Menschen liegen oder die eher als täterabgewandt dargestellt werden;
vgl. am ehesten  23.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Wortbildungen:
möglichkeit
2.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 30, 39
(
nrddt.
,
1395
):
wann sie doch ewern gnaden und dem heiligen Romischen reiche in allen mogelichen sachen willichlichen gerne gehorsam sin wellen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
305b, 16
(
Frankf./M.
1649
):
Solts aber moͤglich sein / daß der gegen Satz / [...] war sein maͤchte / so finde ich weder Mittel noch wege / sie [...].
Reichert, Gesamtausl. Messe
29, 2
(
Nürnb.
um 1480
):
Es ist kawm mueglich, das Got yemant hassen mueg.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
110, 3
(
Nürnb.
1548
):
die suͤnd [...] zu jnnerst im hertzen driñ / [...] / das nit müglich ist / dz man die suͤnde kan ehe außfegen / es sey deñ leib vnd blut dahin.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 66, 7
(
obd.
,
1521
):
da ward funden, daß es nit müglich were, den pfaffen ir metzen ab zuͦ stricken.
Chron. Strassb.
42, 11
(
els.
,
1362
):
wer es mügelich daz ein lebende mensche moht gottes stat besitzen, kunig Ruͦdolf würde sü besitzende.
Goldammer, Paracelsus
7, 176, 24
(
1530
):
so ist es ein zeichen, daß nit müglich auf erden einem weibsbild ein jungfrau zu sein als allein eine, die ihm gott behüet hat.
Sappler, H. Kaufringer
8, 51
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wie mag das nur müglich sein, | das nun hie die frawe mein | [...] | von iederman gros lobe hat.
Ebd.
28, 23
(Hs.
1472
):
also ist das auch müglich, | das gott mag verpergen sich.
Niewöhner, Teichner
395, 71
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
es ist nicht ein mugleichait | daz dez leibez arbait | an
[›ohne‹]
dez hauptez leiden ste.
Alberus, Barf.
12, 3
;
Luther, WA
48, 171, 4
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
21, 35
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
219, 14
;
Gille u. a., M. Beheim
77, 28
;
Sachs
20, 356, 9
;
Bihlmeyer, Seuse
193, 15
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 4, 26
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
374, 33
;
Kummer, Erlauer Sp.
2, 267
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
81, 23
;
Vgl. ferner s. v.  3,
1
 4.
3.
›rechtlich, rechtsförmlich; von Rechts wegen; rechtsgültig, rechtlich gesichert; rechtlich geboten‹.
Meist Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
, , .
Syntagmen:
eine rolle m. bleiben
;
etw. möglichen geschehen, etw. m. tun / behalten / erzeugen / weisen, von etw. möglichen ledig sein, jm. m. wiedererstattung tun, etw. antworten / bezalen, jm. m. etw. an der summe abgehen, etw. mogelichen an etw. abschlagen, jn. (den könig) m. vom reich entsetzen
; mehrfach im Komp.:
etw. (ein acker) möglicher js. sein, etw. (güter) möglicher auf jn. warten, denne [...], jm. etw. möglicher angestorben sein, denne, [...], etw
. (Akk.)
möglicher inne haben
;
der mögliche schade (dienst / zins), das mögliche gebot
.
Wortbildungen:
möglichen
(Adv.) 1.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
352, 39
(
preuß.
,
1508
):
hawsgerete: ist ein mugelich notdurft gehortte dcm hern voitt, 3 gros zcynnen kannen.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 536, 18
(
rib.
,
1505
):
hiemit willen wir unse rolle, in vurziden [...] gemacht, [...] ungekrenkt, dan moeglich ind mechtich zo bliven, usbehalden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
330, 15
(
thür.
,
1421
):
do fragete her den irbarn man, was her meynete das her sich seynes vatir seligen guter underwunde, die uff on mogelicher warten sulden unde uff on geerbit weren.
Ebd.
544, 13
:
das seyne kynder lant besassen, das her meynete om mogelicher zugestorben sey, denn on.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
24, 15
(
thür.
,
1474
):
daz daz stugke agkers in sin gud gehore, ap er daz nicht mogelich musse erczuge.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
406, 80
(
osächs.
,
1523
/
4
):
daran behalden sie die erbliche abwartung auch pillich und moglich.
Ebd.
507, 30
(
um 1524
):
So sol er moglich dem junsten bruder widerstattung tun oder sol das in der teilung moglichen an seinem teil abschlaen.
Chron. Strassb.
455, 4
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wanne künig Adolf [...] beschuldet hette mit sinen unteten, daz men in mügeliche von dem riche entsetzen solte.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 255
;
Grosch u. a., a. a. O.
3, 320, 20
;
323, 30
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
57, 37
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
179
;
Rwb
9, 821
 f.
Vgl. ferner s. v.  24.
4.
›schicklich, geziemend, angemessen, recht; gerecht; statthaft, recht und billig; gebührenderweise‹; in Abgrenzung von 3 weniger auf das Recht als auf die gesellschaftlichen Moral-, Verhaltensvorstellungen bezogen.
Rechtsbezügliche, didaktische und berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
,  12, (Adj.) 1; , .
Syntagmen:
etw
. (z. B.
eine bitte
)
m. sein, etw. m. werden, jn. etw. m. dunken
;
m. kein erbe nemen, etw. (eine bitte) m. hören, etw. (den tag) m. eren, jm. möglichen hold sein, dank sagen, e. S
. (z. B.
der begierde
)
etw. m. zuzälen, das kreuz den leuten möglicher an den herzen stehen
;
das mögliche nachtgeld
.
Wortbildungen:
möglichen
(Adv.) 2.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
141, 23
(
nrddt.
,
1396
):
Und is mogelicher were, dat ir vor der ufsagunge der vorbindunge dem ordin wedir geben soldet das ufgehaben gelt und gut.
Froning, Alsf. Passionssp.
907
(
ohess.
,
1501 ff.
):
dyn bede ist ßo mogelich, | das dir die nymmandes sail vorsagen!
Behrend, Magd. Fragen
119, 14
(
omd.
,
um 1400
):
dorumme das begebene prister keyn gut an nymandes erbin denne an sinen orden, der solde ouch mogelich keyn erbeteil nemen.
Thiele, Chron. Stolle
362, 31
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Is wart ny mogelich nach recht, | das cristene lute mittenandere sullen fecht.
Feudel, Evangelistar
123, 27
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
ist iz mugelich
[
Luther
1545, Lk. 14, 3:
recht
]
an dem suntage gesunt czu machene?
Gille u. a., M. Beheim
82, 192
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sie gaben im gab sa reich, | die da worn müglich und zimleich | seiner wirdikait raine.
Chron. Strassb.
389, 7
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
es were nüt reht, daz men mit fuͤßen solte dretten uf das crüze, das mügelicher den lüten solte ston an den herzen und an den stirnen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
5, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Dise begirlich lieb und ere gerenden schatz ich pillich und müglich zue zele der begirde und frolockenden wollust meines [...] fürsten.
Dat nuwe Boych
438, 15
;
Chron. Mainz
1, 142, 26
;
360, 18
;
Froning, a. a. O.
1236
;
Thiele, a. a. O.
357, 5
;
361, 7
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
99, 14
;
Chron. Strassb.
69, 12
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
41, 12
;
Rwb
9, 821
.
5.
dient – bezogen auf herausgehobene Größen unterschiedlichster Art – der Kennzeichnung machtvollen und deutlichen sprachlichen Handelns, hoher psychischer und heilsuchender religiöser Anstrengung und der diese voraussetzenden kognitiven Fähigkeiten (
verstand, vernunft
), auch der Charakterisierung der körperlichen Kräfte des Menschen, des kräftigen Wachstums von Pflanzen sowie des schöpfenden Handelns Gottes;
vgl.  127.
Gehäuft älteres und mittleres Frnhd.; teils Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
, (Adj.) 1,  12, , .
Syntagmen:
etw. (die weinrebe) m. sein, das brot
(des Abendmahls)
m. werden
;
m. singen, etw. m. sagen / tun, einer macht etw. mögliches antworten
;
der mögliche fleis / geist, die mögliche einigkeit / kraft / vernunft, das mögliche verstehen
.

Belegblock:

Schöpper
50a
(
Dortm.
1550
):
Incolumis Gesundt muͤglich frisch / starck wollmuͤgend.
Quint, Eckharts Pred.
1, 303, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle ensol niemer geruowen in der mügelîchen kraft, si enwerde al ein in gote.
Ebd.
2, 119, 6
:
Dionysius sprichet von dem gewîheten vürstentuome der engel, dar inne ist götlich ordenunge [...] und götlich glîchnisse oder götlich wârheit, als ez mügelich ist.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3333
(
rib.
,
1444
):
Sunder id [brod] is da gantz ind reyne, | Lijfflichen ind moegentlich, | Untgaenwordich ind weerlich.
Strauch, Par. anime int.
52, 20
(
thür.
,
14. Jh.
):
nu glichit sich fornuftikeit in der muglichin craft deme naturlichin lichte der engle.
Ebd.
95, 29
:
zwo bekentliche crefte noch deme ubersten der sele. eine di wirkinde fornuft, di andere ein lidinde oder ein muglich fornuft.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1802
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Wan die gnade gotz, [...], die haltet sich wesenlich als ein einfaltig lieht in vnserm moͤgenlichem verstonde.
Stammler, Berner Weltger.
751
(
ohalem.
,
1465
):
so bitt ich dich muͤterlich: | Sig hüt min gebett müglich.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3835
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
So soͤllen wir nun muglich sagen | Was grosser froͤd múgen tragen | Alle die die dar zuͦ sin gezelt.
Löffler, Columella/Österreicher
1, 135, 7
(
schwäb.
,
1491
):
uff den weg uff zogen wirt er
[Weinstock, Sproß]
schnel múglich werden und am dritten jaͮr von der muͦtter tailt.
Ebd.
167, 6
:
die win reb die in der frucht und in der matery muͤglich ist, da das ain zuͦ den nútzen des buwers, das ander zuͦ der taͤglichait des stamen vil zuͦ trett.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
357, 31
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
sit ein iekliches wirkendes wirket im ein gliches, so antwert einer leklichen wirkender maht etwaz mügliches alse ein gegenwurf.
Primisser, Suchenwirt
41, 1408
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der alle dinch mugleichen tuͦt, | [...] | Der alle creattewre | hat ordenleich besachet.
Klein, Oswald
56, 15
(
oobd.
,
1417
/
8
):
Dein poschotz mündlin freuden pringt, | dein zendlin zwingt; wem da gelingt, | derselb muglicher singt.
Jostes, Eckhart
17, 27
;
Eichler, a. a. O.
2, 1321
;
Eschenloher. Medicus
33, 26
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 79, 26
.
Vgl. ferner s. v.  11.