liebkosen,
V.
1.
›jm. / e. S. liebevoll, freundlich entgegentreten, liebevoll mit jm. umgehen, zu jm. sprechen‹, auch: ›jm. schmeicheln‹.
Meist Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Wortbildungen:
liebkosung
1 ›das Preisen, Lob‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
66, 12
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
uf den knien werden sy uch lyebekosen
[
Wormser Proph.
1527:
kurtzweilen
;
Froschauer
1530:
werdend erfroͤwet
;
Eck
1537:
schmaichlen
;
Luther
1545:
freundlich halten
]
rechte als eine mutir lyebekoset irem kynde.
Ebd. Jer.
5, 31
:
dy propheten haben gewyssaget logene und di pristir haben gelibekoset
[
Eck
1537:
klopften
;
Luther
1545:
herrschen
]
darzu mit iren henden.
Luther, WA (
1544
):
das er sich solche gute meinung kuͤtzeln liesse, jm widerumb zu heucheln und liebkosen.
Quint, Eckharts Pred.
34, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
alsus liepkôset uns got, alsus vlêhet uns got, und got enmac niht erbeiten, biz sich diu sêle gesmucket und geschelet von der crêatûre.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
34, 22
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Des suchin yn [man] sine mok unde vrunde glich eyner di do lyt in deme kindbette, unde libekosin mit ym unde vroygin sich mit ym.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
26, 9
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Rhetorica, blüender grunt der liebkosung, hilfet da nicht mit iren blüenden und wol geferbten reden.
Gille u. a., M. Beheim
15
Überschrift (
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
von der lieb kosung Sand Augustin
(es folgt ein Gotteslob).
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
sein sele was zuͦgehaft mit ir: vnd er trost die trawrigen lieb kosende
[
Luther
1545, 1. Mose 34, 3:
redete freundlich mit jr
].
2.
›jm. / sich selbst schmeicheln, schönreden, schöntun, sich schönrednerisch bei jm. einschmeicheln, jm. nach dem Mund reden, sich anbiedern; mit betrügerischer Absicht seinen Vorteil suchen‹.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
ane liebkosen
›ohne zu schmeicheln‹.
Gegensätze:
(V.) 1.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
der geiz, die zunge
)
l
.;
e. P
. (z. B.
dem babst, sich / im selbst
)
/ e. S
. (z. B.
dem adel / volk, der welt
)
l
.;
mit jm. l
. (z. B.
mit herren / frauen
), subst.:
js. liebkosen verhüten, mit liebkosen reden, etw. ane liebkosen ausfüren / beschreiben, jn. durch liebkosen
[wo]
einflicken, jn. mit liebkosen von etw. weisen
;
das falsche liebkosen
.
Wortbildungen:
liebkosel
,
liebköseln
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Adulari. Schmeicheln liebkosen ohrenkuͤtzeln zu duͤtteln schmieren augendienen liebtraben kuͤntzlen ohrenkrawen federklauben streicheln ¶ zaͤrtlen lieblen heyen taͤntzlen auffheben ¶ heucheln gleißnen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 15
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Triegen, listen, smeichen, spinnen, liebkosen, widerburren, lachen, weinen kan sie [weib] wol in einem augenblick; angeboren ist es sie.
Ebd.
29, 22
:
On liebkosen mit kurzer rede: aller werlt aufhaltung, [...], sint die werden frauen!
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
2, 26
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
wenn wir uns also inwendig in unser aigen gewissen bekennen, wir wollen uns dann selbs liebkoßen.
Fischer, Folz. Reimp.
25, 151
(
Nürnb.
1479
):
[Geicz] Hendschmirt, libkost, dreugt arm und reich, | Pleibt hie ungesettet ewicleich.
Franck, Decl.
336, 16
(
Nürnb.
1531
):
das wir das zussern / kleispern / liebkosen vnd schmaichlend federklauben der schnoͤden huͦren verhuͤtten.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
des [gottes] minneklich zúrnen besser ist, denn falsches liepkosen.
Ruh, Bonaventura
358, 6
(
orhein.
,
um 1480
):
daz du niemer weder in wortten, wercken oder wissen etwaz vnwillens, [...] noch figenlichen gebrechttes, [...], hinderredens, ergerniß, liebkossen [...] durch dich andern ein vrsach sigest.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Es ist heucheley, es ist schmeichelei, Liebkosen, heimliche Boßheit.
bei den geringsten Handwercken, die alle sich in ihrem Wesen selbst schmeichlen vnd Liebkosen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das Liebkoͤßlen. Assentatiuncula. Liebkosen / Eigentlich wie die hund mitt dem schwantz. Adulari. Zaͤntzlen. [...]. Dem volck Liebkosen / zaͤntzlen / vnd spaͤckle durchs maul ziehen. [...]. Sich durch Liebkosen in einsi gmeinschafft eynflicken.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
306, 37
(
Genf
1636
):
Liebkosen / denn Fuchßschwantz einem streichen / Schmeichlen.
Ebd.
41
:
Das (liebkosen) n. Fuchßschwaͤntzerey.
Ebd.
307, 1
:
Liebkosel / Flattner / Fuchßschwaͤntzer.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
134, 5
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Wagner, a. a. O.
10, 39
;
Bihlmeyer, a. a. O. ;
Ruh, a. a. O.
354, 30
,
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
7, 9, 6
;
9, 68, 32
;
Roloff, Brant. Tsp.
457
;
Adrian, Saelden Hort
2536
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Schmitt, Ordo rerum
687, 12
;
Ulner
253
.
Vgl. ferner s. v. (V., unr. abl.) 7.