leihen,
V., unr. abl.,
vereinzelt auch regelmäßig;
zu
mhd.
lîhen
›leihen‹
(Lexer
1, 1917
).
Bed. 1 allg., daran anschließbar 2; 4; 5 als Spezialisierungen, 3 ist konversosem zu 1; 2 und 4. Bei Bed. 6 kommt das in frnhd. Zeit bereits in den Hintergrund geratene personenrechtliche Treueverhältnis zwischen einem Geber und einem Nehmer in teilweise religiös überhöhter Form zum Ausdruck, was auch die entsprechenden Abstrakta wie
huld
und
gnade
bezeugen. Von 6 an tritt die Möglichkeit der Rückgabe des geliehenen Gutes immer deutlicher in den Hintergrund, das kurzfristige Zur-Verfügung-Stellen wird zur schenkenden Gnade (6), zur gewährenden Erlaubnis (7), zum einräumenden Zugeständnis (8) und zum mehr oder minder freiwilligen Geschenk bzw. Opfer (9).
1.
allgemein und mit den unterschiedlichsten Bezugsgegenständen: ›jm. etw. (z. B. bewegliche Sachen, Räume, Tiere, auch Personen bzw. deren Dienstleistungen) entgeltlich oder unentgeltlich zur zeitweiligen Verfügung oder Nutzung überlassen, verleihen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,
1
 3,  2, , .
Syntagmen:
jm.
(z. B.
Gregorius, dem herzog / lande / pfeilschifter, den marktleuten
)
etw.
(z. B.
den esel / haufen / hengst / wein, die farbe / farende habe / kost / reitleine, das ablasgezaue / bette / geschir / getreide / gezeug / haus / oblateisen / pferd / schwert / turn) / jn
. (z. B.
den boten / diener / hauptman / helden, die hausfrau, das volk, die einrösser / knechte / männer / reisigen / wächter / weiber
)
l.; etw. um barschaft / gelt l., etw. von handen, an miete, vergebens l
.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 2, 320, 21
(
1522
):
du solt deinem himlischen vater nachvolgen und deinen feynd liebenn, [...] leihen dem, der es bedarff.
Ebd.
16, 157, 24
(
1524-27
):
das sie inen ir Silbergeschirr borgen und leihen solten?
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
608, 26429
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
[kunic Lokit] bat, daz er [kung Gedemin] im lê | sînre dit zwelfhundirt man.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
213, 36
(
preuß.
,
1393
):
73 leste rocken gereit und 4 leste schultrocken dem lande gelegen.
Schöpper
84b
(
Dortm.
1550
):
DARE COMMOdato. Leyhen geprauchen lassen verstrecken.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 145
(
hess.
,
1400-1450
):
welichir [...] des geredes begert zu bruden oder zu kintschanken [...], daz sollen ym die meister lihin.
Schmitz, Schiltb.
131, 10
(
Frankf.
1597
):
Ich gieng zu meiner Gevatter / vnnd bate sie vmb jhr Arßloch. | Sie gab mirs nicht / vnd liehe mirs doch.
Leman, Kulm. Recht
1, 5, 5
(
omd.
,
1. H. 13. Jh.
):
Tut adir lyet eyn man dem andirn syne varnde habe welchirleye dy ist in guten truwen.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
7, 7
(
omd.
,
n. 1474
):
leych vns herczoge Otto von Beyern czwene knechte, die beleytten vns biß geyn Rotenbach.
Thiele, Chron. Stolle
387, 13
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wanne sie hatten oren houbtman mit alle oren dienern unnd reysingem geczuge gelegen eynem hern von honstein.
Küther, UB Frauensee
266, 9
(
thür.
,
1491
):
ab sichß begebe nach dem jar, daz sich der hoffman besurgeth, daz er mit futter nicht gelangen kunde, daz er korn adder haffern abneme wolle zu leighen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
260, 26
(
osächs.
,
1335
):
Welch man ein pfert ritet [...], ab iz wol geligen were oder ab he iz gemietet hette, so muz he iz iu ledic machen unde verstehn an der stat.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
14, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Von den dy ir wip lygin den markt lutin durch di libe irer gote.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
195, 20
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
darzu lehe ich im ein reitleinne von sechunddreissig klofter lanck und ein leittern.
Ebd.
301, 24
:
ein hengel und ein newer kupfer keßel; lehen die juden hinauf
[ins Schloß].
Ebd.
303, 17
:
Herman Herl wart von Sebolt Kressen bestelt mit eim pfert, dem lech man der stat keren ein mit eim wasserfaß.
Rupprich, Dürer
1, 152, 95
(
nobd.
,
1520
):
Jch hab meister Joachim für 1 gulden kunst geschenckt, darum das er mir sein knecht und farb geliehen hat.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2446, 33
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Schön Betbücher thun mich erfreyen. | Mein Nachtbaur, ich bit: thut mirs leihn!
Welti, Stadtr. Bern
480, 15
(
halem.
,
15. Jh.
):
Swerend der statt werckmeister von smiden, [...] der statt gezuͥg niemand ze lichen.
Köbler, Stattr. Fryburg
89, 3
(
Basel
1520
):
WJr finde͂ dz lyhe͂ zwen vnderscheyd hat / am ersten / so würdt gelt / wyn / korn / tuͦch / stahel / ysen / oͤl vnd anders das mit einem glyche͂ wert / wider bezalt werden mag / von handen gelyhen / vnd dz mag mã nennen dz es gelyhe͂ sye / vmb barschafft. Am andern begibt sich dz ein guͦt fründ dem andern ein varende hab / vergebenlich / oder vm͂ gelt hinlyhet zuͦm gepruch / also daß das selb guͦt wider geantwuͦrt werden sol.
Maaler
270v
(
Zürich
1561
):
Einem sein hauß Leyhen hochzeyt dariñ zehaben.
Müller, Welthandelsbr.
179, 36
(
schwäb.
,
1506
):
ist die untrew so groß, daz ain bruder dem andern sein esel nit leicht ain tag.
Klein, Oswald
105, 18
(
oobd.
,
1432
):
und welcher da kain beulen hett, | der dorft sein nicht zu leihen.
Dirr, Münchner Stadtr.
367, 26
(
moobd.
,
1340
):
Swer gewant, vederwat oder anderlay guͦt [...] hinleicht umb lon oder umb zins oder durch triw, wirt daz von dem, dem ez gelihen ist, versetzzt oder verchummert, so sol der, dez ez ist, an enen choͤmen, dem ez gelihen ist, und sol in anchlagen.
Mollay, Ofner Stadtr.
343
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wem Man eynn dingk leicht Vonn dem selbigenn schol man seÿn gewoͤrten.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
57, 29
;
Behrend, Magd. Fragen
155, 3
;
Thiele, a. a. O.
419, 3
;
v. Tscharner, a. a. O.
32, 23
;
Chron. Nürnb.
2, 258, 5
;
274,
Anm. 3;
305, 7
;
Lexer, a. a. O.
52, 33
;
204, 5
;
Köbler, Ref. Nürnberg
99, 7
;
Sachs
16, 95, 6
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 368, 2
;
Rennefahrt, Recht Laupen
18, 26
;
ders., Gebiet Bern
45, 17
;
46, 2
;
Sexauer, Schrr. in Kart.
252, 3
;
253, 7
;
Köbler, a. a. O.
91, 1
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 196, 11
;
Bauer, Geiler. Pred.
316, 28
;
Chron. Augsb.
1, 258, 4
;
6, 58, 18
;
8, 395,
Anm. 8;
Niewöhner, Teichner
309, 7
;
13
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 826, 23
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
363, 5
;
Zingerle, Inventare
7, 2, 7
;
87, 2, 24
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
99l, 9
;
Hulsius
L ijv
;
Rwb
8, 1166
 ff.;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 242/243
.
Vgl. ferner s. v. ,  1,  11.
2.
›jm. Geld mit oder ohne Zins ausleihen, borgen, jm. Geld vorstrecken‹; Spezialisierung zu 1.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 1,  9,
1
 34,  1, , .
Gegensätze:
2
 4.
Syntagmen:
mit gedinge l.; etw.
(z. B.
eine mark
)
um etw.
(z. B.
um ein pfund
)
l.; jm.
(z. B.
dem armen / reichen
)
l., jm.
(z. B.
den armen
)
etw.
(z. B.
100 gulden
)
l., jm. etw.
(z. B.
gelt
)
auf wucher / zerung / ziel, um zins l., jm. etw.
(z. B.
gelt
)
auf etw.
(z. B.
auf den hof, auf pfand, auf güter
)
, über das spiel, aus der lade, durch minne l.; die geliehene barschaft, das geliehene gelt / gold, geliehene gulden
.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
256, 3
(
preuß.
,
1411
):
vor 4450 scheffel haber, den der treszeler von den gebuwern im werder gekowfft hat, als her in das gelt czuvor dor off leyg.
Große, Schwabensp.
145a, 2
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
SWer ich eynem manne wuͦcher zuͦ gebene dar vmme, daz her mir guͦt liet vf mine houͦe oder vf ander phant, vnde her wil mir nicht lien, ichn swer im vf den hillegen, daz ich den wuͦcher nimmer widder gevordere.
Chron. Köln
1, 2089
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat sy eme leinden zein dusent marck, | here, dat schait in also vele, | als die ein marck myt spele | verlore.
Köbler, Ref. Franckenfort
57, 10
(
Mainz
1509
):
Wañ auch vnder christen einer dem andern [...] vff sein bitt etlich gelt vff pfand lyhen wolt / oder würde / etlich zeit zu halten.
Ders., Ref. Wormbs
125, 15
(
Worms
1499
):
OB sich einer durch syn eigen hantgeschrifft [...] bekennet etlichs gelihen geldes.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 189, 3
(
hess.
,
1377
):
ensal nymand uff keyn geverwit garn nit lyhen oder keuffin adir zu phande haldin.
Ermisch, Sächs. Bergr.
95, 19
(
osächs.
,
1479
):
das die schichtmeister das gelt, das eyner zcechen zcugestanden had, einer andern gelihen habin.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
347
(
schles. inseldt.
,
1466
):
Clos Wasszner [...] hot gelÿen seynen stiffsonne Clos Wassznern VII marg off dem erbe.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
119, 29
(
nobd.
,
1392
):
dez Tetzels kneht ist die stat verboten [...] darumb, daz er sehs umb siben gelihen hat [...]. Und daz er auch uff verstolene pfant gelihen hat.
Chron. Strassb.
110, 20
(
els.
,
1362
):
[ir armen wuͦcherere] Du lihest ein marg al umbe ein pfunt, | Daz zühet dich in der helle grunt.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
240, 4
(
halem.
,
1525
):
Er rede nit darwider, das ein guͦt fründ und gsell dem andern gelt lihe uf zil, desglich so einer dem andern gelt umb zins licht on nötung des hoptguͦtz.
Welti, Stadtr. Bern
98, 7
(
halem.
,
1401
):
wa ieman der vͥnsren den andren von dishin ansprichet vmb deheinerley geltschuld, es sie von koͮffens, lihens oder ander sache wegen nach einem jar.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1018
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
in diser cristen hait | Die maͤntelin vil maͤnger trait, | Der nitt sin guͦt durch goͤttlich minne | Lichet.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
442, 26
(
halem.
,
1520
):
so woͤllen wir im daruff [harnesch] lichen oder den umb ein zimlich gaͤlt abnaͤmen, und nitdesterminder im nachlassen, das er den umb zimlichen pfennig widerloͤsen [moge].
Ders., Recht Laupen
278, 12
(
halem.
,
1620
):
unvergriffen die gült- und schuldbrieffen, so umb gelichen gaͤlt nach deß ußlychers gfallen angeben und geschriben werden moͤgend.
Köbler, Stattr. Fryburg
109, 1
(
Basel
1520
):
Gelt lyhen vff buw der hüser. Welcher eine͂ andern gelt lyhet / das er ein huß buwe / [...] / dem ist daßselb huß vmb die schuld verpfendt.
Maaler
43v
(
Zürich
1561
):
Außleyher (der) [...]. Der eim gaͤlt leycht vnd fürsetzt.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 410, 15
(
schwäb.
,
1520
):
Von der zinß wegen [...], so weyl und abt Hanns [...] den armenleuten uff ire gütter gelihen hat.
Müller, Stadtr. Ravensb.
87, 16
(
oschwäb.
,
1326-30
):
swelch burger pfennige lihet ob spile ald uf kain pfant, der sol daz pfant wider gen an allen schaden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
85, 2
(
mslow. inseldt.
,
1608
):
meldet bortosch 9 florin schulden an, die Er dem Thoman Rißl gelihen.
Rechn. Hermannst.
371, 24
(
siebenb.
,
1503
):
den Mÿllenbecher hat man gelawen off czerung flor. 2.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
101, 41
(
Venedig
1483
):
wen man leicht mit gedinge vnd vͤber das hawbtgut etwas nympt [...] das ist wuͦcher.
Luther, WA
17, 1, 369, 23
 f.;
41, 702, 33
;
47, 380, 31
;
Ziesemer, Gr. Ämterb.
225, 37
;
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
336, 4
;
338, 5
;
Köbler, Ref. Franckenfort
71, 20
;
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 65
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
26, 20
;
Palm, Veter Buoch
55, 29
;
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
522
;
Anderson u. a., Flugschrr.
30, 3, 13
;
Köbler, Stattr. Fryburg
89, 2
; 8;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
238, 39
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 4, 19
;
Chron. Augsb.
2, 79, 30
;
3, 171, 9
;
5, 101, 3
;
Bastian, Runtingerb.
2, 287, 7
;
Primisser, Suchenwirt
14, 203
;
29, 133
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
136, 31
;
Dirr, Münchner Stadtr.
362, 13
;
Hör, Urk. St. Veit
194, 18
;
Moscouia
C 3v, 15
;
Rechn. Kronstadt
2, 161, 10
;
Dasypodius
142
;
Maaler
267v
;
270v
;
Vgl. ferner s. v.  1,  2,  1,  1, (Adj.) 1,  1.
3.
›sich etw. (z. B. Korn, Brot, Kleidung, auch Geld) von jm. leihen, sich etw. borgen‹; konversosem zu 1; 2.
Bedeutungsverwandte:
 16,
1
 5,  1,  2.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
1, 386, 24
(
preuß.
,
1422
):
wenne dy [undersaszen] komen vor ir hern und begeren hulfe, als korn czu lyen.
Schöpper
84b
(
Dortm.
1550
):
Commodato accipere. Lehnen entlehnen tzu leihen nemen auffnemen borgen.
Chron. Mainz
1, 104, 34
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
hat man auch bezalt solich gelt, das die vorgenanten of die selbe zit [...] zu sture geluwen gehabt hant.
Roder, Stadtr. Villingen
121, 2
(
önalem.
,
ab 1501
):
es soll auch keiner, wer der wäre, niemant ahn gelt oder gelts werth auf sein lehenstuck oder güeter ohne vorwissen meiner herren nichts leihen und dargegen das lehenguet für den zins nutzen.
Auer, Stadtr. München
93, 12
(
moobd.
,
n. 1347
):
Swaz man ainem leicht oder setzt, daz sol man im unverderbtez wider geben.
Fastnachtsp.
1158, 40
;
Rechn. Kronstadt
2, 101, 12
;
Rwb
8, 1170
.
4.
in unterschiedlichen rechtlichen Zusammenhängen: ›jm., Gemeinschaften (z. B. Städten, Predigern, Bauern, Adligen) etw. (z. B. eine Herrschaft, ein Gut, eine Pfründe, Freiheiten, Rechte) zur Verfügung stellen, zum Lehen geben, jm. die Nutzungs- bzw. Besitzrechte an einem Land mit einem Rechtsvorbehalt (z. B. dem Wiedereinzugsrecht oder anderen dem Leihgeber vorbehaltenen Rechten) entweder auf eine begrenzte Zeit (auch lebenslang) oder mit Lehnfolgeberechtigung übergeben‹. Die Spannweite der zu verleihenden Bezugsgegenstände reicht vom Recht des einfachen Hirten (Huderecht) über die kurzfristige Pachtung und die damit verbundenen Schürfrechte in einem Bergwerk bis hin zur Verleihung von Lehen an Könige.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, Chroniken.
Zur Sache: Hrg
2, 1820
; Lex. d. Mal.
5, 1856
.
Phraseme:
leihen und lösen
im Schwäb. verwendete Formel für das Recht des Verleihers, das verliehene Gut nach dem Tod des Entleihers weiterzuverleihen oder wieder einzuziehen.
Bedeutungsverwandte:
 4, , , .
Syntagmen:
etw.
(z. B.
lehen
)
l., j.
(z. B.
der ambtman / bergmeister / keiser / könig / lehenherre / rat
)
jm.
(z. B.
dem bruder / erben / fremden / fürsten / herzog / pfaffen, den kindern / nachfolgenden / paten
)
etw.
(z. B.
einen hof / rein, die badstube / vogtei / mark / müle / pfarre / pfründe, das dorf / erbe / gut / land / lehen, die äcker / bistume / fürstentümer / pfarkirchen / provinzen / reben / regalia / reiche
)
l.; jm. l., das [...]
.
Wortbildungen:
leihebank
›Verkaufsbank, für die Zinsen an die Obrigkeit abgegeben werden müssen‹,
leihebrief
›Vertragsurkunde über ein geliehenes Gut‹ (um 1500).

Belegblock:

Große, Schwabensp.
47a, 10
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
lenrecht gebet man deme nicht, der vri vor deme sebendeme herschilde ist. Swen aber eyn here iz, der eyn liet, der des sebenden herschildes darbet, der hat also guͦt recht daran.
Chron. Köln
1, 650
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dan maich hie
[Kaiser]
lien | leen, die man helt van me riche | ind schrift dan vurwert sicherlich.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 1005, 2
(
mosfrk.
,
1321
):
das wir mogent machen banmülen und banofen und alle leihebenke zu broide, zu fleische [...] zu allerleie kauf und krame zu machen.
Chron. Mainz
1, 3, 6
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
daz der keiser die bistum inweg leie und meint auch dar zu recht zu lihen han.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 225, 25
(
hess.
,
1538
):
Wie ein furst, wan er einem ein stamlehen leiget, das er es auch den kindern und nachfolgenden allen damit geluhen hat.
Hübner, Buch Daniel
1617
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Darnach der kunic lien | Begonde dissen drien | Wider daz lant Babylon.
Ebd.
4686
:
Daz alle riche bekant | In des hohen Gotis hant | [...] | Nemen, lihen er sie mac | Sweme sin genade wil.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
709, 22
(
thür.
,
1421
):
sie zogin do mit graven Hanse [...] zu deme keisser, der sulde on die benantin sloss zu lehnrechte leien.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5016
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
glich alss ein konig dut lehens gabe | unnd liget erbe das in sin rich gehoret.
Opel, Spittendorf
208, 2
(
osächs.
,
um 1480
):
das das lehen seinem baten herr Eychharde [...] umb gottes willen möchte gelyhen werden.
Ermisch, Sächs. Bergr.
9, 23
(
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
Vorligen sich dy lehen dryer tageschicht yn dryen erbeytenden tagen nach enandir, so mag sy der bergmeister lihen umme myns herren recht, wer buwen wil.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 53, 11
(
schles.
,
1360
):
silberwerg kupferwerg zinewerg [...], das lige wir yn und eren erben mit allen lenrechten.
Chron. Nürnb.
4, 381, 17
(
nobd.
,
15. Jh.
):
die fursten, den man leihen wolt, ranten vor dem leihen auf dem Markt in eim redlein vor dem stul und giengen doch zu fussen auf den stul, da laih in der kaiser.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 162, 23
(
nobd.
,
1464
):
Hainczen Knappen ist auch bey mein zeyten [...] gelihen worden ewiglich zwͤ bleyben ein cleynes rewt.
Chron. Strassb.
459, 30
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do schuͦf künig Obreht, das es [künigreich] Karlen sinre swester sun geluhen wart von dem bobeste.
Welti, Stadtr. Bern
43, 7
(
halem.
,
A. 14. Jh.
):
dar vmbe von vͥnser kuͥnglicher friheit lien wir vͥch, dz ir korn, win vnd ander ding frilich koͮffen vnd verkoͮffen muͥgent.
Boos, UB Aarau
273, 30
(
halem.
,
1433
):
das ich [...] zuͦ einem fryen lechen hin verlichen han und lichen hin mit disem brieff [...] den wisen bescheidenen schultheissen [...] zuͦ iro statt handen [...] ein múli.
Merk, Stadtr. Neuenb.
153, 17
(
nalem.
,
1403
):
moͤgent die liher der selben phruͦnd si denne lihen ze glicher wise.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
211, 11
(
halem.
,
1525
):
sin gnad haben inen die widam gelichen lut des lehenbriefs.
Rennefahrt, Statut. Saanen
223, 22
(
halem.
,
1598
):
Das man den frembden nit lyhen soll. [...] ist von einer lantzgmeind erkent, das man den ußeren frembden im land kein guͦt [...] lyhen soll, weder weid noch mad.
Koller, Ref. Siegmunds
131, 12
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ein yegelicher byschof sol alle pfarkirchen lihen und besorgen mit gelerten personen.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 642, 17
(
schwäb.
,
1398
):
hând [...] uns daruff duͥ aͤbtissenn [...] die guͤter [...] wider geluͥhen vor geriht ze aigen umb ainen jaͤrlichen zins.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 678, 2
(
schwäb.
,
1530
):
die badstueben verleiht die herrschaft, und darumb soll ein bader, so ihme geliehen würdt, der herrschaft geloben.
Rapp, UB Stuttg.
75, 30
(
schwäb.
,
1399
):
[Konrad Glatz verkauft]
zuͦ ainem staͤten ewigen lihenden und loͤsenden kouf
[dem ehrbaren Trutwin, 5 Schilling Heller]
ewiges lihentz und loͤsentz zins aus seinem Weingarten.
Chron. Augsb.
2, 76, 15
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
pat er den künig auch, daß er ime das bistumb lich, [...]; aber der künig wolt ims nit leihen und wolt in auch für kainen bischoff haben.
Ebd.
5, 96, 12
:
als der reichstag noch hie was, da lich der kaiser dem pfaltzgraffen 3 stättlin zuͦ lehen.
Dirr, Münchner Stadtr.
340, 13
(
moobd.
,
1340
):
Wolt aver der lehenherr daz lehen dem selben nicht leyhen, so sol er varn an den lantzherrn, der sol ims leihen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
41, 4
(
m/soobd.
,
1508
):
wirt aber ain erib furgenomen, dem man das guet lechen soll, dem selben eriben sol ain ambtman leihen nach dem und das guet ist.
Piirainen, Igl. Bergr.
22, 2, 14
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
Das mann ainen suechstoll(en) Darzue od(er) Darein far, wem mann das dann leicht der hatt d(a)z recht.
Luther, WA
36, 15, 23
;
Valli, Baldemann
492
;
Opel, a. a. O.
268, 17
;
Ermisch, a. a. O.
15, 8
;
Wattenbach, Urk. Rauden
94, 11
;
95, 23
;
Wutke, a. a. O.
20, 95, 31
;
107, 9
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
40, 37
;
Chron. Nürnb.
1, 377, 4
;
2, 21, 19
;
337, 22
;
3, 122, 21
;
4, 381, 8
;
382, 3
;
5, 472, 4
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
20, 43
;
84, 28
;
Müller, a. a. O.
238, 37
;
Merz, Urk. Wildegg
144, 6
;
Rapp, a. a. O.
75, 36
;
189, 12
;
Chron. Augsb.
1, 58, 6
;
294, 9
;
7, 243, 23
;
8, 354,
Anm. 1;
Gehring, a. a. O.
3, 169, 37
;
262, 28
;
310, 6
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 159, 5
;
892, 18
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
78, 13
;
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
409, 6
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
92, 1
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 29, 18
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
5, 24
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
48r, 28
;
102r, 31
;
Voc. Teut.-Lat.
k vijr
;
Vorarlb. Wb.
2, 262
;
Rwb
8, 1164
;
Buchda, Schöffenspr. Pössneck
4, 215
;
Veith, Bwb.
324
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 243
.
Vgl. ferner s. v. , ,
1
 6, ,  1.
5.
›jm. ein Amt verleihen, jm. eine besondere Aufgabe übertragen‹; Spezialisierung zu 4. In den Belegen steht die mit der Verleihung eines Amtes verbundene Aufgabe im Vordergrund, obwohl Amt und Amtsgut als Einheit, und damit als Lehen betrachtet wurden.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
474, 42
(
osächs.
,
um 1480
):
so solte das schultessen ammicht einem besessenen burger zu Halle gelegen werden, [...] und mein herre oder seine nachkommende wolden das gerichte denne einem burger leyhen, vor dem der rath bethe.
Chron. Nürnb.
3, 172, 22
(
nobd.
,
1488
):
im [Huß] wart auch gelihen ein treffenlich predigampt in der kirchen zu Prag.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
229, 7
(
halem.
,
1525
):
den priestern und pfarrern sige allen der mas und gestalt gelichen, das si söllten predigen das heilig evangelium.
Jörg, Salat. Reformationschr.
312, 1
(
halem.
,
1534
/
5
):
well pfaffen wibtend [...] denen sott man kein pfruͤnd lien.
Wolf, Norm im sp. Ma.
55, 63
(
schwäb.
,
15.
/
16. Jh.
):
das ime uon dem gemainen minister das ampt der predicaten sei gelichen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 504, 8
(
schwäb.
,
1570
):
weil sich ain gemaind dahin verglichen, daß man ainem jeden die gassen vor seiner hofraitin vor andern einzustrewen und aufzuscheüflen auf sein begeren verleyhet. doch wa ainer sollichs nit begert [...], deß die gemaindspfleger für billich gedeucht, so mügen sie solliche gassen ainem andern leyhen.
Gehring, a. a. O.
3, 229, 21
;
Chron. Augsb.
6, 65, 9
;
Winter, Nöst. Weist.
4, 196, 14
.
6.
›jm. aus Wohlwollen, Gnade, Gunst etw. (meist Abstraktes) zeitlich begrenzt gewähren, jm. etw. zuteil werden lassen‹; Spezialisierung zu 1 vor dem religiösen Hintergrund der Größe des Gebenden, der Nichtigkeit des Nehmenden und besonders der Unmöglichkeit, die geschenkte Gabe in gleicher Weise zurückzugeben.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
36, 14
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Allez, daz guot ist und güete, daz hât im got gelihen und niht gegeben.
Ebd.
420, 10
:
swaz diu sêle krefte hât über daz si den fünf sinnen gibet, die krefte gibet diu sêle alle dem innern menschen, und sô dér mensche etwaz hôhes edeles gegenwurfes hât, sô ziuhet si an sich alle die krefte, die si den fünf sinnen gelihen hât.
Hübner, Buch Daniel
4905
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Erende den richen me | Danne Got, der en vor e | Leich gut, sele unde lib.
v. Groote, Muskatblut
58, 19
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Got liget dir hie, er gaff dir nye, | er nympt ouch dir des lebens zir.
Ebd.
85, 20
:
Ach armer mentsch wie bist so blint, | [...] | din gross guͦt wirt dir ein wint | daz dir got hat gelyhen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
540, 5
(
els.
,
1362
):
dirre recht lihte mir herre Jhesus Cristus eins vnd halte er das andere, so begnuͤget mich.
Klein, Oswald
23, 50
(
oobd.
,
1425
):
got lech mir seinen hüt.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
22, 11
Var;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 63
.
7.
›(jm.) etw. gewähren, zugestehen, erlauben; etw. stiften‹.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
8928
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Da was der hammer den man nennet krieg, | Und versmehonge den anebuß lieg.
Brinkmann, Bad. Weist.
37, 24
(
rhfrk.
,
1467
):
[er] hab ine gebeten, das er ime lichen wolt die hund zu furen.
Hübner, Buch Daniel
252
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Gantz urloub er lihete | Abe sin von dem aze.
Staub, Qu. Wien
3, 1, 2018, 14
(
moobd.
,
1387
):
caplan der ewigen messe, die her Jorg [...] leicht.
McClean, Havich
4343
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
der chünig wolt darzu leichen, | wer umb chain schult | nicht hiet des reichs hult, | der het frid dar und dan.
8.
›jm. etw. einräumen, etw. zugeben‹.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
450
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Ir wisheit dich gar vrihet, | Wand en der vient lihet, | War sin alle ire wort.
9.
›jm. etw. geben, zuteil werden lassen, (dar)reichen‹.
Phraseme
einen Körperteil o. ä., z. B.:
die hand / stimme / zunge (zu etw.) leihen
›etw. für einen andern ausführen‹;
das har zu etw. leihen
›den Kopf für etw. hinhalten‹;
keine rede zu etw. leihen
›nichts dazu sagen‹;
e. S. stat leihen
›e. S. Vorschub leisten‹.

Belegblock:

Luther, WA
27, 248, 7
(
1528
):
Also ungerne er ein wolt erwurgen, als ungern einen richten, sed er mus die hand leihen und darhalten qui habet autoritatem iudicandi.
Ebd.
45, 310, 39
(
1537
):
Das Wort ist sein, ob ich schon meine Zungen und Stimme dazu leihe.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
561, 1720
(
Magdeb.
1608
):
Denn / wenn die Junckern reuffen / schreien / | Muͤssn die Bawrn jhr Haar darzu leihen.
Chron. Köln
1, 6235
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Here vort sult ir vp vrs broder doit verzijen | ind der steide weder vre hulde lien.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
1414
(
rhfrk.
,
um 1405
):
dar zu wolde ich wol swigen | Und keine rede dar zu lijhen.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 223, 12
(
hess.
,
1538
):
da der herre dan gesagt, der von dir begert, dem gib, leighet auch denen, von denen ir nichts verhoffet.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
169v, 18
(
Leipzig
1588
):
wenn sich grosse Herrn vmb die Fuͤrstenthumb vnd Koͤnigreich Reissen / [...] so muͤssen die armen Unterthanen die Haar darzu leihen / Ja jhr Gut vnd Blut daran wagen.
Gille u. a., M. Beheim
110, 194
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
yeglicher pischalff ümmer | Furbǎs würt leihen gotes gǎb | in seinem bistum sunder rǎb.
Klein, Oswald
39, 26
(
oobd.
,
um 1426
?):
die sünd ich tün und leich ir stat.
Ebd.
73, 10
:
schöner Kleusli, | hals mich, küss mich, leich mir her das meussli!
Wolf, Norm im sp. Ma.
32, 16
(
oobd.
,
1486
):
Dar nach leichen sy jn tuecher der versuechung.
Luther, WA
45, 420, 8
;
46, 148, 17
 f.;
47, 775, 18
;
Kummer, Erlauer Sp.
4, 384
.