leidig,
leidiglich,
Adj.;
Fortsetzung von
mhd.
leidec
›betrübt‹
und seltenem
lîdec
›leidend‹
(Lexer
1, 1864
; 1899).
1.
›Leid, Schmerz, Kummer, Sünde u. ä. bringend (bezogen auf Gegenstände, Sachverhalte, Personen, Tiere o. ä., durch die Böses zugefügt wird)‹; von daher tropisch: ›widerwärtig, verhaßt, schlimm; lästig‹; ›hartherzig, böse, grausam, fürchterlich; schädlich, Verderben bringend; tödlich (von Gift); sündig‹; am ehesten hier anschließbar: ›häßlich, unschön anzusehen, beim Anblick Ekel hervorrufend‹;
vgl. (
das
1, (Adj./Adv.) 1.
Phraseme:
der leidige feind / teufel
.
Bedeutungsverwandte:
 2, (Adj.) 67, , ,  1, , ; vgl.  2.
Syntagmen:
jm. l. sein; der leidige (bauern)krieg / man / pfennig / tod / wurm, die leidige Eva / figur / katze, das leidige fieber / unglük, die leidigen anfechter / angesichte / gäste / schaffer
.
Wortbildungen:
leidigheit
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 43, 9
(
1529
):
Jsts nicht der leidige teuffel, der yhm nicht benuͤgen lesst, das er auch Got ist auff erden.
Ebd.
30, 3, 233, 4
(
1530
):
Der leidige teuffel hat durch solche arge duͤnckel, und boͤse meuler manche feine Ehe verhindert.
Ebd.
41, 403, 10
(
1535
):
Allein das leidige ungluck, quod non videtur gloria et magnitudo horum.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
63, 621
(
Magdeb.
1608
):
jhr nurt drey in der Welt sind / | Die ich fuͤr alles fuͤrcht geschwind. | Den Falcken / vnd die leidig Katz.
Reissenberger, Väterb.
15208
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
In den leideclichen vorhten
[›Jüngstes Gericht‹]
| Sint sie einander alle gram.
Klett, J. v. Soest
11, 815
(Hs. ˹
wmd.
,
1470
/
80
˺):
dyss furgenanten strenghe [Demut, Suberheit, Sefftmutigheit] drw | Leydigheit drewet.
Bihlmeyer, Seuse
512, 10
(
mfrk.
,
15. Jh.
):
isz was in yme das leidige Ego sum und nit Non sum.
Dubizmay, kurß zu Teutze
37, 11
(
hess.
,
1463
):
Das vns die leydige eua | nam das bringestu vns | wider.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
98, 38
(
Frankf./M.
1550
):
[Ael vnd Neunaug] woͤlln von eim geschickten Koch | Bereytet sein / sonst jsset man | Gar baldt das leydig Fieber dran.
Quint, Md. Karl u. Eleg.
1626
(Hs. ˹
thür.
,
n. 1455
˺):
Do nehete͂ leydige geste | Dem͂ herczogen eckeriche.
Pyritz, Minneburg
3654
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die mordigen bosen claffer, | Die falschen leydigen schaffer.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
9, 44
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
widerseßig den gotlichen [...] gepoten und reten, leydig, schuldig und schedlich got dem herrn.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 101, 10
(
Straßb.
1466
):
Was seyt ir leydig
[Var. 1475
2
-1480:
hoͤrt
, 1483:
schwer
 ; Lang
1521
:
waru͂ / macht vnrueg
; Luther
1545
:
Was bekümmert jr
]
disem weibe.
Ebd.
3, 178, 1
:
das weyp was laidig dem iungeling
(
Dietenberger
:
lag jm hert an
;
Eck
:
war listig
).
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1531
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ich wil lieber dir haften an | Denn das mir würd ain laidiger man.
Maaler
267v
(
Zürich
1561
):
Leidig / Vnlieblich anzesaͤhen. Tristis aspectu. [...] Ein schnaͤller vnnd haͤsszlicher oder Leydiger tod.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
305
(
Genf
1636
):
Leydig so einem ein Eckel machen kan. [...] Siehe da / wie ein [leydige] Nase hat das Kindt.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
40, 25
(
Ulm
1486
):
Den heßlichen laidigen schelmen der unß an unser liebi yntrag thuͦt.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
826
(
schwäb.
,
1455
):
Als in ein leydig wurm | Gen irem man verriet.
Chron. Augsb.
8, 365, 6
(
schwäb.
, zu
1548
):
[daß] benantlich burgermaister Hörbrot [...] sambt seinen anhangenden zunftmaistern die [...] redelfierer gewesen, den laidigen krieg fürzunemen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 39
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
das in der laidig veint nicht schrekt | das er icht zweiflig werde.
Drescher, Hartlieb. Caes.
354, 4
(
moobd.
,
1456
/
67
):
Gotfridus was gar vast laidig und lieblos, wann er was geittig.
Luther, WA
32, 51, 28
;
33, 76, 16
;
Fischer, Brun v. Schoneb.
2022
;
5790
;
9178
;
10770
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
392b
, 24;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 205, 1
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
66v
, 21;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
80, 33
;
Matthaei, Minner. I,
2, 264
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
17, 14
;
164, 3
;
Chron. Augsb.
8, 84, 3
;
Turmair
5, 133, 29
;
Mell u. a., Steir. Taid.
46, 15
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›Leid, Schmerz, Trauer, Ärger u. ä. empfindend (als Folge von 1 bezogen auf den Gemüts- und Seelenzustand)‹; speziell: ›traurig, betrübt, jammervoll, elend‹; ›verärgert, beleidigt, gekränkt‹; ›trauernd (bei einem Todesfall)‹; hier anschließbar: ›aufgrund eines selbstverursachten Leides reuevoll, bußfertig, traurig über eine begangene Sünde‹;
vgl. (
das
24, (Adj./Adv.) 2.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 10,  2, ,  2,  1,  2,  1,  1, ,  1, , , , ; im Sinn von ›reuevoll‹: , , .
Wortbildungen:
leidige
1) ›der Trauernde, trauernder Hinterbliebener‹.

Belegblock:

Schöpper
26a
(
Dortm.
1550
):
Tristu. Leidig vnmuͤtig traurig leidenhafft truͤbig betruͤbt trubselig bekuͤmmert.
Ebd.
65b
:
Pœnitens. Leidig rewig bußfertig vmbkerig bußwirckig.
Quint, Eckharts Trakt.
53, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swâ sich der mensche leidic und sunder trôst vindet.
Schwartzenbach 7v (
Frankf.
1564
):
Angsthafft. Bekuͤmmert. Betruͤbt. Sorgfeltig. Trauwrig. Leidig. Vnmutig. Vnruwig. Kummerhafft. [...] Voll beschwerniß vnd truͤbsal.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
22, 9
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Eintweder du bist sere leidig oder unvernunft hauset zu dir.
Palm, Veter Buoch
41, 16
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Die vrouwe vur heym vnd wart leidic, vnd quam sie ein sucht an von ir trurikeit.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
306, 32
(
nobd.
,
1525
):
[wir] ain vertrag angenomen, [...], mit laidigem und schwerem gemut haben getan.
Ebd.
376, 17
:
geben wir ewer erber weyshait mit laidigem, bekomerten herzen und gemut zu erkennen, das [...].
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 341, 11
(
Straßb.
1466
):
Ich bin arm vnd leydig: o gott dein behaltsam die entphieng mich.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
46, 24
(
Straßb.
1650
):
Er, der Leydige, war mit einem schwartzen Tüchin Mantel verhüllet [...], hatte eine lange Traurbinde.
Ebd.
49, 13
:
die Leidige Junge Wittwe saß in einem [...] behangenen finsteren Gemach.
Bihlmeyer, Seuse
168, 4
(
alem.
,
14. Jh.
):
Daz der mensch noh klaget und leidig ist, daz kunt alles von gebresten.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 266, 9
(
alem.
,
1445
):
dem fursten was nit so leidig umb das slossz, allein umb die getruwen gesellen.
Päpke, Marienl. Wernher
4834
(
halem.
,
v. 1382
):
Das Ihesusli kam wider dar | Und vant sú laidig allú gar. | Do macht es sú och wider fro.
Welti, Stadtr. Bern
327, 15
(
halem.
,
n. 1437
):
das mit leidigen lúten [...] nieman denn die neͣchsten fruͥnd [...] zuͦ opffer gan sollent.
Enders, Eberlin
1, 11, 26
Basel
1521
˺):
ist ein grosse menge des schlechten volcks deß erschrocken vnd leidig worden, hat also gesagt we vnß.
Maaler
270v
(
Zürich
1561
):
Leydig / Voll leyds / Klaͤglich. Luctuosus. Trauwrig vnnd Leydig von eines anderen schadens waͤgen.
Chron. Augsb.
2, 292, 1
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da warden sie laidig und hett sie übel gerawen.
Ebd.
3, 129, 19
(
E. 15. Jh.
):
ward der künig [...] da kranck und waren alle Frantzosen so laidig, das nit davon zuͦ schreiben.
Ebd.
304, 11
:
dann die fraw was so laidig, das sie hernach vor laid starb.
Ebd.
9, 91, 4
(
1544
/
5
):
die laidig Lucretia mocht irer begangnen und dartzu getzwungenen übeltat gar nicht vergessen, bewainet [sie].
Primisser, Suchenwirt
41, 62
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
so wird ich laidik, | Daz mein frewd vercheret sich.
Höver, Bonaventura. Itin. B
513
 f. (
moobd.
,
1450
/
60
):
das jn Cristo [geainigt ist] das ainuaͤltigist mit dem gemischten, das allerwúrckleichist mit der aller leidigisten vnd totten.
Drescher, Hartlieb. Caes.
223, 24
(
moobd.
,
1456
/
67
):
Des ward er noch mer laidyger und forchtsamer, und saczt auff seinem pfarrvolck gepet und kirchfert.
Leidinger, V. Arnpeck
668, 36
(
moobd.
,
v. 1495
):
solichs det dem sun vast wee auf den vater und ward des vast laidig.
Pyritz, Minneburg
4919
;
Gille u. a., M. Beheim
234, 28
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
571, 24
;
Sachs
16, 176, 13
;
Matthaei, Minner. I,
13, 173
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 13
;
Päpke, a. a. O.
10291
;
Chron. Augsb.
3, 140, 13
;
4, 45, 10
;
Gereke, Seifrits Alex.
3042
;
Drescher, a. a. O.
284, 28
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
120, 16
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 318
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1.
3.
›körperlich krank‹.

Belegblock:

Schib, H. Stockar
135, 27
(
halem.
,
1520
/
9
):
ward min ber lidyg und must in zu dud schlachen.
Klein, Oswald
22, 39
(
oobd.
,
1422
):
welcher von der Sunne | orient geboren ist, | dem geit der leo die wunne, | [...] | ersam, ouch dick gesund | släffrig und selten laidig.
4.
›bereitwillig Leid und Schmerz auf sich nehmend, duldend; gelassen‹; hier tropisch anschließbar: ›erträglich, aushaltbar (von Schmerz, Trauer u. ä.)‹; ›gehorsam, gefügig‹;
vgl.
1
(V., unr. abl.) 2.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Sachs
16, 210, 22
(
Nürnb.
1562
):
[ein bawersmann] nött das weib mit worten stoltz, | Daß sie im solt bey seinr ungnad | [...] zu-richtn ein wannenbad. | Die fraw war leydig, must das than.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 15, 11
(
Nürnb.
1631
):
Es seyndt acht Staffl ins ewig Lebn, | [...] | Arm im Geist, sanffmutig sein, | Leydig, Hungerig, vnd Durstig seyn.
Vetter, Pred. Taulers
109, 27
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
und ist der geist lidig in einer gotlidender wisen.
Ebd.
139, 11
(
1359
):
das er dem gerne volgen welle lideklichen und abgescheidenlichen, wie es Got wil.
Ebd.
146, 35
:
die lutere goͤtliche lidige sele.
Jörg, Salat. Reformationschr.
855, 4
(
halem.
,
1534
/
5
):
alle ding wider jn ordnung [...] bracht nach alltem harkumenn / die abgetrettnen / und eelich gemachten us gestüürt / und ghandlett so vil / das deshalb nun lydig angang wider bracht.
Karnein, de amore dt.
210, 27
(
moobd.
,
v. 1440
):
Wie wol das gar vndannckper was vnd ain vnzimlich gebot, noch nam es der pueler gar laidigklich vnd gedultigklich auf.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 290
.
Vgl. ferner s. v. .
5.
›von Leid, Not und Ärger berichtend und dasselbe mit sich bringend, tragisch, bedauernswert, traurig, schlecht (von Botschaften, Nachrichten)‹;
Spezialisierung zu 1 und 2; vgl. (
das
123, (Adj./Adv.) 1.

Belegblock:

Perez, Dietzin
1, 408, 14
(
Frankf.
1626
):
Dieser leydige Fall kam also baldt inn die Statt / derowegen viel volck hinauß lieff den todten Coͤrper zu sehen.
Chron. Nürnb.
1, 405,
Anm. 4 (
nobd.
,
1420
/
41
):
uns ist auff hewt frü ein schriffte und leidige meͣre von Wienn herauff komen.
Matthaei, Minner. I,
14, 447
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
durch ires sterben nott | sie mir trúwlich gepott | dir die laidigu maͤr zuͦ sagen.
Maaler
267v
(
Zürich
1561
):
Leidige maͤr / oder boͤß geschrey. Rumor acerbus.
Dreckmann, H. Mair. Troja
36, 21
(
oschwäb.
,
1393
):
do komend im diu laidigen mär, wie im die kriechen seinen vater und allez sein volk hetend erslagen.
Chron. Augsb.
8, 192,
Anm. 1 (
schwäb.
, zu
1562
):
Pfintztag [...] ist den cöllnischen gesandten laidige zeitung zuekommen.
Roth, E. v. Wildenberg
56, 7
(
moobd.
,
v. 1493
):
aus der leidigen geschicht pawͦt hertzog Tassilo das egenant kloster.
Dubizmay, kurß zu Teutze
176, 17
;
Sachs
20, 435, 9
;
Chron. Augsb.
2, 170, 26
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
49, 19
.
6.
›e. S. unwillig, ungern‹; anschließbar an 1; 2.

Belegblock:

Schib, H. Stockar
119, 25
(
halem.
,
1520
/
9
):
ich must ouch wyder die reblütt züchen, und bin ich nie kians zugs liadiger gesin, das ich [...] fast frog, das der krieg wol usschlug.
7.
›klagend, flehend‹.

Belegblock:

Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 110, 23 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
do in die sach ward geoffent, giengen si laidichleich zu dem fürsten und paten den fürsten, daz [...] er die zwen liezz bei dem leben beleiben.