lehenman,
lehensman,
der
 ;
-s/-leut(e)
, auch
-mann(e), -männer
.
1.
›Gläubiger, Person, die einer anderen Person Geld o. ä. geliehen hat‹;
zu (
das
1.

Belegblock:

Luther, WA
47, 726, 11
(
1559
):
Ich wil dich ein korn wucher leren. ,Wer sich des armen.‘ Den spruch nimpt nemo zuhertzen quam Christianus. Der gibt unserm herr Gott auff wucher. [...] Den wucher beut er uns an, den Lehman, der jederman zu HERRn sucht, dem etc. Sed quod do homini 100 auff 5, da kan ichs wol, das kan man gleuben.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 361, 1
Var. (
Straßb.
1466
):
Gee vnd verkauff das ole vnd vergilte deim schuldiger
[Var. Augsb., um 1475:
lehenmann
; Luther
1545
:
schuldiger
].
2.
›Person unterschiedlichen sozialen Standes (vom Adeligen, auch König, bis hin zum Hörigen), die durch die Verleihung eines Gutes (z. B. Grund, Boden, Immobilie, Recht, Amt) in ein besonderes Vertrags- und Treueverhältnis zum Verleiher desselben getreten ist; Vasall; Pächter‹;
vgl. (
das
2.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, auch Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
(
der
1,  1,  1, , ,  3, , ; vgl.  3, ,  5.
Gegensätze:
 6,  2.
Syntagmen:
einen l. aufnemen / beigebieten / beschweren / manen / versehen; js. l. sein, ein l. versterben, lehenleute ausbleiben / zusammenkommen, der l. js. rechtes gut sein, etw.
(z. B.
ein lehen
)
empfangen, etw.
(z. B.
jauche
)
verteilen, etw. schuldig sein, jm.
(z. B.
dem lehenherren
)
verbunden sein, jm. etw. anbieten / geben, ein recht haben; j.
(z. B.
der lehenherre
)
dem l. verbunden sein, dem l. etw.
(z. B.
ein privilegium
)
geben, etw.
(z. B.
eine burg
)
zu erbe erkennen; jn. zu einem l. nemen, etw. von dem l. kaufen; l. von herren / adel; der neue lehenman, die erbaren lehenleute; ansetzung eines l
.

Belegblock:

Luther, WA
29, 76, 9
(
1529
):
So must man reden da von, das Christus des Pabsts leheman.
Ebd.
36, 354, 19
(
1532
):
das wortlin Mess, [...], heisst auf Ebreisch soviel als einen zins odder frondienst, wie der bawr odder lehenman seinem Herrn seine Mess, das ist seinen geburlich zins oder dienst bringet.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
496, 16678
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Eine burc was sus genant | eime lêmanne irkant | zu erbe.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 38, 11
(
preuß.
,
1437
):
was es also geschicket, das die pilgerym, leenlewte und burger eyn ding was, so das das privilegium ist gegeben nicht alleyne den burgern, sundir ouch den pilgerymen und leenlewten.
Ebd.
3, 585, 8
(
preuß.
,
1453
):
ob die lehenleute und edlinge einen tag bey Dantzke [zusamenkomen].
Aubin, Weist. Hülchrath
79, 13
(
rib.
,
1639
):
Ob auch einige lehnleut ungehorsamb auspleiben. [...] Wan ein lehenman verstorben, wie pald das leihen zu empfangen. [...] Was der neuer lehenman, so eingesetzt, dem schultheiß, scheffen, schreiber und boten vor belohnung geben soll.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
302, 32
(
mosfrk.
,
1497
):
sal doch kein lehenman sine juche [verdeilen].
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
29, 12
(
schles.
,
1352
):
zo sal di gulde, di pferdedinst, die llenluͤte vnde daz gut gancz vnde gar [...] vrowen Elzken recht gut syn.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 27, 23
(
nobd.
,
1464
):
so ein lehenmann lehen entpfehet, so schickt man by dem lehenman oder einem andern dem castner der lehen ein zettel, auch in seyn buch zwͤ schreiben. Darzwͤ fuͤrbas ein castner sein erfarung hat, ob der lehenmann ordenlich sein lehen entpfangen habe.
Chron. Nürnb.
4, 431, 26
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[waren Bedenken gerechtfertigt, da die]
uns verwanten des reychs lehenleut in dem anschlag uns als gemainer stat halb aufgelegt auch begriffen sind.
Sachs
20, 220, 11
(
Nürnb.
1560
):
Daß er
[Oktavian]
mir [Cleopatra] und den kindern mein | Verließ Egyptisch reich allein, [...] | [...] doch on könglichen stand, | Daß wir im weren unterthan, | Und wer ich gleich sein lehenmann.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
92, 28
(
nobd.
,
1579
):
das ein ieder abt zu St Steffan [...] gewalt haben [...], im jar zweymal [...] gericht zu halten, hegen und besetzen mit seinen huebnern und lehenleuten.
Ebd.
111, 39
(
15. Jh.
):
das der menner nicht genug ist, ein gericht zu besetzen, so soll ein herr von Aura sein lehenmenner und die ganerben von Schildeck ire lehenmenner nidersetzen.
Rennefahrt, Statut. Saanen
79, 20
(
halem.
,
1447
):
So sint sy ouch nit lechen luͥt, want [...] werent sy lechen luͥt, wir hettent es anders usgescheiden, und ist das der sinn einen ufzenement zuͦ eigenschaft mit eiden oder ob er wirt genomen zuͦ einem lechenman, wann „by welchen truͥwen der lechenman sinem lechenherren verbunden ist, by den selben truͥwen ist ouch der herr dem lechenman wider umb verbuͥnden.“
Bachmann, Morgant
140, 5
(
halem.
,
1530
):
Ir, mine heren, ir wǔssend, das wir all des keyser Karlys, [...] lächenlǔt sind und underthǎnnen, und daz er unser her und kǔnig ist, und ǒch, daz wyr im all verheyssen hand trǔw.
Maaler
266r
(
Zürich
1561
):
Leehenmann / Der ein guͦt oder leehen besitzt. beneficiarius.
Ebd.
267r
:
Leherman
[sic!]
/ Der auff eim lehen sitzt / als auff einer hoffstatt / oder bauwren hoff. Villicus. Colonus. Lehenmann / den man nit mag vom lehe abstossen / der etwas zuͦ einem erbguͦt empfacht. Vom Lehenmañ raͤchnung nemmen / jn aber nit zuͦ gantzer bezalung [...] tringen.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
52, 24
(
schwäb.
,
1549
):
nach dennen sind gereyttenn die lehennsleütt vonn herenn und adell in grosser anzall.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
323, 22
(
noobd.
,
1345
):
ez moͤht der vorgenant fuͤrst, der pischof [...], deu lehen wol chauffen von dem lehenman, der deu lehen von im und von dem gotshus ze lehen hete [...]; ez scholt auch der lehenman in den chauf und deu lehen anbieten vor allen leuten.
Roth, E. v. Wildenberg
149, 8
(
moobd.
,
v. 1493
):
so sprich ich zuͦ recht, das der hertzog und sein lehenmann, die die urteil gesprochen haben, des tewͦfels ewigklich sein.
Turmair
4, 54, 18
(
moobd.
,
1522
/
33
):
si sitzen zwischen zwaier reich, dem teutschen und französischen, sein des römischen reichs und teutschen kaisers lehenleut.
Ebd.
260, 20
:
es fiel auch künig Osee von Künig von Babylon ab, wolt im nit mêr gültpar und sein lehenman sein.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
246, 21
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
alle lehenlewt habent das recht, das ir herr noch dem zins auf das aygen senten sol.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
175, 20
;
307, 13
;
Aubin, a. a. O.
144, 41
;
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
602, 7
;
Lamprecht, a. a. O.
2, 228, 34
;
3, 284, 1
;
302, 15
;
Köbler, Ref. Wormbs
183, 17
;
243, 31
;
Chron. Nürnb.
4, 432, 16
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 483, 33
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 181, 28
;
Welti, Stadtr. Bern
124, 5
;
Argovia
4, 294, 14
;
Rennefahrt, Gebiet Bern
8, 9
;
ders., Zivilr. Bern
803, 35
;
Leisi, Thurg. UB
8, 250, 2
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 290, 9
;
Maaler
289v
;
364v
;
Rot
358
;
Schmitt, Ordo rerum
102, 33
;
Schweiz. Id.
3, 1522
;
Vorarlb. Wb.
2, 252
.
3.
›Verwalter von Lehen‹;
vgl. (
das
2.

Belegblock:

Hilliger, Urb. St. Pantaleon
366, 22
(
rib.
,
1504
):
Antwordt der lehnman: wan iemant were, der seine [...] aufrichtigen zins nicht liebert, den weist der lehnman dem hochwirdigen herrn zu St. Pantaleon [...], auch weisset der lehnman, wan einer ein lehen versetzen solt, sol er es ohn vorwissen und [...] des hofmans nicht thun.
Merz, Urk. Bremgarten
35, 15
(
halem.
,
1349
):
Stirbt der Schultheiß, soll die Stadt binnen Monatsfrist nach Mahnung einen andern leman stellen.