lehenherre,
der
 ;
-n/-n
.
1.
›Gläubiger, Geldverleiher‹;
zu (
das
1.

Belegblock:

Sachs
19, 324, 10
(
Nürnb.
1563
):
Wer borget von dem reichen schlecht, | Der ist seins lehenherren knecht.
2.
›Obereigentümer und dadurch mit vielfältigen Befugnissen und Funktionen (z. B. des Gerichtsherrn im Lehengericht) ausgestatteter Oberherr eines verleihbaren Gutes (Grund, Boden, Recht, Amt)‹; auch: ›Leibherr eines Hörigen‹; vereinzelt auch ütr. auf Gott;
vgl. (
das
2.
Bedeutungsverwandte:
 1,  13,  1, ,  1, .
Syntagmen:
den l. anrufen / beleuchten / bitten; der l. kriegen, etw. äfern / bauen / besitzen / bewilligen / kaufen, jn. abstossen / begnaden / belehenen, jm. etw. abdringen / geben, rechte zu etw. haben, etw. von rechte haben, um etw. irrung tun; dem l. etw. anzeigen / tun, schuldig sein; gegen den l. handeln, jn. / etw. für / vor den l. berechten / bescheiden / verrechten / weisen, bei dem l. etw.
(z. B.
hilfe / rat / schirm / schuz
)
suchen, vor dem l. etw. beschehen; l. der vicarie / pfründe / messe / wiese, des gotteshauses / hofes / spitals, der güter; der ordentliche / rechte l.; mit willen / volwort des l., hand des l
.
Wortbildungen:
lehenherrenhand
,
lehenherrin
.

Belegblock:

Luther, WA
27, 236, 4
(
1528
):
Got ist zu stoltz, er ist der oberest lehenher.
Große, Schwabensp.
65a, 5
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vnde is der lien here tot, her muͦz iz selbe sebende irzuͦgen.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
148, 36
(
1438
/
9
):
was lehen antreff, die sollen uberall verrechtet werden fur den lehenherren.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
357, 15
(
rib.
,
A. 16. Jh.
):
Soe sall der leenhere den gesworen geven 6 alb. zo verdrinken.
Aubin, Weist. Hülchrath
288, 32
(
rib.
,
1613
):
Die scheffen weisen dem abten von Deutz als einem lehenherren, grundherren und erfheren, so weit ire hocheit und herlicheit geit.
Wopfner, Urk. Agrargesch.
335, 24
(
mrhein.
,
v. 1392
):
der scheffen wiset den erbern hern [...] dasz si van irs goitzhuses wegen sint recht lenehern und gronthern.
Köbler, Ref. Wormbs
243, 32
(
Worms
1499
):
ein Lehenman mag Lehengüter synen kinden nit geben zu Eestüer one verwilligung des Lehenhern.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 436, 8
(
omd.
,
1432
):
daß ich sam ein leenherr und patron meinen willen dazu wolte gebenn.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
405, 13
(
osächs.
,
1523
/
4
):
und daruber der von Plauen, ir lehnherr, die zeit Eberharten damit also begnadt und belehent hat.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
78, 4
(
nobd.
,
1452
):
meyn herren probst aller guter in dem obgemelten dorf Michelriet gelegen einen rechten lehenherren und hantlon darvon zu nemen.
Gille u. a., M. Beheim
234, 11
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das ir welt han | den namen cristen fursten | Und also mit getursten | seit wider euren herren Crist, | der doch euer lehen herr ist.
Reichert, Gesamtausl. Messe
3, 18
(
Nürnb.
um 1480
):
wer er
(ein Priesteranwärter)
eygen und hette nit willen noch urkund ze zeygen von seinem lehen herrnn, der bischof sol in nit weyhen.
Schottenloher, Flugschrr.
43, 38
(
nürnb.
1523
):
soͤll derselb, wo seiner vertragszverwandtten einer oder mere gegen seinen lehenherrn zu gedrungener gegenwer [...] handln wuͤrde, jme helffen.
Ebd.
44, 3
(
Schweinfurt
1523
):
Wo jme dan derhalb sein lehenherr die lehen abdruͤnge.
v. Birken. Erzh. Österreich
70, 38
(
Nürnb.
1668
):
ist auch die billichkeit / daß ich ihm / als meinem Lehenherren / pflicht und gehorsam leiste.
Kläui, Urk. Hermetschwil
36, 64
(
halem.
,
A. 15. Jh.
):
Wer aber, das jeman des gotzhuses guͤter hett, die er selber nit buwti, so nimpt dz gotzhus den fal von dem leman und loͤset im den sin lehenherr.
Ebd.
112, 23
(
1548
):
Beim Verkauf des ganzen [Gut] sollen sie es zuerst [...] der Meisterin als Lehenherrin 5 ₰ billiger feilbieten.
Welti, Stadtr. Bern
313, 20
(
halem.
,
1439
):
da wider aber ir lenherren, si syen denn geistlich oder weltlich, sprachen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
215, 13
(
halem.
,
1525
):
das man alle frie lehengüter, so die verkoft ald so die umb zins versetzt, das söllichs vor dem lehenherren gefertgot [...] werden söllen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
331, 21
(
halem.
,
1525
):
so einer by üch ein guͦt kouft, sol er demselbigen laͤchenherren zuͦ erschatz nit mer, dann sovil der dritteyl deß jaͤrlichen bodenzinses ertregt, schuldig sin.
Köbler, Stattr. Fryburg
87, 28
(
Basel
1520
):
weñ der lehenman die lehenguter [...] vffgeben wil / das sol er vor offnem gericht thuͦn [...]. So das geschicht / so ist der lehenherr das guͦt oder lehen schuldig von im vffzenemen. Hett aber der lehenmã vß siner liederlicheit [...] die lehenguͤter geschwechet / vnd in abgang vnd buwfal komen lassen / so sol er dem lehenherren / für den abgang vernuͤgen thuͦn.
Glitsch u. a., Hofger. Rottw.
56, 34
(
schwäb.
,
um 1435
):
Von lehen wegen, wie man daz wiset für den lehenherren. Item wa ieman dem andern umb aigenschaft ains guͦtz, das lehen ist, zuͦspricht, erfindt sich, das es lehen ist, so wiset man die sache für den lehenherren.
Bastian, Runtingerb.
2, 247, 12
(
oobd.
,
1392
):
Auch sullen mir mein herren daz ambt mit lehenherren hant in mein hannt pringen.
Schmitt, Ordo rerum
108, 3
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Patronus hawsherr lehenherr oder beschyermer oder vogt.
Dirr, Münchner Stadtr.
356, 21
(
moobd.
,
1340
):
Swenn zwen lehenherren mit einander chriegent umb ein manschaft, die si leihen suͤllen, daz sol dem unschedleich sein, der dez guͦtz pei nutz und pey gewer ist.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 135, 29
(
moobd.
,
1358
):
daz ich [...] mein huͦb [...] fuͤr ein rechtz ledigs lehen kauflich ze kauffen han geben vnd mit des egen(anten) lehen herren hant geuertigt han.
UB ob der Enns
10, 343, 10
(
moobd.
,
1385
):
Ulrichs [...] hausfrau
[gibt ihrem Bruder ihren]
hoff [...] mit lehenherren hantt des edeln meins genedigen herren hern Everhartes [...], der des hoffs mit seiner zuegehörung rechter lehenherr ist.
Luther, WA
36, 15, 4
 f.;
36, 32, 8
 f.;
36, 317, 29
;
38, 121, 26
;
Hilliger, a. a. O.
358, 18
;
605, 15
;
Koeniger, Sendgerichte
134, 10
;
25
 ff.;
135, 7
;
Küther, UB Frauensee
188, 32
;
Kisch, a. a. O.
72, 50
;
85, 8
;
530, 2
 ff.;
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
137, 45
;
370, 15
;
457, 2
;
Kläui, a. a. O.
112, 23
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern
158, 10
;
ders., Gebiet Bern
8, 9
;
Müller, a. a. O.
222, 40
;
Geier, Stadtr. Überl.
250, 18
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
73, 53
;
Hauber, UB Heiligkr.
2, 198, 20
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 167, 35
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 197, 40
;
237, 38
;
478, 29
;
Koller, a. a. O.
102, 26
;
172, 20
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
134, 14
;
Vogel, a. a. O.
1, 342, 21
;
469, 15
;
UB ob der Enns
10, 18, 25
.
Vgl. ferner s. v.  8, (V.) 7, ,  1, , ,  4.
3.
›Verwalter, Testamentsvollstrecker‹.

Belegblock:

Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 242, 35
(
omd.
,
1427
):
so bitten wir den ersamen rath [...], das sie sich des selbigen almosen lutirlich durch got czu ewigen czeiten wellen undirwynden, und lenherren doczuwesen, und das czum irsten noch unsir beide tode Martino [...] welden vorlenen.
4.
›Bauherr, der die Arbeit an einem Gebäude gegen Bezahlung an andere vergibt‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 180, 7
(
rib.
,
1443
):
so sullen die vier meister erkennen, wat der bouw snoeder were, of wat schadens der lenherre geleden hedde, ind sagen dem werkman, dat he dat genzlichen verrichte.