legern,
lägern,
lagern,
V.,
letztere Schreibung seit der 1. H. des 16. Jhs.
1.
›sich niederlegen, rasten, ruhen; Nachtlager, Quartier aufschlagen‹;
zu (
das
1.
Syntagmen:
bei der narheit l., sich bei einem bach, in einem alten camp, in den ängern, in die wüste, zwischen den grenzen l.

Belegblock:

Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 39, 19
(
hess.
,
1531
):
Jacob, wo er ein zeit lang allein legert.
Lemmer, Brant. Narrensch. 46, V.
2
(
Basel
1494
):
Narrheyt hatt gar eyn groß gezelt | By jr laͤgert die gantze welt.
Chron. Augsb.
8, 98, 16
(
schwäb.
, zu
1561
):
daß man in den ängern nit spatzieren gehn, sich auch darin nit laͤgern oder sitzen [...] soll.
Haszler, Kiechels Reisen
325, 26
(
schwäb.
,
n. 1589
):
lägerten unns dess müttags [...] bey einem cleinen bächlin.
Turmair
5, 532, 2
(
moobd.
,
1522
/
33
):
[Pfalzgraf Ruprecht bei der Königswahl]
legret sich für Frankfurt in das velt, lag vier wochen darvor nach dem alten brauch.
Haszler, a. a. O.
319, 17
;
Maaler
260r
.
Vgl. ferner s. v.  7, .
2.
›zu Angriffszwecken ein Heerlager aufschlagen, sich zu einem militärischen Unternehmen sammeln; das Winterlager aufschlagen‹;
zu (
das
4.
Vorwiegend berichtende Texte.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
384, 7051
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz di heidin hetin | sich an daz bruͦch gelegirt dâ.
Thür. Chron.
8r, 14
(
Mühlh.
1599
):
Auß Campania zoch Hannibal auff / vnd Laͤgert sich drey Meil wegs von Rom.
Chron. Nürnb.
1, 401, 12
(
nobd.
,
1420
/
41
):
legerten sich zu feld zu den Hußiten.
Ebd.
3, 42, 9
(
1488
):
legert er sich bei einem felsen in einer eben.
Ebd.
4, 209, 15
(
15. Jh.
):
da macht es sich, das sie all ir schloß und stet gewunnen und legerten sich für Mergenburg.
Leidinger, A. v. Regensb.
625, 22
(
oobd.
,
um 1430
):
wo sy des nachtes lagen, da stekcht man ein schuech, zu dem sich dann vil volkches legert.
Ders., V. Arnpeck
657, 21
(
moobd.
,
v. 1495
):
Wolfgang von Munchen [...] mit ainem grossen volk [...] zugen ferrer auf di vechenwis gen Ampfing, darauf sy sich legerten.
Moscouia
C 3v, 25
(
Wien
1557
):
schickt der Großfuͤrst sein Khriegsuolck wider in Litten / die haben sich zwischen des fluß Duna vnd dem Schloß [...] gelegert.
Qu. Brassó
5, 222, 18
(
siebenb.
,
1612
):
Die 28. Julii lägern sich die Zeckel sampt den Haiduken bei dem Croner Bächel.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 20, 94
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 289, 10
;
6, 12, 13
;
Chron. Augsb.
4, 241, 5
;
8, 389,
A. 3;
Barack, Zim. Chron.
1, 5, 31
;
4, 60, 12
;
Turmair
4, 318, 11
;
Vorarlb. Wb.
2, 207
.
Vgl. ferner s. v.  1
3.
›(eine Stadt) militärisch belagern‹;
zu (
das
4.
Wortbildungen
legerung
(auch:
lägerung
).

Belegblock:

Chron. Nürnb.
2, 49, 20
(
1427
):
legerung [...], die die Hussen und keczer für Tachaw getan.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
292
(
Genf
1636
):
Laͤgerung / f. L’ acte d’ asseoir le camp dans fossez.
Leidinger, A. v. Regensb.
640, 39
(
oobd.
,
um 1430
):
Strawbing wird von dem kayser gelegert.
Ebd.
645, 26
;
West, Dasypodius.
1989, 332
;
Hulsius
L ir
.
4.
›etw. (Ware) aufbewahren, lagern; sich / jn. wohin stellen‹;
zu (
das
7.
Phraseme:
etw. auf die legerbank stellen
›etw. auf die lange Bank schieben‹.
Bedeutungsverwandte:
 418,  3, .
Wortbildungen:
lagerbier
,
legerbank
,
legerfas
,
legermet
,
legerobst
(auch:
-a-
).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
662, 27
(
preuß.
,
1435
):
3 vas legermethes.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 3, 24
(
Wittenb.
1545
):
[Gott] lagert
[
Mentel
:
satzt
]
fur den garten Eden den Cherubim.
Schöpper
93b
(
Dortm.
1550
):
auffhalten auffschuͤrtzen vmbfuͤren in die lange ban schlahe͂ auff die legerbanck stellen.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
32, 31
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Gutt lagerbier. Lagerbier mus hopfen genug haben.
Ebd.
266, 32
:
Das wehr- oder lagerobst pfleget man im Michelsmonden [...] abzebringen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 609, 4
(
Leipzig
1537
):
Des Herren Engel laͤgert sich, | Umb die her so ihnen foͤrchten.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 311, 7
(
halem.
,
n. 1529
):
Wie nun das Bernisch her [...] die paner ins kloster [...] gelaͤgret.
Müller, Stadtr. Ravensb.
192, 23
(
oschwäb.
,
1382
):
so ist gesetz von den legervassen, [...], daz man darumb von ainem fuͤdrigen vass [...] den knechten davon ze lon geben sol VI den.
Chron. Augsb.
5, 43, 5
(
schwäb.
,
1523
/
27
):
lies der kunig [...] sein büchsen in seiner ordnung haimlich legern.
Qu. Brassó
5, 422, 2
(
siebenb.
,
1610
):
ist der Bathori Gabor in Cronen kommen und das ganze Volk in die Stadt gelägert.
Ermisch u. a., a. a. O.
259, 24
;
269, 23
;
Rennefahrt, Gebiet Bern
159, 33
;
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
315, 28
;
Zingerle, Inventare
44, 2, 33
.
5.
›liegen (von Sachen)‹.
Wortbildungen:
legerholz
(um 1400) ›Holz abgestorbener, von selbst umgefallener Bäume‹,
legermatte
›liegen bleibende Wiese‹ (a. 1534),
legerschne
›liegen bleibender Schnee‹,
legerwand
›festes Gestein im Grubenbau, auf dem die Sicherungen angebracht werden‹ (a. 1571).

Belegblock:

Drescher, Hartlieb. Caes.
153, 9
(
moobd.
,
1456
/
67
):
als ob im ein glawender kol in der hant leger.
Chron. Nürnb.
5, 695, 34
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
des nachts schneiet es [...] den ersten legerschnee wol einer halben eln dick.
Schweiz. Id.
4, 550
;
Veith, Bwb.
318
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 189
.
6.
›Schadensersatz leisten; Unkosten erstatten, Gerichtskosten begleichen‹.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
307, 3
(
thür.
,
1474
):
muß jhenem, der dy sachen gwynnet, syne gerichtiskost, waz diße sache an orteylgelde unde an botinlone obir felt zcu holende gekostit hat, legern unde wedderkeren.