lebendig
(vereinzelt kontrahiert:
lemtig
),
Adj.;
oft subst.
1.
›Leben habend (von Menschen, Tieren und Pflanzen gesagt), belebt, körperlich existierend (im Gegensatz zu:
tot
); zu Lebzeiten; wachsend, Triebe hervorbringend (von Pflanzen / Keimen); körperlich unversehrt, lebensfähig; verderblich (da aus Tieren oder Pflanzen bestehend)‹; ütr.: ›leibhaftig‹; auch ütr. auf soziale Sachverhalte, dann: ›(z. B. im Gedächtnis) aufrecht erhalten, nicht in Vergessenheit geraten‹;
vgl. (V.) 1.
Phraseme:
bei lebendigem leibe, bei lebendigen zeiten
›zu Lebzeiten‹;
lebendig davonkommen
›nicht verhaftet werden; nicht getötet werden‹;
an dem lebendigen tag
›am heutigen Tag, heute‹;
der lebendige zehent
›Vieh‹.
Bedeutungsverwandte:
,  1,  1.
Gegensätze:
(s. v. , V., unr. abl., 1),  1.
Syntagmen:
die lebendigen rauben / trösten / warnen; über die l. richten; lebendig werden, l. auferstehen / davonkommen, l. etw. austeilen; jn. / e. S.
(z. B.
den leib
)
l. machen, sich l. tot machen; jn. lebendig begraben
(vgl. dazu
Hrg
2, 1652
)
/ leiden / schinden / sieden / verbrennen / verschlinden, etw.
(z. B.
wiltpret
)
l. bringen, jn. l. für jn
. (z. B.
für got
)
halten; der lebendige leib / mensch / ochse, die lebendige kröte, das lebendige vieh / kind / (schlacht)opfer, die lebendigen affen / bären / dinge / güter / katzen / kühe / krebse / merkatzen / ratzen / schafe; got / herre / land / sünde der lebendigen; halb l
.
Wortbildungen:
lebendige
(
der
).

Belegblock:

Große, Schwabensp. 208, a,
22
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
begriffet man aber den notzegere, was se maget, man sol in lebendich begraben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
519, 401
(
Magdeb.
1608
):
Die Meuß vnd Froͤsch zusamen gehen / | Vbr Tod vnd Lebendige klagen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
365, 13
(
Wolfenb.
1594
):
Dem [Schelm] wil das Hertze aus dem Leibe lebendig schneiden, vnd sein Bluth auffangen.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 1, 24
(
Wittenb.
1545
):
Gott sprach / Die Erde bringe erfür lebendige Thier.
Jostes, Eckhart
105, 13
(
14. Jh.
):
die sele den lip lebendig machet.
Aubin, Weist. Hülchrath
243, 24
(
rib.
,
1573
):
war auch jemands einen andern in sein platz setzen woll, soll er sich lebendig toet machen, und das lehen soll mit einen dubbelen pacht empfangen werden.
Wyss, Limb. Chron. V
121, 47
(
mfrk.
,
1371
):
han ich Grede vurgnant zu hantgetruwen unde zu selen bewereren bẏ lebendigem lẏbe gesast [...] unde gekoren.
Karnein, Salm. u. Morolf
407, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
du gesiehst ine lebendig nimerme.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
104, 21
(
Frankf.
1535
):
vnd der ander so er der lebendigen krotten außgenommen würt / hat jn mitten ein aug geelfarb.
Dubizmay, kurß zu Teutze
74, 19
(
hess.
,
1463
):
da die leutte mit vns fachten | sie hetten vns leicht also | lebendich verslunden.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
275b, 6
(
Frankf./M.
1649
):
da lobte ich die Todten die schon gestorben wahren / mehr dann die lebendigen.
Alberus, Barf.
236, 6
(
Wittenb.
,
1542
):
Christi verdienst / welcher alle tage in der Messe fur Lebendigen vnd Todten / geopffert wird.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 29
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
sterben müßten alle lebendige creatüre.
Thiele, Chron. Stolle
385, 8
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der geselle, der do gestochen was, der bleib lebennigk.
Schönbach, Adt. Pred.
14, 23
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
lebendinc und gesunt soltu bichten.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
40
(
osächs.
,
1570
/
7
):
in drei oder vier tagen hernach wirdet es [getreyde] von sich selbst so kühle, das man nicht darf sorge haben, das es [das gewürme] mehr lebendig wirdet.
Mathesius, Passionale
34r, 22
(
Leipzig
1587
):
Denn er ist aus dem Land der Lebendigen weggerissen.
Ebd.
43r, 19
:
mein [...] Knecht wird [...] ein lebendiges Schlachtopffer vnd Fluch sein muͤssen.
Weise. Jugend-Lust
85, 13
(
Leipzig
1684
):
bestellt euch einen Zeitungs=Schreiber / der den lieben Herren wieder lebendig macht; In meinen Versen ist er gestorben.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
42, 31
(
schles.
,
1399
):
das der egenañ Thamme [...] storbe ane geerben vnd nicht eliche erben noch ym lebedink lisse.
Gille u. a., M. Beheim
104, 917
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
da selbst man in begunde | Also lebendig fillen | und im die haut lan zihen ab.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 299, 27
(
nobd.
,
1464
):
man gibt [...] lebendigen zehent von honern, genszen, swein und lemern.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
105
(
Nürnb.
1517
):
der sun, der gestorben was und widerumb lebendig ist worden.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
158, 3
(
Bamb.
1507
):
so yemant einem weybssbilde durch bezwangk, [...] ein lebendig kindt abtreybt.
Franck, Decl.
349, 13
(
Nürnb.
1531
):
Keiser Augustus / der lebendig für ein got gehalten worden.
v. Keller, Ayrer. Dramen
1356, 1
(
Nürnb.
1610
/
8
):
dich Lebendig in Öl sieden.
Ebd.
2121, 1
:
wenn sie lebendig selbst da stündt, | Künt man finden kein vnderscheid.
Ebd.
2818, 35
:
So geig nur! wir wöllens hörn gern. | Wenn du dein Weib kanst lebendig geign.
Ebd.
3009, 20
:
Ich nemm ein schön lebendign Mann | Vnd ließ zehen Franciscos stahn.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 579, 2
(
Nürnb.
1631
):
Am dritten Tag lebendiglich, | Von Todten aufferstanden.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
448, 5
(
els.
,
1362
):
daz du den dot enphohest den du lebendig nút woltest liden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 28, 20
(
Hagenau
1534
):
Gott nam einen roten erdenkloß [...] und richtet yhn zu es solt ein lebendiger mensch darauß werden.
Goldammer, Paracelsus
3, 284, 28
(
1530
/
5
):
verrigelt und schiebet doren für, daß die lebentigen tier nit hinein komben.
Welti, Stadtr. Bern
184, 29
(
halem.
,
1403
):
das der von jeglichem stok, [...] tot oder lebendig, so er abslahet, äne gnad leisten sol ein manod.
Lauater. Gespaͤnste
67r, 21
(
Zürich
1578
):
daß die geist der guͦten vnd boͤsen zuͦ den laͤbendigen mensche͂ vß der hell zun zyten kommind.
Maaler
259v
(
Zürich
1561
):
Laͤbendig / Der ein seel vnd laͤben hat. [...] Das Laͤbendig machen. Animatio.
Morrall, Mandev. Reiseb.
119, 2
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
stirbt ain man in dem selben land, so begrebt man das wib also lebendig mit im.
Sappler, H. Kaufringer
18, 7
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ich waiß auf erd nichtz lebendig, |daran als vil faigkait lig | als an alten übeln weiben.
Brandstetter, Wigoleis
194, 9
(
Augsb.
1493
):
daz sy nicht wißten. ob er lebentig oder tod oder wahin er ye kommen waere.
Eschenloher. Medicus
59, 1
(
Augsb.
1678
):
da empfienge sie / die Mutter / ihren ertrunckenen Sohn wiederumb lebendig / frisch vnd gesund.
Klein, Oswald
35, 15
(
oobd.
,
1409
/
10
):
herr, [...] | Der lebentig rot auf ertereich, | vergangen und noch werden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
202, 21
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die menschen, die ir alt pœs gewonhait lebendig niht lâzen wellent.
Deinhardt, Ross Artzney
27
(
oobd.
,
1598
):
Füre anraichen Nimb ain schwarze henn, reiß die lebendig von einander vnnd bindt ims über das geäder.
UB ob der Enns
9, 615, 15
(
moobd.
,
1379
):
tuͤn chuͤnt allen Lawͤten lembtigen vnd chuͤnftigen.
Dirr, Münchner Stadtr.
442, 26
(
moobd.
,
um 1365
):
[Die vischer] suͤllen die lebentigen visch vail haben in iren schaefflein [...] und die lebentigen aus den toten chlauben.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 232, 8
(
moobd.
,
1524
):
Dieselben Geswornnen Beschawmaister, söllen alles Viech lebentig, Ee das geslagen, gestochen, vnd aufgearbait wirdet, [...] beschawen.
Winter, Nöst. Weist.
1, 556, 22
(
moobd.
, Hs. 
1631
):
ob daz wër daz zwen an einander slaghaft wurden, daz ainer den andern zu tad erslüg, chöm der lemptig davon daz er nicht gefangen würd, so schol man dem richter zü wissen tün.
Moscouia
C 1v, 30
(
Wien
1557
):
hat er noch lebendiger jre Erbschafften außgethailt.
Ebd.
D, 39
:
die Salomea im Closter sey schwanger vnnd trag lebendigs khind.
Kummer, Erlauer Sp.
6, 409
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
ich [...] pitt euch all heut | und pesunder an dem lebentigen tag, | das ıͤr mit mıͤr habt di chlag | umb mein großes laid.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
11, 14
(
tir.
,
1464
):
Er töttet das v̈bel, vnd die guthait machet er lëbentig.
Bauer, Imitatio Haller
52, 23
(
tir.
,
1466
):
Du solt dich halten mit Jesum lebentiger vnd totter
(›im Leben wie im Sterben‹).
Piirainen, Stadtr. Sillein
83r, 10
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
wirt daz chint lebentich geborn.
Ebd.
132r
3:
Von swangern frauͤwen dy lebentige kint trage͂ MAn sol vͤber cheyn weyp richten dy lebentik chint treyt.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
61, 7
;
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
487, 17
;
ders., Spee/Schmidt. Caut. Crim.
302a, 38
;
Chron. Köln
1, 121
;
2, 8r, 24
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
20, 38
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
23, 29
;
v. Keller, a. a. O.
1705, 34
;
2827
;
11
;
Williams u. a., a. a. O.
187, 35
;
Lauater. a. a. O.
34v, 3
;
65r, 21
;
67v, 16
;
Bastian u. a., Regensb. UB
59, 36
;
Dirr, a. a. O.
368, 28
;
Herzog, Landsh. UB
321, 40
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 3972, 9
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
337, 39
;
Bauer, a. a. O.
14, 11
;
31, 37
;
Piirainen, a. a. O.
126a
, r4;
Hulsius
L ijr
;
Schmitt, Ordo rerum
486, 1
;
Pfälz. Wb.
4, 849
;
Schweiz. Id.
3, 973
;
Rwb
8, 814
 f.;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 179
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 116
.
Vgl. ferner s. v. , , , , , ,
1
(
die
2.
2.
›über den körperlichen Tod hinausgehendes ewiges Leben, in Gott lebende, geistliche Existenz habend; gerechtfertigt; unsterblich‹;
vgl. (V.) 6.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 588, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Si suochte einen tôten menschen ,und vant zwêne lebendige engel‘.
Jostes, Eckhart
6, 14
(
14. Jh.
):
in dem [wort] werden lebendich alle creatur und waschende.
Rosenthal. Bedencken
27, 19
(
Köln
1653
):
So ist es dein Werck O Herr / daß wir newgeboren / zu guten Wercken erschaffen / lebendig gemacht.
Dubizmay, kurß zu Teutze
17, 13
(
hess.
,
1463
):
Durch dich machet er lebendich die in sunden tot sind.
Froning, Alsf. Passionssp.
2255
(
ohess.
,
1501 ff.
):
wer an mich gleuben kan, | wer er eyn toder man, | hie wirt widder lebendig schyer!
Strauch, Par. anime int.
53, 21
(
thür.
,
14. Jh.
):
Got gebirit sinen son in di sele daz si lebindic werde.
Schönbach, Adt. Pred.
4, 35
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die wort [...] machint dich lebendich an lib und an sele.
Thiele, Chron. Stolle
43, 14
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
dy werlt sal mit fure vorgeen, unnd dy toten sullen wedder lebennig werde.
Reichert, Gesamtausl. Messe
93, 2
(
Nürnb.
um 1480
):
das er da urteylen werd ueber alle menschen, ueber lebentig und tod, das ist: ueber boeß und ueber gut.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
36
(
Nürnb.
1517
):
do wirdet geborn der sun gottes, gerechtfertigt und lebendig gemacht durch den glouben.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2201, 31
(
Nürnb.
1610
/
8
):
All lebendig Götter diser Erden | Können nicht machen, das war mög werden.
Goldammer, Paracelsus
3, 289, 10
(
1523
/
30
):
daß wir gefegt werden durch die barmherzigkeit gottes, aus erwöhlung der lebentigen heiligen und der toten im himmel.
Andreae. Ber. Nachtmal
113r, 18
([
Augsb.
]
1557
):
[der vnglaͤubigen] jr tod / ist ain lebendiger tod / da jr wurm nicht stirbet / sonder [...] sy doch ewigklich stichet.
Gierach, Märterb.
4272
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
ich [Jesus] stirb heut auf der erdenn, | das dew welt lemtig werde.
Päpke, Marienl. Wernher
6523
.
Vgl. ferner s. v.  19.
3.
›fließend, quellend, frisch, rinnend (von Wasser, Brunnen u. ä.)‹; ütr. und bildhaft in unterschiedlichen, sehr oft religiösen Zusammenhängen, dann: ›lebens-, kraftspendend, erquickend (z. B. von Speisen, inneren Kräften); (das ewige Leben) gebend, (die Seele) erbauend, erquickend‹; mit den ütr. Verwendungen offen zu 4;
vgl. (V.) 4.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 212, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz ist ’daz lebendige wazzer. Swem ich daz gibe, den engedürstet niemermê‘.
Froning, Alsf. Passionssp.
1323
(
ohess.
,
1501 ff.
):
du bedest an underscheyt | umb das lebendige wasser.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
2, 497, 17
(
Frankf.
1602
):
ist die armselig von [...] schwerer pein, [...], gar außgehelligt, ihr alle kräffte und innerliche lebendige geister verschwunden.
Gille u. a., M. Beheim
261, 150
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dis ist ach der lebendige prünn, | da mit wir auff der erden | werden getrenkt im sacrament.
Hubert, Straßb. lit. Ordn.
4, 9
(
Straßb.
1525
):
gott der herr macht den menschen vß staub der erden vnd blyeß in sein angesycht ein lebendigen athum.
Maaler
259v
(
Zürich
1561
):
Laͤbendig oder frisch wasser / das gerad aufwalt.
Memminger Chron. Beschr.
21, 7
(
Ulm
1660
):
Wir Memminger seyn wegen deß lebendigen Wassers so glückselig als ein Ort seyn kan.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
57, 41
(
tir.
,
1464
):
der prunn des lëbens der ist aus getrukhent, vnd die ader des lebentigen wassers die ist verschwunden.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
12a, 7
;
24b, 32
;
27a, 3
.
Vgl. ferner s. v. .
4.
›lebendig (von Gott und seinen Gaben oder Maria gesagt), das ewige Leben habend; bereits vor der Schöpfung und darüber hinaus existent, in der Schöpfung existent und gegenwärtig, wahrhaftig; Leben bewirkend und spendend (von Gott gesagt)‹; tropisch: ›göttlich; im Namen Gottes‹;
vgl. (V.) 6.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Wortbildungen:
lebendigmachend
,
lebendigmacher
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
7, 1
(
Hamburg
1646
):
das das seligmachende Lebendige gesetze, vnd der süßeste wille Gottes dem gehorsamen [...] Leben vnd Seeligkeit mache.
Ebd.
35, 15
:
das Evangelium ist das Wort, vnd lebendigmachende geseze Gottes.
Gropper. Gegenw.
10r, 494
(
Köln
1556
):
Ich bin das lebendig brot vom Hymmel kommen / wer von diesem brot essen wirdt / der wirdt lebe͂ in ewigkeit.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 92, 2
(
Mainz
1605
):
Es ist deß lebendigen Gottes Son.
Dubizmay, kurß zu Teutze
47, 1
(
hess.
,
1463
):
Criste des lebendigen gots sün erbarme dich.
Alberus, Barf.
58, 2
(
Wittenb.
,
1542
):
Johannis Der das zeichen hat des lebendigen Gottes.
Feudel, Evangelistar
49, 1
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
ich beswere dich by dem lebynden gote daz du uns sagist ab du sist Cristus des lebyndyngen gotes sun.
Strauch, Par. anime int.
111, 9
(
thür.
,
14. Jh.
):
darumme heizin es gotliche tuginde daz si [...] lebindige werc wirkit uf dem ertriche, wan si alle dinc lebindic machit.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
16b, 22
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Jch pin daz lebendig prot daz võ hymel kvmt.
Gille u. a., M. Beheim
162, 264
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
in der [Maria] da wuchs die frucht vil rein | des lebentigen pomes.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
212
(
Nürnb.
1517
):
dodurch der war, lebendig gloub geoffenbart werde.
Ebd.
238
:
dann er hat Christum zu einem fürsprechen. Darumb hat er ein bestendige lieb und ein lebendige hofnung.
Vetter, Pred. Taulers
122, 37
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
alle menschen [...] súllent sich halten also das sú zuͦ diser lebendiger spisen dicke und zitlichent múgent gon.
Ebd.
161, 31
:
halt dich an dem stammen des woren lebendigen geloͮben.
Ebd.
233, 27
(
1359
):
Dis bitter ellende das treit den menschen naher in den grunt der lebendiger worheit denne alle die bevintlicheit.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2206
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die liebe muͦter gottes Maria die was ein lebendig paradyse.
Chron. Strassb.
236, 4
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
ist do ein boum der do heisset das lebendinge holtz, und wer des boumes obses ehsse, der lebete ewikliche und stürbe nüt.
Hubert, Straßb. lit. Ordn.
63, 4
(
Straßb.
,
1525
):
Ich glaub inn [an] den heyligen geyst, den herren den lebmachenden [lebendigmacher].
Goldammer, Paracelsus
3, 284, 10
(
1530
/
5
):
würf hinaus die lebentige bilder, die dir leib und seel verdamben
(beim Bildersturm).
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
46
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
,Wer da lebt‘, daz ist wer lebentigew werich würchet, ,vnd glaubt in mich, der stirbet nicht ewichleich‘.
Pfefferl, a. a. O.
10, 21
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 153, 6
;
256, 4
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 167, 1
;
Andreae. Ber. Nachtmal
73v, 20
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
208, 9
;
A. à S. Clara. Glori
24, 5
;
5.
›munter, rege, rührig, beweglich, voll Leben, mit Leben erfüllt; kräftig (von der Stimme); bunt (von Farben)‹;
vgl. (V.) 14.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Volkmar
612
(
Danzig
1596
):
Spirabilis, lebendig / blasend.
Lappenberg, Fleming. Ged.
558, 32
(
1635
):
Gesetz vnd Erbarkeit, die vor in Büchern stumm | Gewesen, lebendig itzt werden wiederumb.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
158, 6
(
Frankf.
1535
):
[Perlin] stercken die lebendigen geyst die da vom hertzen kommen / vnd benemen des hertzen zittern.
Opitz. Poeterey
39, 4
(
Breslau
1624
):
wann sie [die Alexandrinischen] nicht jhren mann finden / der sie mit lebendigen farben herauß zue streichen weiß.
Ebd.
45, 37
:
wann sie [die Saphischen gesaͤnge] nicht mit lebendigen stimmen [...] eingesungen werden.
Sudhoff, Paracelsus
14, 413, 5
; 7.
6.
›persönlich erscheinend, mündlich, einen Sachverhalt (z. B. js. Unschuld) vortragend und bezeugend; rechtskräftig, gültig, noch wirksam (von Urkunden)‹;
vgl. (
das
8.

Belegblock:

Jacobs, UB Langeln
81, 39
(
omd.
,
1589
):
was ein jeder aldo mit lebendigen urkunden oder sonsten beweisen wirdt.
Küther, UB Frauensee
232, 24
(
thür.
,
1460
):
daz zcedeln adder lebeninge kanschafft funden worde [...] den hoff vormals bestanden hette, adder waz he fuͤnden hette, daz dem closter zu s[chaden] [...] zcediln ader lebeninge konschafft keynen schaden thun.
Logau. Abdank.
169, 16
(
Liegnitz
1651
):
solches in der Stand=Predigt mit Lebendigem und Redendem Zeugnuͤß geruͤhmet worden.
Pyritz, Minneburg
2514
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Wiß, ich wird ab geschriben | Von dem lebendigen briefe.
Moscouia
C 1r, 33
(
Wien
1557
):
dieselben brieff sein noch lebendig.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
40, 7
(
mslow. inseldt.
,
1567
):
hat Er Zeügen benennet, [...], die nicht weit dauon gemehet, vnnd Jhen geśehen hoben, derer Er einen nach lebendig vor vns Zue Zeügen, vorgeśtellet.
Loesch, Kölner Zunfturk.
11, 164, 16
.
7.
›sich durch fremde Einwirkung in Gestalt, Form und Substanz verändernd, veränderlich, beweglich (von anorganischen Stoffen, z. B. von Metallen, Steinen und Mineralien gesagt); ungelöscht (vom Kalk); gewöhnlich (vom Schwefel, der noch nicht erhitzt worden ist); brennend, glühend (von Kohle)‹; in der Verbindung
lebendiges silber
›Quecksilber‹;
vgl. (V.) 9.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
16
(
rhfrk.
,
um 1405
):
die husongen waren dar zu | Von lebendigen steynen gemacht.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
90, 14
(
Frankf.
1535
):
Das lebendig silber wirt also genant / das es außfalt [...] die materien in die es geworffen wirt.
Ebd.
106, 14
:
Kalck. [...]. Lebendiger kalck. Geleschter kalck.
Cirurgia H. Brunschwig
25vb, 37
(
Straßb.
[
1497
]):
Der ein das do geschicht mit scharpfer artzeny als do ist mit vitriolum gebrant oder vngebrant od’ mit lebendige͂ kalck.
Morrall, Mandev. Reiseb.
32, 25
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Wann es zitt ist das er [Fenix] sich verbrennen sol, so beraittent die pfaffen uff dem altar mengerlay specery, spicanardie, wyroch, lebendigen schwebel.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
451, 34
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wan sô die dieb in ain haus koment, sô legent si lebentig koln an die vier end des hauses.
Haage, C. H. v. Hoff. Kunstb.
132
(
oobd.
, Hs.
M. 16. Jh.
):
das dz lebendig queckh sylber Coagulierlich und das lebendig gekhocht sylber schweblisch sein die ersten matteri aller mettalen.
Rohland, Schäden
462
;
Stedtfeld, Roger-Glosse
83
;
Voc. Teut.-Lat.
s iiijv
.
8.
subst.: ›innerer Teil des Hufes, Fleischsohle (z. B. beim Pferd)‹;
vgl. (
das
9.

Belegblock:

Deinhardt, Ross Artzney
164
(
oobd.
,
1598
):
So ain pferdt ain gespaltnen huef hat // Item so spalt im den huef biß auf daß lebendig.
Ebd.
229
.