1
lauer,
laurer,
der
;
–/-Ø
oder
-(e)n
(+ Uml.);
zu
mhd.
lûre
›hinterlistiger Mensch‹
(Lexer
1, 1990
), zur unklaren Etymologie s. Kluge/S.
1989
, 430.
›Dummkopf, Trottel, Idiot; Schelm, Bösewicht, nichtsnutziger, hinterlistiger Mensch‹, häufig in Bezug auf Bauern gebraucht, dies möglicherweise wegen des Reimes.
Vorwiegend Verstexte.
Bedeutungsverwandte:
 2,  12, ,  3,  1, (
der
), , , , .
Syntagmen:
den l. hauen / henken / schänden / schelten, jn. l. heissen; wie ein l. sehen, jm. ein l. sein, der l. reden / etw. stelen; dem l. folgen; mit dem l. ketzerei treiben, jn.
(z. B.
den babst
)
für einen l. halten, jn. wie einen l. bezalen; l. der philosophei; böser / einäugiger / giftiger / grosser / listiger / nasser / reicher / unruhiger / verräterischer / verruchter / verzagter / voller l
.
Wortbildungen:
lauerbube
,
lauersame
›schlechter Same‹ (a. 1525),
lauershals
,
lauersmänlein
(dazu bdv.: ),
lauerstük
›Schurkenstreich‹ (a. 1553),
1
laurig
›schelmig, schurkig‹ (a. 1529).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
213, 5176
(
Magdeb.
1608
):
Trat zu mir an / ein alter Bawr / | Vnd der listig gifftige Lawr / | Der Haselwurm.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
191, 3
(
wmd.
,
1634
):
Damon spielte nur Alarmen | Vber seinen Mittgespan, | Der von Lauren, ohn erbarmen, | War gefänglich zogen an.
Dedekind/Scheidt. Grob.
109, 1
(
Worms
1551
):
Spricht man zu dir / hebs auff du laur / | So stell dich trawrig / vnd sih saur.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
47, 8
(
Frankf./M.
1550
):
Der arme Bawer / | Stund da / vnd sah gleich wie ein lawer.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
344
(o. O.
1558
):
hab doch einmal anderhalb hundert cronen bey ainem lawrshalß gesehen, und ist nur ain larvenwerck.
v. Keller, Amadis
368, 8
(
Frankf.
1571
):
Verrätherische Lauren, Wie habet jr dürffen an den hochlöblichsten Kö. auff erden, hand anlegen?
Luther, WA
33, 478, 22
(
1531
):
Also hat der herr Christus alhier auch die seinen gehabt, ob schon die laurer, die phariseer eittel diebe sein.
Bobertag, Schwänke
269, 10
(
Nürnb.
,
1558
):
der war ein arger laur vnd ein bescheisser auff aller wahr.
Sachs
14, 115, 32
(
Nürnb.
1550
):
Der verlogen und laussig pawr | Hat mich bezalet als ein lawr.
Ebd.
17, 61, 23
(
1553
):
Wils bald abweynen meinem mann. | Dort kombt geleich der alte lawer, | Er sicht aber gar leichnam-sawer.
Ebd.
101, 7
:
Recht thut man noch, daß man die bawren | Zu Fünsing nennt die thollen lawren.
Ebd.
410, 11
.
So findt man doch manch faulen lawrn, | Der in heymlichen feindet an.
Ebd.
20, 88, 19
(
1559
):
Ir bawrn, die sach ir nit verstet; | Kein wares wort der lawer ret.
Ebd.
21, 319, 7
(
1545
):
Der het zwen maler zw nachtpawren, | Zwen spotfögel, gar nasse lawren.
Serranus
115r
(
Nürnb.
1552
):
Laur / vide Bůb.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
322
(
Nürnb.
1613
):
Ich will werden ein reicher Bawr | Inn kuͤrtz, oder ich sey ein Laur.
Ebd.
593
:
Daß ihr geht in der Mummerey. | Ein halber Pfaff und halber Bawr / | Und in der Haut ein gantzer Laur.
Goedeke, P. Gengenb.
141, 929
(o. O.
1516
):
Er weiß gar wol Venus natur, |Vnd dunckt mich fein ein rechter lur, | Die gouchfaͤder wirt in gar wol zieren.
Sudhoff, Paracelsus
8, 36, 32
(
1530
):
dan vil seind, die do wollen künstler sein, die do nur lauren seind.
Ebd.
139, 20
:
das allein die lauren der philosophei, das ist das mies und der schaum wider mich aufgestanden ist.
Schade, Sat. u. Pasqu.
1, 59, 170
(o. O.
1542
):
Der laur hat uns lang gehalten auf: | Wir müßen flugs wider stechen drauf.
Ebd.
2, 160, 33
(
thurg.
,
1520
/
21
):
Als etlich leur | On alle kunst | Schriben nach gunst | Und gleichsnerei.
Bächtold, N. Manuel. Todt,
11, 48
(
halem.
,
1514
/
22
):
Der grechtigkeit sůcht ein jurist, | Das recht verkert diser lurist
(des Reims wegen mit lat. Suffix).
Maaler
265r
(
Zürich
1561
):
Laurßhalß (der) der ein boͤse sach vnderstadt gůt zemachen. Concinnator.
Barack, Zim. Chron.
3, 578, 1
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Ich main, ich hab die lauren die gassen hinein gehawen.
Chron. Augsb.
5, 100, 21
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
die laurbůben wurden von dem kaiser [...] vertragen und verricht.
Ebd.
5, 155, 32
:
der selb laur hett den Luther gern umb sein leben bracht.
Ebd.
8, 147, 9
(
1562
):
Man vermuͤtet aber, dises laursmendlin hab sich geren also lassen anbinden, damit ime etwas aus mitleiden geschenckt werde.
Peil, a. a. O.
346, 2697
;
Oorschot, a. a. O.
200, 3
;
Lichtenstein, a. a. O.
202
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
2, 99
;
Bobertag, Faust
262, 24
;
Sachs
5, 21, 11
;
13, 380, 1
;
19, 325, 1
;
Bell, G. Hager
578, 2, 9
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
1753, 19
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
224, 21
;
628
;
30
;
Chron. Augsb.
5, 99, 20
;
113, 5
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
228, 4
;
Rot
331
;
344
;
Schles. Wb.
2, 796
;
Schweiz. Id.
2, 1209
;
3, 1376
;
7, 935
;
10, 1825
;
Schwäb. Wb.
4, 1029
;
Schmeller/F.
1, 1499
.
Vgl. ferner s. v. (
der
3.