landfriede,
landesfriede,
der
;
-s
oder
-ns/–
;
in der Tradition und im Gegensatz zum Gottesfrieden stehender Rechtsfriede; er wurde als politischer, sozialer und rechtlicher Zweckverband errichtet und sollte ursprünglich zur Bekämpfung des Fehdewesens dienen. Im Laufe der Zeit wurde daraus eine allg. Rechtssicherheit und damit auch eine Rechtsordnung, die Gesetzescharakter erhielt und deren Verletzung durch die Vertragspartner bestraft werden konnte.
– Zur Sache: Rwb
8, 83
(mit anderer Gliederung des Bedeutungsfeldes und hoher Belegzahl); Hrg
2, 1451
; Lex. d. Mal.
5, 1657
.
– 2-5 Metonymien zu 1.
1.
›Zustand der Rechtseinung und der Rechtssicherheit; Rechtsfrieden, Ruhe und Ordnung innerhalb eines Herrschaftsgebietes, gültig für diejenigen, die sich dem Rechtsverbund angeschlossen haben bzw. ihm durch Verpflichtung auf eine Obrigkeit zugehörig sind‹;
vgl.  8.
Gegensätze:
 2,
1
 1, .
Wortbildungen:
landfriedbrechen
,
landfriedgeld
›Zoll zur Finanzierung des Landfriedens‹,
landfriedlich
,
landfriedzol
›Zoll zur Finanzierung des Landfriedens‹ (a. 1375).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
581, 2360
(
Magdeb.
1608
):
Synt Fuͤrsten vnd Herrn jr wort nicht hielten / | Mit dem Landfrieden vntrewlich spielten | [...] Die Huren ehrlich Frawenschmuck trugen / | Die Bawren raubten / vnd Leut erschlugen.
Luther, WA
16, 7, 27
(
1524
):
Die Egypter hatten von dem Volk Jsrael irer Seelen heil und seligkeit, gut Regiment, einen gemeinen Landfried, narung und uberflus.
Ebd.
16, 28, 9
(
1524
):
das ein gemeiner Landfriede erhalten wuͤrde, damit die fromen geehret, die boͤsen gestrafft werden.
Ebd.
28, 389, 20
(
1529
):
Denn sie zubrechen den gemeinen Landfrieden wider ordentliche Oberkeit, so den Landfrieden schuͤtzet und schuͤtzen sol.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
234, 16
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
Ob se dann hinfür vmb dasselb gelt phenden wolten, so habent se nicht recht ze phenden, wann se habent den ganczen lanntfrid zebrochen.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
165, 2
(
nobd.
,
1392
):
Der Rat zu Nürnberg hat Dietzen von Tüngen, des Landfriedens Feind, darüber abgesagt.
Chron. Nürnb.
4, 274, 9
(
nobd.
,
15. Jh.
):
wir hofen [...] alle schlos und stete, die uns enwant und enzogen sint, wider umb zu unsern henden und an unser stieft zu pringen und auch einen gemeinen fruchtbarn lantfrieden zu erfolgen, das wir mit euch in gotlich hilf zu langen zeiten gebrauchen wollen.
˹Ironisch bei Sachs
18, 119, 38
(
Nürnb.
1557
):
Kum her, du bist ein rechter | Landfridlicher thirann und echter!
˺
Ebd.
23, 60, 19
(
Nürnb.
1554
):
So ist nit müglich, das auf erd | Frid, rw und alle wolfart werd | Sunder nur krieg und tiraney, | Landßfried-prechen und plackerey.
Barack, Zim. Chron.
2, 271, 22
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
als herr Johanns Wernher von etlichen seinen nechsten verwandten vil ufsatz und untrewer pratiken erfaren, ist er dardurch verursacht, sich [...] mit [...] herrn Albrechten von Clingenberg, rittern, in ain verainigung einzulassen, nem ich, welcher sie wider recht oder den ufgerichten landfriden angreife oder beschedige, des alsdann ainer dem andern zuziehen und in des andern schlössern, stetten und flecken öffnung und enthalt suchen mege.
Chron. Augsb.
8, 211, 22
(
schwäb.
, zu
1563
):
daß man auch die kriegsleut, [...], haufenweis nit ziechen lassen, sonder daß man sie allenthalben zertrennen soll vermöge vor aufgerichten landfridens.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 216, 24
(
schwäb.
,
1618
):
daß sie [landfahrer] jemands mit gewalt daß sein abtrungen oder in ander weeg wider den landsfriden vergewaltiget hatten.
Bastian, Runtingerb.
2, 177, 28
(
oobd.
,
1395
):
von Meincz gein Nuͤrmberkch geit man von jedem sawm 4 Reinisch guldein, ân daz darauf get mit glaitt und lanndfridgelt.
Gereke, Seifrits Alex.
3915
(
oobd.
, Hs.
1466
):
wir gepieten pey der widt | ain stetten lanczfridt; | auf wasser und auf strassen | schol man die leut zogen lassen fridlich. welich das prechen, | das schol man also an in rechen.
Ebd.
8053
:
ain lants frid er gepot, | und wes den fuersten wer nott | oder gegen einander geprech, | das das chainer selber rech.
Turmair
5, 503, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die drei brüeder kamen zu Landshuet [...] zesam, rüeften (nach dem altem brauch) ainen g’mainen landsfrid aus wider rauber mörder brenner, die solten nindert freihait haben.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
202, 15
(
moobd.
,
1524
):
dieweil diser zeit ain guter landtfridt und khain sonder emperung oder khrieg im landt ist, sollen angezaigt thür also offen und unvermauert bleiben.
Bischoff, Steir. Landr.
205
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Chûmpt dann nŷmant, der hincz im spricht, so sol im der richter ain landfrid gepieten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
203, 6
(
smoobd.
,
1624
):
Zum anderen gepieden ich den lantfridt, daz niemt kain unrue anfach bei der leibsstraff.
Ebd. Anm.
dem gerichtsdiener zu bevelchen, das er den landfriden berüefe, das auf heutigen tag niemand kain unruehe oder unfrid anfahe
.
Bastian, a. a. O.
31
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 187
.
2.
›Rechtsverbund, politischer Bund derer, die sich zur Einsetzung, Aufrechterhaltung und Einhaltung eines Landfriedens zusammenschließen‹. Ein solcher Zusammenschluß kann sowohl vom obersten Landesherrn, z. B. dem Kaiser, als auch von den Beteiligten selbst ins Leben gerufen werden und schließt gleichermaßen die damit verbundenen Rechte und Pflichten der Bundesgenossen mit ein;
vgl.  8.

Belegblock:

Lau, Qu. Neuß
82, 5
(
rib.
,
1366
):
Wir geswoern des verbuntz der heren ind der stede tusschen Mase ind Ryn doin kunt [...] dat wir van unser heren ind stede wegen int verbunt ind lantvrede, den sij onder un gemacht haint [...].
Rudolph, Qu. Trier
481, 5
(
mosfrk.
,
1526-31
):
sullen [...] rait und burger unser stat Trier unser [...] fiande [...] nit enthalten, [...] sonder [...] gegen inen als unsern fianden, lute des keyserlichen lantfridens haben zu handelen.
Schmidt, UB Halberst.
4, 3144, 131
(
omd.
,
1399
):
nemen wir obgenanten herren semptlichen uß den landfriede, den wir mit andern fůrsten und herren czu halden yezund gesworen haben.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
164, 24
(
nobd.
,
1392
):
Die verainigte Ständ des Landfriedens (deßen Hauptmann Graf Hannß zu Wertheimb [...]) sein dis Jahr für das Schloß Reissenberg gezogen und haben H. von Wiesenthaw, ihren Feind, gefangen.
Ebd.
165, 12
(
1393
):
Die Stend des Landfriedens haben dis Jahr Parcifel Zenger, ihren Feind, überzogen.
Ebd.
172, 24
(
1398
):
Es hat der Rat zu Nürnberg sich gegen den Burggrafen als Haubtman des Landfriedens beschwert, daß die gefangene Bepheder alle ausgesöhnet und aus Sorgen gelassen worden.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
261, 21
(
nobd.
,
1407
):
daz wir unser anzal auf den nehsten freytag [...] dem lantfride ze dienen hie außschicken wöllen.
Ebd.
282, 36
(
1409
):
nicht anheim, sunder in des landfrids dienste aussen.
Ebd.
283, 30
:
ist dez bey dem lantfride beliben auf einen außspruch und hat das mit hantgebenden treuen gelobet.
Ebd.
307, 32
(
1416
):
sol man im mit dem lantfride dorumb zu im beholffen sein.
Jörg, Salat. Reformationschr.
714, 12
(
halem.
,
1534
/
5
):
schribend dar ernstlich die v ort / um voriger anzügen antwurt / ob mans bin pünden / landsfriden / und rechten wette blyben lan / und schirmen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
88, 33
(
halem.
,
1572
):
diewyl ir gnad [...] in dem landtfriden nit behaft noch begriffen ist.
Chron. Augsb.
2, 8, 11
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ander herrn und stett, die zu dem landfrid gehörn, die komen all ze veld, ieder her und iede stat mit ir anlegung.
Ebd.
2, 304, 21
:
niemant außgeschloßen solt sein auß dem lantfrid. [...] sind aber 2 mechtig fürsten außgenommen, die man zu dem lantfrid nit gefordert hat, [...] die wolt man außsetzen und nit in den landfrid nemen.
Bastian u. a., Regensb. UB
37, 19
(
oobd.
,
1353
):
die purger der stat ze R. [...] in den lantfrid, den wir zu Franken und ze Beyren gemacht haben, getreten sind.
Wyss, Limb. Chron.
91, 8
;
95, 10
;
Wiese, UB Wetzlar
1, 466, 12
;
566, 12
;
Foltz, UB Friedb.
1, 189, 4
;
223, 22
;
498, 25
.
3.
›Verpflichtung auf den Landfrieden durch eine Eidesleistung, Landfriedensschwur‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Lau, Qu. Neuß
82, 8
(
rib.
,
1366
):
die bescheiden lude, burgermeistere, scheffene [...] der stat van Nuisse daeynne untfangen haven, die ouch den lantvreden gesworen haven zo halden ind zo huiden, gelijcher wijse.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
213, 27
(
nobd.
,
1404
):
Das seinde die, die den lantfriede gesworen haben zu Heidelberg, als er gemacht warde: Her Johans byschof zu Wirczburg, her Johans abbte zu Fulde, her Fridrich burgrafe zu Nuerenberg [...].
4.
›Landfriedensordnung, im Rechtsverbund schriftlich fixierte Rechte und Pflichten‹; auch ›Friedensvertrag zwischen zwei gegnerischen Parteien‹; Metonymie zu 1.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Wortbildungen:
landfriedbrief
,
landfriedbuch
.

Belegblock:

Laufs, Reichskammergo.
177, 28
(
Mainz
1555
):
Nachdem sich sich der gemeynen schlechten spolien halben, so nit mit gewaltiger that, aber doch wider recht geschehen, welche dem keiserlichen landtfrieden und desselben straff und peen nit unterworfen, vilerhandt irrung [...] zutragen möchten.
Ebd.
201, 37
:
als so eyner wider des reychs landtfrieden und ordnung würde verurphedet, mag nach vermög der recht und des reychs ordnung darin gehandelt werden.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 90, 4
(
md.
,
1507
):
Dieselben söllen mit der tatt in vnner vnd des heiligen Reichs Acht vnd aberacht vnd annder Penen, Straffen vnd Puessen, in gemainer vnnserm Lanndtfriden begriffen, geuallen sein.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
137, 28
(
nobd.
,
1390
):
daz zerrunnen waz an den zöllen dez lanzfrids, die man aufgesetzt het.
Ebd.
182, 44
(
1396
):
do wir 4 spiezz mer halten musten dann 6 spiezz, die man uns vor aufgesetzt het, als zu dem Newenmarkt geteidingt ward, und in dez lantfrids puche geschriben stet.
Chron. Nürnb.
5, 690, 10
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
an sant Marx tag da wurd der lantzfrid zu Nurmberg und in allen steten, die der krieg ist angegangen, angeschlagen.
Rieder, Gottesfr.
174, 33
(
els.
, Hs.
15. Jh.
):
sol uns [...] und unsern orden hievor nút schirmen keine friheit [...] noch kein gerihte, geistliche oder weltliche, kein lantfride, burgreht noch kein reht oder gewonheit stette oder landes.
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 82, 8
(
whalem.
,
1484
):
das der keiser einen gemeinen landsfriden fúrneme und iederman wissen moͤchte, wo er ein ustreglich recht funde.
Geier, Stadtr. Überl.
511, 28
(
nalem.
,
1560
):
wiewol ain solliches alles deß hochverpeenten ußgekündten kaiserlichen landtfridens, auch vervolgten reichs- und kraißabschiden zum allerhöchsten verpotten.
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 237, 16
(
schwäb.
,
1396
):
schikt er ainen botten von Stůgarten gen Rotenburg mit der abgeschrift dez lantfrides.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
37, 22
(
schwäb.
,
1548
):
Dysser lerman ist [...] gestiltt, verttragenn und ein auffgerichter, versigeltter landfridenn gemacht wordenn.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 111, 24
(
schwäb.
,
1554
):
Doch so ist ainem jeden sein zuespruch gegen seiner widerparthey vorbehalten, laut deß landtfridens.
Ebd.
436, 11
(
1535
):
gepietten ouch darauf allen underthonen [...], wöllen es onangepracht nit lassen, alles by vermeidung peen und straf im küngklichen landfriden ausgetruckt.
Dirr, Münchner Stadtr.
283, 11
(
moobd.
,
1310
/
2
):
Swen man uͤberziugen mach mit siben ziugen, die ez wares wissen, daz er schuldich ist, dez beredunge [...] sol man niht nemen, nach dem lantfrid prıͤf.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
2, 25, 14
(
moobd.
,
1526
):
Des Heiligen Reichs Gemainer Lanndtfridt
(es folgt der Text; im Glossar der Ausgabe ausführliche rechtsgeschichtliche Erläuterung).
Hertel, UB Magdeb.
3, 344, 9
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
659, 11
;
Pfeiffer, a. a. O.
310, 20
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
69, 28
;
Bastian u. a., Regensb. UB
49, 29
;
Herzog, Landsh. UB
367, 16
.
5.
›Landfriedenstagung, beschlußfähige Versammlung der Träger der Landfriedensordnung; Landfriedensgericht, bestehend aus einer vom Rechtsverbund eingesetzten Person(engruppe), die die Landfriedensordnung konstituiert hat und sie gewährleistet und überwacht‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl. .
Wortbildungen:
landfriedmeister
,
landfriedschreiber
.

Belegblock:

Wiese, UB Wetzlar
1, 481, 32
(
1331
):
und boddin, des zu gehene vor unsern herrin .. den keysir, vor unsern herrin .. den landfoid, vor die stede, unsir eidgenozin, oder vor den lantfride.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
131, 7
(
nobd.
,
1399
):
ez ist ze wissen, daz sich Henslein von Pernheim verricht hat mit unsern herren burggrafen, mit uns und den von Rotemburg [...] auf dem lantfride, der da waz zu der Newensstat an der Eysche umb Jacobi.
Chron. Nürnb.
1, 32, 21
(
nobd.
,
1407
):
do besamt sich der von Swarczburg mit herren rittern und knechten, und der lantfrid mit im, und wolt fur di stat zu Wirczburg sein zogen.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
249, 3
(
nobd.
,
1406
):
dez gleichen hat im der lantfridmeister auch geleit also geben.
Ebd.
274, 4
f. (
1408
):
Alsbalde uns eur brief geantwurt warde, da giengen wir zu dem lantfridemeister, [...] und ließen in denselben euern brief hören; und der hiß zu stunde den lantfritschr[eiber] zwey verpietbrief schreiben.
Chron. Augsb.
1, 101, 16
(
schwäb.
, zu
1395
):
Nun hett der Aunsorg erlangt von dem lantgericht, daz im die von Augspurg und der lantfrid helfen solt, und er manet die von Auspurg und den lantfrid umb hilf. des ward nit getaun [...]. do fůr der Aunsorg zů und erclagt uff die von Auspurg schaden [...], darumb daz im die stat Auspurg nit half als der lantfrid, die nün die da sassen, erkent hetten.
Ebd. Anm. 3;
Pfeiffer, a. a. O.
172, 41
;
306, 11
.