lade,
die
;
–/-n
;
zu
1
(V.).
1.
allgemein ›Behälter unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit sowie unterschiedlichen Verwendungszwecks‹; im einzelnen z. B.:
a) ›Kassette, Schatulle zur Aufbewahrung von Wertgegenständen wie Geld, Schmuck, auch von Wertpapieren und Urkunden, Schatzkästchen, Schatztruhe‹ (mit dieser Variante offen zu 4);
b) ›Reliquienschrein, Behälter zur Aufbewahrung religiöser Kultgegenstände‹;
c) ›Bundeslade‹;
d) ›Wäsche-, Kleider-, Mitgifttruhe‹;
e) ›Werkzeug-, Utensilienkiste‹;
f) ›Sarg‹; vgl.
1
 2.
Bedeutungsverwandte:
1
 6,  8,  1,  1,  1, , , , , ,  1.
Syntagmen:
die l. aufstellen / beschlagen / beziehen / bringen / halten / leren / machen / schicken; etw.
(z. B.
pflaumen
)
in einer l. einmachen, etw.
(z. B.
briefe / gelt / schmuk
)
in einer l. liegen / sein, etw. / jn. (einen toten) in eine l. (ein)legen, etw. in einer l. bringen, etw. aus der l. geben; l. des bundes / todes / gottes; l. vol briefe; l. mit deckel; beschlossene / eiserne / feste / hülzerne / runde / silbrige / versilberte / viereckige / (wol)beschlagene l.; reine / keusche gottes l.
Wortbildungen:
ladner
,
lädner
›Hersteller von Behältern‹ (a. 1367ff.).

Belegblock:

allgemein und nicht genau bestimmbar:
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
scedelen vnde laden, de nicht ancgenegelt sin.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
16, 21
(
preuß.
,
1404
):
220 laden kruͤde.
Lippert, UB Lübben
2, 199a, 18
(
osächs.
,
1523
):
14 ar. g. Jacob Cleinsmidt von einer laden zu binden mit zcweyn schlossen.
Gille u. a., M. Beheim
447, 246
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[Moises] ward funden pei des wassers flus | in ainem ledlin.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
478, 37
(
nobd.
,
1482
):
In einer hülzerin laden unter den zweyen cleynen obgeschrieben eyserin und hülzerin behelterlin.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
David geht ein, bringt die vorhäwt in eim lädlein und spricht: | Herr könig, da sind die vorhäwt.
Wyss, Luz. Ostersp.
2664
(
Luzern
1583
):
Gegrüssett syest, voll aller gnad, | Du reine, küsche Gottes lad!
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
ein sondere sort kraͤfftiger wolgeschmacher Pfloͤmlein / in Laden eingemacht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
macht man guot taveln oder archen oder laden oder schrein dar auz.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
127
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 gepalsamirter trach, inn einer viereggeten grienen laden.

Zu a):

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
das der Abt [...] zwu Jungfrawen [...] mit etzlichen laden und Kasten [...] entfuhret haben solle.
Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
Daß die keiper das gelt in die grossen sparbüchsen ader laden einlegen.
Köbler, Ref. Franckenfort
65, 7
(
Mainz
1509
):
sollen alßdañ solche Inuentaria in ein lade oder schanck [...] gelegt / vnd den Truwenhendern abschrifft dar von gegeben werden.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
,
1509
):
ein feste sunderliche lade [...], darinne das gelt und die register [...] sollen verschlossen werden.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
das sie grose Krafft haben, ja verstant die Ledlin und Secklin zū leren.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1420
):
in aͤiner lad aͤin puͤch, ist aͤin abgeschrift, sein vrbarpuech.
Ain huͤlczein laͤdlein, dar inn xviiii noderbrief.
Ebd. (
1465
):
perlen vnd gespunnen golt mit ainem knopf in ainem lädlein.
Rechn. Kronstadt
3, 136, 19
(
siebenb.
,
1541
):
welch gelt dy Ersam Weÿsen herren [...] in dÿ Eÿseren Lad in das gewelb haben getragen.

Zu b):

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
1, 25
(
preuß.
,
1383
):
1 lade mit ganczen messegerete, kelche, ampole, glocke und buch.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
110, 6
(Schlockau
1414-1438
):
1 kleyn ledechen von ledir mit heyligthum.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
44, 11
(
preuß.
,
1440
):
1 lade, dorinne 2 ornate mit allem messegerethe.
Struck, Joh. Pfannstiel
196, 49
(
mosfrk.
,
1553
):
2 dussent ostigein 8 alb. 3 den. mit der laidenn.
Rechn. Kronstadt
2, 161, 42
(
siebenb.
,
1529
):
mir haben gelaven aus der kyrgen laden meinen hernn off das rothaus.

Zu c):

Luther. Hl. Schrifft.
1. Chr. 16, 29
(
Wittenb.
1545
):
DA nu die lade des Bunds des HERRN in die stad Dauid kam.
Bell, G. Hager
162, 2, 21
(
nobd.
,
1597
):
Da aber die priester an graus | kamen her aus | Sambt der laden.
Ebd.
210, 1, 24
(
1599
):
[Die Juden]
be sanen sich hin vnd her, | vnd namen gottes laden schwer, | und brachtens in das leger.

Zu d):

Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1404
):
mag ouch ein erfrŏwe ir houptlochet gewand, houpttuͤcher und laden wol geben wem si wil.
Fuchs, Murner. Geuchmat
48, 5, 1
(
Basel
1519
):
[der Gauch]
sol ouch ein eygen laden dar zů haben dar in die reinen diechlin lvgen.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 186, 36
(
schwäb.
,
um 1522
):
visitirt sy die wirdig můter, gab eyder in ir lad oder truͤchlein wes sy nottuͤrfftig was.
Skála, Egerer Urgichtenb.
237, 13
(
nwböhm.
,
1578
):
1 lädl darin etlich leihnen ding, hembdt.

Zu e):

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
145, 12
(
preuß.
,
1409
):
1 cleyne lade mit der oderwoge.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
113, 24
(Schlockau
1414-1438
):
7 steynbuchßen in wolbeslagen laden.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1508
):
ein schreibladen [...], darinn allerlai czu der schreiberei gehorig, das mich ausserhalb der laden gestet pei.
Zingerle, Inventare (
vorarlb.
,
1486
):
xii kúbel vnd ladẹn, da buluer, stain vnd mödel in gehörent.

Zu f):

Buch Weinsb. (
rib.
,
1586
):
hat eins raits heubtman [...] einen stat-soldaten [...] laissen mit dem swert richten, [...], wart doch in ein laede gelacht, [...] darnach uff den kirchoff begraben.
mines broder Christians lade wart uffgetain, sin bart war im uber die borst gewassen, und war sin gebeins in ein letgin vergadert.
Ebd. (
rib.
,
1588
):
wie es (ein Kind) doit im letgin lag mit sim rossmarinen krentzlin und gar schoin war, buckte sin brodergin Gottschalck stainde uber das letgin [...] und wolt es kussen.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
zo avent wart dat licham anders gecleit und in eine laide gelacht.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
die laden mit den doiden minschen stalt men up ein mit groissen houfen.
Ebd. (
1483
):
[pretgermonchen] hatten ein lad, da lachten sei | in in, | [...] | darin wart hie liggen begraben.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Do hatten sie den todten lassen in eine laden legen.
Niewöhner, Teichner
202, 8
(
moobd.
,
1360
/
70
):
wie der recht sterben tuͤt, | [...] an dem galgen oder auff dem rad, | wie er chumpt in dez todez lad | mit einem rechten leben vor.
Joachim, Marienb. Tresslerb. ; ;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
541, 1103
;
Kochendörffer, Tilo v. Kulm ;
Lohmeyer, a. a. O. ;
Thielen, a. a. O.
56, 2
;
v. Ingen Zesen Rosenw.
76, 9
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. ;
Graf-Fuchs, a. a. O. ;
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 102, 32
;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
333, 411, 804
;
Zingerle, a. a. O. ; ; ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
13, 25
;
Rechn. Kronstadt
1, 593, 23
;
Alberus
G iv
;
Rwb f.;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 75
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  3,  2,
1
 1, , .
2.
›Schublade‹;
vgl.
1
 2.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Zuhandt sie vor den Spiegel trat, | Und schloß auff jre Schleyer lad, | Und zohe herauß die gelben Schleyer.
Bauer u. a., Kunstk. Rud. vor
2550
(
oobd.
,
1607
/
11
):
In dem understen thail dises schreibtisch, [...], ist ein verborgne daten oder laden.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1431
):
ain chlains lädẹl, das in ainer truhẹn gewesẹn ist.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
475, 20
;
3.
›Kinnlade‹.

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1584
):
Er leis sich einen zant ausbrechn vons barbers knecht, der im die lade zubrach, [...], das er sich verbloitte.
4.
›Kasse einer bestimmten genossenschaftlich organisierten Gemeinschaft, z. B. die Stadt-, Gemeinde-, oder Zunftkasse‹; metonymisch auch für die jeweilige Gemeinschaft selbst;
vgl.
1
 2.
Wortbildungen:
ladenherre
›Bewahrer, Verwalter einer Kasse‹ (a. 1577).

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
3, 132, 4
(
md.
,
1600
):
bey Straf Zehen gülden, welche der Verbrecher [...] in die Laden Vnweigerlichen Zuerlegen schuldig sein soll.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1464
):
Das hinfür under ain iedes tor ain redlich ernstlich man us der lad bestellet werd, der schriben und lesen künd.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1579
):
wellichen man auß der lad leicht eß sei gemain oder waisengelt, der soll es im jar widerumb erstatten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
, Hs.
17. Jh.
):
der solle unnachlaßig 1 fl 4 ₰ straff bezahlen, davon der herrschaft 6 ₰, [...] der lad 2 ₰ zugeteilet.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
84, 35
;
Bischoff u. a., a. a. O. ;
5.
›Schaft eines Feuergewehrs, Geschützes‹;
vgl.
1
 5.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Rechn. Kronstadt
1, 643, 8
(
siebenb.
,
1526
):
Lucae mensatori pro laden ad 9 bombardas asp. 27.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
292, 10
(
Genf
1636
):
Lade / Schafft eines Rohrs.
6.
›Instrument zum Schienen von Knochenbrüchen, das aus drei miteinander durch Scharniere befestigten Brettern besteht‹.

Belegblock:

Keil, Peter v. Ulm
155
(
nobd.
,
1453
/
4
):
du must den fuß vor hen wol einrichten in ein laden, daz er gleich lig.