knopf,
der
;
–/-e
+ Uml.
– 1, 4 und 5 obd.
1.
›Auswuchs, Geschwulst am Körper von Menschen und Tieren‹; auch ›weibliche Brust‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, ,
1
,  2, , .
Syntagmen:
einen k. lindern; podagrischer k.

Belegblock:

Broszinski, Minner. Chir. Parva
72r, 21
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
ist ein pflaster von kümist oder kat vnd ist ouch guͦt ze lindren die scrophulae vnd die knöpff.
Sudhoff, Paracelsus (
1529
):
etlich sind auf die art der podagrischen knöpfen.
der geschlecht seind neune und seind dise: favus, lerch, drüsen, ubergewechs, knöpf, warzen, condilomata, feigwarzen, polipus.
Klein, Oswald
63, 19
(
oobd.
,
1416
?):
wie si vor trüg zwen sinwel knöpf | spitzlich gedrät recht als die töpf.
Deinhardt, Ross Artzney
146
(
oobd.
,
1598
):
Wo dan das pferdt den schaden hat, da werden khnoppen auf farn.
2.
›knollige Verdickung an Pflanzenteilen, Astknoten‹; auch ›Keim, Sproß, Blumenknospe‹.
Bedeutungsverwandte:
 4,
1
 2,  1.
Syntagmen:
k. des eichenlaubes, des gewächses, der planien / blumen; k. an einem baum / weinstok / zweig; ausgewachsener / goldfarbener / grüner k.

Belegblock:

Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
ich sich der planien knopfe | da bey da sthett daß grienne graß.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
111, 23
(
osächs.
,
1570
/
7
):
impfung, da man die junge rinde mit einem euglein oder seines ausgewachsen knöpfle in die ander der alten rinden setzet.
Fastnachtsp. (
nobd.
n. 1494
):
Tust unter mandel pfirsing keren | [...] | Für muskat aichenlaubes knopf.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dw ast und stam | Knopf, prosß, zweig, sam und plüt | Der gnaden reichsten güt.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der pluͦmen tolden und ir chnoph | Entfliezzen von der fuzze sich.
Weitz, Albich v. Prag
161, 12
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
Nym die knoͤpff von ainem alber vnd stoͤß sy gar wol.
J. W. von Cube. Hortus
28, 25
;
Ermisch u. a., a. a. O.
126, 7
;
Mayer, a. a. O. ;
Golius
358
;
Stieler
1, 998
;
3.
›Knoten, Verknotung, Verstrickung, Verbindung‹; auch ütr.
Phraseme:
den k. auflösen
›den Knoten lösen‹;
schwache knöpfe machen
›keinen verbindlichen Vertragsabschluß machen‹.
Syntagmen:
den k. aufschliessen / zusammenflechten; k. der geisel; grosser / harter / schwacher / verstrikter k.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
5, 762, 33
(
preuß.
,
1524
):
ermanten uns [...] dieser tag were der knopf, darauf all unser sachen stunden.
Thiele, Minner. II,
13, 79
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Der datt will ich geschwigenn, | es hatt ein zwifell knopff.
Volz, Prophet Daniel W
5, 16
(
Worms
1527
):
Do hoͤret ich wie du die außlegung deutten / vnd alle knoͤpf aufloͤsen moͤchtest.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
doch mochten sie den verstrickten knopf nit auflösen, als wol het der Gaißpart sie zusamen gemengelt.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Im tempel fundt [Alexander] den knopff und wagen, | Darvon war ein altes weissagen: | Wer aufflöst den knopff obgemelt, | Der wirdt ein herr der gantzen welt.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
die brudere [...] geischeltent sich mit geischeln von riemen, die hettent knöpfe vornan.
Goedeke, Fischart
3348
(
Straßb.
1594
):
Seid ir doch nie so böß gewesen | Sie könten euch den knopf auflösen.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Fuͦr demnach [...] zuͦm babst gon Bononia, machten da vil guͦter puͤnd, aber schwach knoͤpf dran.
Jörg, Salat. Reformationschr.
327, 26
(
halem.
,
1534
/
5
):
Solchs die listigen zwen / Lutrer / Zwinglj [...] ouch wol bericht / wie der gmein man deshalb so unwillig / und so jemand der jnen den knopf ufloͤsen / waͤr / wurd jmm deshalb nit nun vollg / sunder fürdrung und bystand gtan.
Schmidt, Rud. v. Biberach
89, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Minne ist ein knopf vnd ein bant, mit dem ellú ding werdent zvͦ einander gebǔnden.
Österley, Steinhöwels Äsop (
Ulm
1474
/
82
):
nam sie die arbait ierer zen an sich und fieng an ab ze nagen und öffnen alle knöpf der gefenknus und alle ire list vernichten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
4, 20
(
tir.
,
1464
):
Er hat aufgeschlossen die verpargenhait der heiligen geschrifft, vnd die grossen hërtten knöpff die hat er auf gelöset seinen nachkömen.
Volz, a. a. O.
5, 12
;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Bobertag, Eulensp. ;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Bauer, a. a. O.
7, 29
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
4.
›Klumpen, Kugel, kugelförmiger Gegenstand‹.
Syntagmen:
knöpfe giessen / vergulden; k. fleisch / schmalz, k. an stauden, k. von kupfer; erhebte / grosse / korallene k.; pater noster mit k.

Belegblock:

Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 121
(
Augsb.
1473
):
da hieß er giessen gar vil knöpf von kupffer / vnd tät die wol vergülden.
Bauer, Geiler. Pred.
82, 15
(
Augsb.
1508
):
wenn ainer durch ainen wald reitet / so sicht er etwenn knoͤpf an den stauden / welche knoͤpff die menschen gemacht hond zu ainem zaichen das da der recht weg sey.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
177, 6
(
Augsb.
1553
):
mach den taig wie zú ainem fladen, thút ain knepflin schmaltz darein.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
210
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 meerygel, rund wie ein apfel [...] mit vil erhebten knöpflein.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1484
):
drey karelen paternoster mit agnus dei vnd knopffen.
Eschenloher. Medicus ;
Bauer u. a., a. a. O.
1068
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 166
.
Vgl. ferner s. v. (
das
2.
5.
›verziertes Ende, z. B. kugelförmiger Fuß, Griff an einem Gegenstand‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, .
Syntagmen:
den k. vergolden / ziehen; k. des schwertes; durchbrochener / goldener / runder / übergoldeter / zugespizter k.

Belegblock:

Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Des schwerttes knopffe er nider lie | Zer erden und den spitz enbor.
Kläui, Urk. Hermetschwil
27, 20
(
halem.
,
1357
):
druͥ muͥli isen zu den steinen mit andeglen und knoͤpfen so darzuͦ hoͤrend.
Morrall, Mandev. Reiseb.
156, 20
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
uff den grossen túren in dem palast da stond uff zwen guldin knoͤpffe von vinem gold.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
787
(
oobd.
,
1607
/
11
):
2 vasi oder näpff [...] hatt ein deckel oben mit einem zugespitzten knopff.
Ebd.
1176
:
Zwey vasi [...] unden rund zu mit knöpfen, damit man silbern oder vergulte füeß daran machen köntte.
Ebd.
2283
:
Ein runder knopf oder pallen, den man auf ein stab pflegt zu machen und geometrische oder andere instrumenta darauff schraubt.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Het alwegen sein messer an der seiten, der knopf und heft was von golt oder silber wie die gürtl.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1488
):
ain frawensatl mit ainer roten deckh, der knopfh vbergult.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich ;
Adomatis u. a., J. Murer. Ufferst.
328
;
Barack, Zim. Chron. ;
Bauer, u. a., a. a. O.
653
;
2170
;
6.
›kugelige Krönung eines Gebäudes, Turmspitze, Dachkrone‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, .
Syntagmen:
einen k. abnemen / aufsetzen / vergolden; k. an / auf einem gebäude, auf einer säule; goldener / köstlicher / vergoldeter / zinnener k.
Wortbildungen:
knopfhan
(v. 1536).

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
151, 2
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Du magest es selber wol sehen an dem grossen husse myt dem gulden knoppe.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
65, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Ich mach auff hohe Thuͤrn die Knoͤpff.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz. (
alem.
,
um 1430
):
was oben uff dem spitz ain güldiner knopf und uff dem knopff stuͦnd ain güldiner engel.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
ein also starker wint [...] warf ouch abe den kirchen und glockenhusern vil knopfe und krütze.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ward [...] die ärgger darauf gemacht und die knöpf vergüldet.
Weber, Füetrer. Poyt.
311, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ain purck dar neben lage, | menng guldein knopff dy verre da von glasst.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1462
):
ain zynner knopff auf kappellen.
Qu. Brassó
5, 421, 11
(
siebenb.
,
1608
):
hot das Wetter auf den Turn auf Croner Mark geslogen, also dass es nicht ist gelöschen kunnt werden, bis man den Knop hot abgenommen.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Munz, Füetrer. Persibein
246, 3
;
Qu. Brassó
4, 235, 10
;
Hulsius
K ijr
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
7.
abwertend gebraucht: ›grober Kerl‹; obszön: ›Kot; Blähung; Hoden‹.
Bedeutungsverwandte:
, , (
der
), (
der
1, ,  4; vgl.  3.

Belegblock:

Lichtenstein, Lindener. Rastb.
152
(o. O.
1558
):
entbieten allen unsern [...] underthanen als narren, fantasten, gecken, klepeln, dremmel, dülpeln, flegeln, knöpfen.
v. Groote, Muskatblut (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
daz wispel muͦsz ich jehen, | wan der widehop duͦt synen knop | in syme eigen gehuͦse.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
der dieb [...] Im fal hett sich verstrickt der knopff, | Daß den nit lösen kondt der tropff.
Thiele, Minner. II,
18, 100
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
das mir kain knoͤppflin do enträn | vor enngsten, der ich hett genuͦg.
Goedeke, Fischart
1824
(
Straßb.
1594
):
sie [...] kamen also aus dem last, Weil der knopf die schaf oben tast.
Sappler, H. Kaufringer
13, 329
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wann die knöpf [...] | sind gehangen in kurzer zeit | ainem pfaffen vor dem ars.
Lichtenstein, a. a. O.
168
.
8.
›Kleiderknopf‹.
Bedeutungsverwandte:
 5.
Syntagmen:
einen k. ansetzen / machen / übergolden; alter / goldener / messener / neuer / perlener / runder / silberner / vergoldeter k.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
102, 4
(
Frankf./M.
1568
):
Ich mach Steckhefft auß Messing drat | [...] | Mit runden knoͤpfflein gut vnd scharpff.
Fastnachtsp. (
nürnb.
,
15. Jh.
):
Helft mir neur knöpfel machen, | So wil ich euch wol besachen.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1507
):
ein schwarczen rusessel mit leder uberczogen und mit messen knopffen pro. 3fl.
Cirurgia H. Brunschwig
19v, 27
(
Straßb.
[
1497
]):
An beidē ortē berlin oder subtilige runde knoͤpflein mit zuͦ versuͦchen die leng vnd dieffe der wundē.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
2375
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Runde knöpf auß agata und guldene knöpf, geschetzt per 100 taler.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1491
):
Ain perlener knopff.
ain grunß scheübl mit gülden knopfen.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
122, 31
;
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
484, 10
;
Vgl. ferner s. v.  1,  1.
10.
im Syntagma
etw. mit dem knopf nemen
›in Garben gebundenes reifes Getreide‹.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1512
):
ob ain nachpaur dem andern seinen agker nimbt in der sat, der mag den widernemen mit dem phlug vor sand Mertn tag [...] und zu der sunnbenten mit dem knoph.
Ebd. (
1577
):
so mag er das [ertgewecchs] nemen zu sant Jörgen tag mit dem grüeblein oder in ärn mit dem knopf.