klaue,
die
;
–/-n
;
zu
mhd.
klâ, klâwe
›Kralle‹
();
große Schreibvarianz.
1.
›Kralle eines Vogels, eines Säugetiers‹; metonymisch auch: ›Fuß, Tatze‹; ›Hufe des Hornviehs‹; als Synekdoche: ›(Stück) Hornvieh‹ als Grundlage der Strafzumessung bei Tierschaden oder als Abgabe; daran wiederum tropisch anschließbar: ›Zwangslage, Klemme, Griff des Teufels, des Todes‹.
Phraseme:
(nicht) eine klaue
›überhaupt nichts‹;
etw. in der gespaltenen klaue treffen
›etwas genau treffen‹;
die klauen saugen
›hungern‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , , ; vgl. .
Syntagmen:
die klauen abziehen / aufklemmmen / ausbreiten / herfürlassen / wegtun; etw. / jn. aus den klauen lassen, etw. in js. klauen bringen, jn. / etw. in seinen klauen ergreifen / haben / halten / nemen, jm. in die klauen geraten, in js. klauen fallen, jn. mit den klauen drücken / meistern, etw. mit den klauen fassen / heften / tappen; klauen des drachens / geiers / teufels / vogels / zweifels, der katze, des pferdes / schweins; erene / gesalzene / geschärfte / gespaltene / geteilte / greuliche / krumme / lange / räubische / scharfe / spitzige / ungeheure / wiederkrümte klauen
.
Wortbildungen:
klauengeld
eine Viehsteuer,
klauenkle
(a. 1594),
klauenleder
,
klauenschmalz
(16. Jh.),
klau(en)steuer
,
klau(en)zol
(seit 1489),
klauvieh
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
von dem roube slugin | menlich al der Pruzin schar | behaldinde ir vie vil gar | daz ni abquam ein clawe.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
45, 24
(
preuß.
,
1413
):
1 tonne claen
›Fleisch vom Hornvieh‹
gesolczet.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
8446
(
rib.
,
1444
):
Myns pertz clauwen greyff sij mit den tzenden | Ind dede id hyncken an beiden enden.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 171, 34
(
hess.
,
1538
):
so ist kontbar, das not ist, das man den underscheid in der gespalten klauen treff.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Nach den drin tieren quam, | Dem die zene yserin | Waren, und die claben sin, | Vraz, reiz, beiz.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
4343
(
Zwickau
um 1540
):
Die klawen muͤst ihr saugen all zumal.
Keil, Peter v. Ulm
267
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Nym von einem geyren die claen vnd seinen snabel, prenn es zu puluer.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
soll kain burger [...] kain cloengelt und clain zehenden geben.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Derselb [...] | den bawren grimmig anplatzt, | Sein hals und sein angsicht zerkratzt | Mit seinen spitzigen klaen scharff.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
er machet als grúlich krezze, als ob in ein ber under sinen spizigen klawen heti zerkrawet.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
in den selben 7 monoten wuͤhsent dem künige klowen an den vingern und an den zehen also eime tiere.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ein cloe belaib nit von den dingen die vns sint notturftig zuͦ dem dienst vnsers herrn gotz.
Morrall, Mandev. Reiseb.
153, 18
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
er hät der vordren gruͤwel clauwen als lang [...] als ain ochsen horn wann man guͦt horn machet uß sinen clauwen.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1522
):
Entschaid zwischen den girtlern [...] und schuhmacher [...] des ableders, hels, klaen und fuderleders halben.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 13, 20
([
Augsb.
]
1523
):
Jch will dein horē eysin machē vn̄ dir erine klawē gebē / da mit du vil voͤlcker zerreiben migest.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
die hinden gepern kälbel, der hüetent si [...] und verpergent si in den stauden und maisternt si mit den klâen, daz si dar under beleiben.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
47, 14
(
noobd.
,
1347
/
50
):
ez fuͤrging denne deu letst clo des gekruͤmten ohsen mit seiner gepogenn knischeiben.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
Wir [...] verjehen offenlich [...] das wir durch etlich unser noturft haben abgenomen ain closteur ab der pfaffhait güter.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1648
):
So ein viech in weingährten kommet, ist die straff von ieder klaw 4 ℔ und den schaden absonderlich zu bezallen schuldig.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
A. 17. Jh.
):
solle sich niemants unterstehen [...] ainich anders klaaviech seinem nachbern oder andern aufzukern.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
46, 7
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
35, 91
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
604, 3106
;
Pyritz, Minneburg
5087
;
Ott-Voigtländer, Rezeptar
205r, 21
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Gereke, Seifrits Alex.
763
;
Herzog, Landsh. UB
167, 40
;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Qu. Brassó
5, 539, 33
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v.  1,  15,  3,  4,
1
 3,  2,  4.
2.
›Werkzeug in der Form einer Klaue‹.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb. 663 A.
1
(
preuß.
,
1435
):
1 odirkemel, klowe, 1 nithamer.
3.
›Ende einer Zaunrute‹.
Bedeutungsverwandte:
 7, .

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
wo man das viech aus und ein treibt, sol er di kla oder di örter an den zaungertn hineinkeren.
4.
ein Maß für Waldnutzungsrecht, Berechtigungsmenge an Holz.
Syntagmen:
k. holz
.

Belegblock:

Vorarlb. Wb.
2, 84
(a. 
1534
);
Rwb (a. 
1488
).