kiste,
die
;
-n/-n
.
1.
›Behälter für verschiedene Zwecke (z. B. Geld, Kleider, Hausgeräte)‹; metonymisch: ›Finanzverwaltung einer öffentlichen Einrichtung (z. B. Zunftkasse, Armenkasse, Gemeindekasse; auch Ablaßkasten)‹.
Gehäuft Realientexte, Rechtstexte.
Phraseme:
etw. auf der kisten haben
›Wert auf Geld legen‹;
des todes kiste
›Sarg‹;
kisten fegen
›etw. plündern, ausräumen‹;
in der langen kisten liegen
›tot, vergessen sein‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 6, , (
der/das
3,  8,  4, , ,  2,  2,  18,  1,  1, , , ,  15,  3,  1.
Syntagmen:
eine k. aufbrechen / auftun / ausputzen / beschliessen / malen / wegfüren, eine k. leer machen; etw. auf der k. holen, aus der k. bringen / geben, in die k. legen / verschliessen / werfen, in der k. bewaren / haben, etw.
(Subj.)
in die k. gehören / kommen, in der k. liegen, zu kisten stehen
(›einen Standplatz am Markt haben‹)
; k. aus holz, k. vol gold; k. der stat; buchene / gemeine / hölzerne / grosse / kleine / volle k.
Wortbildungen:
kistenfas
(a. 1577),
kistenfegen
›Plünderung‹,
kistengerät
›Sondervermögen der Ehefrau‹ (seit 1491),
kistengewand
(a. 1403),
kistenhaupt
›Ebene des Rinnwerkes der Erzförderung‹,
kistenherre
›Verwalter der Kasse einer Behörde‹ (a. 1458),
kistenlied
,
kistenmacher
(dazu bdv.: ),
kistenmacherampt
(a.1515),
kistenmeister
›Verwalter der Kasse einer Behörde‹ (seit 1500),
kistenpfand
›zu Pfand gegebener lebloser Fahrnisgegenstand‹,
kistensitzer
›Verwalter der Kasse beim Weinschank‹,
kistensitzerampt
(a. 1427),
kistensitzersche
,
kistenstat
›Standplatz am Markt mit Kisten zur Aufbewahrung der Waren über die Nacht‹,
kistenträger
,
kistenwerk
,
kistreich
›geldreich‹,
zechkiste
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
307, 19
(
preuß.
,
1416
):
22 kistenlide.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 503, 34
(
preuß.
,
1428
):
das eyn itlicher [...] seyn handwerk triben und machen sal [...] eyn tischer tyschwergh, eyn kistenmacher kistenwergh.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
Johan van Caub war uns kistensitzer.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1565
):
Es ist auch hochgemeltem meinem gnedigsten curfursten [...] nit zuwider, das gerichtzbuch, so [...] nun hinfürter in ein kist verschloßen in der kirchen [...] gehalten werde, welche kist mit vier schlößern verwart.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
1593
/
4
):
sollen die saltz-müther auch versehung thun, daß der kisten ihre gebühr werde.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
151, 28
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Da enbrante Grymmener ein lichte / vnd ginge vber ein kyste / die dede er vff.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Er hatte auch Kisten vnd Kasten voll Goldt vnnd Silber.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Wirt einem manne gesatzit kistinpfant oder allirhande varnde habe [...] di sal man nirgen eigen zu rechte.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
um 1509
):
Wenn nun der stein [...] also gemacht und abgestochen, so zeuch ihm mit einer hultzen kisten oder kruckhen fein dünne.
Gille u. a., M. Beheim
447, 41
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der weis mag in nit uber listen | er muss in tades kisten.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
800 güldein für die brief, 500 in die kisten gelegt.
Fastnachtsp. (
nobd.
1515
/
6
):
Kisten fägen thuon ich mich nit schämen, | Eim biderbman das sin zu nämen, | Das mir als ist ain eben spyl.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
schweiz.
1525
):
Es seint auch iez gar vil betler, | Machen kist kast und seckel ler.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Wie nun der allerheiligest stathalter [...] in gwaltigem fuͤrnemen stuͦnd, sinen bluͦtigen krieg, sin kistrich concilium und sinen kostbaren kilchenbuw [...] zuͦ volfuͤeren.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Dessen nammen sich die freundt nichs an, hetten genug mit dem kistenfegen zu schaffen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1536
):
dise genannten kistenstetten [...] das hieß man die kistenstetten, dann jedes hüttlein hett sein kistlin, darin die schuech über nacht behalten wurden.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
402, 25
(
noobd.
,
1352
):
Ich main auch, daz hausgeschirr begreifen sol, kisten, truhen armareien.
Chron. baier. Städte. Regensb.
97, 28
(
noobd.
,
1529
):
Dy landzknecht [...] hetten [...] schentlich kisten gefegt.
UB ob der Enns
10, 413, 6
(
moobd.
,
1386
):
ez sol auch vnser zechmaister all jartag von vnser zech begen nach sag des register vnd der hantfesten, die in vnsern zech chisten ligen.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
ge hin mit listen | und pring auz der chisten | paide silber und gold.
Ziesemer, a. a. O.
62, 36
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 32
;
Hertel, UB Magdeb. ;
Adrian, Saelden Hort
2617
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ;
Mollay, H. Kottanerin
11, 3
;
Zingerle, Inventare ;
Voc. inc. teut. n
iij r
;
Rot
295
;
Alberus
G v
;
Golius
326
;
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 203/4
.
Vgl. ferner s. v. , , ,  1,  3,  5, , (
der/das
3.
2.
›Gefäß, Inbegriff von etw.‹; Ütr. zu 1.
Texte religiösen Inhalts.
Phraseme:
kiste der erde
›Grab‹;
kiste der gnade / sälde
für Gott;
kiste der süsse / tugend
›Geliebte‹, auch als Bezeichnung der Gottesmutter,
kiste des herzen
.
Bedeutungsverwandte:
 3.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
du czu mole bist | Schöne, reiner tugende kist, | Aller libstes vrundel myn.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Diz dutet Jhesum Cristen, | Der in der erden kisten | Lac tot biz an den dritten tac.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Er ist der sluzzel und di tur | Und der richen salden kyst.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 74
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
sleus auf der genaden chisten, | so erschreckt uns niemants dro.
Kochendörffer, a. a. O. ;
Karsten, a. a. O. ;
Gerhard, Hist. alde e
3652
.