kerne,
kern,
der
;
-n/-n
(für erstere Form),
-s/-e
, auch
(für letztere Form).
1.
›fester innerer Teil einer Frucht, eines Fruchtkerns, Samen‹.
Syntagmen:
den k. aushölen / auskeimen lassen / ausschneiden / herausnemen / schälen / sieden / tragen, die kernen unterbringen; vol kernen sein; kern an kirschen, kern vom granatapfel / kürbis, von holunder / obst / pflaumen; indianischer k.; kuchen aus kernen, die haut / schale um den kern
.
Wortbildungen:
kernhaus
,
kernhülse
,
kernsat
,
kernstal
›Kerngehäuse des Kernobstes‹,
kernstam
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
53, 291
(
Magdeb.
1608
):
Der Kern taug an den Kirsen nicht / | Die man nicht mit der Hand abbricht.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3408
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
der grobess di kernen in ym had, | da wirt man selden vone sad, | den setzt man wol in di erden.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
10, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
her ist ouch genust und ru sam eyn castanea und hat idoch keynen kern.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
99, 30
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Wenn man nun die kern fur winters unterbringen will, so muß man dieselben in ein müldlein mit sande vormengen.
Ebd.
100, 8
:
ist zu merken, das erstlich solche kernsaat in die wurzel waxen, ehe sie uber sich ausschlagen.
Ebd.
101, 3
:
das sie gleich desselben obsts bringen, darvon die kern [...] gewaxen seind.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
287
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 indianische nuß in formb eines kesselins, in silber vergult und der kern darin gefasst.
Eis, Gottfr. Pelzb.
158, 2
(
öoobd.
,
15. Jh.
):
sneyd die kueten von dem chernstal vnd wirff den chernstal hin.
J. W. von Cube. Hortus
50, 10
;
Stedtfeld, Roger-Glosse
78
;
Peil, a. a. O.
93, 1576
;
Neumann, a. a. O.
3424
;
Ermisch u. a., a. a. O.
100, 30
;
101, 7
;
Voc. Teut.-Lat.
q iijv
;
Alberus G
g ir
;
Mylius
E 4v
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 163
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›das Innere des Stammholzes, Mark‹.
Bedeutungsverwandte:
(
das
).
Syntagmen:
den k. ausziehen; von einem k. wachsen
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ein michel adeler [...] nam daz mark oder den kernen des hœhsten boumes.
Jahr, H. v. Mügeln
1295
(
omd.
, Hs.
1463
):
die frucht die let gar ane schranz | kern, scale, stam des boumes ganz.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
111, 2
(
osächs.
,
1570
/
7
):
mach ein eisen [...], und zeuch den kern zu beiden seiten aus dem beumlein.
Mylius
E 5v
(
Görlitz
1577
):
Medulla arboris Der kern oder marck.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
sol der boͮm gewerden, der kerne muͦs verwerden.
Niewöhner, Teichner
526, 29
(Hs.˹
oschwäb.
,
1368
˺):
ains haizt estt, daz ander blaut, | saft und rind und holtz und kern.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
241, 6079
;
Strauch, Par. anime int.
106, 24
;
Eis, Gottfr. Pelzb.
156, 6
;
Lehmann, Rezeptb.
203
.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›das Innere des Horns der Tiere, (beim Pferd:) des Hufbeins‹.

Belegblock:

Ott-Voigtländer, Rezeptar
204v, 25
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
So du zuͦ der nase bluͤtest: Nim ainen hirsinen riemen [...] vnd nim kern in dem horn vnd roch jm / vast.
Deinhardt, Ross Artzney
209
(
oobd.
,
1598
):
Wann ainem roß der khern oder bueg schwindt.
Ebd.
225
:
mach ein pflaster, legs dem gaul in den huef. Es dreibt den khern hindersich.
4.
eine Furche im Gaumen des Rindes.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
83, 29
(
osächs.
,
1570
/
7
):
man reisset ihnen mit einer pferdeflüthen den dritten kern im obern gumen und reibet ime dann die zunge mit salz.
5.
im Synt.
ganzer k.
›festes unzerklüftetes Salzgestein‹.

Belegblock:

Patocka, Salzwesen.
1987, 154
(a. 
1582
/
5
).
6.
›Pfannkern, Ansatz von gipshaltigem Salz an der Pfanne‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  5.
Syntagmen:
den k. abschlagen
.
Wortbildungen:
kernbirge
(a. 1582/5),
kernstein
(a. 1513),
kernwerk
(a. 1595).

Belegblock:

Patocka, Salzwesen.
1987, 154/5
; 237/8 (a. 
1595
).
7.
›Getreide, bes. Dinkel, in enthülstem Zustand‹; auch als Abgabe.
Obd.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2,  5,
1
 1,  2, , ; vgl. .
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
k. ausreden / barnen / bauen / entrichten / (er)kaufen / geben / läutern / machen / malen / messen / schneiden / verkaufen / versorgen, in die müle bringen, mit kleie / spreuer mischen; acker mit k. erbauen, mit dem k. faren, mit jm. um k. handeln, von k. kommen; gemeiner k.; fas / imi / lade / malter / metze / müt / schaf / scheffel / sester / simmer k.
(Gen.).
Wortbildungen:
kernen
(Adj.),
kern(en)brot
(a. 1615),
kern(en)garbe
(a. 1489),
kern(en)geld
,
kern(en)gülte
(dazu bdv.: , ),
kern(en)hof
(a. 1455),
kern(en)mel
,
kern(en)steuer
(seit 1462),
kern(en)stük
,
kern(en)zins
,
kerner
›Bäcker‹ (a. 1462),
kernheller
,
kernkauf
(a. 1573),
kernmetze
,
kernschütte
(dazu bdv.: ),
kernsieb
,
kernstande
,
kernzehent
(a. 1409).

Belegblock:

Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Herman Guͤtner [...] vierdhalb malder kern und dreu malder habern.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
20, 20
(
nobd.
1466
):
soll man denselben zugesandten herrn [...] uf und von den gütern, die dem obgenanten stift zu kernegülte stene, [..] freuntliche händele [...] thun.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Derselbig gar vil ecker het, | Die er fleissig erbawen thet | Mit dinckel, gersten, waytz und kern.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Sein Kopff ist wie ein kernmetzen.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
206r, 27
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Dem die / halsader we tuͦt, der nem grúsch, die von kernnen kume.
Spanier, Murner. Narrenb.
58, 47
(
Straßb.
1512
):
Ob sy obseruantzer syen, | Oder kern gemischt mit klyen.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ir sond nemen den kernen | Und gend den pfaffen die spriwer gerne.
Kläui, Schweiz. Urbare
3, 222, 17
(
halem.
,
um 1400
):
ob oͧch koͤrner [...] oder ander dinge in dem kernen oder roggen were [...], dz sol man darus zihen und denn mit dem geluͥtreten kernen weren den zinsherren.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1406
):
sol man inen [alle phister] geben von acht imi kernis x ℔.
Ebd. (
n. 1437
):
wenn si den stein gehowen hand, so sollend sy des ersten spruͥwer vffschuͥten vnd den stein daruff lassen louffen vnd darnach den kernen malen.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
73v, 18
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das gelw vom ey iij vntz, honig j vntz, kernimel, das es gnuͦg sye ze einem pflaster.
UB Zug
1794, 12
(
halem.
,
1501
):
das múlÿhus, darinnen [...] zwo múllÿ und ein stampff sindt, ein wiße und ein kaͤrnin.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1525
):
die zins, es sig pfening oder kernen geltz [...] vermeinten si abzuͦlösen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
694, 18
(
halem.
,
1534
/
5
):
zuͦ Lucern gallt ein fiertel kernen ein goldkronen.
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 216, 27
(
schwäb.
,
1396
/
7
):
5 kneht [...] die daz kairn barnoten und ze reht letan.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
sye nemen dye cleien, dye heupter, dye closter den keren.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 2, 34
([
Augsb.
]
1523
):
dz dz wort gotes nit vnuermischt vñ klaͤrlich herauß wirt geprediget / man myscht spreuüer vñ keren.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Ez sol chain fragner ze der wochen mer chauffen ze muͦsmel dann ein schaeffel waitzens oder cherns.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
17. Jh.
):
da er aber erdappet wird daß ein kernl nach hauß geführt ist worden, alßdann ist er dem herrn der zechend [...] verfahlen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. Anm. 1;
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Maag u. a., Habsb. Urbar
2, 1, 484, 9
;
488
; 9;
Müller, Lands. St. Gallen
60, 27
;
Leisi, Thurg. UB
5, 317, 28
;
8, 476, 32
;
Kläui, Urk. Hermetschwil
162, 18
;
179, 7
;
Boner, Urk. Brugg
30, 8
;
UB Zug
397, 4
;
444, 8
;
1637, 9
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Hauber, UB Heiligkr. ; ;
Schwarz, Awürt. Lagerb.
2, 541, 9
;
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 195, 12
;
Zingerle, Inventare ;
Shess. Wb.
3, 1263
;
Nyström, Schulterminologie.
1915, 168/9
.
Vgl. ferner s. v.  1, , (Adj.) 12,  1, ,
3
, (V.) 2, ,  11,  1, ,  1, .
8.
›das Wesentliche, Beste an e. S. (z. B. an Eisen, Stahl, Wolle)‹; von einer Gruppe von Personen, z. B. Truppen: ›Elite‹; ütr.: ›das Wesentliche, Beste an einer Lehre, Wissenschaft‹; in religiösen Texten: ›Wesenskern, wahrer Charakter Gottes und des christlichen Glaubens‹.
Phraseme
bzw. ral.:
die schale mus enzwei, sol der kern herauskommen
;
kein kern und korn
›nichts‹;
den kern nemen und die spreu lassen
;
den kern von der kleie scheiden
;
zum kern gehen
;
der kern des ewigen lebens
.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
den k. annemen / begreifen / beschauen / zusammenziehen; k. des textes / verstandes, der manschaft / schrift
(›Christus‹)
/ seligkeit / weisheit; geistlicher k.; die süssigkeit des k.
Wortbildungen:
kernächtig
,
kernbrate
,
kerneisen
,
kernvolk
,
kerngut
›sehr gut‹,
kernhaft
1,
kernstange
,
kerntuch
,
kernwarf
,
kernwolle
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
15, 11
(
Hamburg
1646
):
Alhier ist begriffen das ganze gesetze vnd die Propheten, darinne ist Christus der Kern aller schrifften.
Ebd.
24, 15
:
wie eine rinde vnd schale vom Kern Kompt, vnd begreiffet den Kern, also die ganze Schrift vnd Ceremonien kommen von Christo.
Luther, WA (
1531
):
trotz einem, der mihr itzt einen solchen heiligen zeige, als die phariseer gewesen, ein kern und ausbundt untter allen menschen.
Ebd. (
1537
/
40
):
Ehr ist nahe zum kernn gangen oder zum Zwecken geschossen.
Ders., WA Bibel (
1522
):
Denn nemlich ist Johannis Euangelion vnnd Sanct Paulus Epistelln, sonderlich die zu den Romern, vnd sanct Peters erste Epistel der recht kern vnd marck vnter allen buchern.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu schal muoz enzwei sîn, sol der kerne her ûz komen.
vrâgent die meister, ob der kerne des êwigen lebens mê lige an der verstantnisse oder an dem willen.
wiltu den kernen haben, so muͦstu die schalen brechen.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Horchen sulle wir lise | Waz uns die glose wise | Uz disses textis kerne.
Jahr, H. v. Mügeln
469
(
omd.
, Hs.
1463
):
Astronomi, der künste kern, lert himmels louf und ouch der stern.
Strauch, Par. anime int.
91, 2
(
thür.
,
14. Jh.
):
Di krischen meistere [...] sprechin daz di nature und der kerne und diz wesin der ewigin selikeit in deme werke der fornuft lige.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
ist mir der Kern der Astronomischen Tabelln [...] von gruͤndlicherer gewißheit / aber schwererem Calcula, zu handen kommen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
er het bei im Ladislaum einen künig von Beheim [...], und alle macht und kern auß diesen landen.
Kehrein, Kath. Gesangb. 1, S.  (
Nürnb.
1631
):
der Ehrwuͤrdige Hochgelaͤhrte [...] welcher seinen koͤstlichen Catechismum mit schoͤnen Gesaͤngern, Reymen, vnd Reyen sehr nuͤtzlich gezieret, auß denen allen ich gleichsamb den Kaͤrn zusammen gezogen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz ist alleine der kerne und daz marg des ruwen.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1499
):
da kam der recht kern umb uff unsser sitten von den frigen knehten.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Die da haben das best gelüt, | Vnd vnder den gloken haben den kern.
Ukena, Zuger Trag.
604
(
halem.
,
1598
):
Gantz kernhafft ist das kriegvolck mein.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1499
):
so mag ain ieder kern tuch von kern woll machen auf die schaw.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
Regensb.
1524
):
ir habt den keren genommen und habt uns die spreuer gelaßen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
227, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Esdras von Agripp, der manhait was ain keren, | vier tausent ritter pracht zue veld.
Quint, a. a. O. ;
ders., Eckharts Trakt. ;
Pfefferl, a. a. O.
10, 12
;
41, 37
;
Reissenberger, Väterb. ;
Fischer, Brun v. Schoneb. ;
Strauch, a. a. O.
62, 39
;
Enders, Eberlin ;
Böhme, Morg.R.
16, 27
;
Kehrein, a. a. O. ;
Bihlmeyer, Seuse ;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Vock u. a., Urk. Nördl.
2363
;
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 4, 23
;
Klein, Oswald
111, 136
;
Lampel, Qu. Wien
1, 8, 16958, 16
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Öst. Wb.
3, 752
.
Vgl. ferner s. v. , , .