1
keren,
V.;
vereinzelt rückuml.;
zu
mhd.
kêren
›wenden‹
(Lexer
1, 1552
).
1.
›jn. (sich) / etw. (um)drehen, wenden‹.
Phraseme:
jm. den after / ars / rücken keren
;
das inwendige aussen keren
;
das oberste zu unterst keren
;
etw. zu berge keren
;
etw. zu boden keren
.
Bedeutungsverwandte:
 7, , .
Syntagmen:
etw.
(z. B.
den schwanz / spiz, die deichsel, das buch / ende / haupt / heft / segel, die augen
)
k., das angesicht von jm. k., sich auf die seite, an ein bildnis, gegen dem himel / land, sich im bet k., sich für jn. k., sich von / zu jm. / e. S. k
.
Wortbildungen:
kerrad
(a. 1594).

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 133, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der engel, dâ er sich kêrte ze der crêatûren bekennenne, dâ würde ez naht.
Perez, Dietzin
1, 407, 8
(
Frankf.
1626
):
folgten derowegen dem Schwein in aller Eyl nach / welches sich also bald gegen ihnen kehret.
Luther, WA
41, 112, 6
(
1535
):
das er [...] wil [...] mit jnen das oberst zu unterst keren, das sie ploͤtzlich zu boden gestuͤrtzet ligen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
147r, 3
(
Leipzig
1588
):
ist ein Comet im Mertzen erschienen / hat den Schwantz gegen Auffgang gekeret.
Grimm, Weisth.
4, 164, 42
(
els.
,
1343
):
ein knecht [...] soll das isen zu berge keren an syn kinne.
Kurz, Murner. Luth. Narr
229
(
Straßb.
1522
):
Das angesicht er gleich von mir kort, | Vnd mocht die starcken wort nit hoͤren.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 11, 19
(
Straßb.
1524
):
Es sol sich nyemants glaͤubigs an die bildtniß der goͤtzen kere͂ noch wenden / kein gebet [...] darvor thuͦn.
Koppitz, Trojanerkr.
15333
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Gegen dem lande sy do | [...] | Kertten segel unde mast.
Sappler, H. Kaufringer
30, 28
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
die messer tragent sie wunderlich: | die heft kerent sie under sich | und kerent über sich den spitz.
Chron. Augsb.
4, 202, 9
(
schwäb.
,
v. 1536
):
er [...] hat sich wider zuͦ dem hencker kert.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
30, 23
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Wanne die sunne begint sich danne wider keren zu der undern halpwerld.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
5, 17
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wan der mensch hât sein haupt gekêret gên dem himel und die füez auf dei erd.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
78, 14
(
moobd.
,
1478
/
81
):
do gaben sy [die haiden] sich zu schneller flucht, kerten den cristen den rugken.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 17, 27
;
Eggers, Psalter
18, 17
;
M. Cunitia. Ur. Prop.
208, 42
;
Gille u. a., M. Beheim
453, 1335
;
Bobertag, Eulensp.
63, 18
;
Adomatis u. a., J. Murer. Hest.
528
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
332, 24
;
Plant u. a., Main. Naturl.
300v,
c22;
Pfeiffer, a. a. O.
166, 15
;
430, 31
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
46, 37
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
7, 3
;
Maaler
241v
;
Pfälz. Wb.
4, 153
;
Schwäb. Wb.
4, 335
;
6, 2288
;
Schweiz. Id.
3, 436
.
Vgl. ferner s. v.  1, , (
der
4,  1,  2,
3
 23,  7, (Präp.) 2,  10, .
2.
›etw. (Gewässer) in eine bestimmte Richtung leiten‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2, .
Syntagmen:
den bach, das wasser k
.

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
70, 19
(
m/soobd.
,
1537
):
Ob ainer [...] di gräben nit ausraumet oder das wasser nach altem herkömen nit auslaitet und keret.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
180, 31
(
smoobd.
,
1570
):
wann [...] ain [...] dem andern das wasser auf die gründ und felder keret, [...] der soll gestraft werden.
Rwb
7, 700
.
3.
›etw. (Vieh) zu einem bestimmten Ziel hintreiben‹.

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
21, 34
(
m/soobd.
,
1590
):
Es soll auch kain Raunperger seine roß aufs moß an die waid kern.
Ebd.
486, 48
(
A. 17. Jh.
):
demselben solle im sumer auf die gmain zu kern kaine [kue] bewilliget.
Bischoff a. a. O.
470, 26
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
37, 5
;
Rwb
7, 700
.
Vgl. ferner s. v. .
4.
›jn. / etw. in eine bestimmte Richtung lenken, jn. auf einen bestimmten (rechten oder falschen) Weg bringen, e. S. eine bestimmte (gute oder schlechte) Wendung geben, jn. bekehren‹; speziell: ›sich, seine Sinne, sein Inneres Gott, einer geistlichen oder weltlichen Instanz zu- oder abwenden, sich bekehren‹; ütr. zu 1.
Texte didaktischen und religiösen Inhalts, gehäuft Texte der Mystik.
Phraseme:
jm. etw. zum guten / besten / ärgsten / bösen keren
o. ä.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
 11.
Syntagmen:
sich zu jm. k., sich an got / Jesum / den antikrist k., sich auf sich selbst, auf das beste, auf demut, gegen jn. / etw. k., etw. in irrung k., sich in die begierde, das gelobte land, ein neues leben, innere werke k., jn. / sich von got, des teufels dienst, dem könig, der welt, dem üblen, den schanden / sünden, allen dingen k., jn. / sich zu got, gottes dienst, der welt / tröstung / warheit, dem rechten, den auswendigen dingen, den rechten tugenden k.
Wortbildungen:
kertag
›Tag der Bekehrung‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 128, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wâ von kumet ez denne, daz sie den menschen sô lîhte von gote kêrent.
Große, Schwabensp.
110, 35
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swenne de suͦndere zuͦ gote keren wel, so sal man in vntfan.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
11258
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Das ich dich und yn ertzurnet hatte | Und daz myn leben waz zu bose gekorten.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 85, 19
(
Frankf.
1557
):
Sollens jm nicht zum ergsten keren, | Damit wir jm sein leidt vermehren.
Perez, Dietzin
1, 323, 18
(
Frankf.
1626
):
Warumb kehrestu dich nicht wiederumb auff den rechten Weg?
Dubizmay, kurß zu Teutze
52, 14
(
hess.
,
1463
):
vnser hende werck kere zu gütte.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1784
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
bessir ist ein wip uf demud gekard | danne eine reine mait vol hoffard.
Schönbach, Adt. Pred.
3, 19
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
daz ist aber die ware wisheit daz du, mensche, dich kerest von des tuͤveles dineste.
Chron. Nürnb.
3, 333, 36
(
nobd.
,
1488
):
do sumliche unsir und des reichs widersachen [...] von uns und dem reiche karten.
Chron. Strassb.
142, 17
(
els.
,
1362
):
der kunig Otte [...] verdingete die stat, daz sü zuͦ ime keren solte.
Rieder, Gottesfr.
149, 10
(
els.
,
1390
/
1402
):
der selben prophecien sú oͮch volgete und kerte sich von aller unlidikeit der welte.
Anderson u. a., Flugschrr.
10, 2, 10
(
Zürich
1524
):
das üwre widersecher mitt d‘ warheit nütz vermoͤgend / vñ deßhalb sich zuͦ fablen vñ lügen keren muͤssend.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 163
(
halem.
,
15. Jh.
):
Moyses [...] kerte sich in innre werk vnd gieng vff den berg.
Chron. Augsb.
1, 220, 5
(
schwäb.
,
15. Jh.
):
an sant Pauls kör tag do kom ein erdpidem.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
227, 29
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die argen strâfer, die den läuten kainen schimpf noch kain werk ze guot kêrent.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
19, 50
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
trawt vrawe, ker dein kindt | gein den, die da gelawbig sint.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
461
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Mit der kraft chert sy in das war vnd in die warhait.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
185, 65
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so sol er das hercz auff ander ding, das nucz sey cheren, als czu dem leyden Cristi.
Munz, Füetrer. Persibein
91, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ich wollt es in nicht wann zum pestten keren.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
125, 13
(
tir.
,
1464
):
chër von v̈ns den zorn des herren, den wir wol verschult haben.
Froning, Alsf. Passionssp.
2107
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 8
;
Langen, Myst. Leben
206, 15
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
50
;
Rieder, St. Georg. Pred.
54, 35
;
Illing, Albert. Sup. miss.
375
;
Vetter, Pred. Taulers
308, 14
;
Roloff, Brant. Tsp.
37
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
21, 4
;
Koller, Ref. Siegmunds
89, 21
;
Sappler, H. Kaufringer
22, 65
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 54, 234
;
Völker, Antichrist
61
;
Roth, E. v. Wildenberg
30, 10
;
Bauer, Imitatio Haller
54, 16
;
Maaler
241v
;
Ulner
464
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
193
;
Schwäb. Wb.
4, 339
;
Schweiz. Id.
3, 436
;
Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 65
.
5.
›jn. / etw. (in / zu etw.) verwandeln‹; auch ütr.
Bedeutungsverwandte:
 1, .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
13360
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die werlt gekart wart in blut | An irme dritten ende.
Reichert, Gesamtausl. Messe
17, 27
(
Nürnb.
um 1480
):
die bischoffe [...] satzten das auf zu eyner ewigen ordnung und kerten das gespoette [...] zu eyner ere und lobe dem heyligen sancto Petro.
Lemmer, Brant. Narrensch.
108, 78
(
Basel
1494
):
do Circe mit ir drankes gwalt, | sin gsellen kert in tieres gstalt.
Sappler, H. Kaufringer
20, 144
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
das ainer lons darumb begert, | das er das recht zuo unrecht kert.
Chron. Augsb.
7, 291, 21
(
schwäb.
, zu
1555
):
deshalb der gemain man [...] verursacht worden, das übel regierend regiment in ain recht burgerlich [...] zuͤ keren.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
352, 19
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der wein [...] kêret von unmilt in milt, von unsänft in sänften muot.
Roth, E. v. Wildenberg
84, 10
(
moobd.
,
v. 1493
):
die keiserin [...] kert des grafen frumkeit in übel.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
1255,
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 351, 48
;
3, 99, 7
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
119, 24
;
Chron. Augsb.
9, 325, 16
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 274
/5.
6.
›etw. zu js. / e. S. Nutzen verwenden, ausnutzen‹.
Phraseme:
etw. an sich keren
›sich etw. zuwenden‹;
etw. an js. / e. S. nuz keren
›jm. / sich etw. zugute kommen lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ; vgl.  10.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen
48, 29
(
omd.
,
um 1400
):
kumpt keyn swertmog [...] so mag der richter redeliche sune nemen unde das keren an synen nucz.
Welti, Stadtr. Bern
148, 13
(
halem.
,
E. 14. Jh.
):
komet aber nieman [...] so sol man daz selb holtz fuͤren vnd keren an vͥnser stat nutz vnd buwe.
Chron. Augsb.
1, 160, 23
(
schwäb.
,
1373
):
daz sie [...] ein redlich ungelt [...] nemen und in iren und der vorgenanten stat nucz und frumen das wenden und keren sullen.
Koller, Ref. Siegmunds
209, 3
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
die gült, die sie haben, sol man ablösen und an der pruder nutz keren.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
228, 24
(
m/soobd.
,
1494
):
ob ainer unsers gotzhauß guter ains oder meer an sich keert.
Welti, a. a. O.
361, 8
;
Chron. Augsb.
1, 158, 5
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 2637, 16
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
82, r10
;
Schwäb. Wb.
4, 335
.
7.
›jm. etw. (z. B. einen Schaden) vergüten, etw. entrichten‹; mit mehrfacher Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. (eine böse Tat u. ä.) durch eine Leistung wieder gut machen, für etw. bezahlen; e. S. (einer erhobenen Forderung) nachkommen; etw. (einen Streitgegenstand) bezahlen‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
jm. einen schaden / schmerz / totschlag / übergrif, eine besserung / forderung / tat, ein dorf / gelt / unrecht, wunden k.
Wortbildungen:
kerschmalz
(a. 1565).

Belegblock:

Chron. Köln
1, 5993
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat sy alle zo house quamen | ind hadden des iren rait, | zo keren sus gedane dait.
Wolf, Gesetze Frankf.
43, 11
(
hess.
,
1388
):
so sulde der, der den schaden gethan hette, hieme sinen schaden keren.
Küther, UB Frauensee
197, 19
(
thür.
,
1422
):
worde mogeliche schade daruff gethan [...], den schaden sollen wyr en keren.
Goedeke u. a., Liederb.
205, 44
(
v. 1531
):
wol dem, der [...] dir das wider keret | dein übermut und schalkheit groß.
Chron. Nürnb.
1, 162, 5
(
nobd.
,
1387
):
die vordrung, die etlicher hat, die wil er also haben gekert.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
277, 32
(
nobd.
,
1409
):
Von lantfrids wegen zerung sol der schenk keren.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 31, 1
(
alem.
, zu
1424
):
Also sint die stette im Briszgow gerichtet, daz inen die vier doͤrffer [...] gekert werden soͤllent.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
529
;
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 202, 1
;
Chron. Augsb.
3, 158, 19
;
Rwb
7, 700
/1;
Schwäb. Wb.
4, 335
;
Vorarlb. Wb.
2, 51
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 222
.
8.
›etw. abwenden, verhindern, verhüten‹.
Wmd.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
den streit / sturm, die gewalt
)
k., etw. mit schiessen k.

Belegblock:

Dat nuwe Boych
440, 13
(
rib.
,
1396
):
dat die sichern vnd sweren sculde zo den heilgen, [...] die gewalt zu keren.
Chron. Köln
1, 5989
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Wa it an lijff geit ind an ere | der wise denckt vur wie hie it kere.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2274
(
Köln
1476
):
Hed man do donrekruyt gehat, | Weer gekeret myt schiessen dat.
Froning, Alsf. Passionssp.
756
(
ohess.
,
1501 ff.
):
alles das dich betruben magk, | [...] | ich wel es der keren, deß gleube mer!
Chron. Köln
2, 118, 7
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1135
;
Meisen, a. a. O.
551
;
9.
›jm. zuteil werden, zufallen, jn. überkommen‹.

Belegblock:

Bachmann, Morgant
308, 19
(
halem.
,
1530
):
die groß zerstörung, so sich vast bald uff uns keren wyrt!
Roth, E. v. Wildenberg
15, 23
(
moobd.
,
v. 1493
):
do baide here lang und grimmigklichen geschlagen hetten, kert sich der sig zuͦ Juli Cesar.
Ebd.
65, 27
:
in dem kläglichen streit kert sich der pluͦtig sig zuͦ Ludwig.
10.
›sich wohin begeben, fahren, reisen‹; meist mit Angabe des Ziels oder der Richtung.
Phraseme:
ab der wal keren
›den Kampfplatz verlassen‹;
auf die gauchmatte keren
›zu den Narren gehen‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
˹
an die, zu der flucht, aus dem feld k.
jeweils (›fliehen‹)˺,
auf einen weg / eine strasse, für jn., gegen dem mer, in den krieg, in eine herberge, von jm., von dannen, von der stat / strasse, zu jm., zu feld / haus / schule / werk k., sich nach einem land k., mit kaufschaz k.; heim k.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
2546
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die boten ilden keren | an Josephen da er was.
Chron. Köln
1, 4996
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Die gemeinde [...] began durch die Hoenportze keren.
Froning, Alsf. Passionssp.
2293
(
ohess.
,
1501 ff.
):
ich [...] wel mich widder heym zu huß keren.
Küther, UB Frauensee
362, 9
(
thür.
,
1525
):
andere aus steten und dorffern [...] keren sich nach der fursten Sachssen landen.
Goedeke, P. Gengenb.
121, 143
(o. O.
1516
):
Die soͤllen all vfft gouchmat keren, | Vnd helffen do fraw Venus eren.
Wickram
4, 21, 9
(
Straßb.
1556
):
Als er nuͤn urlaub von Roberto nam / heim zuͦ haus keret.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
1437
(
ohalem.
,
1538
):
Das hatt der Eckart mich thuon leren: | ich sölle zuo den wysen keren.
Welti, Stadtr. Bern
161, 13
(
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
wer der wer, so von vͥnser stat kerte in dem kriege.
Jaksche, Gundacker
4471
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
gegen dem mer er cherte.
Primisser, Suchenwirt
14, 172
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ein Frantzoys sein geselle wart, | Mit dem er gen Yspany chart.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
12, 30
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Theodo mit den seinen [...] kerten ab der wal zu den gezelten der Sarratzenen.
Ebd.
79, 13
:
doch zu dem lessten kerten die haiden an die flucht.
Ebd.
160, 39
:
der hertzog Welf muest aus dem veld flüchtig keren.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
889
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
88
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
68, 9
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
92, 22
;
Bachmann, Haimonsk.
225, 23
;
Sappler, H. Kaufringer
13, 279
;
Munz, Füetrer. Persibein
290, 7
;
Kummer, Erlauer Sp.
2, 8
;
Maaler
241v
;
Rwb
7, 702
;
Schwäb. Wb.
4, 335
.
Vgl. ferner s. v.  1, 5,  5, ,  21,
1
 14, ,  2.
11.
›sich (meist: nicht / wenig) um etw. kümmern‹.
Phraseme:
sich an etw. k
.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
47, 9
(
mfrk.
, zu
1357
):
Kere dich an sin klaffen nit.
Froning, Alsf. Passionssp.
7352
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Her Samaroth, ir solt uwer clagen lan: | ich enkeren mich werlich nicht daran!
v. Tscharner, Md. Marco Polo
68, 7
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
so keren sich di wip an keyn dink ane czu der kinder sorge.
Anderson u. a., Flugschrr.
3, 10, 13
(
Wittenb.
1525
):
keret euch an keyn plaudern oder schwetzen des teuffels.
Chron. Strassb.
678, 20
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
er [...] verbot den stiften ire guͤter in sime bistum [...] do kerte sich der rot zuͦ Strosburg dran.
Lemmer, Brant. Narrensch.
8, 12
(
Basel
1494
):
Syn suͦn Thobias allzyt lert | Das er an wysen rat sich kert.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
3502
(
schwäb.
,
1453
):
red an, was dir gebürt, | Und ker dich nit an sin antwürt!
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
100, 41
(
tir.
,
1464
):
der selbig chëczer der wolt sich nicht cheren an die grossen wunder, der pelaib in seiner herttikchait.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
18467
;
Altmann, Wind. Denkw.
204, 13
;
Dietrich. Summaria
19r, 24
;
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 712;
Chron. Augsb.
4, 210, 34
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
16, 16
;
Schwäb. Wb.
4, 335
.
Vgl. ferner s. v. (
das
),  2,  2,
1
(
die
2.
12.
›einer bestimmten beruflichen Tätigkeit nachgehen; eine Arbeit bei jm. annehmen‹.

Belegblock:

Ermisch, Freib. Stadtr.
276, 18
(
osächs.
,
1350
/
79
):
Weren aber me kindere dezselben mannes, dyͤ czuͤ deme hantwerke welden keren.
Lemmer, Brant. Narrensch.
48, 9
(
Basel
1494
):
Jeder knecht / meyster werden will | [...] | Mancher zuͦ meysterschafft sich kert | Der nye das hantwerck hat gelert.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
21
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
Ist das er ist ein heuer so sol er in vierczehenn tagenn nit kerenn czu dem Anderen tail.
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 207
.
13.
in einer hohen Anzahl von Belegen ist nicht zu entscheiden, ob ein unfestes Präfix-Kompositum oder eine Fügung mit Simplex und Adverb vorliegt.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
2205
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Ach, wo sal ich mich henkeren?
Luther, WA
41, 330, 30
(
1535
):
wo jr schon im geitz gesteckt hettet, keret nur wider und bessert euch.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
320, 19
(
els.
,
1362
):
noch den ostern kerten sú wider in ein fúrlossen leben.
Michels, Murner. Badenf.
6, 11
(
Straßb.
1514
):
da er gantz vnd gar nim het, | Zuͦ sinem vatter kort er wider.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
122, 17
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Des kert er an in und vermaint sich und sie seinen an im zu rechen.