kere,
kare,
2
ker,
die
(erstere Formen),
der
(letztere Form);
–/-n
(für
kere
und
kare
);
zu
1
.
1.
›Umkehr, Wendung (z. B. eines Pflugs, eines Pferdes beim Turnier); Fahrt in eine bestimmte Richtung‹;
vgl.
1
 1.
Syntagmen:
die / den k. (auf)nemen / füren / tun, keine(n) k. haben; zur / zum k. wenden
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
6854
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
und mit dem andrin here | namen si die kere | vort in Pomerenerlant.
Mieder, Lehmann. Flor.
550, 18
(
Lübeck
1639
):
Wer sich laͤst in holen Weg treiben, der hat kein Kehr.
Mayer, Folz. Meisterl.
11, 46
(
nobd.
,
v. 1496
):
Allz Maria ir kere | Auff nam so durch clarifficirt | Gen der himlischen zunffte.
Koppitz, Trojanerkr.
3967
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Zu jungst waz kain held gemeitt | Der an dem selben kerre | Im wider ritte mere.
Päpke, Marienl. Wernher
6141
(
halem.
,
v. 1382
):
Er tet vol dike mænigen ker | Ze Jerusalem in das tempel her.
Niewöhner, Teichner
397, 109
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
do sprach ich: waͤr ich sam ir, | ich taet in ein chloster cher.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
122, 11
(
m/soobd.
,
nach 1618
; Hs.
1681
):
welher etwan zu weit zaint oder kär tet, [...] solle gestrafft werden.
Strehlke, a. a. O.
13724
;
20830
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2131
;
Koppitz, a. a. O.
3752
;
Rwb
7, 693
.
2.
›Biegung einer Straße, eines Weges‹; metonymisch zu 1.

Belegblock:

Lexer, Tucher. Baumeisterb.
217, 11
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
lauft der pach überzwerch die stroß [...] lauft also an derselben kere durch ein prucklein.
Welti, Urk. Rheinfelden
614, 7
(
halem.
,
1543
):
matten [...] ligen oben an der keri.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
52, 13
(
mslow. inseldt.
,
1530
):
ein Stuck Weingartens [...] vber der kheer gelegen.
Gille u. a., M. Beheim
325, 37
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
78, 12
;
Grothausmann, a. a. O.
123, 19
.
3.
›Wendung, Wendepunkt, Wechsel, Ende‹; Ütr. zu 1.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Phraseme:
des jares kere
›Jahreswechsel‹;
des lebens kere
›Lebensende‹;
des todes kere
›das Sterben‹;
an dem letzten ker liegen
›im Sterben liegen‹;
auf der kere liegen
›auf der falschen Seite liegen‹ (vom Würfel);
ane / sunder kere
›unwiederbringlich, endgültig‹;
baussen kere
›auf Abwegen, von Sinnen‹;
von schneller kere
›leicht zu hantieren‹; ˹
sunder ende oder kere, kein ende oder kere
jeweils ›ohne Ende‹˺,
in rechter kere
›auf die richtige Art und Weise‹,
wieder kere
›umgekehrt‹;
zu enkeiner kere
›auf keinen Fall‹;
in mancher hande kere
›auf vielerlei Art und Weise‹;
etw. die / den rechte(n) ker(e) richten
›etw. in die richtige Richtung lenken‹.
Bedeutungsverwandte:
, .

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
19624
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
In des selbin jaris ker | der meistir brudir Meiner | [...] | hundirt brudir an sich nam.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1069
(
rib.
,
1444
):
Dar na nam hei eyn sweert albaer, | [...] | Wale bereyt da mit zo snyden, | Ind dar zo ouch van snelre kere.
Ebd.
1355
:
sachte mir dat ich niet untbinden | En soulde de slussele noch mich onderwynden | Des sweertz zo engeynre kere.
Ebd.
6881
:
Want ir wist wale, were he buyssen kere | Off usser wege, dat he bedrogen were.
Helm, Maccabäer
1020
(
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Er liez malen gar al die tat, | die er da vor begangen hat | [...] | biz an sines lebins kere.
Koppitz, Trojanerkr.
4809
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Des manhaitt rich und usserweltt | Nam din mütter uss todes ker.
Päpke, Marienl. Wernher
9
(
halem.
,
v. 1382
):
Der wise och und richte | Ze dem besten min gedichte | Uff sinen weg den rechten ker.
Sappler, H. Kaufringer
16, 770
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
dem lauget auch der tiefel ser, | da er lag an dem lesten ker.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 43, 44
(
schwäb.
,
1471
):
So ligt der würffel vf der cher.
Drescher, Hartlieb. Caes.
175, 17
(
moobd.
,
1456
/
67
):
do graiff er zu der cher, das zu latein crisis haisset, [...] und domit so ward er gancz gesundt.
Strehlke, a. a. O.
5596
;
Meijboom, a. a. O.
117
;
953
;
1267
;
1651
;
1759
;
1868
;
Reissenberger, Väterb.
33053
;
Gille u. a., M. Beheim
453, 39, 234
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 170, 25
.
Vgl. ferner s. v.  4.
4.
›geistige Haltung, Wendung von jm. / etw. zu jm. / etw. hin, Abwendung von der Welt zu Gott‹; ütr. zu 1 oder 3 auf das Verhältnis des Menschen zu Gott bezogen;
vgl.
1
 4.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
1
 3,  2, .
Syntagmen:
jm. eine(n) k. geben, keine(n) kere gewinnen, zu jm. / nach e. S. k. haben, von / zu jm. k. nemen, von jm. einen k. tun, auf die / den k. weisen; k. des fleisses / menschen / teufels / willens / zweifels, k. des herzen; k. zu got; demütige / edle / erste / falsche / feindliche / freie / ganze / innerliche / kräftige / reuige / schnelle / unbetrogene / volkommene / willige k.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
2379
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Irheb dich, laz dich in daz mer! | geloubit er ane zwivils ker.
Jostes, Eckhart
49, 25
(
14. Jh.
):
in gezogenheit bechenne di cher dein selbs, daz du dein selbs nicht en sist an chein dingen, dan dez obersten guts allein.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
10751
(
rib.
,
1444
):
Nu versteet [...] | Wie Gotz Genade noede nympt de kere | Van den den sij ouch vurtzijden | Hait gehoulpen us groissen lijden.
Hübner, Buch Daniel
4054
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Idoch wuchs deste mere | Im kein den luten ere | Die zu im hatten kere.
Bihlmeyer, Seuse
467, 7
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz hat aber gemachet der gantze ker zu gotte und volkomener vonker von allen dingen.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1781
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
O herr, mich rúwet hútt und iemer mer, | Das ich von dir getet ie kainen ker.
Vetter, Pred. Taulers
41, 2
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
dis ewangelium wiset uns uf den aller edelsten, nútzesten, sichersten, wesenlichesten ker den man in der zit haben mag.
Rieder, Gottesfr.
12, 14
(
els.
,
1382
/
91
):
alse er tet mit dem lieben sante Pauwelse und gab ime einen kreftigen ker von allen súnden.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 155
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
wan got git sin lieht, vnd v́ber mitz dis lieht git der mensche den willigen vollekomenen ker.
Strauch, Schürebrand
46, 24
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
unser lieber herre Jhesus Christus [...] gebe úch einen geworen kreftigen ker von allem mittele und manigvaltikeit.
Goedeke, Fischart
216
(
Straßb.
1588
):
In dem das ir sucht gottes ehr, | Damit dieselb gewinn kein kehr.
Chron. Augsb.
1, 248, 22
(
schwäb.
, zu
1388
):
Anno dm. 1388 an sand Pals ker do kom [...] her gen Augspurg.
Niewöhner, Teichner
278, 11
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
yeder mensch ins teuffels cher, | ayner myn der ander mer, | nympt auf seiner sel val.
Strehlke, a. a. O.
18971
;
19404
;
Reissenberger, a. a. O.
39422
;
Bihlmeyer, a. a. O.
13, 24
;
110, 6
;
282, 13
;
Vetter, a. a. O.
83, 24
;
326, 2
;
Rieder, a. a. O.
43, 16
;
100, 35
;
Eichler, a. a. O.
1, 145
;
2, 30
;
383
;
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 159
;
Niewöhner, a. a. O.
28, 44
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
192
;
Schweiz. Id.
3, 430
.
5.
›Reihenfolge‹.
Phraseme:
die kere, der ker ist an jm.
›j. ist an der Reihe‹;
dem ker nach
›nach der Reihe‹.
Bedeutungsverwandte:
 3.
Syntagmen:
seinen k. tun; die k.
(Subj.)
jn. betreffen, an jn. kommen, jm. verlorengehen; des k. ledig sein; der k. nachgehen; in der k. umgehen; am ersten k
.

Belegblock:

Adomatis u. a., J. Murer. Zorob.
618
(o. O.
1575
):
Als [...] nun die keer yetz an uns was | da redt ein yeder diß und das.
Rennefahrt, Recht Laupen
156, 25
(
halem.
,
1685
):
soll der factor [...] jemands in die doͤrffer schicken [...] um demmenach deß herren wein, an demme der kehr ist, aͤusserst moͤglich sammethafft zu ferggen.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
541, 34
(
halem.
,
1669
):
Zu erhaltung der armen notdürfftigen [...] soll die thalschafft [...] täglich etwas dem ker nach an spys zusammenlegen.
Graf-Fuchs, a. a. O.
540, 41
;
Rwb
7, 694
;
Schweiz. Id.
3, 431/2
;
441
.
Vgl. ferner s. v.  2.
6.
›Ersatz, Entschädigung‹;
zu
1
 7.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  3,  1.
Syntagmen:
jm. k. und wandel tun, von jm. k. und wandel heischen; sich in k. schicken; jn. zu k. und abtrag halten
.

Belegblock:

Ermisch, UB Chemnitz
223, 2
(
osächs.
,
1475
):
das sie [...] uns umbe sulch ubirtretung kar unde wandel thetenn.
Opel, Spittendorf
147, 9
(
osächs.
,
um 1480
):
darumb hischen wir [...] kahre und wandel von bornmeistern und schöppen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 123, 38
(
schwäb.
,
1554
):
wisse sich meniglich vor schaden zue hüetten und in karen zue schicken.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
489, 36
(
m/soobd.
,
A. 17. Jh.
):
so solle nachmals so woll der wiert [...] sambt den gast hergenomben, gestraft und zu kher und billichen abtrag gehalten werden.
Opel, a. a. O.
249, 7
;
Crecelius
2, 498
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
189
;
Schwäb. Wb.
4, 217
.
Vgl. ferner s. v.  1.
7.
›Wasserleitung‹.

Belegblock:

Merz, Urk. Lenzb.
143, 21
(
halem.
,
1622
):
Die Kehre zwischen Matheus Hüßler und Kuckerhans wird so geregelt.
8.
›von der Hauptschachtrichtung abzweigender Nebenstollen‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Patocka, Salzwesen.
1987, 153
(
1513
):
ain Newe kee oder Schaftrich [...] ausfahen. [...] hinder vnnd vor der kher baider schaftricht.