kele,
die
;
-n/-n
.
1.
äußerlich: ›vorderer Teil des Halses‹; innerlich: ›obere Atemwege, Kehlkopf‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ,  2, , , .
Syntagmen:
die k. aufsperren / bestreichen / spülen, jm. die k. abreissen / abschneiden / abstechen / darreichen / zudrücken; jm. etw. an die k. binden / setzen, an der k. verschmachten, etw. / jn. bei der k. halten, bei der k. hängen, etw. durch die k. stechen, durch die k. husten, durch die k. fliessen, jm. etw. für die k. schiessen, etw. in js. k. stechen, in der k. stecken, in der k. beben, jn. mit der k. erwischen, jm. um die k. fallen, jm. etw. um die k. stricken, von der k. singen, jm. zur k. einstechen, zu der k. haften; k. der blumen; gemeite / lichte / offene / schneewisse / süsse / unersätliche / unrechte k.; geschwür an der k., stimme von der k.
Wortbildungen
kelband
(dazu bdv.: ),
kelbrate
,
keldrüse
(seit 1487),
kelenblat
(um 1600),
kelhaut
,
kelmader
(dazu bdv.: ; a. 1581),
kelmädern
(Adj.),
kelsen
›würgen‹,
kelstos
›Gnadenstoß beim Rädern‹ (E. 16. Jh.),
kelsucht
(dazu bdv.: , , , ),
kelsüchtig
,
keltuch
(16. Jh.),
kelzapfe
.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
42, 33
(
preuß.
,
1396
):
2 schog kelbroten.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
daz her hengen bi der kele | solle adir von dem swerte sterbin.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
562, 1748
(
Magdeb.
1608
):
das Messr [...] | Das jhr ward an die Kehl gesatzt.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
82, 15
(
Frankf.
1535
):
Alaun ist vast guͦt den gschweren in der kelen / vnd sonderlich das blat das eim für die kelen scheußt.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
jr kelgen weis, jhr brüstlein rund | [...] | machet mir mein hertz gesund.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
140, 24
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Der wint [...] erwuste Markairn / so hart myt siner kelen / das er yne by noch erwurget hat.
Eggers, Psalter
24, 5
(
thür.
,
1378
):
Ir kele ist eyn vffen grab; mit iren zcungen reden sy vnkuslich.
Mylius
B 7r
(
Görlitz
1577
):
Trachea Arteria Guttur Gurgel / Lufftroͤr / vnrechte kele Gula Kele / Speißroͤr.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Der lag, samb im abscheyden war, | Doch reicht er ihm sein kehlen dar | Zu halten im den letzten streich.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
206r, 7
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Fúr das blatt in der kelen, so es geswollen sig.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
sú [...] striktent im ain sail umb die kelen, daz er kum den atem hatt.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
193, 31
(
els.
,
1362
):
Dem waz ein grat von eime vische in sinre kelen gestecket daz er nút schlinden moͤhte.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Heleyna [...] | Mitt armen dem fürsten schnel | Durch lïbe viel umb die kel.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Ain kelpannd mit schellen | Hett das edel präcklein.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 123, 4
([
Augsb.
]
1548
):
mercke / wen du vor dir hast / und setze ain Messer an deine keele.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
diu kel hât oben ain pain ze mitelst durchhölert an der stat, dâ daz haupt veraint ist mit dem hals.
man spricht auch, daz der stain für die kelsuht guot sei.
Deinhardt, Ross Artzney
223
(
oobd.
,
1598
):
Schmir im die khellen vnnd khinbagckhen mit puter garwol.
Ebd.
228
:
streich schmalz daran vnnd steckhen dem roß in den halß, so felt die khelsucht miteinander heerauß.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1429
):
funf fuchswemblein, sibenzehen fuchsruken, zwo luchsein, zwo kelmedrein [...] kursen.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
ich wil in di chel absneiden.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
62, 583
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
35, 6
;
Jahr, H. v. Mügeln
1005
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Bihlmeyer, Seuse ;
Adrian, Saelden Hort
2700
;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
212v, 4
;
Wiessner, Wittenw. Ring
80
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Schmidt, Rud. v. Biberach
144, 22
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
126, 4
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 162
.
2.
›Höhlung, Vertiefung (an Bauteilen), Hohlkehle; der durch zwei aneinanderstoßende Dächer gebildete Winkel‹.
Bedeutungsverwandte:
, , .
Syntagmen:
eine k. bekleiden / decken / machen / verwaren
.
Wortbildungen:
kelen
›etw. aushöhlen‹,
kelhaken
(a. 1614),
kelhammer
,
kelstab
(a. 1564),
kelung
(a. 1514),
kelzeug
(dazu bdv.: ; a. 1629),
kelziegel
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
92, 19
(
preuß.
,
1440
):
In der smede: [...] 3 wergkhamer, 2 kelhamer.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
Fur einen kellzigel siben pfenning und fur einen treufzigel zwen pfenning.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1514
):
dem Schürstab maler fur 4 gemalte tuchlen auf teffelen czu richten mit gekelten leisten.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
hol Kaͤl an den seülen. [...] mit hol kaͤlen underschyden. Striatus.
3.
›höhlenförmiger Eingang zu einer Festungsanlage‹.

Belegblock:

Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
die kelen het er begriffen | zu Tripol wer er in kumen.
4.
›Ruscus hypoglossum L., Zungen-Mäusedorn‹.
Zur Sache:
Marzell
3, 1546
.
Bedeutungsverwandte:
, , , .
Wortbildungen:
kelkraut
(a. 1549).

Belegblock:

Deinhardt, Ross Artzney
52
(
oobd.
,
1598
):
so nimb muschcatnuß, inber, ballen, kheel, feyhel vnd saffran.
Vgl. ferner s. v. .