kanzler,
der
;
-s/-Ø
(+ Uml.);
aus
lat.
cancellarius
›Diener in einer Kanzlei‹
(
Georges
1, 951
);
auch in lat. Form belegt.
›Vorsteher, Verwalter einer weltlichen oder kirchlichen Kanzlei, Kanzler‹; ütr. auch: ›Evangelist‹;
Syntagmen:
den k. bestellen / setzen, zu sich erfordern, um etw. ansuchen; k. zu deutschen landen sein; dem k. eignen / zustehen, etw. anbefelen / schreiben / überantworten / vorbringen / zustellen; etw. an den k. bringen, bei dem k. suchen, durch den k. entscheiden / versiegeln, jn. für js. k. annemen, etw. mit dem k. beraten, sich nach dem k. halten, jn. zum k. aufnemen, jn. zu dem k. bestellen / halten / verordnen; k. des bischofs / vaterlandes / fürstentums / herren / königs, der gotheit / königin / stat; getreuer / löblicher / oberster k.
Wortbildungen:
kanzlerampt
(seit 1478),
kanzlerbesoldung
(a. 1590),
kanzlerdienst
,
kanzlergeld
(a, 1372),
kanzlersiegel
(a. 1495),
kanzlertitel
(a. 1637).

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz (
preuß.
,
1578
):
seinef.g. woltens der cantzley nicht vertrauen, weil burggraf und der cantzler die vettern sein.
Laufs, Reichskammergo.
131, 4
(
Mainz
1555
):
So soll der bott [...] die brieff oder proceß dem cantzler [...] uberantwurten.
Weise. Jugend-Lust (
Leipzig
1684
):
wo er auf das Canzler-Dienst vergebens gewartet hat.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
stunden dye eldesten [...] unnd der forsten marschalk, hofemeister, kenczeler unnd solch folk.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 27, 13
(
nobd.
,
1464
):
wiewol durch die canzler die lehen beschrieben werden und gemerkt.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
341, 43
(
nobd.
,
A. 16. Jh.
):
Herrn Hawgken vom Lichtensteins, canzlers und tumherrn [...] jartag sol gehalten werden.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Und wo gott ainen füersten liebet, | Er ein löblichen cantzler gibet.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Ihre Cantzler, Juͤnger, Gsandten, | Deß Herren in Gemein.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
5803
(
schwäb.
,
1453
):
Wie man mit salben strichen sol | Den schribern, kanczlern hend und füsß, | Das sie die urtail machen süs.
Rot
293
(
Augsb.
1571
):
Cantzler, Jst ein zerbrochen Lateinisch wort / vnd haist auff guͦt Teutsch / der mann im gaͤtter / kompt her auß dem alten brauch / so vor zeyten ist gewesen / das die so wir Cantzler oder Cantzelschreiber nennen / in einem gaͤtter seind gesessen / haben darinn geschriben vnd brieff darauß gegeben / haben also jrer Herrn geschaͤfft vnd haͤndel verricht. Es ist aber bey den Alten diß woͤrtlin nit so ein hocher Ehrnam gwesen / vnnd so vil dignitet auff jm gehabt / als zu vnsern zeyten.
A. à S. Clara. Glori (
Wien
1680
):
Joannes, dieser Cantzler deß Himmels / dieser Chronist GOttes.
Lohmeyer, a. a. O. ;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Gille u. a., M. Beheim
453, 3019
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Roloff, Brant. Tsp. Widmung
22
;
Ukena, Luz. Sp.
1018
n;
Morrall, Mandev. Reiseb.
157, 21
;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 186, 5
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
3, 8
;
Mylius
G 8r
;
Dietz, Wb. Luther .
Vgl. ferner s. v.
3
 2, ,  3,  7,
1
 3.