irtum,
der
;
-(e)s/-e
und
-er
, auch
.
1.
›falsche, unklare Vorstellung von dem, was richtig oder falsch ist‹;
zu (Adj.) 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  3, .
Syntagmen:
bei js. i. bleiben, im i. sein; sunder i.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
1, 8
(
14. Jh.
):
man sol got suchen mit irretume und mit vergezzenheit und mit unsinnen.
Ebd.
67, 2
:
Dizz heizt war erkennen sůnder irretum.
Strauch, Par. anime int.
87, 2
(
thür.
,
14. Jh.
):
minnen fon allime herzin: daz ist on allin irretum fornufticlich.
Mayer, Folz. Meisterl. 
53, 96
(
nobd.
,
um 1480
):
Ez mag im werden leite, | Pleipt er dem irtum pey.
Göz. Leichabd.
276, 21
;
Schmidt, Rud. v. Biberach 
127, 19
;
Stieler
1, 893
;
Tschirch, Bibelspr. Luthers.
1964, 172
(a. 
1545
/
6
).
2.
›Irreführung‹; metonymisch: ›falsche Lehre, Ketzerei‹;
zu (Adj.) 2.
Syntagmen:
einen i. ablegen / anfangen / anzeigen / ausbringen / beibringen / bekennen / büssen / fortpflanzen / loben / meiden; einem i. fliehen / folgen; bei dem i. bleiben, jn. durch i. verblenden / verfüren, in i. bleiben / fallen / geraten / kommen / leben / sein / stecken / verharren, jn. in i. bringen / füren, mit i. verfinstern / verirren, von i. frei bleiben, jn. vor i. behüten / bewaren; geist des i.; i. der papisten / wiedertäufer / zinglianer; arianischer / calvinischer / arger / erschreklicher / grober / ketzerlicher / kräftiger / päpstlicher / tölpischer / verdamlicher / lauter / mannigfalter i., fiel i.; gar / vol des i.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr. 1, 
15, 10
(
Leipzig
1520
):
Das kein Ketzerrey kein Jrthũ / noch gifft in den heiligen glauben.
Kehrein, Kath. Gesangb. 1, S. 
75, 24
 (
Bautzen
1567
):
Ihre vnterthanen vnd befohlenen Schefflein, vor allem jrthumb […] behuͤte.
Ebd. 1, S. 
90, 10
 (
Nürnb.
1631
):
in dem sich die Ketzer […] jhre falsche verdambliche Irrthumber fortgepflantzet […] haben.
Rieder, St. Georg. Pred.
332, 10
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
wie si mit maͤngem iertům verierret ist.
Ukena, Zuger Trag.
3570
(
halem.
,
1598
):
Ihn Seckten vnd ouch ihn ihrthum | Will ich es [das Teütsche land] füeren alß kurtzum.
Schmidt, Rud. v. Biberach 
9, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Merkent, das menger hantstos vnd irtvm ist an dien wegen der ewikeit.
Anderson u. a., Flugschrr.
29, 10, 19
([
Augsb.
]
1524
):
fliehen auch fürbaß die Euangelisch leer vnd pleyben in jrem alten irrthumb.
Eschenloher. Medicus
80, 13
(
Augsb.
1678
):
Derowegen er […] entschlossen seye / den Calventschen Jrrthumb gaͤntzlich zu verlassen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. 
16467
;
Fischer, Brun v. Schoneb. 
9256
;
Rosenthal. Bedencken
36, 12
;
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 260, 13
;
Strauch, Par. anime int.
104, 8
;
Anderson u. a., a. a. O.
11, 7, 19
;
29, 12, 9
;
Bell, G. Hager
1, 2, 21
;
Stamm, Schwarzw. Pred.
4, 61
;
Rieder, a. a. O.
129, 20
;
Andreae. Ber. Nachtmal
34r, 4
;
Qu. Brassó
4, 182, 23
;
Dasypodius
354v
;
Maaler
145r
;
237r
;
Hulsius
J iijr
;
Schwartzenbach
A iiijr
;
Stieler
1, 893
;
Schweiz. Id.
1, 411
;
Rwb
6, 328
;
Tschirch, Bibelspr. Luthers.
1964, 172
;
Ulrich, Wortsch. Kirchenl.
1969, 103
.
Vgl. ferner s. v. (
der/die
1, ,  2,  2,  3,  4,  6,  1, .
3.
›sexuelle Ausschweifungen‹.
Syntagmen:
im i. wandeln; lon / lust des i.

Belegblock:

Tschirch, Bibelspr. Luthers.
1964, 172
.
4.
›Fehler, Vergehen (ohne religiöse Bedeutung)‹;
zu (Adj.) 2.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2.
Syntagmen:
jn. eines i. ledig sprechen / überweisen; jn. aus dem i. helfen / zurecht bringen; aus i.
(›unbeabsichtigt‹).

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop. 
213, 44
(
Öls
1650
):
also versehen / daß hierauß kein irrthum entstehen kan.
Rupprich, Dürer 
3, 297, 571
 (
nobd.
,
1528
):
es sag dir ein bawer den yrrthum deines wercks, aber er kan dich darumb nit berichten.
Turmair
1, 357, 30
 (
Nürnb.
1541
):
das wirdt vast dienen zu der historien und vil irtumben fürkommen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
217, 14
(
Nürnb.
1548
):
so grob an der lůgen befunden / vñ des jrthumbs / vberwisen wirt.
Heidegger. Mythoscopia 
31, 23
(
Zürich
1698
):
Æmilio, der auf der Jagd auß Irrthum seine Gemahlin erschossen ist.
M. Cunitia. a. a. O.
263, 30
;
Rupprich, a. a. O.
3, 293, 240
;
Schmidt, Rud. v. Biberach 
148, 12
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel 
3, 374, 7
;
Hulsius
E ir
;
Maaler
363v
;
Stieler
1, 893
.
Vgl. ferner s. v. .
5.
›Beeinträchtigung, Hindernis, Störung‹; zu (Adj.) 4; offen zu 6.
Bedeutungsverwandte:
 1, , (
der/das
1,  1,  2, ,
1
 2,  4; vgl.  4,  3,  1.
Syntagmen:
ane i.
(›ungestört, unverzagt‹).

Belegblock:

Adrian, Saelden Hort 
1962
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
von disem irentům | fliehent samet wir gesipten.
Schmidt, Rud. v. Biberach 
62, 24
(
whalem.
,
1345
/
60
):
vnd vertribunde alle irtome, daz ist, waz dem ein widerstos geben mag.
Ebd.
77, 3
:
an ander irtom […] die ein sel, die ilt ze hohen dingen, gehinderen mǔgen.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
144, 10
(
Venedig
1483
):
Sie hett auch kaͤinen streit ires leibes wieder die sele noch kaͤinen irretum von dem leib.
Rwb
6, 328
.
6.
›Streit, Uneinigkeit‹;
zu (Adj.) 3.
Syntagmen:
i. stiften, i. mit jm. / unter sich haben; des i. zu tun haben; in i. mit jm. streiten; angeber / erdichter des i.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
286, 4
 (
Worms
1499
):
dick entsteen irrthům vñ clag zwuschen nachpurn etlicher muren oder wende halben.
Ders. Ref. Franckenfort 
89, 23
(
Mainz
1509
):
vnd ob soldes oder lones halber zwüschen jm vnd den parthyen jrrthumb oder spenne entstünden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe 
733, 2
(
thür.
,
1421
):
do erhub sich eyn grosser irrethum an dem Reyne.
Thiele, Chron. Stolle 
453, 31
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
dy czwene hatten einen errethum zu sammene guter teilunge halben.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
191, 12
(
thür.
,
1474
):
alle dy, die des irrethumbes zcu thunde hettin, yre erarbeyte fruchte solten bestehen laßin.
Opel, Spittendorf
22, 11
(
osächs.
,
um 1480
):
wie es andern stedten ergangen were, die einen kleinen irthumb unter sich gehabt.
Chron. Augsb.
5, 207, 19
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
der ligt jetz hie bei 1¾ jar gefangen, der hatt ain irrtumb mit den Hochstettern.
Turmair
4, 743, 12
 (
moobd.
,
1522
/
33
):
machten überall aufruer und irtum in dem ganzen glauben.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
25, 3
 (
mslow. inseldt.
,
1501
):
vnnd śie vermaiden, vnd kein irten mit ihn Zue haben.
Redlich, Jül.-Berg. Kirchenp. 
2, 1, 505, 13
;
Köbler, Ref. Franckenfort 
3, 12
;
Küther, UB Frauensee 
227, 1
;
Opel, a. a. O.
320, 26
;
Thiele, a. a. O.
322, 8
;
Grosch u. a., a. a. O.
185, 18
;
315, 4
;
Chron. Augsb. 4, 
435, 25
;
Pfälz. Wb.
3, 1310
;
Schwäb. Wb.
4, 51
;
Rwb
6, 328
;
Byland, Wortsch. Zürcher AT.
1903, 49
;
Tschirch, Bibelspr. Luthers.
1964, 172
.
Vgl. ferner s. v.  3,  3,  10.