heute,
(selten:)
heuten,
Adv.
1.
›an diesem (vom Sprecherpunkt aus gesehen) gegenwärtigen Tag (sowohl für den bereits vergangenen als auch für den noch bevorstehenden Teil des Tages); jetzt, im Moment; zu diesem gerade aktuellen Zeitpunkt‹; in vereinzelten Belegen nur mit Bezug auf die Zeit zwischen Morgen und Abend (im Gegensatz zu ); vor allem in Gegenüberstellung mit
gestern
und
morgen
fließender Übergang zu 2, eine deutliche Unterscheidung ist oft nicht möglich.
Phraseme:
heute und morgen
wohl ›täglich‹;
heute [...], morgen [...]
›an einem Tag [...], am anderen Tag [...]‹; ˹
heute und immer (mer), heute und ewiglich
˺ formelhaft zum Ausdruck der unbeschränkten Dauer einer Handlung / eines Geschehens (gehäuft in Gebeten und Rechtstexten).
Bedeutungsverwandte:
 3; vgl.  1,  3, .
Gegensätze:
(Adv.) 1,  12, (Adv.),  3.
Syntagmen:
h. etw. begehen / tun, jm. h. etw. geben
; (wohl verstärkend:)
heute der tag, der / dieser tag heute, dieses tages heute, heute an diesem / auf diesen tag
;
von heute dem tag (über) zwei jare, heute über acht tage / fünf wochen
;
heute frü / morgen, heute am morgen
;
auf heute (datum dieses briefes)
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
178a, 12
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jch vorvluͦche ir lip vnde ouch ir sele van ewen tuͦ ewen; daz werde huͦde vnd imber mer war.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3147
(
rib.
,
1444
):
Id is dir hude oevel bekomen | Dat du weder mich kamp hais angenomen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 445
(
Köln
um 1490
):
Marcolphus: „Dessen dach hutene, morne den dach, so secht de osse, de deme hasen volghet.“
Quint, Eckharts Pred.
1, 143, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nime ich ein stücke von der zît, so enist ez weder der tac hiute noch der tac gester.
Ebd.
1, 342, 5
:
Man begât hiute in der kristenheit den tac der âbentwirtschaft, die unser herre machete sînen jüngern, [...], dô er in gap sînen heiligen lîchamen ze einer spîse.
Ebd.
2, 305, 7
:
wizzet: mir versmâhte daz, daz si [sêle] niht enwære morgen jünger dan hiute!
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
118, 3
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Got der alle ding geschaffen hat / der wolle hüde behüden / den keyser vnd alle sin ritterschafft.
Karnein, Salm. u. Morolf
690, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
nu sage mir, stoltzer spielman, | bekame dir hut oder nechten iergent ein wallender man?
Wyss, Limb. Chron.
45, 11
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
da man schreip nach Cristi geburt druhondert unde ses unde funfzig jar da waren groß ertbebunge, der was vil unde geschach gar dicke, hude unde morn, darnach unde aber me, hi unde da, unde werte daz me dan ein virtel jares.
Froning, Alsf. Passionssp.
880
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Herodes dicit militibus: [...] wan eß ist hude der tagk, | uff den myn mutter myn gelagk | und ich alßo hude wart gebornn: | des wel ich hude sonder allen zornn | den selben tagk begehen mit eren!
Kurz, Waldis. Esopus
4, 63, 16
(
Frankf.
1557
):
Ich hab zu thun jetzundt mit Leuten, | Drumb kum heim auff die malzeit heuten.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
268, 7
(
thür.
,
1474
):
Item zcu mergkene, daz uff hute, montag nach Symonis et Jude anno Domini 1457, vor gerichte unde geheyte dingbang komen ist Ticzel Schade.
Thür. Chron.
22v, 24
(
Mühlh.
1599
):
vnsere Feinde [...] sind auch fast muͤde vom Streit vnd Wund worden / bleiben heut vnbesorget vnnd ohne Wache / Darumb wollen wir heint vber sie fallen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
6, 11
(
osächs.
,
1343
):
Unsir tegelîche brôt gip uns hûte.
Henschel u. a., Heidin
1650
(
nobd.
,
um 1300
):
Der kvnic iemerlichen sprach | Owe mir hevt vnd immer ach | Si hat verlorn gar den sinn.
Fastnachtsp.
791, 9
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Ir hern, versucht meinr kuchlin auch, | Der ich in einem rospauch | Heut frü fur dag hab abgepachen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
254, 30
(
Nürnb.
1548
):
Also gieng es mit den leyen auch / het man heut disem Heyligen Meß lassen halten / morgen thet mans einem andern.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3001, 25
(
Nürnb.
1610
/
18
):
die Weiber [...] stecken voller wanckelmuht, | Daß manche offt heut etwas thut, | Daß sie gester verschworen hat.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
2053
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
O herr, [...] Deß lob ich dich hútt und eweclich.
Merk, Stadtr. Neuenb.
69, 13
(
nalem.
,
1463
):
daz wir da die benanten beide partien uf húte datum dis briefs, [...], umb semlich ir misshellunge in den benanten zweien artikelen in clage, antwurt, rede und widerrede eigentlich verhört hand.
Chron. Strassb.
1044, 22
(
els.
,
1371
):
wir lant uch wißen daz unser heilger vatter der babst als hute uf diesen tag [...] daz bistum zu Straßburg uns geben het.
Roloff, Brant. Tsp.
401
(
Straßb.
1554
):
Heüt seind wir bruͤder morn seind wir feindt | Heüt abgesagt / morn wider freündt.
Chron. Augsb.
2, 377, 27
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
das man [...] die [juden] nit lenger hie in der statt laußen sölle, dann von hüt dem tag über zway jaur.
Kummer, Erlauer Sp.
2, 143
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
wıͤr wellen heut eur gest sein | und auch trinkchen eurn wein.
Piirainen, Stadtr. Sillein
35v, 3
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
HEr ich ste hevt vor dir alz eyn schuldiger mensche vor eynem gewaldigem richter.
Zingerle, Inventare
76b, 20
(
tir.
,
1485
):
die ander [zedel] dem Manngėn Flesch, der das sloss an statt her Mathisn von Castelbargk auf hewt eingenomen hat.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
267, 12
;
Meijboom, a. a. O.
12467
;
Frantzen u. a., a. a. O.
2, 232
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 37
;
Quint, a. a. O.
2, 427, 2
;
ders., Eckharts Trakt.
286, 9
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
405
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
125, 11
;
Froning, a. a. O.
4361
;
4400
;
Hübner, Buch Daniel
1543
;
Sermon Thauleri
1ra, 21
;
6vb, 16
;
Mathesius, Passionale
46r, 5
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
44, 1
;
Bührer, Kl. Renner
233
;
Fastnachtsp.
486, 26
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
117
;
Rieder, St. Georg. Pred.
20, 11
;
Vetter, Pred. Taulers
380, 16
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 84, 1
;
Stammler, Berner Weltger.
584
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
4779
;
Wyss, Luz. Ostersp.
2811
;
2900
;
3, 60, 81
;
Chron. Augsb.
2, 390, 35
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 15
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
157, 9
;
Maaler
220v
;
Mylius
B 2v
;
Stieler
835
 f.
Vgl. ferner s. v. ,
1
 5,  1,  2.
2.
›zu dieser Zeit, in der Gegenwart, heutzutage‹; häufig auch in den Wendungen (wohl verstärkend):
heut zu tage, heut bei tage(n), heut bei dem tag, heut des tages, heut den tag, heut der tagen
(vgl. jeweils
tag
5).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  1, (Adj.) 2,  3, , , .
Gegensätze:
 3, (Adv.) 1.

Belegblock:

Schorer, Sprachposaun
46, 1
(o. O.
1648
):
wann man die heut zu Tag gebraͤuchliche Lateinische Woͤrter staͤtigs also fortpflantzet.
Quint, Eckharts Pred.
2, 600, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
würde ein spiegel bereit und hielte man in gegen mir, mîn antlütze würfe und bildete sich dar ane âne mîne arbeit; und geschæhe daz gester, sô wære ez niuwe, und aber hiute, sô wære ez noch niuwer, und alsô über drîzic jâr oder êwicliche, sô wære ez êwic.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 2
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
ein hase zwacket einen wolf: noch heute ist er zagellos darumb.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
28, 15
(
omd.
,
1487
):
das Adam allen tÿren vnd vogeln namen gegebenn dÿ ÿn noch hewt beÿ tagenn bleÿbenn.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 11, 25
([
Eilenb.
]
1524
):
das macht der goͤtliche glaube entsprunge͂ võ vngetrewe͂ schrifftgelerte͂ / welcher heut zu tage mehr dañ vom anbeginne (got sey es geklagt) hoͤcher vnd hoͤcher vnsinniger wirdt.
Bachmann u. a., Volksb.
362, 9
(
alem.
,
15. Jh.
):
daz der tüfel noch hüt dis dags bösi spil mit in machin.
Dierauer, Chron. Zürich
125, 17
(
halem.
,
1415
/
20
):
also hangent die selben paner noch hút bi tag zuͦ Switz in der kilchen.
Merk, Stadtr. Neuenb.
69, 34
(
nalem.
,
1463
):
So habe ouch noch hütbitage ein herschaft von Österrich etc. die lantgrafschaft in dem Brysgöw.
Heidegger. Mythoscopia
6, 5
(
Zürich
1698
):
Endlich sagt dort der Satan selbst zu Gott dem Herrn / er komme [...] vom Dantzen / [...], dem er [...] noch heut zu Tag ergeben.
Niewöhner, Teichner
135, 45
(
moobd.
,
1360
/
70
):
man [...] vand grozzew puech geschriben | waz er fruͤmchait het getriben, | daz man list noch heut den tag.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 201
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
darvmb mag chain mensch auff erd, der hewt lebt, sein an uersüechüng.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 548, 28
(
München
1586
):
drumb braucht mans [Sacrament] heut der tagen, | Dann Jesus ist driñ auffs volkom͂ist.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 50, 24
;
Quint, a. a. O.
2, 538, 3
;
Anderson u. a., a. a. O.
21, 4, 16
;
Mathesius, Passionale
46v, 5
;
Langen, Myst. Leben
154, 12
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 520, 14
;
Rieder, St. Georg. Pred.
303, 1
;
Chron. Strassb.
309, 33
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 347, 13
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
21, 1
;
Chron. Augsb.
1, 351, 2
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
80, 30
;
Dirr, Münchner Stadtr.
330, 26
;
Niewöhner, a. a. O.
255, 63
.
Vgl. ferner s. v. ,  2.