heuchler,
der
.
1.
›Schmeichler, Speichellecker, Schönredner‹;
fließender Übergang zu 2; zu  2.

Belegblock:

Schöpper
60b
(
Dortm.
1550
):
Adulator. Schmeichler liebkoser ohrenkuͤtzler zu duͤttler suppenfresser ohrenmelcker ohrenkräwer wortschleiffer zungenträscher athem verkeuffer federklauber jaherr maulberer hollwanger zungentrager kautzenstreicher tellerschlecker bauchdiener fuchsschwäntzer augendiener. hypocrit heuchler gleißner.
Luther, WA
49, 302, 4
(
1544
):
wen sie des Bapst heuchler und geschworne wollen sein, so bleiben sie es.
Mieder, Lehmann. Flor.
393, 27
(
Lübeck
1639
):
Die Raben fressen den Leuten die Augen aus dem Kopff / die Heuchler den Herren die Augen des verstands.
Mieder, a. a. O.
392, 16
;
Lohmeyer, K. v. Nostitz
125, 21
;
Sachs
20, 11, 31
.
2.
›Heuchler; j., der sich verstellt und nicht seine wirklichen Gedanken äußert, der nicht vorhandene Gefühle und Eigenschaften vortäuscht‹; im religiösen (v. a. reformatorischen) Kontext auch zur Abwertung der Vertreter von der eigenen Auffassung abweichender Glaubensvorstellungen (besonders bei
Luther
): ›Sektierer, Schwärmer; falscher Christ‹;
vgl.  3.
Wortbildungen:
heuchlersekte
abwertende Bezeichnung für den Orden der Jesuiten.

Belegblock:

Luther, WA
17, 2, 463, 1
(
1525
):
Vor der welt sindt die heuchler von den frommen unnd rechtschaffnen Christen noch nicht abgesondert, welichs am Jungsten tag geschehen wirt, Jn des werden sie sich auch heylig rhuͤmen und für guͦtte Christen verthuen.
Ebd.
10, 1, 2, 360, 22
(
1526
):
Also thuͦn alle heüchler, die außwendig schoͤn einher geen mitt treffenlichen, grossen, hohen wercken.
Ebd.
22, 180, 22
(
1544
):
Darumb scheiden sich uber diesem stuͤck die rechten und falschen Christen, Heuchler und Rottengeister rhuͤmen trefflich vom Geist und goͤttlichem Ampt.
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
481, 15
(
Bremen
1647
):
Fast alle Geistlichen seyn gemeiniglich in diesem vnd andern Stuͤcken heuchler / vnd heissen alles gut was jhre Fuͤrsten haben wollen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
66, 26
(
Nürnb.
1548
):
Wie man ein gemelh von eim Heuchler hat / Der kniet in einer kirch vor eim Crucifix / das sihet er mit den augen an / seine hend hebt er da gegē auff / vn̄ reget den mund / Aber dieweyl ist sein hertz daheym zu hauß / gedencket an weyb / kind / handel / keller / kasten / vnd anders.
Goedeke, Fischart. Bund Bäpstler
68
(
Straßb.
1589
):
Das macht, das die neu heuchlersect, | Das jesuitisch bapstgeheck | Anfangt und päbstlich hölligkeit | Nennet die höchste oberkeit.
Luther, WA Tr.
1, 243, 10
;
3, 489, 27
;
2, 176, 27
;
Mieder, Lehmann. Flor.
218, 17
;
Sachs
7, 174, 26
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
46, 3
;
Dietrich. Summaria
30r, 10
;
Henisch
176
.