herz,
das
;
-ens, -en,
(selten:)
-e/-en,
(selten:)
-e, -er
.
– Die Bedeutungspositionen 1-3 beziehen sich auf
herz
als Körperteil, dabei 3 als Synekdoche zu 1, 4-9 als Ütr. zu 1 auf den seelisch-geistigen Bereich (im Gegensatz zum äußeren Körper), 4 meint die Seele insgesamt, 5-9 betonen einzelne ihrer Kräfte / Aspekte, 10 und 11 schließen sich als spezielle Bedeutungen daran an, 12-15 als Ütr. von 1 auf unbelebte Erscheinungen, 14 beinhaltet Phraseme.
1.
›Herz; zentrales Körperorgan, das den Blutkreislauf durch rhythmische Kontraktionen in Gang hält; Sitz der Lebenskraft‹; in den Belegen meist auf den Menschen, sehr selten auf Tiere bezogen.
Phraseme:
jm. das herz abstossen
›jn. töten‹;
etw. js. herz sein
›an etw. besonders hängen‹;
jm. das herz aus dem leib geben
wohl ›jm. besonders ergeben sein, jm. sein Letztes geben‹.
Syntagmen:
das h. laben / stärken / verbrennen / zerdrücken, jm. das h. spalten / aus dem leibe schneiden, etw.
(Subj.)
jm. das h. abdrücken
;
das h.
(Subj.)
klopfen, jm. brechen / we tun, ein anfang des lebens sein, in dem menschen leben, sich in freude bewegen, das geblut in die glieder giessen
;
etw.
(Subj.) (z. B.
gold
)
dem h. helfen
;
das schwert
(Subj.)
jm. nach dem h. stossen, etw. bei dem h. sein, der pfeil in das h. geschossen sein, das blut von dem h. fliessen, das geblut bei dem h. bleiben, die sele in dem h. wonen, jm. um das h. we sein, jn. zu dem h. treffen, jm. das messer in das h. stechen, jm. durch das h. schiessen
;
das junge / rote / saphirische / zittere h.
;
der gebrest, die amacht / stärkung des h.
;
die seite nahe bei dem h., das blut um das h., ein electuarium zu dem h
.
Wortbildungen:
herzengetränk
›Arznei zur Stärkung des Herzens‹,
herzenzittern
›starkes krankhaftes Herzklopfen‹,
herzgeblut
,
herzgrube
,
herzpochen
›Herzklopfen‹ (a. 1594),
herzpulfer
›Arznei gegen verschiedene Herzkrankheiten‹,
herzstechen
›stechender Schmerz im Herzen‹,
herzstich
›Stich ins Herz‹; metaphorisch: ›Schmerz, Leiden‹,
herzzucker
ein herzstärkendes Mittel (a. 1611).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 18, 5
(
Wittenb.
1545
):
ich wil euch ein bissen Brots bringen / das jr ewr Hertz labet.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
365, 12
(
Wolfenb.
1594
):
Ich habe doch dar einen Schelm, ein Hurkindt, [...], Dem wil das Hertze aus dem Leibe lebendig schneiden, vnd sein Bluth auffangen.
J. W. von Cube. Hortus
130, 35
(
Mainz
1485
):
Avicenna [...] spricht daz Corallen stercke das hertz vnd benemen das hertzenzyttern.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
60, 14
(
Frankf.
1535
):
Welche Augsteyn bei jn tragen / [...] behalten das hertz gebluͤt.
Ebd.
88, 3
:
Goldt hilfft dem zittern hertzen / vnnd nimpt die traurigkeyt.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
6, 22
(
thür.
,
1421
):
Do sante got eynen slouff yn Adamen unde nam ym eyne rebe uss seyner seiten nahe bey dem herzen.
Thür. Chron.
23v, 7
(
Mühlh.
1599
):
Ritter Jrring [...] nimpt also das blosse Schwerdt [...] vnd stoͤsset es dem Koͤnige Dietterichen nach seinem Hertzen.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
234r, 24
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
ist aber das sy [faulle] ist in allen aderen, so macht / sy den causonem, ab sy sunderlich ist wey / dem herczen ader wey dem munde des // mages.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
8, 12
(
noobd.
,
1347
/
50
):
wann zorn ist niht anders wanne ain anprunst dez plutes uͤmb daz hertze.
Mylius
C 3r
(
Görlitz
1577
):
Hertzgespã / weñ es einẽ in d' Hertzgrube druckt.
Keil, Peter v. Ulm
212
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Wem das hertz von laids wegen we tut.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
206v, 5
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
leret ain ander / electuarium ze dem herczen machen.
Cirurgia H. Brunschwig
29ra, 10
(
Straßb.
[
1497
]):
Wā er [pfil] aber geschossen ist in dz hertz / so gat swartz bluͦt dar vß.
Roloff, Brant. Tsp.
821
(
Straßb.
1554
):
Greiff har wie klopfft mir doch mein hertz | Seith das ich die fraw han gesehen.
Welti, Stadtr. Bern
505, 5
(
halem.
,
15. Jh.
):
lieber meister, mir ist im hoͮpt we, oder vmb dz hertz.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 396, 25
(
halem.
,
n. 1529
):
Darwider [Engelsch schweis] half und was artznî: [...] dem herzen mit etwas herzengetrenks oder confects ze hilf komen.
Chron. Augsb.
1, 38, 2
(
schwäb.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
an dem cristag schwuͦrn die pfaffen funf tiuffel von ir und die andern tiuffel stiezzen ir das hertz ab.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
25, 29
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Daz herz ist ain anvanch des lebens, und der anvanch ainr iegleichen wegung ist in dem herzen.
Ebd.
25, 32
:
diu nâtûr hât daz herz gesetzt ze mitelst in den leib, dar umb, daz ez ain prunn und ain ursprinch ist der kreften aller andern glider.
Ebd.
35, 19
:
sô schol man wizzen, daz dreierlai âdern sint in dem menschen. die êrsten sint runstâdern, dâ daz pluot inne rint und fleuzt von dem herzen [...] in alliu andriu glider.
Ebd.
212, 31
:
der vogel [pfâw] hât [...] ain saphirisch herz an der varb.
Ebd.
248, 28
:
wer si [stain] in trank nem, si vertreiben im den herzstechen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 128
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
got vater umb uns all zusprich | durch Jesus pittern herzenstich.
Weber, Füetrer. Poyt.
260, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
mit seim starcken sper, | da mit er traff den risen zw dem hertzen.
A. à S. Clara. Glori
52, 1
(
Wien
1680
):
das allererste / so in dem Menschen lebet / ist das Herzel.
Luther, WA
51, 659, 412
;
54, 208, 24
;
Goedeke, P. Gengenb.
128, 436
;
Schorer, Sprachposaun
70, 6
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
536, 948
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
721
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1187
;
J. W. von Cube. Hortus
100, 21
;
Stoltzius, Chym. Lustg.
106, 3
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
35, 5
;
Bihlmeyer, Seuse
121, 14
;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
206r, 28
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3503
;
Brandstetter, Wigoleis
232, 31
;
Steer, K. v. Megenberg. Sel
175
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
389, 4
;
Bremer, Voc. opt.
1094
;
Rohland, Schäden
437
;
Brack
a 6v
;
Mylius
B 7v
;
Schwäb. Wb.
3, 1534
;
3, 1537
;
6, 2164
.
Vgl. ferner s. v.  9,  1,  2,  1,  1,  1.
2.
›Brust, äußere Herzgegend‹; anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
1
 2.
Syntagmen:
das h. anpfeien
;
etw.
(z. B.
einen stein
)
am h. tragen, die tränen
(Subj.)
über das h. abrinnen, sich vor das h. schlagen
;
der geschworene eid auf das h
.
Wortbildungen:
herzbrust
(a. 1512).

Belegblock:

Schöpper
114a
(
Dortm.
1550
):
Pectus. Brust hertz.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
134, 18
(
Frankf.
1535
):
Epistrites ist ein glestennder rotfarber steyn / am hertzen getragen / behuͤttet den menschen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
179, 25
(
thür.
,
1474
):
daz er der cleger vater [...] ym auch met glichen fussen nicht uff sin hertcze gesprungen habe.
Bihlmeyer, Seuse
143, 30
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz im die abwalenden trehen úber daz herz ab runnen.
Dasypodius
302r
(
Straßb.
1536
):
Brust oder hertz / das vordertheil des menschen / vom halß biß auff den bauch.
Luther, WA
30, 3, 457, 4
;
Vetter, Pred. Taulers
247, 3
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern
245, 20
;
Schwäb. Wb.
3, 1528
.
3.
›Mensch, Person‹; Synekdoche zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,
1
 7,
1
 3,  2,  4,  2,  2,
1
 1,
1
 2,  6.
Syntagmen:
ein h. erschrecken
;
das h.
(Subj.)
bitten / das gebet fallen lassen, etw. betrachten / schmecken / suchen, sich vor etw. hüten, bedächtiglich handeln
;
das alte / artige / betrübte / blöde / demütige / fromme / geistliche / geliebte / getreue / gläubige / herze / hochmütige / junge / jungfräuliche / kluge / liebende / minnende / niedergebeugte / schwache / unschuldige / vernünftige / weltliche / zarte h.
;
die eitelkeit, das band der herzen, der tröster aller herzen
.

Belegblock:

Luther, WA Br.
10, 162, 39
(
1542
):
Denn sie fulen wol, das yhnen grossen abfal bringet bey allen vernunfftigen hertzen.
Klett, J. v. Soest
11, 865
(Hs. ˹
wmd.
,
1470
/
80
˺):
das lyb ist tzweyer hertzer bant.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
846
(
Köln
1476
):
dayr wart erschreckt mannich hertz, | Jdt gyngh dair buyssen schymp ind schertz.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
15, 16
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Eia Got, aller betrübten herzen tröster, tröste mich und ergetze mich armen, betrübten, ellenden, selbsitzenden man.
Göz. Leichabd.
197, 2
( 
Jena
1664
):
der H. Geist Gottes / dessen Lust ist mit Euch jungen Herzen zu spielen.
Opitz. Poeterey
50, 19
(
Breslau
1624
):
Getrewe hertzen bleiben rein.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
5a, 7
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
daz ain ertik hertze edels vnd tvgenthafte sich zv allen zeiten freuwet so es geit oder geben sol.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
91, 4
(
Nürnb.
1548
):
Solche anfechtung kan der boͤse feind groß auffblasen / dz die schwachen bloͤden hertzen dz gebet fallen lassen.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
19, 11
(
Coburg
1626
):
wann betruͤbte Hertzen dieses recht betrachten / wird es nicht verfehlen.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 433
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die andere zvͦkunft, die hie eime iegelichem minnenden hertzen gegenwertig ist.
Strauch, Schürebrand
10, 14
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
alles, das die welt und die weltlichen hertzen suͦchent und begerent.
Henisch
107
(
Augsb.
1616
):
Ein fromb glaubig hertz / soll sich nicht allein fuͤr boͤser that / sondern auch fuͤr boͤsem argwohn vnd leumund huͤten.
Ebd.
229
:
Klugs hertz handelt bedaͤchtigklich.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
88, 23
(
moobd.
,
1478
/
81
):
die zwen namen das unschuldig junckfräwlich hertz und füerten sy in die aller dickest vinster der gewildnüss.
Goedeke, P. Gengenb.
146, 1098
;
v. Ingen, Zesen Rosenw.
64, 22
;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2293
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
78, 21
;
Sachs
15, 163, 18
;
Vetter, Pred. Taulers
235, 7
;
Eichler, a. a. O.
1, 229
;
Wyss, Luz. Ostersp.
2724
.
Vgl. ferner s. v.  1, .
4.
›Geist, Psyche, Seele (mit den drei Seelenkräften Verstand, Gefühl und Willen), das Innere des Menschen (im Gegensatz zum äußeren Körper), seelische und geistige Verfaßtheit des Menschen‹; fließender Übergang zu 5; 6; 7; 8; 9; eine eindeutige Differenzierung ist nicht immer möglich.
Gehäuft religiöse Texte.
Bedeutungsverwandte:
 23,  12, .
Gegensätze:
 67,
1
 1.
Phraseme:
jm. das herz ablaufen und durchrennen
›jn. geistig überwinden‹;
etw. jm. auf dem herzen liegen
›etw. quält jn. innerlich / geistig‹;
etw. jm. ser im herzen liegen
›etw. ist jm. sehr wichtig‹;
zu herzen kommen
›in sich gehen, sich auf sein Inneres konzentrieren‹.
Syntagmen:
das h. aufrichten / ausschütten / bekennen / begiessen / besuchen / breiten / erleuchten / erheben / reinigen / strafen / waschen, mit weisheit speisen, mit fressen / saufen beschweren, auf etw. gründen, durch etw. ändern, zu etw. neigen, zu got aufheben, etw.
(Subj.)
das h. stärken, jm. das h. ganz fassen, got
(Subj.)
das h. schätzen / wiegen, ein h. in got haben, jm. das h. von got wenden
;
das h.
(Subj.)
wachen, vor etw. beschlossen sein, mit etw. besessen sein, voller sünde sein, unser schaz sein, unruhig / unstet sein, bei sich selbst bleiben, got kennen, etw. bekümmern, ledig aller kreaturen stehen, zu dem ewigen stehen, gotes tempel sein, in andacht / liebe entzündet sein, durch etw. erwecket werden
;
etw. freies h.
(Gen.)
gestehen, reines h. sein
;
sich mit h. got opfern, von h. beten, etw.
(Akk.)
von ganzem h. tun, etw. im h. haben / tragen, jn. im h. anbeten, got im h. bitten / erheben, j. im h. faul sein, jm. im h. sanft tun, got einen tempel im h. bauen, etw.
(Subj.)
zu innerst im h. sein, im h. befunden werden, im h. verborgen sein, heimlich im h. haben, etw.
(Subj.)
aus dem h. ausfliessen / entspringen, jn. aus dem h. lassen / schliessen, etw.
(Akk.)
tief zu h. gehen, j.
(Subj.)
zu seinem h. gekert sein, mit ganzem h. weinen, etw.
(Akk.)
mit h. wünschen, etw.
(Akk.)
ins h. fassen, etw.
(Subj.)
in das h. gesäet sein, in js. h. sprechen, der heilige geist
(Subj.)
in das h. kommen, jm. in das h. sehen, an js. h. anklopfen, auf das h. schauen
;
das h. der jungfrau, des heiden / kindes / menschen
;
das abgeschiedene / andächtige / demütige / dunkele / eigene / empfängliche / entschlossene / erhabene / freie / geistliche / geschlossene / getreue / kalte / kranke / lautere / lichte / reine / reuige / schöne / süsse / unbehutsame / weltliche / wölfene h.
;
des h. gebet / grund / tor / klause / unflat / zeichen, der bote / erforscher / erkenner, die beschneidung / einigkeit / tür / verneuerung, das buch / haus / rauchfas des h., die verbindung / verknüpfung der herzen
;
ein schalk im h
.
Wortbildungen:
herzenrein
›eine reine Seele besitzend‹,
herzenspiegel
›Spiegel, der das Innere des Menschen offenbart‹ (a. 1534),
herzerkundiger
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
19309
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
die mortressen, | Die bi schefenen gelessen | Die wolfinnen herze tragen.
Luther, WA
35, 446, 3
(
1524
):
Kom Gott schepfer heyliger geyst, | besuch das hertz der menschen deyn.
Ebd.
30, 2, 637, 32
(
1530
):
Wes das hertz vol ist, des gehet der mund uber.
Ebd.
33, 502, 1
(
1531
):
Also hat er
[Christus]
ihnen
[Phariseern]
mit dieser predigt das hertz abgelauffen und durchranth.
Ebd.
51, 646, 27
(
um 1535
):
Finster kirchen liechte hertzen | Helle kirchen tunckel hertzen.
Ebd.
51, 657, 339
:
Es ligt myr auff dem hertzen.
Ders. Hl. Schrifft.
Röm. 2, 29
(
Wittenb.
1545
):
das ist ein Jüde / der inwendig verborgen ist / vnd die Beschneitung des hertzen ist eine Beschneitung / die im Geist vnd nicht im Buchstaben geschicht.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
30, 33
(
Frankf./O.
1557
):
Huͤtet euch / das ewere hertzen nicht beschweret werden / mit Fressen und Sauffen.
Reissenberger, Väterb.
26089
(
md.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
Die [engel] zwischen sich da namen | Den guten wellere | Unde huten sine vor swere, | Wan er was herzen reine.
Klett, J. v. Soest
11, 818
(Hs. ˹
wmd.
,
1470
/
80
˺):
aughen syn des hertze toer, | durch dy dem hertzen werden woer | dy ding, dy sy dan schawen an.
Quint, Eckharts Pred.
1, 275, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wilt dû mit sant Augustînus bestân und in aller heiligen heilicheit, sô sol dîn herze beslozzen sî vor aller geschaffenheit.
Ebd.
2, 166, 6
:
Daz ist wârheit, swenne ich daz offenbâre, daz ich in mînem herzen hân.
Ders., Eckharts Trakt.
426, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû vrâge ich aber: waz ist des abegescheidenen herzen gebet?
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
166, 1
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Warakir bade got von gantzem hertzen / das er yme wolde barmhertzig sin.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
4, 15
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Unser und ir gezeuge ist der erkenner aller herzen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
23, 6
(
omd.
,
1487
):
Sÿe sollenn habenn eÿn hertz vnnd ßele Jn gott.
Ebd.
33, 23
:
ein boshaftig weypp beweist sich fru̇ntlich vnd tregt gifft Jm hertzen vorborgenn.
Göz. Leichabd.
205, 16
( 
Jena
1664
):
Ein vornehmer Evangelischer Theologus [...] gestehet freies Herzens / daß er allen Trost / den die Vernunft geben kan / hervor gelanget.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
16, 15
(
osächs.
,
1343
):
her
[Jesus]
sprach zuͦ en
[Pharisäern]
: „Ir sît di ûch selbir gerecht machit vor den lûten, abir got bekennit ûwere hercze.“
Mathesius, Passionale
46r, 12
(
Leipzig
1587
):
Entsuͤndige mich mit Jsopen / das ist / wasche vnd reinige mein Hertz / durch den Glauben an dein heiliges Blut.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
176v, 11
(
Leipzig
1588
):
Das gute Freundschafft eigentlich heisset: Ein Zusammen neigung / Verknüpffung vnd Verbindung der Herzen vnd Gemuͤter der Menschen.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
13b, 3
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Dv lerest vns got piten in vnsm` hertzzen.
Ebd.
19a, 6
:
zv deme andern male stercket dise speis vnsern gaist [...] daz brot sterckt daz hertz des menschen.
Pyritz, Minneburg
2545
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Nu gib mir herberge | In dines hertzen clusen | Tu mich da inne behusen | Durch din hohe wirde!
Reichert, Gesamtausl. Messe
28, 11
(
Nürnb.
um 1480
):
woel wir [...] ein geschickten tempel Got dem herren pawen in unsermm hertzen.
Ebd.
30, 9
:
ewer hertzen seyn voller suenden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
69, 22
(
Nürnb.
1548
):
wer im Geyst / das ist / von hertzen bettet im namen Jesu / der soll gewiß erhoͤret werden.
Ebd.
110, 1
(
Nürnb.
1548
):
die suͤnd ist nit aussen an der haut / sondern zu jnnerst im hertzen driñ.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 2, 7
(
Nürnb.
1631
):
Schleuß jetzund ein das Hertze mein, | Jn das getrewe Hertze dein.
Ebd.
1, 152, 22
:
Ein suͤß Honig inn meinem Mundt, | Ein herrlichs Tranck ins Hertzens grundt.
Warnock, Pred. Paulis
9, 223
(
önalem.
,
1490
/
4
):
so findest du under dem gaischlichen schin ain weltlich hertz.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 231
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Einikeit ist, das sich der mensche beuindet gesammenet von innen mit allen sinen krefften in einikeit sins hertzen.
Ebd.
2, 237
:
Innekeit ist, das der mensche innewendig von inan gekeret si zvͦ sinem eigenen hertzen.
Illing, Albert. Sup. miss.
375
(
els.
,
n. 1380
):
wie wir vns [...] gotte opfren súllent: mit herze vnd libe.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 129, 21
(
Hagenau
1534
):
Was die augen nicht sehen / bekummert das hertze nicht.
Ebd.
1, 137, 12
:
Wer kan eynem yeglichen in das hertz sehen.
Behrend, Spangenb. Anbindbr.
14, 60
(
Straßb.
1611
):
Demnach ich auch / zu dieser Stund / | Ein Neu Jahr wünsch mit Hertz und Mund.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
45, 34
(
Straßb.
1650
):
ein Heuchler [...] Stellet sich heilig, ist doch ein Schalck im Hertzen.
Goldammer, Paracelsus
5, 182, 6
(
1530
):
allein unser herz wird unser schatz sein.
Schmidt, Rud. v. Biberach
84, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz dvͥ minnerin in dem minne buͦch sprichet: „Ich slaffe, vnd wachet min herce“.
Bachmann, Haimonsk.
243, 36
(
halem.
,
1530
):
Inn dem luoget Ollyfier gegen der stat (wann im lag die sach ser im hertzen) und gsach, das man die leyttern uff stalt.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel,
537
(
schwäb.
,
1455
):
Das ich [...] dich vor allem ding | In minem herczen trag.
Chron. Augsb.
8, 184,
Anm. 2 (
schwäb.
, zu
1562
):
wiewol die hertzen Gott allain, dem ainigen hertzerkundiger, bekannt sein.
v.d. Broek, Spiegel d. Sünders
282, 13
(
Augsb.
1476
):
sich selb erkenne das er gantz auß seúbere vñ reynige das hauß seins hertzens.
Heydn. maister
14v, 13
(
Augsb.
1490
):
Alle meine guͦter trag ich mit mir / wān er truͦg sÿ jm hertzen das mit den augē nit mocht gesehen werden.
Klein, Oswald
10, 99
(
oobd.
,
um 1423
):
Frid trag in deines herzen grund.
Buijssen, Dur. Rat.
33, 10
(
moobd.
,
1384
):
daz weyroch im rauchvaz bedewtt daz hercz, daz erzunt ist mit dem fewͤr des pett.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
49
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Got der wigt vnd scheͣczet daz hercze vnd nicht die hab.
Wackernell, Adt. Passionssp. Vsp.
274
(
tir.
,
1530
/
50
):
Erleycht auch die hercz der haiden, | Las sy ni von dier [Jhesus] abschaiden.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
501, 28
;
Pfefferl, Weigel. Ges.
10, 26
;
22, 15
;
31, 2
;
Fischer, Brun v. Schoneb.
8208
;
Reissenberger, Väterb.
36349
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 19, 4
;
1, 74, 4
;
2, 51, 2
;
2, 534, 3
;
ders., Eckharts Trakt.
59, 4
;
266, 5
;
425, 4
;
430, 3
;
Rosenthal. Bedencken
35, 24
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
258
;
527
;
Harms u. a., Alberus. Fabeln
77, 12
;
Perez, Dietzin
1, 45, 13
;
v. d. Lee, a. a. O.
18, 37
;
53, 18
;
Hübner, Buch Daniel
3221
;
Göz. a. a. O.
176, 3
;
Bechstein, a. a. O. Mt.
5, 8
;
Mönch v. Heilsbronn. a. a. O.
12a, 15
;
Gille u. a., M. Beheim
69, 141
;
148, 304
;
Rupprich, Dürer
1, 43, 26
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
18, 84
;
Reichert, a. a. O.
28, 13
;
144, 21
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
110
;
117
;
253
;
Sachs
3, 115, 1
;
Reichmann, a. a. O.
67, 13
;
68, 24
;
75, 24
;
Kehrein, a. a. O.
2, 474, 12
;
Rieder, St. Georg. Pred.
248, 22
;
Warnock, a. a. O.
5, 267
;
Rieder, Gottesfr.
136, 2
;
Eichler, a. a. O.
2, 218
;
2, 232
;
2, 405
;
Goldammer, a. a. O.
6, 185, 6
;
Schmidt, a. a. O.
22, 15
;
Martin, a. a. O. Tempel
17
;
107
;
Sappler, H. Kaufringer
16, 382
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
8, 3
;
Bauer, Geiler. Pred.
103, 7
;
103, 20
;
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 14, 24
;
Gilman, a. a. O.
2, 167, 20
;
Andreae. Ber. Nachtmal
59r, 20
;
Eschenloher. Medicus
2, 26
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
5, 29
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
18, 9
;
Buijssen, Dur. Rat.
12, 19
;
27, 28
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
88, 32
.
Vgl. ferner s. v.  3, ,
1
,  9,  1,  1,  3, , (Adj.) 8, ,  2, (V.) 7.
5.
›Herz als Sitz der Empfindungen, Gefühle, Emotionen‹; anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte:
.
Phraseme:
sich ins herz hinein schämen
›tiefe Scham und Reue empfinden‹.
Syntagmen:
ein h. haben, das h. bewegen, das h. zur freude / furcht erwecken, jm. das h. abgewinnen, j. das h. in sich ersättigen, etw.
(Subj.)
das h. betrüben / entzünden / rüren, das h. zu der reue erwegen, zu jm. ein h. fangen
;
das h.
(Subj.)
etw. empfangen / empfinden / leiden / tragen / zu vernemen geben, jm. kochen, jm. etw. sagen, jm. nach jm. brennen, von steinen sein, schwer / trauernvol sein, freudenvol werden
;
j. des h. gros sein
;
dem h. den schmerz tun, etw.
(Subj.)
dem h. freude bringen
;
aus dem h. reden, etw. in das h. giessen, sich etw. in das h. ätzen, im h. erschrecken, sich im h. ängsten, von h. betrübt / fro sein, erfreut werden, etw. mit dem h. meinen, sich mit h. in got richten, got mit h. loben, jn. von h. lieben, jm. von h. helfen, jm. vor etw. von h. grauen, jm. im h. hold sein
;
etw.
(Subj.)
von h. gehen / kommen, von h. bei jm. suchen, zu h. gehen, durch das h. gehen, mit dem h. glauben / halten, aus dem h. ausgraben, jm. ins h. gehen, jm. von h. freuen, leid sein, jm. im h. anen, j.
(Subj.)
in js. h. sein, etw.
(z. B.
bekümmernis / schmerz
)
im h. sitzen haben, jm. im h. dauern, jm. von h. gefallen
;
unbehauen am herzen
;
das fröliche / kleine / schwache / steinene / weiche h., des menschen / vaters h.
;
des h. frau / gelust / ger / herzleid / qual, der traut, die betrübnis / bitterkeit / erschreckung / gier / lust / süssigkeit, das seufzen des h.
;
der stift im h
.
Wortbildungen:
herzeneis
›Herzenskälte, Gefühlskälte‹,
herzenfreude
,
herzenfrölich
,
herzenpein
,
herzenswemut
,
herzenszorn
,
herzenwonne
,
herzquälen
›tiefer innerer Schmerz‹.

Belegblock:

Luther, WA
17, 2, 334, 34
(
1527
):
Yhr halßstarrigen und unbehawen an hertzen unnd oren, yr widerstrebet alle zeit dem hailigen gaist.
Ebd.
32, 139, 22
(
1530
):
Alßo wyl uns dazu vor hin das hercz kochen.
Ebd.
33, 488, 8
(
1531
):
das thut jnen faul und schemen sich ins hertz hinein, das sie wider das Gesetz gethan haben.
Ebd.
51, 657, 343
(
1535
):
Es geht mir yns hertz.
Ebd.
51, 657, 338
:
Mein hertz sagt mirs.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
133, 2800
(
Magdeb.
1608
):
Kinder sein lieb / kommen vom Hertzen / | Gehn wider zu Hertzen mit schmertzen.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
21, 12
(
wmd.
,
1634
):
Jch ihn erweich, ist mir bewust, | Vnd wär das hertz von Steinen.
Ebd.
250, 12
:
Wan die Sünder zeitlich büssen | Vnd mitt ihrem HertzenEyß, | Sie sich neben JESV Füssen | Legen zu den Wunden heiß.
Quint, Eckharts Trakt.
432, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
abegescheidenheit [...] reiniget die sêle und liutert die gewizzene und enzündet daz herze.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 138, 3
(
Köln
1582
):
Soll ich denn teglich engsten mich, | Mit bitterlichen schmertzen | In meine͂ hertzen.
Ebd.
3, 265, 10
:
Darauff die frommen hin vnd her | Dein̄ namen werden preisen Herr, | Vnd dein lob hertzenfroͤlich treiben.
Hübner, Buch Daniel
7051
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Gar ane stritis girde | Unde sunder herzen zorn | Wirt sin leben im verlorn.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
75, 24
(
omd.
,
1487
):
so ein mensch anders reth mitt dem mu̇nde den ers mitt dem hertzen meintt thutt er widder sein eigen natur.
Eggers, Psalter
5, 6
(
thür.
,
1378
):
du gebe froude in mime herzcen.
Göz. Leichabd.
251, 11
( 
Jena
1664
):
da steigen die warmen Seufzer biß an die Wolken / da gehet das Behten recht von Herzen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 175, 15
(
Bautzen
1567
):
Da er sein Mutter sampt seim liebn Juͤnger sah stehn, | Vnd den schmertzen durch jhr hertze gehn.
Pyritz, Minneburg
5054
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Sag an, sag an myr, hertze min, | [...] | Waz leidez dich so twinge!
Gille u. a., M. Beheim
59, 14
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Mein hercz print mir | allczeit nach ir.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
168, 9
(
Nürnb.
1548
):
Solches hat er mit den augen nicht sehen koͤnnen / mit dem hertzen hat ers glauben muͤssen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3007, 32
(
Nürnb.
1610
/
18
):
sie daurt mich in meim Hertzen.
Bihlmeyer, Seuse
171, 26
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz ist guͦt ze hoͤren, wan es daz herz ruͤret, den geist uf lupfet.
Ebd.
215, 2
:
alle mine vroͤde und herzenwunne.
Ebd.
460, 14
:
daz ist nu ire hertzenfroͤde.
Menge, Laufenb. Reg.
2911
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Dem hertzen bringet er [wyne] fröide | Vnd benymet das leyde.
Roloff, Brant. Tsp.
734
(
Straßb.
1554
):
Was sie will das mag sie volbringen | Dann sie mir von hertzen gefallet wol.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
8, 29
(
Straßb.
1650
):
Je mehr wort, je minder Werck; je mehr geschrey, je minder Woll: je mehr geschwätz, je minder Hertz.
Ebd.
10, 25
:
Ach was hertzquelens mustu leiden!
Sappler, H. Kaufringer
14, 450
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si was gar betrüebt von herzen.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
10, 106
(
schwäb.
,
1471
):
Sy sprach: schreib alsust, | Das ist meins hertzen gelust: | Lieb vnd lieb, ee lieb vnd noch lieb!
Barack, Zim. Chron.
1, 418, 38
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Derhalben sagten inen ire aigen herzer, das es nit wol umb iren brueder steen wurde.
Heydn. maister
11v, 3
(
Augsb.
1490
):
Das man widerwertikeit vnd betruͤbtnuß des herczen mit dez gemuͤt vn̄ mit freünden überwinden müg.
Brandstetter, Wigoleis
203, 19
(
Augsb.
1493
):
do fienge sy eyn hercz zuo jm.
Ebd.
225, 42
:
meines herczen liebste fraw.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
30, 12
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Magdalena tet da beleiben | in inprünstiger herzenpein.
Klein, Oswald
3, 66
(
oobd.
,
1436
):
im was das herz unmässlich swër.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
36, 39
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
es wer im [im] hertzen layd.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
29
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
die czunge die wirdet leichter erwegt czu reden denn daz hercze czu der rewe.
Ebd.
13
:
Recht als ob er spräch: Mit herczen, mit willen, mit andacht, richt ich mich in got.
Munz, Füetrer. Persibein
141, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
darumb ir hertz schwär iamers purden trúege.
Kummer, Erlauer Sp.
6, 101
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
helfet chlagen mîr mein lait, | das mein sendes herze trait.
A. à S. Clara. Glori
18, 12
(
Wien
1680
):
Wie diese unmenschliche Tyranney nicht ohne Hertzens⸗Wehemuth GEORGIUS angehoͤret.
Luther, WA
32, 368, 14
;
51, 657, 336
;
51, 657, 346
;
Peil, a. a. O.
514, 222
;
Pfefferl, Weigel. Ges.
17, 25
;
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
145, 14
;
Quint, a. a. O.
16, 16
;
Matthaei, Minner. I,
11, 95
;
Wunderlich, Fierrabr.
50, 32
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
135, 17
;
Froning, Alsf. Passionssp.
5649
;
Perez, Dietzin
1, 409, 7
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
21, 5
;
v. d. Lee, a. a. O.
45, 25
;
Göz. a. a. O.
165, 3
;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
239
;
Gille u. a., a. a. O.
61, 30
;
Reichmann, a. a. O.
67, 29
;
74, 17
;
Bihlmeyer, Seuse
378, 15
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 282
;
Sudhoff, Paracelsus
14, 371, 8
;
Goldammer, Paracelsus
4, 245, 23
;
Roloff, a. a. O.
71
;
Behrend, Spangenb. Anbindbr.
14, 32
;
Heidegger. Mythoscopia
11, 24
;
Haltaus, a. a. O.
1, 20, 51
;
Sappler, a. a. O.
29, 44
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
10, 9
;
11, 30
;
16, 24
;
Koller, Ref. Siegmunds
335, 16
;
Brandstetter, a. a. O.
194, 26
;
Klein, a. a. O.
102, 120
;
McClean, Havich
4725
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
202, 9
;
Munz, a. a. O.
243, 6
;
Kummer, a. a. O.
4, 453
;
Bauer, Zist.-Pred. Haller
91, 221
.
6.
›Herz als Sitz des Verstandes; Gedächtnis, Bewußtsein, Gedanken, Überlegung‹; anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte
(bzw. im Orientierungsfeld von):  1, , , ; vgl.  2, , , ,  6.
Syntagmen:
das h. züchtigen, mit etw. bekümmern
;
das h. etw. begreifen / betrachten / erdenken / gedenken, mit gedanken umgehen, zu etw. erwekt werden
;
etw. ins h. bilden / giessen / schreiben, etw. zu h. fassen / füren / nemen / setzen, etw. im h. verlassen, sich etw. im h. gedenken, die ehe im h. brechen, etw. mit ganzem h. bekennen, gedanken
(Subj.)
von dem h. ausgehen
;
mund und h.
;
das blöde / hole / kluge / menschliche / verständige h.
;
die gedanken / sinne des h
.
Wortbildungen:
herzensin
.

Belegblock:

Luther, WA
32, 45, 2
(
1530
):
Wer nu diesen sieg also yns hertz kan bilden, der ist schon selig.
Ebd.
33, 61, 37
:
Diese wortt solt man mit guldenen buchstaben [...] ins hertz schreiben, das ein iglicher wuste, wo ehr solle seine Seele lassen.
Schöpper
6a
(
Dortm.
1550
):
Expendere. Bedencken betrachten erwegen ermessen behertzigen besinnen vberlegen vberschlahen Zuͦ hertzen nemen / setzen / fassen / fuͤren.
Reissenberger, Väterb.
41321
(
md.
, Hs. 
v. 1406
):
Hertzen sin es nie begraif | Welicher freuden umb swaif.
Dubizmay, kurß zu Teutze
12, 8
(
hess.
,
1463
):
die gefallen wol meynes mundes rede vnd meynnes hertzen gedancken vor deynnem gesichte allezeyt.
Hübner, Buch Daniel
4996
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Zu dir kumet mit leren | Die edle kuniginne | Vernumft, mit herzen sinne | Trostende din ungedult.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
52, 31
(
omd.
,
1487
):
ich hab dÿr gegeben ein clu̇gk vorstendigk hertze.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
17, 22
(
thür.
,
1421
):
wenn die synnen unde gedancken des menschlichen herzen seyn von jogunt geneiget zu den sunden.
Rupprich, Dürer
1, 171, 51
(
nobd.
,
1521
):
höchster himlischer vatter, geuß in unser hercz durch deinen sohn Jesum Christum ein solch licht, dabeÿ wir erkennen, zu welchen gebothen wir zu halten gebunden sindt.
Franck, Decl.
344, 22
(
Nürnb.
1531
):
dy trunckenheit nympt hin alle vernunfft vnd verstandt / verfinstert die synn vnd das hertz.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
66, 25
(
Nürnb.
1548
):
das hertz aber geht mit andern gedancken vmb.
Ebd.
146, 8
:
wie Petrus sagt / sind die weyber ein schwach gefeß / haben bloͤde hertzen / lassen sich baldt ein ding anfechten.
Harsdoerffer. Trichter
3, 259, 3
(
Nürnb.
1653
):
Hertz. [...] Der Gedanken Quell’ und Sitz.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 229
(
halem.
,
15. Jh.
):
waͮn es ist der richtuͦm, den oͮge nie gesach, den ore nie gehorte, daz hertze nie begraiff.
Chron. Augsb.
7, 44, 26
(
schwäb.
, zu
1548
):
so bekenn ich hiemit offenlich mit munt und gantzem hertzen, willen und guͦtem gemuͤt den waren, rechten, christenlichen [...] glauben.
Dreckmann, H. Mair. Troja
8, 11
(
oschwäb.
,
1393
):
zu dem lesten gedaht er im in seinem hertzen ainer grozzen falsthait, mit der er maint, Jasonem von dem leben bringen.
Große, Schwabensp.
41a, 8
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 506, 1
;
v. d. Lee, a. a. O.
84, 33
;
Sermon Thauleri
12va, 29
;
Opitz. Poeterey
55, 13
;
Franck, a. a. O.
354, 16
;
Goldammer, Paracelsus
7, 175, 6
;
Stammler, Berner Weltger.
994
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1476
.
Vgl. ferner s. v.  1,
1
 1,  1,  2,
1
 2, ,  2.
7.
›Herz als Sitz des Willens; Verlangen, Begehren, Absicht‹, gelegentlich mit Betonung der Komponente: ›Mut, Entschlossenheit‹; anschließbar an 4.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, (
das
3,  6.
Syntagmen:
ein h. empfangen / fangen / gewinnen, sich ein h. fassen, das h. an etw. hängen / auf etw. setzen
;
das h.
(Subj.)
etw. begeren, jm. etw. nutzen, gestilt werden, jm. entfallen sein, kein h. da sein
;
nicht herzens genug haben etw. zu tun, kleines herzens sein
;
sich im h. etw. vornemen, sich jn. nach seinem h. finden, kein mangel am h. sein, j. nach js. h. etw. sein
;
das gute / mänliche / willige h.
;
des h. gir
.
Wortbildungen:
herzenbegierde
,
herzengier
,
herzenwunsch
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
907, 22
(
Lübeck
1639
):
Thu was du wilt / so wird dein Hertz gestilt.
v. Keller, Amadis
407, 25
(
Frankf.
1571
):
Aber inn die harr mocht weder deß außländischen Ritters stercke noch gut hertz jhm viel nutzen.
Ebd.
419, 35
:
Ich glaube daß dem dritten das hertz entfallen sey.
Perez, Dietzin
1, 322, 2
(
Frankf.
1626
):
Ich hab mir (sagt der Weyse Mann) in meinem Hertzen vorgenommen mich des weins zuenthalten.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
16, 20
(
omd.
,
1487
):
Dauid der heÿlige pphete von dem got selber gesagt. Jch hab mir fu̇nden einen man nach all meÿm hertzen.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
Avijv, 5
(
Leipzig
1625
):
daß ich mein eigen Vnglück zu ertragen / fast nicht hertzens genug habe.
Gille u. a., M. Beheim
15, 67
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Pis nachen im mut, nach in herczen gir, | nahen in der hilff, nachen in dem munde.
Chron. Nürnb.
3, 169, 17
(
nobd.
,
1488
):
Wenzeslaus was treg und verdroßen zu aller arbeit, nit außrichtig, sach zu und ließ alle sach beschehen, kleins hertzens.
Bihlmeyer, Seuse
30, 2
(
alem.
,
14. Jh.
):
Dar na trat er mit herzenbegirde dar.
Ebd.
230, 25
:
es ist alles nah herzenwunsch denn eins.
Bachmann u. a., Volksb.
152, 4
(
alem.
,
15. Jh.
):
da gewan er etwas ein hercz, won er hoffet, das Kyburg ouch noch lebti.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 682
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Alle die [...] túgende, die men ie in brande der minnen mit geluste vͤbete, die sol men nv [...] vͤben mit arbeit vnd mit guͦtem hertzen.
Turmair
5, 184, 8
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Do solchs vernamen die altkaiserisch warn, liefens erst recht zesam und gewunnen ain herz, griffen allenthalben zu der wer.
A. à S. Clara. Deo Gratias
28, 12
(
Wien
1680
):
Auf diese Rede faste der Juͤngling ein Hertz / und schreyet mit lauter Stimm auf.
Luther, WA
41, 249, 30
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
7145
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
141, 3
;
Opitz. Poeterey
36, 22
;
Rupprich, Dürer
1, 163, 54
;
Roder, Hugs Vill. Chron.
15, 2
;
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel,
1170
;
Sappler, H. Kaufringer
14, 336
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 253, 2
;
Turmair
4, 110, 18
;
4, 247, 7
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
56
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  3.
8.
›Charakter, Wesen, Gesinnung des Menschen‹; meist in Kombination mit genauer spezifizierenden Attributen; anschließbar an 4.
Gehäuft seit 2. H. 15. Jh.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
die
12, (
das
2,  4, (
der
3.
Syntagmen:
die gedanken
(Subj.)
das h. beflecken, die verstandnis das h. lauter / rein machen
;
das h. einfeltig / fest / friedlich / schlecht / stark / stete / sein
;
rein von h. sein
;
das aufrichtige / böse / friedliche / freudige / fröliche / geduldige / grobe / gute / harte / here / hochtragende / hohe / kecke / keusche / lautere / rechte / reine / stalharte / steinene / steinharte / steinige / stille / übermütige / unartige / unerschrockene / vergiftete / verhärtete / verzagte / weltliche / zaghafte / zarte h.
;
des h. reinigkeit
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
5. Mose 9, 5
(
Wittenb.
1545
):
du [Jsrael] kompst nicht er ein jr Land ein zunemen / vmb deiner gerechtigkeit vnd deines auffrichtigen hertzens willen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
266, 172
(
Magdeb.
1608
):
Mit jhrem wunderlichen buͤcken. | Welches bedeutet Heucheley / | Vnd ein vergifftes Hertz dabey.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
63, 16
(
Hamburg
1646
):
ich wil den groben herzen aͤdle sinnen einblasen.
Ebd.
65, 33
:
also wuͤrd auch [...] dein stahl⸗ und stein⸗hartes herz erweichet werden.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
176, 9
(
Magdeb.
1615
):
Wer ist aber gut / vnd ein gut Hertz / oder wer ist ein boͤses Hertz?
v. Keller, Amadis
389, 10
(
Frankf.
1571
):
dann er allzeit im ende vil mutiger war, als im anfang, also daß wo er mit der stärcke wol, als mit dem guten hertzen begabt gewest, man seins gleichen nit funden hett.
Perez, Dietzin
1, 208, 10
(
Frankf.
1626
):
es geschehe solches auß einer kleinmuͤtigkeit / welche meinem frewdigen vnd vnerschrockenen Hertzen allerdings zu wider.
Chron. Nürnb.
3, 170, 25
(
nobd.
,
1488
):
Wenzeslaum als ein unertigen und verzagtes hertzens habent die fürsten verworfen von dem reich.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
167, 6
(
Nürnb.
1548
):
Wer nun disen heyland hat / der Gottes Heyland ist / der kan ein fridliches / stilles hertz haben.
Ebd.
257, 27
:
Ob das werck gleich an jm selb gut ist / so wirdt es doch strefflich des boͤsen hertzens halben.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 1, 3
(
Nürnb.
1631
):
Gib vns deß Hertzens Reynigkeit, | Kleinmuͤtigkeit sey von vns weit.
Ebd.
1, 123, 6
:
wer das Kindlein will Baden, | [...] | Der muß ein keusches Hertz haben.
Warnock, Pred. Paulis
17, 83
(
önalem.
,
1490
/
94
):
daz git ain zúgnus, daz sin hertz und sin conscientz och also schlecht, ainfaltig und fridlich ist, stat hert anbestentlich an gott, lat sich nit ain jegklichen wind der widerwertikait [...] umbwerffen.
Jaspers, St. v. Landskron
84, 11
(
Augsb.
1484
):
so er [...] eins übermuͤtigen oder hochtragenden herczē, od’ schaͤtzt sich hoͤher. stercker. tugenthafter. weiser. gelerter. verstendiger oder des geleich.
Henisch
194
(
Augsb.
1616
):
Ein starcker bart / vnd ein kecker hertz / zieret den Mann wol.
Weber, Füetrer. Poyt.
344, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
fröliches hertz trüeg mannger vnnder prüssten.
Große, Schwabensp.
91a, 22
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
66
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
171, 25
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
23, 19
;
Eggers, Psalter
79, 16
;
Schönbach, Adt. Pred.
14, 5
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
187
;
Reichmann, a. a. O.
71, 5
;
164, 8
;
Dietrich. Summaria
22r, 2
;
Warnock, a. a. O.
9, 224
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 744
;
Sappler, H. Kaufringer
17, 5
;
25, 208
;
Bauer, Geiler. Pred.
83, 3
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
6, 18
;
74, 7
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1.
9.
›Liebe, Zuneigung, Sympathie, Vertrauen‹; Spezialisierung zu 5.
Phraseme:
jm. holdes herz tragen
›jm. zugeneigt sein‹.
Bedeutungsverwandte:
1
(
die/der
267,  145; vgl.  2, , ,  2, ,  2, , , ,  2.
Syntagmen:
ein h. zu etw. haben, das h. anzünden, das h. jn. (!) ergeben, jm. abgewinnen / abstelen / schenken / stelen, in etw. legen
;
wenig herzens zu jm. haben
;
gunst und h
.

Belegblock:

Luther, WA
32, 459, 5
(
1532
):
was das hertz nicht meinet und lieb hat, da sorge ich nichts fur, und widderumb wo fur jch sorge, da mus jch ein hertz zu haben.
Thiele, Minner. II,
27, 500
(Hs.
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
):
het ich myn hertze nicht irgheben | eynen andren, ich solde uͦch tyenen | altoes mit gerechter mynnen.
Reichert, Gesamtausl. Messe
30, 38
(
Nürnb.
um 1480
):
Also verstanden wir, das der Herre sein hertz – das ist sein liebe – gelegt hat in die kirchen.
v. Birken. Erzh. Österreich
66, 32
(
Nürnb.
1668
):
Rudolphus [...] gewann ihme [Muͤller] das hertz also ab / daß er nachmals immer bey ihm geblieben / und ihme ein nuͤtzlicher getreuer Diener worden ist.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 519, 27
(
halem.
,
n. 1529
):
der von Lotreck [...] lies d’Eidgnossen [...] heim ziehen, und mit inen iren buͤrgen, [...], zuͦ welchem er wenig herzens hat.
A. à S. Clara. Glori
25, 29
(
Wien
1680
):
diesem schencke ich mein Hertz.
Struck, Kollegiatstifte
355, 27
;
Franck, Klagbr.
229, 17
;
Sachs
17, 518, 27
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
16, 4
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
99, 23
.
10.
›Geliebter, Geliebte; guter Freund‹; Spezifizierung zu 3, auch mit Bezug auf Gott; oft in der Anrede (als Koseform), gelegentlich als Diminutiv; auch: ›das Liebste, Gegenstand, auf den sich alles Streben ausrichtet‹; anschließbar an 3 und 9.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12, (
der
), , ,  11,  123,  2, ,  5, (
das
).

Belegblock:

Luther, WA
32, 444, 24
(
1532
):
als wir deudschen von einem Geitz wanst sagen ,Geld ist sein hertz‘, das ist, wenn er nuͤr geld hat, das ist sein freud und trost und summa sein Got.
Lappenberg, Fleming. Ged.
497, 14
(
1631
/
9
):
Alles das | tu ich hier ohn’ Unterlaß | auf Gesundheit meines Herzen.
Pyritz, Minneburg
5036
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
wiße, hertze, sunder wan | Daz mich din leit so noch get an, | Daz ich selten reht derlache.
Reichert, Gesamtausl. Messe
146, 18
(
Nürnb.
um 1480
):
O lieblichs hertz, ewger allmechtiger heyliger Got Sabaoth, vol ist hymel und erde deiner glori.
Fuchs, Murner. Geuchmat
2609
(
Basel
1519
):
do sy ym wyder wardt, | Liebet er sy wie ouch vor so hart | Vnd muͦst das geuchisch hertzlyn lieben.
Reichert, a. a. O.
146, 27
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 133, 1
.
Vgl. ferner s. v.  2,
2
 14.
11.
›Gottes (und Jesu) Herz (in anthropomorpher Vorstellung) als mentales, speziell emotionales Zentrum Gottes; göttliche Güte, Liebe und Zuneigung‹; anschließbar an 4 und 5.
Gehäuft religiöse (speziell auch mystische) Texte.
Syntagmen:
got
(Subj.)
sein h. in die kirchen legen / setzen, jm. zuwenden
;
etw.
(Subj.)
sein wesen in / von gottes h. nemen / schöpfen, got etw. von seinem h. gebären
;
des vaters h.
;
das aufgetane / blutflüssige / götliche / minnereiche / minnigliche / väterliche / verwundete / h
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
41, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz inner werk nimet und schepfet allez sin wesen niergen dan von und in gotes herzen.
Reichert, Gesamtausl. Messe
30, 19
(
Nürnb.
um 1480
):
Got der herre legt und setzt in die kirchen seinen namen, seine augen, seine oren und sein hertze.
Vetter, Pred. Taulers
249, 7
(
els.
, Hs.
1359
):
wie das ewige wort wirt geborn in dem vetterlichen herzen, usgeborn und inne blibende.
Ebd.
284, 20
:
Er sol mit aller andacht klopfen vor dem minneklichen uf getanem herzen [...] unsers herren Jhesu Christi.
Ebd.
110, 25
(
E. 14. Jh.
):
Das ist daz vetterliche hertze; in dem und von dem ist rechte Cristus ein minnencliche túre.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 420, 39
(
schwäb.
,
1505
):
Darmit beuilch ich euch in das verwunt hercz Ihesu Christi, der euch mit seinen gnaden lang behalten woͤl gaystlich vnd leyplich.
Ebd.
2, 296, 5
(
oobd.
,
1460
):
Dy allergroste mynne, dy den suenn Gots gevangen vnd gebunden pracht hat aus dem veterlichen herczen.
Quint, a. a. O.
114, 20
;
Jostes, Eckhart
55, 14
;
58, 4
;
Jahr, H. v. Mügeln
121, 1466
;
Stammler, Berner Weltger.
832
;
Nyberg, a. a. O.
1, 415, 4
;
2, 307, 33
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
35r, 22
.
12.
eine Spielkartenfarbe: ›Herz‹; anschließbar an 1.
Wortbildungen:
herzfarbe
(a. 1590),
herzkarte
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
886, 20
(
Lübeck
1639
):
Jn wichtigen Sachen muß man Hertzkarten spielen biß auff den Stich.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
73, 12
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
Wie wol sie doch in henden hätt | herz, schellen, gras und eichel.
Schwäb. Wb.
6, 2162
.
13.
›Mittelpunkt, Zentrum‹; am Apfel: ›Kerngehäuse‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10,  3.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
51, 25
(
14. Jh.
):
So ist ir di gotheit alle dinch in einer stillen craft. wan si ist ir alle dinch alz daz hertze des meres.
Strauch, Par. anime int.
14, 19
(
thür.
,
14. Jh.
):
also wirdit daz ewige wort gesprochin innewendic in deme herzin der sele, in deme innirsten, in deme lutirsten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
318, 11
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der apfel [...] hât dreirlai wesen an im, [...]. daz auzer tail hitzet, daz mitter tail ist mæzig warm, daz dritt, daz inwendig ist sam des apfels herz, daz küelt.
Jostes, a. a. O.
108, 8
.
14.
›(kleines) Herz aus Gold oder Silber als Schmuckstück (z. B. an einer Heiligenfigur)‹; anschließbar an 1.
Wortbildungen:
herzlein
1.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
512, 16
(
preuß.
,
1441
):
7 hercz, der ist 3 ubirgolt.
Ebd.
515, 5
(
1452
):
boben dem howbte Sente Barbare eyne snuͤre vol czeichen von sylbern gebylde von heringen, awgen, herczen.
Fuchs, Murner. Geuchmat
3323
(
Basel
1519
):
Zuͦm drytten nam er ir das hor | Vnd macht dar vß ein schnierlin vor. | Ein sylbrinß hertzlin hing er dran.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
127, 2
;
131, 15
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 130
.
15.
als Teil der Angel; am ehesten wohl anschließbar an 1.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
182, 33
(
osächs.
,
1570
/
7
):
so magst du nemen steinkörder uff dem federangel, der gefasset sei mit gelber seiden, in der mitten leibfarbene seiden und das herz mit schwarzer seiden vormenget.
Ebd.
183, 2
.
16.
in Phrasemen, bei denen die Aspekte der Innerlichkeit und des Gefühls besonders betont werden, die aber nicht eindeutig einer der bisherigen Positionen zugeordnet werden können.
Phraseme:
mit schwerem herzen
›mit großem Kummer, großer Betrübnis‹;
etw. one herz tun
›etw. ohne innere Beteiligung, ohne Gefühl tun‹;
jm. das herz angewinnen
›jn. gewinnen, überzeugen‹;
jm. das herz brechen
›jn. tief unglücklich machen‹;
das herz jm. (zer)brechen / zerspringen
›j. unglücklich werden‹;
(jm.) ein herz machen
›(jm.) Hoffnung, Mut machen‹;
das herz jm. vergehen
›j. wird ohnmächtig, ihm vergehen die Sinne‹;
das herz jm. abgenagen
›jn. zermürben, brechen‹;
jm. das herz abfluchen
›jn. zum Teufel wünschen‹;
etw. jm. zu herzen gehen
›etw. macht jn. betroffen, bewegt ihn besonders‹;
etw. zu herzen nemen
›etw. besonders erwägen / bedenken, etw. sehr ernst nehmen‹.

Belegblock:

Schöpper
10a
(
Dortm.
1550
):
Spem alicui facere. Hoffnung einsprechen ein hertz machen behertzen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
122, 18
(
rhfrk.
,
um 1435
):
O du ewiger got wie groß wonder ist das / daz mir myn hertz nit enbrichet.
v. Keller, Amadis
420, 25
(
Frankf.
1571
):
denn die warheit zusagen, das hertz vnd gesicht jr vergieng.
Thür. Chron.
10v, 16
(
Mühlh.
1599
):
Den Jammer nam ein Edel Roͤmer zu Hertzen.
Stackmann u. a., Frauenlob
14, 19, 10
(
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
):
mit den nöten | [...] sie min herze alrerst zerbrach.
Fischer, Folz. Reimp.
8b, 226
(
Nürnb.
um 1480
/
1
):
Pis sie das hercz im abgenug.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
74, 17
(
Nürnb.
1548
):
er hat ein Vaters hertz / mein not gehet jhm zu hertzen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
1823, 23
(
Nürnb.
v. 1618
):
Vor leid möcht mir mein hertz zerbrechen, | Dann mich andet fürwahr nichts guts.
Ebd.
165, 19
:
Dann es thet mir zu hertzen gan, | Daß meine Schwester haben wolt, | Daß ich mein Ehr vergessen solt.
Maaler
20v
(
Zürich
1561
):
Eim das hertz Angwünnen vnd auff vnsere meinung bringen.
Brandstetter, Wigoleis
193, 41
(
Augsb.
1493
):
Do die frawe vermercket. das jm diser reyß so ernst waz. erlaubet sy jm mit schwaerem herczen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 78, 22
([
Augsb.
]
1548
):
One hertze lachen. Ainem zuͦ gefallen lachen / das im doch nit ernst ist.
Turmair
4, 532, 20
(
moobd.
,
1522
/
33
):
darumb fluecht im der gemain man das herz ab.
Ries, Rechenb.
F1r, 10
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
178v, 21
;
Weise. Jugend-Lust
117, 29
;
Roloff, Brant. Tsp.
502
;
Wickram
4, 18, 14
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
236, 28
;
Haszler, Kiechels Reisen
310, 30
;
Brandstetter, Wigoleis
197, 33
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
150, 10
;
Weber, Füetrer. Poyt.
180, 6
;
Schöpper
12a
.
Vgl. ferner s. v. .