herkommen,
V., unr. abl.
1.
›herbei-, hierherkommen; heran-, hinzutreten‹; speziell: ›zuziehen, zuwandern‹;
zu (Adv.) 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (V.) 1,  1, ,  1.
Syntagmen:
der abenteurer / abt / fremde / freund / geist / herre / hund / jüngling / könig / krämer, die frau / herschaft, das mütterlein
(Subj.)
h
.
Wortbildungen:
herkömling
.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
122, 23
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Jr herren koment her / vnd sehent groß wonder / Myn husfrouwe hat mich bracht zu grossen schanden.
Ebd.
148, 30
:
lieben fründe. Mich wondert wo ir herkommen syt / das üch die morder nit hant erslagen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
233, 4
(
osächs.
,
vor 1325
):
Ist he ein kerkumen man, [...], he muz schozzen unde wachen mit den burgeren.
Chron. Nürnb.
5, 791, 30
(
nobd.
,
1516
):
derhalben würt bei uns [...] niemant in rath gesetzt, des eltern zuvor nicht auch in unser stat regiert haben, wiewol solichs itzt mit etlichen herkomlingen [...] ubertretten ist worden.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3106, 8
(
Nürnb.
1610
/
18
):
O du böser Geist, nun fahr auß | Vnd komm nicht wider her!
Roloff, Brant. Tsp.
909
(
Straßb.
1554
):
Wolan Susanna khumm mit uns har | Zuͦn Richtern.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
418, 18
(
halem.
,
1419
):
daz digk und vil stoͤß und urfragen umb uneliche kint und harkomen froͤmd luͥt uff standen und entsprungen sint.
Wyss, Luz. Ostersp.
3054
(
Luzern
1571
):
Nun hör ich, das har in din [Herodes] land | Dry grossmechttig kuͥnig sigend kon.
Winter, Nöst. Weist.
4, 283, 36
(
moobd.
,
16. Jh.
):
wen ain frembder herkemb und wolt die hiegesessen leut auspringen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
14, 4
(
tir.
,
1464
):
Ich [Jeronimus] pin herkömen in dise welt mit sölicher peschaidenhait, das ich widerum ge von diser welt.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
264, 18
;
Tiemann, a. a. O.
140, 7
;
Harms u. a., Alberus. Fabeln
75, 11
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
159, 25
;
Chron. Nürnb.
2, 86, 40
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
6
;
Roder, Stadtr. Villingen
101, 4
;
Roloff, Brant. Tsp.
1339
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2107
;
Goedeke, P. Gengenb.
132, 577
;
Winter, a. a. O.
2, 149, 6
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
169
.
Vgl. ferner s. v.  3,  1, .
2.
›aus einem Ort / einer Richtung kommen‹; daneben auch: ›aus einer Institution kommen‹;
zu (Adv.) 5.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
134, 11
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Das ist ye Abryes wint? Wo mag er her komen.
Rauwolf. Raiß
6, 6
([
Lauingen
]
1582
):
da [...] Carolus Magnus der erste Teutsche Kayser ain hohe Schuͦl gestifft / in wellicher vil treffenlicher gelehrter Leut erzogen / vnd herkommen sein.
Ukena, St. Jörg
991
(
oschwäb.
/
tir.
,
1486
/
n. 1520
):
Minnecliches pild du schönes bar | Von Capadocia bin ich komen har.
Karnein, Salm. u. Morolf
58, 6
;
Opitz. Poeterey
14, 33
.
3.
von Personen: ›abstammen, gebürtig sein (von)‹; seltener von Sachen: ›entstammen, aus js. Erbe stammen, sich herleiten lassen‹; Ütr. zu 2.
Bedeutungsverwandte:
(s. v. ); vgl.  1,  9;  5,  6.
Syntagmen:
j. von jm. h., etw. aus / bei / von etw. h.
;
eine wol herkommene person
.

Belegblock:

Böhme, Morg.R.
152, 21
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
auß demselben corpus der 7. geister Gottes seind alle dinge gemacht und herkommen / alle engel / alle teuffel / der himmel / die erde / die sternen / die elementa, die menschen [...] und alles was da ist.
Heidegger. Mythoscopia
17, 19
(
Zürich
1698
):
Verdier [...] meinet / das Wort ROMAN komme durch Buchstabwexel her von den NORMAnnen / in deren Sprach die ROMANS zuerst verfast seyen.
Chron. Augsb.
7, 126, 2
(
schwäb.
, zu
1548
):
ein wol herkomene person von der erberkait verhuͤt sich vor unloblicher that.
Rot
337
(
Augsb.
1571
):
Pedel, Ein Pfaffen scherg / wie man sie bey den Consistorijs, hat. Last sich ansehen / das es vom wort pes herkomme. Ein fuͦßknecht oder pot / der zu fuͤssen laufft. Oder aber es hat seinen vrsprung von dem Griechischen wort pedeo, ich bind / leg gefangen / Es mag auch wol etwas gemeinschafft haben mit dem wort Pitel.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
179, 19
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Nun hetten die Weispriacher, herr Andre und herr Ulrich, herrn Sigmunden sun, ainen turn im Lonnga zu Weispriach, davon sy all purtig sein und herkomen.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
89, 18
(
Venedig
1483
):
ob halt die fraw als vil kind gepere als von adam her kumen sein der iglichs als haͤilig wer als sant Johannes baptista.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
77, 15
(
mslow. inseldt.
,
1604
):
Wegen der ackerfelder, śo von herrn Andre Treutler herkommen iśt es gleichfals vergliechen worden. .
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
18, 38
;
Chron. Augsb.
7, 286, 16
;
Moscouia
D 4v, 35
.
Vgl. ferner s. v.  4, ,  1,  3.
4.
›von etw. herrühren, den Ursprung haben, verursacht sein; aus etw. entspringen, sich entwickeln‹; Ütr. zu 2.
Syntagmen:
etw. von der sünde / dem eifer / engel / ernst, von got, aus falschem mund h.
;
etw. wie aus einem quelbrunnen h
.
Wortbildungen
herkommung
1 (dazu bdv.:  3).

Belegblock:

Schöpper
3a
(
Dortm.
1550
):
Oriri. Herkommen entspringen erwachßen entstehen entspriessen erwurtzlen herfliessen sich erspinnen.
Rosenthal. Bedencken
38, 5
(
Köln
1653
):
Ob sie schon auch bekennen / daß die hefftige neigung zur Suͤnd auch bißweilen den nahmen der Suͤnd hat / bevorab weil auch diese neigung von der Suͤnd herkompt.
Perez, Dietzin
1, 405, 14
(
Frankf.
1626
):
Ja daß die Schoͤnheit von Gott herkom̄e.
Böhme, Morg.R.
144, 12
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
die offenbahrung des greulichen falles des Teuffels / davon das Boͤse herkompt.
Memminger Chron. Beschr.
32, 31
(
Ulm
1660
):
den Frawenbildern zu allerley Mutter⸗Anligen / so von Schwaͤchin vnd Kaͤlte der Mutter herkommen.
Turmair
1, 46, 10
(
Ingolst.
1519
):
die erpauung und herkummung unser stat Otingen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
6793
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 142, 1
;
Chron. Strassb.
116, 2
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 42, 84
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
52
.
5.
vor allem von Bräuchen und gewohnheitsrechtlichen Sachverhalten, meist im Partizip Präteritum: ›überliefert, gewohnt und damit als (rechts-)gültig betrachtet‹;
vgl. (Adv.) 89.
Rechtstexte.
Phraseme:
von alter herkommen
.
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  1).
Wortbildungen:
herkomlich
,
herkommenheit
,
herkommung
2.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
45a, 35
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
dicheiner hande recht noch lenrecht noch keyn recht ortel stet hir gescreuͦen, wan alse se van romescher art vnde van Karles rechte her komen sint.
Köbler, Ref. Franckenfort
96, 5
(
Mainz
1509
):
Jtem setzen / ordenen / vnnd woͤllen die Schoͤffen des Reichs gericht alhiezu Franckenfurt / damit nyemant vber gewonlich belonunge / so von alter her kōmen / vnd gewonheit gewest ist / vbernōmen / sunder gehalten werden sol.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
92, 31
(
nobd.
,
1579
):
Wir erkennen und sprechen zu recht, das ein ieder abt zu St. Steffan und sein gewalt haben gantz gut recht, und ist also von alter herkommen.
Rennefahrt, Statut. Saanen
42, 34
(
halem.
,
1429
):
das dem benempten [...] herren dehein schad oder kumber an andren sinen gewonheitten, rechttungen oder harkomenheitten hie von zuͦgezogen werde.
Ders., Wirtsch. Bern
457, 22
(
halem.
,
1438
):
Der selb schulthes sol ouch inen sweren zuͦ gott und den heilligen, truͥw und waͧrheit zeleisten, geweͣrtig, gehorsam und hilfflich zesinde, dartzuͦ si recht habent und mit guͦter alter harkomenheit harkommen ist.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 33, 21
(
schwäb.
,
1525
):
Es ist auch von alter herkommen, das der anger und das ried zu Sanct Johanns tag leer sollen sein.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
237, 38
(
nobd.
,
1405
):
genediger kunicklicher furste, wir lassen eur genade wissen, das uns fürkommen ist, wie daz die von Swobach einen neuen ungewohnlichen zole zu Swobach einnemen, der von alter nicht herkomen wer.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
34, 24
(
smoobd.
,
1625
):
mögen si [richter und ambtman] [...] ainen anclagen nach herkombung der landsrecht.
Köbler, a. a. O.
90, 7
;
Dinklage, a. a. O.
117, 4
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 157, 21
;
3, 220, 7
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
151, 5
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
188, 17
;
Schweiz. Id.
3, 281
.
Vgl. ferner s. v.  15,  10.
6.
›hereinbrechen, anbrechen, heraufziehen, entstehen‹; meist von Naturerscheinungen gesagt; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  1,  3.

Belegblock:

Sappler, H. Kaufringer
14, 146
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Nun hett sich der sunnen schein | verborgen und genaiget ser. | die nacht was nun komen her.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
30, 19
(
Venedig
1483
):
in diser weise belaͤib sy von metten biß das die morgen roͤte her kam.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 90, 16
.
7.
›sich ereignen, geschehen‹; anschließbar an 6.

Belegblock:

Luther, WA
32, 284, 4
(
1530
):
Da mus yhm hause her komen, ut sit servus dominus, qui deum lestern und schenden.
8.
›übereinkommen, eine rechtliche Regelung treffen‹; anschließbar an 5.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  11.

Belegblock:

Edlib. Chron.
22, 12
(
ohalem.
,
um 1500
):
dar wider redend die yetz benempten von zürich dz sy nach jr frigheitten sag jnnen von keyssren und küngen geben vnd also harkomen sigend, dz sy wol möchtind in jr stat ordnungen und satzungen machen nach jr stat noturft.