her|dan,
Adv.
1.
Lokaladv. zum Ausdruck der Bewegungsrichtung einer Person / eines Gegenstandes von einem Ort weg: ›weg, hinweg, fort‹; einmal ütr. auf den Prozeß der Bibelauslegung.
Gehäuft schwäb. u. oobd.
Phraseme:
jn. / etw. herdan setzen
›jn./etw. aussondern, von einer Verbindlichkeit befreien‹;
jn. herdan kaufen
›jn. los- oder freikaufen‹;
sich herdan nemen
›(aus einem Amt) zurücktreten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 10, (Adv.) 1, , ,  1,  1, (Adv.).
Syntagmen:
von der stat h. ziehen, von dem her h. sprengen, h. weichen
;
etw. h. walzen / tun, etw. h. von dem haus pflastern, jn. h. ziehen
.

Belegblock:

Mollwo, Rotes Buch Ulm
110, 32
(
schwäb.
,
1384
):
Wir haben ouch dem amman ampt ze Ulm aͤlliu siniu recht behalten und ussgenommen und herdan gesetzt.
Sappler, H. Kaufringer
14, 599
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
den edlen küng si umbeslos | und zuckt in von dem pett herdan.
Chron. Augsb.
2, 17, 24
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also zugen sie herdan baß von der stat.
Ebd.
4, 339, 1
(
v. 1536
):
und haben sein schwester herdann kaufft und sein verlausne hab und barschafft zuͦ Fridberg bei dem hertzog ledig gemacht.
Ebd.
6, 74, 13
(zu
1537
):
Also hat sich Ulrich Rechlinger, der alt, kranckhait halben seins leibs herdann genumen; er ist im rath gewesen 34 jar.
Bäumker, Geistl. Liederb.
77, 6, 2
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Drey frawen kummen zw dem grab | [...]. | Sye retten zw einander schan: | ,wer walczt vns disen stain herdan?‘
Reithmeier, B. v. Chiemsee
14, 3
(
München
1528
):
Mit solher auslegung hat Christus die schrift erfült nichts hinzuogesetzt noch herdan gethan.
Chron. Augsb.
2, 146, 16
;
Klein, Oswald
92, 24
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
298, 2
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 425, 15
;
Schwäb. Wb.
3, 1461
.
2.
Lokaladv. zum Ausdruck der Bewegungsrichtung einer Person / eines Gegenstandes von einem Ort zum Sprecherstandpunkt oder zu einem anderen bezeichneten Ort hin: ›herbei, heran, herzu; hierher; zu diesem Ort‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, (Adv.) 1,  1,  1,  1,  1,  1, .

Belegblock:

Fischer, Eunuchus d. Terenz
30, 8
(
Ulm
1486
):
es sind viel sachen darumb ich sie [phedria] beger herdan zebringen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
156, 9
(
m/soobd.
,
1570
):
wan sich ainer van ainer gmain herdan solt friden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
150, 30
(
smoobd.
,
1694
):
waß er mit ainer zaunhacken vom zaun herdan gegen der frei erlangen mag, das hat er abzeschlagen.
Chron. baier. Städte. München,
489, 24
;
Öst. Wb.
4, 554
.
3.
Lokaladv. zum Ausdruck der Situierung von etw. (im Beleg von einem Tier) von einer Bezugsgröße entfernt: ›von diesem Ort entfernt / weg‹.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
180, 21
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn nu die tauben auf dem paum sitzent, sô sitzt der trach verr her dan und lâgt, ob kain taub auz dem paum vlieg, daz er sie vâh.
4.
Temporaladv.: ›fortan, anschließend, nachher‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  1,  1.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Rotenb.
349, 34
(
nobd.
,
n. 1525
):
das man dem profosen hundert guldin fur sein interesse fur clöster [...] geben, und er damit herdan vergnugt und gelitt sein sollt.
Sappler, H. Kaufringer
25, 64
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ob sich die sucht so schicket an, | das sie swirt und prist herdan, | so ist die sel zestunt genesen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 363, 15
.