helfer,
der
;
-s/-Ø
, sehr selten
-e
.
1.
›Beistand, Gehilfe; j., der einem anderen bei einer Tätigkeit konkret hilft oder ihn moralisch (mit Rat oder Trost) unterstützt‹;
vgl.  123.
Bedeutungsverwandte:
,  3; vgl. , , , ,
1
 3, , , (
der
).
Syntagmen:
einen h. haben
;
j. js. h. sein
;
jn. zum h. haben
;
der getreue / getreueste h
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Wer einen grossen Christoffel zum Helffer hat / der kan truckenes Fuß vbers Meer gehen.
Strauch, Par. anime int.
21, 16
(
thür.
,
14. Jh.
):
wer sich nu unmechtic dunke groze werc zu tune, der irmanne von gotlicher craft, der alle dinc formac und der unse getrùiste helfere ist.
Schmidt, Rud. v. Biberach
171, 1
(
whalem.
,
1345
/
60
):
want wir sin gottes helfer, want daz werk wuͥrkt got allein.
Leisi, Thurg. UB
8, 604, 12
(
Langenerchingen
,
um 1387
):
Wenn ouch der käller, und die im hälffent, mit dem zins uff die straß kumpt, wirt denn der zins dem käller und sinen hälffern genommen von der herren wägen, so sond sy der zins uff das selb jar ledig sin.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1371
):
Wir gehaizzen auch fuͤr uns, unser suͤn und fuͤr all unser erben den vorgenanten unsern burgern und allen den, die ir helfer darinn sind, bei unsern trewen und genaden, daz wir ir genaediger herr [...] in den sachen sein suͤllen.
Buijssen, Dur. Rat.
21, 19
(
moobd.
,
1384
):
darumbe hab wıͤr die engel hie helfer im pet, dıͤ wıͤr in der chlarhait haben werden gesellen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
58, 15
(
tir.
,
1464
):
was helffers vnd ratgebers hastu verloren, tu liebster vater Damasÿ.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. ;
Froning, Alsf. Passionssp.
4513
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
33, 4
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
von Gott: ›Retter (in der Not), Erretter; Heiland, Erlöser‹;
vgl.  5.
Gehäuft md. und nobd.
Bedeutungsverwandte:
 2, , , ; vgl.  3,  3,  1,  2.
Syntagmen:
einen h. haben
;
der h. sein
;
des helfers vergessen
;
h. in allen dingen, in aller not
;
der getreue / rechte h
.

Belegblock:

Luther, WA (
Wittenberg
1449
):
jauchtze du tochter Jerusalem. Sihe, dein Koͤnig koͤmpt zu dir, ein Gerechter vnd ein Helffer.
Dubizmay, kurß zu Teutze
27, 11
(
hess.
,
1463
):
Ich gedachte dein in meynnem bette ich gedeinck deÿn frü wen du wirst meÿn helffer.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
18, 33
(
Frankf./M.
1563
):
denn hilff in den Creaturen suchen anders denn Gott verordnet hat / und des rechten helffers vergessen / was ist das anders denn Abgoͤtterey?
Reichmann, Dietrich. Schrr.
174, 17
(
Nürnb.
1548
):
So wissen wir doch / das wir einen Heyland / oder Helffer haben den Gott selb vnns bereytet hat.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Am heiligen Weyhnachttage, | Erschien vns Mensch vnd Gott, | Jesus vnser Heyland, | Hellffer in aller Noht.
Dubizmay, a. a. O.
12, 11
;
Eggers, Psalter
14, 23
;
40, 12
;
61, 4
;
Kehrein, a. a. O. ;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
9b, 10
;
Gille u. a., M. Beheim
15, 25
;
Niewöhner, Teichner
435, 23
;
Bauer, Imitatio Haller
44, 3
.
3.
›Anhänger, Gefolgsmann, Verbündeter, Bundesgenosse‹; meist im Pl.; anschließbar an 1.
Rechtstexte und Chroniken.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
js. h. wieder jm. sein
;
h. des abtes / fürsten, der bischof / könig und seine h
.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
der edil Rupracht grebe zu Nassauwe, [...], helfer des hochgeborn fursten lantgreben Henriches von Hessen wider di vurgenanten geselschaft von dem sterne.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
Rudolphus hingegen / hatte seinen Auftritt zu Seckingen / von dar aus er dem Bischoff / und seinen Helffern [...] ins Land fiele.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1375
):
darnach sol und mag der selbe grave Hartman und seine erben vriies urloͧb haben [...] mit iren helfferen, fruͥnden und gesellen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Nun ist es die gemain red, das die stat durch solchs ubergeben sey worden nach vil geleichnus dem kunig von Naplas und seinen helffern.
Rennefahrt, a. a. O. ;
Grossmann, a. a. O. ; ;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Vgl. ferner s. v.  8,  2.
4.
›Beihelfer, Komplize, Mittäter‹; Pejorisierung zu 1.
Gehäuft Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .
Syntagmen:
helfer zu etw. haben
;
j.
(Subj.)
h. sein
.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
185, 26
(
thür.
,
1474
):
daruß danne vorwundunge des eynen partis unde syner helffer unde mort des schultheyßen irgangen ist.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 7, 12
([
Erfurt
]
1525
):
Auch lißt man. 2. Samu. 20. das Seba ein auffrur macht wid‘ den Dauid. Er muß freylich helffer darzu gehabt haben.
Skála, Egerer Urgichtenb.
45, 17
(
nwböhm.
,
1563
):
er [...] hab keine helffer gehapt, hab sein weib von dißer Dieberej auch nichts gesagt.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
wo aber vnser vnd der vnsern offen veynde vnd beschediger oder derselben helffer gefencklich einkommen.
Ermisch, Freib. Stadtr. ;
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
131, 15
;
Klein, Oswald
102, 119
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
61, 8
.
Vgl. ferner s. v.  1,  15.
5.
›Diakon, Vikar, Kaplan; Hilfsgeistlicher, Hilfsprediger‹; die jeweils genaue Funktion ist aus den meisten Belegen nicht eindeutig rekonstruierbar; Spezialisierung zu 1.
Gehäuft alem. und schwäb.
Bedeutungsverwandte
(bzw. im Orientierungsfeld): , , , ,  2,  2.
Syntagmen:
den h. vor einen rat fordern
;
der h.
(Subj.)
predigen, sacramente ministrieren, psalmen singen, die messe lesen, das fronamt versehen
;
der priester
(Subj.)
seinem h. etw. geben
.
Wortbildungen:
helferpfaffe
.

Belegblock:

Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1527
):
das ein ieder pfarrer und helfer nit weniger den andere caplön die presenz zu verdienen schuldig sein.
Enders, Eberlin (
Basel
1521
):
biß zu letzt auch die nebenpfaffen oder caplan nicht mer hilflich sendt den pfarren, sie miessen helferpfaffen darzu bedingen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1587
):
der haͤlferen ordnung. [...] Erstlich, das sy dermassen studierend und sich zuͦ predigen rüstend, das so sy unversehenlich von einem capitels bruͦder beruͤfft wurden, sy gefasset syend und die kilchen versehen koͤndend.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
um 1503
):
so man am morgen allhie in der pfarr oder auf dem berg vigilien hat, sollen die helfer den letsten psalmen und das benedictus helfen singen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
An sant Jacobs abent ist herr Bernhart von Amersee, helfer zuͦ dem thuͦm hie, in ainem chorock zuͦ morgens frie aus dem pfarhoff gangen und hat wellen die ersten meß lesen.
Ebd. (zu
1548
):
und wurden alle predicanten sambt iren helfern fur ain rat gefordert.
Ebd. (zu
1561
):
Am sontag adj. 7. september hat der prediger und sein helfer zum Kreitz angefangen, zu s. Georgen nach mittag [...] zepredigen.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 7, 7
;
Rennefahrt, a. a. O. ;
Leisi, Thurg. UB
7, 494, 6
;
702, 34
;
Bad. Wb.
2, 612
.
6.
›Beschützer, Schutzherr‹; anschließbar an 1.

Belegblock:

Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Tha. Heb den mantel auff. Ich bin tod, der bedoͤrfft selb wol helffer den ich mir zeschirmer mache.
7.
vor Gericht: ›Gewährsmann, Eideshelfer‹; der Eideshelfer bekräftigte die Glaubwürdigkeit und den guten Ruf der an einem Prozess beteiligten Parteien (im Unterschied zum Zeugen, der Angaben zur Sache machen kann);
vgl. am ehesten  4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
2,  1.

Belegblock:

Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
Nun pitt ich ein recht zu sprechen, seintmal das die suneleute landesherren sein von Eylenburg und ich ir nicht vermag zu helfern oder zu gezeugen [gehaben] als ander leut mein ebenbürtige.
Müller, Stadtr. Ravensb.
114, 32
(
oschwäb.
,
1351
/
52
):
zuͥht man ouch duͥ stuͥck uf gein den helfern und gein den gezuͥgen, die dem claeger den schadelichen man weͥnt helfen uͥbersagen.
8.
›Mitbürge für eine Schuld‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
),  1, (
der
1.

Belegblock:

Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1555
):
welcher fur ein zins, was whar das ist, ingeschrieben wurd und helfer hat, derselbig soll den zins sammenthaft erstatten, genug tun und bezalen und bei seinen helfern insamlen; so aber der oder die helfer ungehörsam erschienen, soll er sich am gut erholen.
9.
›Hilfstrupp im Krieg‹; Spezialisierung zu 1.

Belegblock:

Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Frembd nation haben si
[die Römer]
nur zum verlornen haufen braucht, haben nit besunder drauf gehoft, haissens ,helfer‘ oder ,die hilf‘.
Drei legion, ailf fänlein, ist alles bei fünfundzwainzig tausent römisch krieger on der helfer volk, ist alweg in Egipten gelegen das land zu beschüzen.
10.
›j., der Hilfsarbeiten verrichtet (besonders im Bereich des Handwerks), Gehilfe eines Handwerkers‹; daneben speziell auch: ›Gerichtshelfer‹; Spezialisierung zu 1.

Belegblock:

Lippert, UB Lübben
2, 121b, 17
(
osächs.
,
1437
):
Jacob Hilencze, seyme helffer 6 g. uf seyne erbeid daselbist.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
150, 40
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Der müller noch sein bestalt gesinde sollen auch in der muhlen nicht aufkehren, es haben dann zuvorn die scheider und helfere den becken und mahlgesten das ihre zusammengekehret, eingesackt und vorwahret.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
Deßgleichen waren do die krämer, kauffleuth und aller sort jhr helffer.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1465
):
Wenn ouch [...] vnnser schulthes, sin botten vnd helffere, deheinen vnnsers rats, heimlicherm vennr, burger oder ander, so zuͦ vnnser statt gehoͤrent, anruͤffend vnd manende sind vmb hillff.
Lippert, a. a. O.
155b
, 13;
Ermisch u. a., a. a. O.
152, 37
;
Vgl. ferner s. v. .
11.
›Untergebener, Diener‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, ,  1, .

Belegblock:

Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs.
1325
):
hat der wirt unde sine helfere unde sin gesinde albetalle nicht den ein einige kampere wunde.
UB ob der Enns (
moobd.
,
1379
):
Bekennen vnd tun kunt offenlich mit disem brief, vmb die stoͤzz vnd misshell, die zwischen dem edeln Herren graf Hainrichen von Schawnberg, vnd vns vnd aller vnser helffer vnd diener an geuerd vncz auf disen heutigen tag gewesen sind.