heiligkeit,
die
;
-Ø/-Ø
(Pl. nur in 7).
1.
mit Bezug auf Gott in seinen drei Naturen und auf seine Eigenschaften: ›Göttlichkeit, göttliches Wesen; das übernatürliche, überirdische Sein‹;
zu  1.
Texte religiösen (auch didaktischen) Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  1,  4,  4.
Syntagmen:
die h. preisen
;
die h.
(Subj.)
jn. lieben
;
der h. neigen, das [...]
;
die ewige / ganze / himlische / unendliche / volkommene / wesentliche h
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Ps.
30, 5
(
Wittenb.
1545
):
JR Heiligen lobsinget dem HERRN / Dancket vnd preiset seine Heiligkeit.
Quint, Eckharts Pred.
1, 298, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Alliu heilicheit ist von dem heiligen geiste.
Rosenthal. Bedencken
34, 34
(
Köln
1653
):
du bist O Gott / die wesentliche vnendliche Heyligkeit.
Eggers, Psalter
40, 21
(
thür.
,
1378
):
Her sende dir hulfe von siner heylikeit, her bescherme dich von Syon.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 22, 9
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
so liebet uns die heilekeit, dann alle tugenden ie quamen.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 2041 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Daz aber ich mich iht prenne | an dem, daz ich niht pekenne, | wil ich der heilikait neigen | und wil der red geswigen.
Bihlmeyer, Seuse
487, 6
(
alem.
,
14. Jh.
):
Uwer munt si ein vas der reinikeit, mit gotte und von gotte reden, und alle uwer wandelunge ein bilde himelscher heilikeit.
Koller, Ref. Siegmunds
92, 5
;
Jostes, Eckhart
12, 31
;
Quint, a. a. O.
1, 414, 3
;
Adrian, Saelden Hort
1223
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
249, 31
.
Vgl. ferner s. v. ,  9.
2.
mit Bezug vor allem auf Maria, die Propheten des AT, die Apostel des NT und die Eremiten und Märtyrer der alten und mittelalterlichen Kirche: ›göttliche Erwähltheit, Besitz einer besonderen Gnade / Nähe Gottes‹;
vgl.  2,  12.
Gehäuft theologische und didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
js. (der heiligen) h. empfangen
;
j
. (Subj.)
seiner h. geniessen
;
in der h. bestehen
;
die h. Francisci
;
der heiligen / väter h.
;
die grosse / ungefärbte / vorneme h
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 275, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wilt dû mit sant Augustinus bestân und in aller heiligen heilicheit, sô sol dîn herze beslozzen sîn vor aller geschaffenheit.
Alberus, Barf.
107, 16
(
Wittenb.
,
1542
):
Etliche aber weineten fur andacht / Als sie sahen Francisci Heiligkeit / der zuuor ein boͤser Bube gewest war.
Dubizmay, kurß zu Teutze
49, 9
(
hess.
,
1463
):
Dye teglich gezeugkniß here got alle deyne heyligen erfreÿ vns vnd das wir ir heyligkeytt vnd ir hilffe einphahen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 391, 11
(
Bautzen
1567
):
Maria suͤß, [...] | Das macht dein heiligkeite.
Pyritz, Minneburg
2644
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Doch wiße daz der heilig | Elyas, der prophete gros, | Siner heilikeit genos, | Daz er zeichent hie uff erden.
Franck, Klagbr.
226, 2
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
Sihe dieser heyligen leut fuͤrscheinende inbruͤnstige lieb / Sihe ir vngeferbte heyligkeyt / ir Christenlich vnangestrichen gehorsam [...]. Sind es nit eerwirdig veter / billich von deiner Mai. zuachten?
Helm, H. v. Hesler. Apok.
11587
;
Bihlmeyer, Seuse
120, 10
;
Päpke, Marienl. Wernher
1262
;
2438
.
Vgl. ferner s. v. , (V.) 1.
3.
›Zustand der Gottgeweihtheit oder des speziellen Gottesbezugs einer Sache‹; speziell auch: ›heilige Stätte, geweihter Ort; das Allerheiligste in einem Tempel / einer Kirche‹; auch mit Bezug auf abergläubische oder heidnische Kultpraktiken;
zu  7.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
64, 28
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
si [...] sprechin das sy nicht mogin werdin obir wundin von den vyndin noch gewunt von der heylikeit des ryndis.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
308, 23
(
els.
,
1362
):
Dissem [sant Jocob] was alleine erlǒbet vnder den andern zwoͤlfbotten das er ginge in der heiligen heilickeit des tempels.
Rieder, St. Georg. Pred.
8, 1
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Von der hailikait und bezaichnung der messe.
Päpke, Marienl. Wernher
11292
(
halem.
,
v. 1382
):
Das tempel tuͦch rais und brach, | Das man die inre hailikait sach.
Morrall, Mandev. Reiseb.
53, 18
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
von ainem nagel [die gott durch hend und fuͤß wurden geschlagen] do hies der kúng Constantin [...] ain gebiß an ainen zom machen, den er in dem stryt fuͦrtt. Und von der hailigkait des zomes úber wand er all sin find.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 5, 2
;
Buijssen, Dur. Rat.
7, 6
;
Klein, Oswald
39, 69
.
4.
als Bezeichnung und Anrede für den Papst als Stellvertreter Gottes auf Erden.

Belegblock:

Lemmer, Schernb. Frau Jutte
481
(
Eisleben
1565
):
Heiliger Vater [...] da sind komen fuͤr ewern Pallast | Zweene gelerte tugentliche Man / | [...] | Die begern von ewer Heiligkeit / | Das jhr [...] sie wollet on alles schemen | Zu zweien Dienern auffnemen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
216, 36
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
da er fur den babst [...] kham, do sprach er [...]: „Heiliger vater, babst, was will Ewr Heilikhait tun?“
Haszler, Kiechels Reisen
318, 18
;
Eschenloher. Medicus
9, 19
.
Vgl. ferner s. v.  1.
5.
›Vergebung der Sünden; Erlösung, Errettung; Zustand der Gottseligkeit, Gottebenbildlichkeit‹;
zu  4.
Syntagmen:
die h.
(Subj.)
an etw. liegen
;
in die h. eingehen
;
die volle / volkommene h.
;
die h. des gemütes / lebens / leibes
;
die volkommenheit, der grund / weg der h
.

Belegblock:

Schöpper 9b (
Dortm.
1550
):
Pietas. Gottseligkeit gottdienstigkeit gottfoͤrchtigkeit heyligkeit.
Quint, Eckharts Pred.
2, 596, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Sant Dionysius sprichet, „daz heilicheit ist ganziu lûterkeit, vrîheit und volkomenheit.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
260, 31
(
Nürnb.
1548
):
Solchen vnterschied wil Dauid auffhebē / auf das wir nicht die heiligkeit setzen in eigene frombkeit.
Rieder, St. Georg. Pred.
148, 13
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
da von moht si [Maria] wol sprechen daz si wonet in der hailikait des hailigen lebens.
Ebd.
200, 8
:
,Gottes wille ist úwer hailikait‘, spricht sant Paulus.
Ruh, Bonaventura
337, 27
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Zem sechsten inbrünst in begierd marter vmb vier ding: vmb volkomne rainigung, vmb volkümnen ablas, vmb volkümnen puͦß, vmb volkumne hailigkait.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 236, 5
(
oobd.
1482
):
So wir vleissigs aufsehens haben sollen auff alle die vns aus gottlicher fursichtigkeit beuolhen sind, sy von sunden zu keren vnd zu dem wege der heyligkeyt zu laitten.
Bauer, Imitatio Haller
63, 27
(
tir.
,
1466
):
die volkchömenhait der heilikchait ist an dem kchreücz, das hail der sëlen vnd die hoffnung des ewigen lebens das ist an dem kchreücz.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
4020
;
Quint, a. a. O.
2, 268, 24
;
Gille u. a., M. Beheim
123, 90
;
Rieder, a. a. O.
225, 8
;
Warnock, Pred. Paulis
27, 225
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1593, 24
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
168, 23
;
Höver, Bonaventura. Itin. B,
144
.
Vgl. ferner s. v.  1.
6.
›Frömmigkeit; ein den göttlichen Geboten gemäßes Leben‹; mit Bezug auf eine Haltung, die besonders den eigenen Leistungen und Werken, also äußerlichen Werten, vertraut, häufig negativ konnotiert: ›falsche Frömmigkeit, Scheinheiligkeit‹;
zu  5.
Syntagmen:
die h. anzeigen
;
in der h. daher gehen
;
die h. des lebens / ordens, die eitle / falsche / gleisnerische / grosse / weibische h.
;
der schein, die werke der h
.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 2, 21, 2
(
1522
):
Auch sihestu hie, das .S. Paulus nit leret die tolle andacht ettlicher weybischer heylickeytt.
Ebd.
21, 254, 4
(
1544
):
er [Christus] schrecket und verdamnet die am aller meisten, die daher gehen in jrer eigen heiligkeit, lassen sich nicht duͤncken, das sie Suͤnder seien noch der Busse bedurffen.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 61
[c], 14 (
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
):
Die ere ist aller tugent ursprinc, | der heilikeit ein ummerinc.
Franck, Klagbr.
226, 41
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
So glaubt es / es sey etwas goͤtlichs darunter vnd eitel heiligkeit / wirt also mit den eusserlichen laruen betrogen.
Vetter, Pred. Taulers
233, 9
(
els.
,
1359
):
min lieben zarten kinder, ich enheischen von úch kein grosse volkomenheit noch heilikeit, denne das ir minne habent zuͦ úwerem heiligen orden.
Ebd.
42, 2
(
E. 14. Jh.
):
Vor diser phariseilichen wisen huͤte sich iegliches in sime grunde, obe sich ein valsche heilikeit do verborgen habe, die ende habe oder ursprung danne als uz Gotte geborn ist.
Schmidt, Rud. v. Biberach
177, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Als wir vor bekoren vnd versuͦchen die ewigen selikeit in disem lebenne mit heilikeit des lebens.
A. à S. Clara. Glori
42, 33
(
Wien
1680
):
ein Paradeis⸗Mensch / ein unschuldiger / ein H. Soldat / der wie ein Sonn mit unzahlbaren Strahlen der Tugenden und Heiligkeit glantzte.
Luther, WA
10, 1, 2, 307, 18
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
2224
;
Schönbach, Adt. Pred.
5, 3
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 2135;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
167
;
Stackmann u. a., a. a. O.
1, 8, 26
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 2313
;
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 841;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
25, 29
.
7.
›Sakrament, heilige Handlung‹; auch auf ein einzelnes Sakrament (vor allem Taufe, Abendmahl und Hl. Ölung) bezogen;
zu  3.
Beinahe ausschließlich obd.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2,  4.
Syntagmen:
die h. empfangen / wirken, jm. die h. geben
;
die h.
(Subj.)
bei jm. sein, gesant werden
;
die sieben heiligkeit
;
das werk der h
.

Belegblock:

Adrian, Saelden Hort
1667
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
nach tot der blind Longinus stach | dur siten insin hertz und sach | dar us fliessen wasser und bluͦt. | der fluss sit iemer hailig tuͦt | us die siben hailikait uber all die cristenhait.
Chron. Augsb.
5, 221, 11
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
Die sacrament und hailigkait soll nit mer verkaft, sonder ainem jeden cristen menschen umb gotz willen geben werden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
336, 20
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dar umb prinnent die pœsen christen vast in der hell, die daz hailig öl und die andern hailichait unwirdicleich enpfangen habent.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 68
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
dein segen bringet haimlich dar | die siben heilikhait so gar.
Buijssen, Dur. Rat.
25, 19
(
moobd.
,
1384
):
darumb di heilichait, daz ist daz oblat, haizzet mess sam widergesant, wenn von erst wıͤrt uns gesant dıͤ heilichait von got dem vater also daz die heilichait sey pey uns.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
15, 15
(
moobd.
,
1393
):
Des andern mals nemen wir dÿ peicht für ain werich der heilichait.
Drescher, Hartlieb. Caes.
237, 23
(
moobd.
,
1456
/
67
):
zu der zeitt do dieselb fraw Hildegund [...] sich zu dem tod gebarn wold mit der heylikait.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
613
;
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 11, 3
;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
728
;
Chron. Augsb.
2, 137, 71
;
Pfeiffer, a. a. O.
218, 10
;
380, 23
;
Niewöhner, Teichner
440, 254
;
691, 11
;
Drescher, a. a. O.
213, 16
.
8.
›Reliquie‹;
vgl.  7,  7.

Belegblock:

Jaksche, Gundacker
4871
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
ez chom mir ceunhaile | ob ich verchauft die hailichait, | so pruͤft ich mir selber leit.
9.
›durch Gott bewirktes Wunder‹.

Belegblock:

Gierach, Märterb.
23208
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
indem land dis heilichait | wart vonn Martino auch gesait.
10.
›Gnade (Gottes oder des Papstes)‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat. o ijr (
Nürnb.
1482
):
Heiligkeit. carisma oder gnade.
Dierauer, Chron. Zürich
232, 9
(
halem.
,
15. Jh.
):
do nam er den burgermeister von Zúrich bi siner hant und fuͦrt in und sin gesellen fúr den bapst und empfalch si im in sin helikeit.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1946
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
105, 876
.