heidenisch,
heidnisch,
(seltener)
heidisch,
heidenlich,
Adj.
1.
›nicht-, vor-, unchristlich; ungläubig (von Personen); dem Heidentum angehörend‹; vorrangig bezogen auf Vertreter der antiken Philosophie oder auf Personen und Völker im AT (im Gegensatz zu den Juden) und im NT (im Gegensatz zu Juden und Christen) und ihre Sitten und Gebräuche; gelegentlich mit Bezug auf die Vergangenheit der (mittel-)europäischen Völker; meist nicht wertend, sondern nur sachlich feststellend; selten mit negativer Konnotation, dann: ›roh, ungezügelt, grob‹; zu (
der
).
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2,  4.
Syntagmen:
h. leben / sein
;
der heidenische geschichtschreiber / got / könig
(häufig)
/ ludersak / meister
(sehr häufig)
/ pfennig / poet, die heidenische chronik / gewonheit / mummerei / sache / schule / sitte / weise, das heidenische bild / buch / fasnachtfeuer / volk / orakel / weib(lein), die heidenischen leute
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
364, 14
(
Lübeck
1639
):
Das gantze Volck Jsrael hat nicht koͤnnen verstehen / was jhnen gut / nuͤtzlich oder nachtheilig vnd verderblich sey / als sie nach der Heydnischen Voͤlcker weiß durch einen Koͤnig wolten regiert seyn.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 664, 32
(
preuß.
,
1445
):
die Preusen, das die abelegen heydensche weise als an clederen, heiligunge des fyhes und des byers.
Quint, Eckharts Trakt.
60, 25
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ein heidenischer meister, Senecâ, sprichet: man sol von grôzen und von hôhen dingen mit grôzen und mit hôhen sinnen sprechen.
Karnein, Salm. u. Morolf
23, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
sechtzehen heidenische kunige | die warent dem heiden untertan.
Strauch, Par. anime int.
30, 31
(
thür.
,
14. Jh.
):
di hedenischin und di krischin meistere wollin daz lipliche dinc alleine habin stait und nicht geistliche.
Göz. Leichabd.
186, 8
( 
Jena
1664
):
ALs vor Zeiten ein Heidnisches Oraculum befraget wurde.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh.
12, 20
(
osächs.
,
1343
):
dâ wâren suͦmelîche heidenische lûte ûz en di da ûf gegangen wâren, ûf daz si bettin in dem hôchzîttage.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
1, 1
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Hie hebit sich an dy heydenische cronike von der manchvalt des begenknissis und sitin unde wyse vil provincien.
Dietrich. Summaria
23v
, 17 (
Nürnb.
1578
):
Jst ein schoͤn exempel eines treffenlichen festen glaubens / daß das Heidnisch Weiblein das vertrawen vnd die zuuersicht jr nit wil nemen lassen.
Grundmann u. a., A. v. Roes
205, 8
(
alem.
,
15. Jh.
):
dann wenn der kúnig [Karolus] von yn [den Sahßen] was, so kertent sy reht als ein unzamm tyer widder in die heydenische wise.
Rieder, St. Georg. Pred.
319, 20
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
in der alten e do waz daz roͤmsch rich haidensch.
Chron. Strassb.
433, 13
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
Donoch fuͦr Wilhelm, ein heidesch künig von Normandye, in Engelant und vertreip den künig und gewan daz lant.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 146, 2
(
Straßb.
1466
):
Ob das du bist ein iude du lebst heidenlich
[Var. Z-Oa:
heydenisch
]
vnd nit iudischlich.
Päpke, Marienl. Wernher
3282
(
halem.
,
v. 1382
):
Och inden selben jaren | Dri haidensche kúnig waren | InOrient dem landen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
871, 6
(
halem.
,
1628
):
Solches, wie zuglych die heydnischen faßnachtfüwr, faßnachtbutzen, mummeryen und derglychen woͤllen wir hiemit uff ein nüwes verbotten haben.
Wyss, Luz. Ostersp.
10408
(
Luzern
1545
):
Wend ir vier dann sölche wort, | vͤch fürgehallten an disem ortt, | bynn heydischen götten zuͦ hallten schwerren.
Heidegger. Mythoscopia
48, 22
(
Zürich
1698
):
so wir in Heydnischen Sachen etwas passabels finden / verkehren wir es in Christliche Lehren.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
1581
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein silberns becherlin, darauf alte haidnische bilder und tierlein.
Roth, E. v. Wildenberg
10, 3
(
moobd.
,
v. 1493
):
in den zeiten pawͦen die von Trier einen tempel zu Eberscheim nach heidenischen sitten in Martis ern.
Ebd.
86, 20
:
keiser Heinrich [...] gab sein swester [...] dem heidenischen konig Steffan von Hungern und bekert in domit zuͦ cristenlichem gelawͦben.
A. à S. Clara. Glori
4, 21
(
Wien
1680
):
Kaͤyser Heliogabalus dieser Heidnische Luder⸗Sack hat durch gewisse Leut alle Spinnen⸗Geweb der ganzen Stadt Rom zusam̄en suchen lassen.
Schorer, Sprachposaun
3, 4
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
22, 16
;
Quint, a. a. O.
400, 2
;
ders., Eckharts Pred.
1, 149, 3
;
Anderson u. a., Flugschrr.
15, 9, 5
;
Strauch, a. a. O.
96, 19
;
Henschel u. a., Heidin
1091
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
11, 9
;
Gille u. a., M. Beheim
124b
, 386;
Bihlmeyer, Seuse
348, 12
;
Vetter, Pred. Taulers
378, 33
;
Kurrelmeyer, a. a. O.
1, 148, 6
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 387, 17
;
Heidegger. a. a. O.
3, 15
;
Barack, Zim. Chron.
4, 140, 18
;
Bauer, u. a., a. a. O.
1488
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
459
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
60, r
, 39.
Vgl. ferner s. v. ,  7.
2.
im Urteil eines Kritikers anderer Lehrmeinungen: ›vom wahren christlichen Glauben abweichend, einen unchristlichen Lebenswandel führend, ungläubig; weltlich‹; vor allem auf Christen und ihre Handlungen bezogen, stark negativ wertend; gehäuft in Luthers Schriften.
Texte religiösen, auch agitativen Inhalts.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
h. von etw. reden
;
der heidenische wandel, die heidenische ceremonie / furcht / gebärde / lere / pracht / weise, das heidenische affenspiel / ding / geplapper / plappern
.

Belegblock:

Luther, WA
2, 81, 16
(
1519
):
Jhe weniger worth, jhe besser gepet, Jhe meer wort, jhe erger gepet: wenig wort und vil meynung ist Christlich, vill wort und wenig meynung ist heydenisch.
Ebd.
8, 395, 33
(
1521
):
Darumb sihestu, wie unchristlich unnd heydnisch weszen itzt sey der hohen schule unnd geystlichen predigt, lere und leben.
Ebd.
10, 1, 2, 398, 29
(
1526
):
Haydnisch und weltlich ists geredt, nit Christlich, man mag es aber eim solchen manne wol vertzeihen, Es ist auch in hailigenn noch nicht alles volkommen.
Ebd.
36, 481, 33
(
1532
):
sonderlich Juncker Hans vom Adel, ungeschickt, grob und Heidnisch gnug davon reden, wenn sie beginnen klug zu sein und mit jrem kopff jnn die Schrifft geraten.
Ebd.
36, 634, 26
(
1532
):
Solchs koͤnnen jene Heidnische und welt kluge nicht verstehen, Denn sie sehen und dencken nicht weiter denn nach jrem sewischen kopff.
Ebd.
50, 192, 20
(
1537
):
Solche und der gleichen viel stuck sind aus Unverstand und Unwissenheit, beide der sunden und Christi, unsers heilands, komen, rechte heidnische lere, die wir nicht leiden konnen.
Anderson u. a., Flugschrr.
17, 4, 7
([
Wittenb.
]
1523
):
Darumb was solch volck thut vnd furgibt mus man achten als heydenisch vnd weltlich ding.
Rosenthal. Bedencken
34, 9
(
Köln
1653
):
GOTT ist vnendlich guͤtig vnd mildt / vnd gibt nit allein was begehrt wird / sondern auch die Gnad eyfferig vnnd bestaͤndig zu begeren / welche durch das suchen vnnd anklopffen verstanden wird / vnnd nichts zu thun hat mit dem Heydnischen plappern.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 100, 28
(
Worms
1527
):
Da ist unnser leben, auch sunst nichts dann fressen und trinken und aller wollust und mutwill und eyn heydnische weis, wenn wir am allerbesten seind.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 185, 20
(
Arnau
1525
):
weltlich oberkeit sol inen
[den katholischen Bischöfen]
die ere unser lieben frauen, der lieben heiligen und christlich ordnung helfen schützen und bschirmen, so es nichts ist denn nur ir heidischer bracht, geiz und falscher erdichter gewalt und tirannei.
Rosenthal. a. a. O.
21, 27
;
Anderson u. a., a. a. O.
2, 3, 6
;
19, 7, 12
;
19, 15, 30
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
66, 22
.
Vgl. ferner s. v.  1, , ,  2.
3.
als geographische Herkunftsangabe meist: ›orientalisch, arabisch‹; sehr selten auf andere Gegenden und Völker bezogen, z. B.: ›ungarisch, böhmisch; zigeunerisch‹; anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .
Syntagmen:
jm. h. schreiben
wohl ›jm. in arabischer Schrift schreiben‹,
etw. in h. heissen
;
der heidenische kol / kuchen / ochse / rok, die heidenische decke / manier / sitte / sprache, das heidenische abc / kleid / werk / wundkraut(wasser), die heidenischen kaufleute
.
Wortbildungen
heidenischer kol
›Spinat‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Hajek, Guͦte spise 5a (
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Diz heizzent heidenisse kuͦchen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
53, 27, 2
(
schles.
,
1327
):
Welch gast her jn brengit heidenische adir vngerische ochsin.
Keil, Peter v. Ulm
119
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Ein gut wunt-trank. So nym sinaw, sanickel, walt-meister, hirszungen, heydinisch wunt-craut.
Bihlmeyer, Seuse
323, 19
(
alem.
,
14. Jh.
):
waz des bildes mantel gar in rot und purpurvar mit heidenschem selzemme werke.
Bachmann u. a., Volksb.
132, 6
(
alem.
,
15. Jh.
):
Nun warind aber der kunigin kleider und ouch der andren frowen nach dem heydinischem sytten.
Cirurgia H. Brunschwig
24
ra, 5 (
Straßb.
[
1497
]):
Aber fur das gemein wasser hō ich genumenn. Sanickel wasser Sinan wasser Heidnisch wuntkrut wasser.
Schib, H. Stockar
12, 8
(
halem.
,
1519
):
sachend wier in [thembel] wol und den blatz, der fast hübsch ist und kostlichen erbuwen uff die hiadischen munier mit hübschen grosen borten und zinen, und hangend under den borten ambelen, die sy ainzündend.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 170, 20
(
Luzern
1596
/
7
):
Die [königkliche Rhät] sond ouch stattlich vnd ansehenlich gekleidt syn in langen schuͦben, stiffelin, Seblen, oben vff mit gehülleten hütten vnd Turbanten vff heidnische Manier.
Morrall, Mandev. Reiseb.
35, 4
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Der böm der haisset in haidescher spräch Ethnoch balte.
Voc. Teut.-Lat. n vr (
Nürnb.
1482
):
Haydemscherkole. spinacia.
Keil, a. a. O.
38
;
Bachmann u. a., Volksb.
143, 1
;
144, 25
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 309, 17
;
Roloff, Brant. Tsp.
239
;
Schib, a. a. O.
17, 33
;
Wyss, a. a. O.
3, 172, 65
;
Morrall, a. a. O.
69, 3
;
77, 24
;
Maaler
22v
;