heftig,
Adj.;
wohl Zusammenfall von
mhd.
heftec
›fest bleibend, ernst, stark‹
(Lexer
1, 1203
) und
mhd.
heifte
›ungestüm‹
(Ebd.
1, 1210
); vgl. auch Pfeifer
2000, 520
.
1.
zum Ausdruck einer besonderen Intensität menschlicher Affekte und Sinneseindrücke: ›von großer Intensität, bedeutend, kräftig, heftig; leidenschaftlich, erregt‹; ebenfalls zum Ausdruck einer besonderen Stärke körperlicher Beschwerden, z. B. vom Fieber: ›hoch‹; in adverbialer Stellung häufig: ›sehr‹; fließender Übergang zu 2.
Gehäuft spätes Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  3,  2, (Adj.) 3,  1,  5.
Syntagmen:
j.
(Subj.)
h. erschrecken / toben, sich h. erfreuen, etw. h. bedauern, jm. h. aufsetzen, heftig von haupt sein
;
etw.
(Subj.) (z. B.
durst
)
h. werden, etw.
(Subj.)
jm. h. we tun, jn. h. angreifen / verdriessen, in zorn hetzen, wunder nemen
;
der heftige flus / wiederwillen / zweifel, die heftige beger / verzückung, das heftige fieber
.
Wortbildungen:
heftigkeit
1 (a. 1561).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
674, 3270
(
Magdeb.
1608
):
Das that dem Koͤnig hefftig weh / Das jhm sein Feind so war entgangen.
v. Keller, Amadis
396, 41
(
Frankf.
1571
):
Als die Jungkfrauwe vername, daß Amadis mit jhr redet, erfreuwet sie sich hefftig.
Perez, Dietzin
1, 318, 21
(
Frankf.
1626
):
solche Leute entzuͤnden sich selbsten je laͤnger je mehr / je mehr sie saufen / dannenhero der Durst je laͤnger je groͤsser vnnd hefftiger wirdt.
Allg. Schau-Buͤhne
44, 43
(
Frankf.
1699
):
je naͤher man einander verbunden / je hefftiger ist der Haß eines Theils gegen den andern.
Weise. Jugend-Lust
114, 7
(
Leipzig
1684
):
weil der Bote nicht mehr reden kunte / so blieben wir in heftigen Zweifel.
v. Birken. Erzh. Österreich
70, 9
(
Nürnb.
1668
):
welches dann [...] den Abt haͤfftig verdrossen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
13, 21
(
Straßb.
1650
):
den Teuffel vermeyntlich stumm zumachen, besprengte er [der Pater] den Mänschen offt mit Weyhwasser, davon der besessene heftig tobete.
Heidegger. Mythoscopia
44, 9
(
Zürich
1698
):
Jndem die alte Schlang also ihr Spiel mit mir treibet / befallet mich um Mitfasten ein hefftiges Fieber.
Memminger Chron.
6, 15
(
Ulm
1660
):
eine seltzame Kranckheit [...] / da denjenigen so damit behafft worden / 4. oder laͤngst 5. Tag hefftige Fluͤsse gefallen / daß sie wie vnsinnig worden.
Eschenloher. Medicus
39, 13
(
Augsb.
1678
):
dieweil sie [...] die verlobte gute Werck lang auffgeschoben / haben ihre Zustaͤnd sie vil hefftiger angegriffen.
Buch Weinsb.
1, 8, 35
;
Wunderlich, Fierrabr.
37, 35
;
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
A vr, 4
;
M. Cunitia. Ur. Prop.
147, 21
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
257, 16
;
Lauater. Gespaͤnste
31r, 6
;
Heidegger. a. a. O.
64, 20
;
Eschenloher. a. a. O.
36, 29
;
A. à S. Clara. Glori
42, 9
;
Maaler
205r
.
Vgl. ferner s. v.  15,  12, .
2.
zum Ausdruck einer besonderen Gründlichkeit und Anstrengung bei der Durchführung von Handlungen, seltener zum Ausdruck einer hohen Intensität von Zuständen, meist adverbial: ›stark, gründlich, bemüht; besonders, sehr‹; auch von kriegerischen Handlungen: ›schwer, heftig, ungestüm‹; oft zur Verstärkung eines im Bezugswort schon vorhandenen semantischen Merkmals.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. (Adj.) 2,  6, .
Syntagmen:
h. fallen / schreien, verfolgt werden, sich h. arbeiten / verbergen, sich h. über etw. beschweren, sich e. S. h. annemen, jm. h. beistehen / nachforschen, etw. heftig anziehen / anzünden / machen / stürmen / verhindern
;
der heftige streittumult
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
1. Makk. 15, 25
(
Wittenb.
1545
):
Antiochus [....] stürmet die stad hefftig.
v. Keller, Amadis
401, 24
(
Frankf.
1571
):
Liebe Jungfrawe, antwortet Galaor, Ich will nicht auffhören jhne zusuchen, wo er [der Ritter] sich schon noch so hefftig verberge.
Göz. Leichabd.
162, 14
( 
Jena
1664
):
Wann die Reisenden auf deren ersten [Berg] kommen / stosset ihnen ein dunkler Hall / fast als eines hefftigen Streit⸗Tumults / der doch ferne / zu Ohren.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 2, 22
(
Leipzig
1520
):
Die weil dan / dieselbigen bosen / in den letztten tagen am aller erschrecklichste͂ erscheinen / darinnen auch / die bestendige͂ Cristen am hefftigiste͂ verfolgt werden.
Ebd.
1, 4, 33
:
Was vrsach Bruder Martinus dartzu gehabt / das er sich meines schreibens [...] So hefftig angenommen hab.
Opitz. Poeterey
11, 23
(
Breslau
1624
):
wie sich denn Politianus in einer epistel hefftig daruͤber beschwaͤret.
Goldammer, Paracelsus
2, 51, 8
(
1531
/
4
):
wiewol der satan diese liebe des nechsten gar häftig und vil verhindert hat und auf den eigen nutz zeucht.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
24, 10
(
Straßb.
1650
):
weil aber etliche vornehme Herren, auß den Stätten Malitia vnd Injuria, ihr [Justitia] hefftig vnd gewaltsamer weise nachforscheten vnd sie verfolgeten, kam sie in ein ander Dorff.
Chron. Augsb.
8, 365, 30
(
schwäb.
, zu
1548
):
derhalben sie im von soliches ires nutz und genieß wegen heftig beigestanden.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 2, 32
;
Küther, UB Frauensee
393, 42
;
Opitz. a. a. O.
18, 2
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
78, 25
;
Turmair
4, 16, 16
;
A. à S. Clara. Glori
12, 8
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
18, 8
.
Vgl. ferner s. v.  14,  1,  11.
3.
zum Ausdruck einer negativen Bewertung eines Zustands / eines Vorfalls: ›schlimm, arg, schlecht‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.) 2, (Adj.) 4,  4.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 145, 28
(
schwäb.
, zu
1548
):
daß [...] diejenigen, die so hart für ander rebel und Jr mt. zum heftigisten und feindlichisten zuͤgesetzt haben, noch wie vor allerding herrn bleiben.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
18, 6
(
mslow. inseldt.
,
1546
):
Nach dem śey herr Melcher mit dem gantzen hauffen herfürkumen, auf ihn gerent, vnnd geśchrien, mit hefftigen ścheldtworten.
Opitz. Poeterey
24, 31
;
Chron. Augsb.
2, 288, 10
;
Turmair
5, 54, 1
.
4.
vor allem von Personen und ihren Eigenschaften und Handlungen: ›beharrlich, ausdauernd, andauernd‹.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
38, 4
(
Köln
1653
):
Ob sie schon auch bekennen / daß die hefftige neigung zur Suͤnd auch bißweilen den nahmen der Suͤnd hat.
Göz. Leichabd.
279, 1
( 
Jena
1664
):
daß ie geschikkter [...] der Professor in seinem uffhabenden Ammte sich erweiset / ie boßhafftiger bestreitet er ihn / ie hefftiger ist er dran / den [...] Nachruhm nieder zu druͤkken.
Rosenthal. a. a. O.
15, 20
;
Primisser, Suchenwirt
36, 33
.
5.
›eindringlich, nachdrücklich; schonungslos, unnachsichtig; scharf‹.
Phraseme:
heftig gegeneinander mit rede und wiederrede sein
›mit Worten aufeinander losgehen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , , .
Syntagmen:
sich h. wieder jn. / etw. setzen, jn. h. ermanen, jn. / etw. h. tadeln, h. wieder etw. predigen, jm. etw. h. vorpredigen / wiederraten
;
der heftige wiederruf, die heftige klage / predigt / rede
.

Belegblock:

v. d. Broek, Suevus. Spieg.
150r, 39
(
Leipzig
1588
):
Er aber / wie hefftig vnd schrecklich jm seine Suͤnde vnd Gottes Zorn fuͤrgepredigt wird / lest er sich doch nichts bewegen.
Chron. Nürnb.
4, 246, 4
(
nobd.
,
15. Jh.
):
markgraf Albrecht [....] und [...] hertzog Ludwigs rete [...] warn heftig gegen ein ander mit red und widerred, mit clag und antwort.
Franck, Decl.
348, 3
(
Nürnb.
1531
):
das du wissest / das Platonisch decret stehet gar nicht auff deiner seiten / sonder für vns / seiteinmal die volheit so hefftig von diesem getadelt wirdt.
Dietrich. Summaria
30r, 7
(
Nürnb.
1578
):
ES ist ein hefftige predig wider die Phariseer vnd Schrifftgelerten / so dazumal im Kirchenregiment.
Chron. Augsb.
9, 52, 28
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
hat er [bischof Udalricus] seine fraindt [...], daß sie ire weib, kinder und gueter [...] zu im in die statt Augspurg [...] [brächten], ganz hefftig ermanet.
Andreae. Ber. Nachtmal
35r, 9
([
Augsb.
]
1557
):
Wider diese hat sich D. Luther hefftig gesetzt / vn̄ auß obgeschribnem grund angezaigt / das in dem Nachtmal nicht allain Brot brechen geweßt.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
35, 12
;
Franck, Decl.
333, 7
;
Chron. Augsb.
7, 134, 5
;
Haszler, Kiechels Reisen
318, 34
.
Vgl. ferner s. v.  3, .
6.
›mühevoll, schmerzlich, beschwerlich‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  1, (Adj.) 11,  1,  1.
Syntagmen:
der heftige tot, die heftige strafe, das heftige kreuz
.

Belegblock:

Reichmann, Dietrich. Schrr.
71, 18
(
Nürnb.
1548
):
on zweyffel / ist es ein sehr heftigs creutz gewesen / des er [Paulus] gern wer loß gewest.
Ebd.
271, 3
:
wie denn der arme Hiob jmmerdar klaget / das er nicht gesuͤndet hab / wie andere / vnd dennoch ein hefftigere straf leiden muͤsse / den̄ die andern.
Ebd.
105, 17
;
Turmair
4, 583, 32
.
7.
›ungestüm, eilig, hastig‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  5, , (Adj.) 1, .

Belegblock:

Bachmann, Haimonsk.
140, 19
(
halem.
,
1530
):
Ruolland hăt zehäftig gylt, daz er mich vermeint zeschlachen.
Chron. Augsb.
9, 94, 14
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
hat er den könig mit seinem adel gegen die statt Rom auff der strassen von vernen hefftig eilen und rennen ersehen.
Schmitt, Ordo rerum
481, 14
.
8.
›wichtig, bedeutsam‹.

Belegblock:

Piirainen, Stadtr. Sillein
71r, 37
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
DEr schultez hot drei heftige dinge in dem jar.
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 76, 25
.
9.
›in großem Ausmaß, massenhaft‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Thür. Chron.
24r, 15
(
Mühlh.
1599
):
Damit sie den Elenden Jammer an den jhren / so Hungers halben hefftig dahin fielen vnnd storben / nicht sehen duͦrfften.
10.
zur Charakterisierung von Personen: ›stolz, ernst, streng‹; gelegentlich mit pejorativer Komponente: ›überheblich, anmaßend‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  4, (Adj.), , (Adj.) 6, (Adj.) 1.

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
2, 8
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
und wir vormals doch manigen künstereichen, edeln, schönen, mechtigen und heftigen leuten sere über den rein haben gegraset.
Chron. Nürnb.
4, 173, 2
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Des jars am 4. junii starb Berchtolt Nuͤtzel, ratherre und statzinsherre, der ain heftig man was.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 90, 17
.
11.
zum Ausdruck der besonderen Kraft von Naturerscheinungen: ›gewaltig, kräftig; von besonderer Stärke‹.
Wortbildungen:
heftigkeit
2.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jes. 64, 1
(
Wittenb.
1545
):
AH das du den Himel zuriessest vnd fürest herab / Das die Berge fur dir zerflössen / wie ein heis wasser vom hefftigen Fewr verseudet.
Ebd.
Weish. 5, 23
:
So wird auch des Meers wasser wider sie wüten / vnd die Ströme werden sich mit einander hefftig ergiessen.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
37, 24
(
moobd.
,
1393
):
das sÿ manigerlay widerbertichait vnd grosse irrung habent von der hêfftichait des wints.