harnasch,
harnisch,
harnesch,
der
, selten
das
;
-s/-e
;
zu
mhd.
harnas, harnasch
›Harnisch‹
(); dies aus
afrz.
herneis, harnois, harnas
›Harnisch‹
(
Pfeifer
2000, 510
).
1.
›Gesamtheit der Kampfausrüstung eines wehrfähigen Mannes‹; vor allem: ›Kriegskleidung, Rüstung (mit Helm, Leib- und Beinharnisch)‹; im engeren Sinne: ›Leib- und Brustpanzer‹; in den Belegen lassen sich diese Bedeutungsakzentuierungen oft nicht deutlich voneinander trennen; selten ütr., dann mit Bezugnahme auf das Merkmal des Schützens.
Phraseme:
jn. in den harnasch bringen / jagen
›jn. erzürnen‹;
im harnasch sein
›zornig, erregt sein‹;
jm. den harnasch fegen
›jm. zusetzen‹;
zu schwach im harnasch sein
›zu schwach an Kräften sein‹.
Syntagmen:
den h. abziehen / anfüren / anhaben / anlegen / antragen / aufschnüren / behalten / beschauen / bessern / erben / haben / kaufen / machen / schauen / tragen / verkaufen / verpfänden / wischen, rosten lassen, sauber fegen, jm. den h. darleihen
;
im h. (auf)sein / erfrieren / ersticken / gehen / streiten, aus dem h. kommen, sich mit h. besorgen
;
hengst und h.
;
der alte / beste / eiserne / ganze / gemeine / gute / leichte / ströherne / volle
›vollständige‹ /
weisse / zerbrochene h.
;
der h. der söldner
;
das rasseln der harnasche
.
Wortbildungen:
harnaschbar
›ohne Harnisch‹ (1. H. 14. Jh.),
harnaschblech
(16. Jh.),
harnaschblez
›Stück Blech vom Harnisch‹ (a. 1550),
harnaschblos
›ohne Harnisch‹ (1. H. 14. Jh.),
harnaschbruch
(a. 1432),
harnaschhut
(a. 1623),
harnaschhandschuh
(a. 1450),
harnaschhose
(a. 1422),
harnaschkappe
(a. 1433),
harnaschkappensak
(a. 1440),
harnaschkaste
(a. 1482),
harnaschkiste
›Nachttopf‹ (a. 1512),
harnaschkrämer
(a. 1572),
harnaschmacher
,
harnaschmeister
(a. 1412),
harnaschwage
(a. 1409),
harnaschzelle
›Waffenkammer‹ (15. Jh.).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
617, 3502
(
Magdeb.
1608
):
Mit Schilff sie [die Froͤsch] jhre bein bekleidten / | Von Seeblumen Harnisch bereiten.
Luther, WA (
1527
):
wir sind zuͤ schwach im harnisch, [...], auch der geringsten sünde zuͦ widerstehn.
Ebd. (
1540
):
mit Orden, Cappen, Platten, Messen, und was des stroͤern Harnisch mehr ist.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1402
):
den harnasch kouft unser homeister selben an der mitwochen vor pfingisten.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
196, 18
(
preuß.
,
1407
):
Jocob pletener dedit 36 m. vor 1 last honig; doran nomen wir harnasch.
Ders., Gr. Ämterb.
274, 33
(
preuß.
,
1416
):
Harnasch: 8 blanke brunnigen, 20 alde brunnigen, 1 umbegeende brost, 6 panczer.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 476, 25
(
preuß.
,
1503
):
welcher haus und hoff besiczt, sal sich besorgen mit harnisch, als mit eynem plechpanczer und koller, mit eynem armbrust ader hantbuxsen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
waz sal haben ein ritter wert? | harnisch schilt helm und swert.
Wyss, Limb. Chron. U (
mfrk.
,
1382
):
Auch besetzen unde geben ich mẏme sone Klebesadele allen mẏnen harnasch den ich han unde der zuͦ mẏme lẏbe gehort.
Lau, Qu. Neuß (
rib.
,
1498
):
Ouch ensal geinre zo dem amte zugelaissen werden, he enhave vuran sine voll harnesch.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1355
):
wer sinen harnesschs nicht enhette, [...], der virluset eyne halbe mark.
Ebd. (
1377
):
wer 8 swyne und drunder bijs an viere heldet, der sal sinen gantzen harnesch han, huben, beyngewant und waz darzu gehorit.
Spanier, Murner. Schelmenz.
31, 11
(
Frankf.
1512
):
Den beltz wil ich myr weschen lon | Und den harnisch sauber fegen.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
In der selben flucht erstickte das volk im harnasche von grossem staube unnd hitcze.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
sie hoͤren das Prasseln der Wagen / das Rasseln der Harnische.
Lippert, UB Lübben
2, 251b, 6
(
osächs.
,
1527
):
3 ar. denn harnisch zu wischenn.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
nimet der sun deme vatere sines gutes icht, iz si, waz iz si, pfert, ku, bette, pful, harnasch.
Anderson u. a., Flugschrr.
11, 2, 19
([
Leipzig
1521
]):
Dãn so dich das orste blat also in harnasch geiaget vnd der bock so bald gestossen hat.
Mylius
H 3v
(
Görlitz
1577
):
Armamentarius Harnischmacher.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Dy vrouwe dy sal geben tzu herwete eres mannes swert vnd syn beste vrs [...] vnd syn beste harnasch.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
auch brachten die unsern vil panczer und anders harnaschs und hausratz.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Ein solch tyrannisch regiment | [...] | Bringt in harnisch den gmeynen mann.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
Rudolphus [...] hat Leute bey sich / die mit ihme in dem Harnisch aufgewachsen.
Adrian, Saelden Hort
6409
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ich wil nit lassen rosten | den hárnesch an der stangen.
Spanier, Murner. Narrenb.
95, 14
(
Straßb.
1512
):
Lieber herr, ir solt mich fregen | Vnd mir den harnesch redlich fegen.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1465
):
Weller meister by und under inen werden wil, das der vorabe in dem ersten sinen harnesch, was dann zuͦ einem man gehoͤrt, haben sol.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 269, 10
(
schwäb.
,
um 1535
):
graff Friderich [...] erfror in einem kalten winter vff dem feld in dem harnisch.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. (
schwäb.
,
1549
):
die pferdt sind schönn mytt harnasch zu sechenn gewest.
Sappler, H. Kaufringer
5, 88
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er kouft im [...] harnasch, schilt und sper | und was ein ritter haben sol.
Dreckmann, H. Mair. Troja
31, 22
(
oschwäb.
,
1393
):
Lamedonta [...] stach seinen spiezz mit kreften uf dem Nestor enzwai. von dem stich er sicher tod wär, het er nit so gut harnasch gehebt.
Auer, Stadtr. München Anh. (
moobd.
,
1347
):
Swer verborgen harnach traet, der geit dem richter lx. dn. civ. lib. dim.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
um 1400
, Hs.
15. Jh.
):
allen den harnaschs den man bei im begreift, es sei armbst spiess oder swert.
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
1, 88, 27
(
m/soobd.
,
1445
):
Sonderlichen sollen stet und merckkt mit ainer ubermass irer aufgelegten rustigung mit harnisch und gewere, nemlichen ruekkhrebs, armschin und brekkelhawbel, spis, hellibarten und stole versehen sein.
Goedeke, P. Gengenb. ;
Joachim, Marienb. Tresslerb. ;
Ziesemer, Gr. Ämterb.
17, 14
;
53, 24
;
96, 26
;
138, 16
;
513, 32
;
445, 35
;
703, 12
;
Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
404, 6
;
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. ;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
155, 19
;
Wyss, a. a. O. ;
Quint, Md. Karl u. Eleg.
1347
;
Thiele, a. a. O. ;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
54, 30
;
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
84, 10
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Matthaei, Minner. I, ;
Roder, Stadtr. Villingen ;
Kottinger, Ruffs Adam ;
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
302, 52
;
Müller, Lands. St. Gallen
15, 23
;
23, 2
;
Rennefahrt, Gebiet Bern ;
ders., Wirtsch. Bern ;
ders., Recht Laupen ;
ders., Zivilr. Bern ;
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 269, 21
;
ders., Nördl. Stadtr. ;
ders., Welthandelsbr.
290, 19
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 584, 40
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Klein, Oswald
19, 110
;
Straus, Juden Regensb.
118, 5
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Karnein, de amore dt.
224, 48
;
Mollay, H. Kottanerin
31, 34
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Weber, Füetrer. Poyt.
204, 3
;
Zingerle, Inventare ; ;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
250, 27
;
Rechn. Kronstadt
2, 615, 3
;
Rosenqvist, Frz. Einfluß.
1943, 262
;
Vgl. ferner s. v.  8,  1,  6.
2.
›nach Art eines Kettenpanzers aus Drahtringen geflochtener Scheuerlappen zum Reinigen des Metallgeschirrs in Küchen und Sennhütten‹ ().
Wortbildungen:
harnaschfas
(a. 1608).

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
3, 33, 10
(
md.
,
1502
/
21
):
1 vass harnasch, Taschenn vnnd Messer von Nurmberg gen Leipzigk gefurt.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1429
):
von ainem semigem fesslein mit harnasch ainen halben schilling phenning.
Helbig, a. a. O.
1, 70, 27
;