halm,
der
;
-s
, auch
-en/-e
, auch
, jeweils + Uml.
1.
›Halm des Grases und Getreides; Strohhalm‹; mehrfacher Gebrauch des Wortes in Alltagsbildern; häufiges Auftreten in Phrasemen; Verwendung des Halmes in der Rechtssymbolik anläßlich der Auflassung von Grundstücken (dazu: ); vgl. generell die Phraseme.
Phraseme:
nicht ein halm
›nichts‹;
nicht um einen halm
›in keiner Weise‹;
after halme und haue
›nach der Getreide- und Heuernte‹;
als es der halm trägt
›vom Acker weg‹;
was der halm trägt
›die gesamte Ernte‹;
mit hand und halm
o. ä. (z. B.
mit einem halm und einem viertel weins / mit zweig und halm / mit halm, mit hand, mit mund, mit metze und wasen, mit aufgeworfenem gelde
);
einen dürren halm verfolgen
›Unnützes tun‹;
den halm ziehen
›mit Halmen verschiedener Länge losen‹;
jm. das helmlein bieten
›jm. den Preis zuerkennen‹ (übernommen aus einem Spiel, in dem das Ziehen eines längeren Halms den Sieg bedeutet);
man sol den zerquetschten halm nicht zerreiben
;
sich leiden wie der halm auf dem dach
›sich nicht ausstehen können‹;
jm. das hälmlein durch das maul streichen / ziehen
›jn. durch Schmeicheleien hinters Licht führen‹;
jm. das hälmlein vorziehen
›jn. täuschen‹;
wie der schauer an die hälme kommen
›etw. völlig unsonst tun‹.
Bedeutungsverwandte:
,  1, ; vgl. .
Syntagmen:
einen h. nemen, die hälme rechen
;
der h. abbrennen
(bei der Anzeige von Temperatur),
mit einem h. pfeifen, einen schwam um einen h. legen
(mit Bezug auf den Essigschwamm in der Passion Christi),
aus dem h. äheren wachsen
;
ein h. aus einem schaub; der aufgerichtete / dürre / grüne / schöne h
.;
das glied des h
.
Wortbildungen:
halmach
›Halme (kollektiv gesehen)‹,
halmaufleser
,
halmaufsamenen
›Ähren lesen‹,
halmbank
›Futterlade‹,
halmen
›Getreide anbauen‹ (a. 1387),
halmhacker
›j., der Häcksel schneidet‹,
halmknopf
›Stengelknoten‹,
halmknote
(dasselbe),
halmleser
›Ährenleser‹ (dazu bdv.: , , ),
halmpfeifen
(dazu bdv.:  1),
halmrecher
,
halmstraufe
eine Abgabe vom Grasschnitt (dazu bdv.: ; 14. Jh.),
halmstük
,
halmstumpf
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Hiob 13, 25
(
Wittenb.
1545
):
Wiltu wider ein fliegend Blat so ernst sein / vnd ein duͤrren Halm
[
Eck
1537:
stupfel
]
verfolgen.
Voc. Ex quo S
905
(
15. Jh.
):
Spicarius ein halm leser [...] uel aͤchrer [...] halm recher [...] eyn halm vff leser.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1390
/
7
):
da dat billich ind van rechte gescheyn soulde, mit hande, mit halme, mit munde, mit metze ind wasem ind mit upgeworpen gelde in die luͦycht ind mit alle der bester wysen, formen und manieren, as man vry eygens erfs ussgain ind zo vertzien pleit.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
ist doch dar umb die dogent nit desta boͤser | Noch umb eynen halme desta snoͤder.
Wyss, UB Deutschord. Hessen (
hess.
,
1360
):
Dyse vorgenante guͦt wir [...] gereicht han mit handen, halme unde mit muͦnde vor schuͦltheizsen unde vor scheffen.
Ebd. (
1367
):
und han mit samhafftir handt willecliche mit muͦnde und mit halme luttirliche und gantz dar uff firziegin.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
[sie] sal ummer gehogen daz man den zuquetzseden halm nit zuriben insal.
Voc. inc. teut. k
viijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Halmpfeiffe͂ Calamisare. i. cu͂ calamo fistulare.
Köbler, Ref. Wormbs
225, 28
(
Worms
1499
):
das solich kauffe verkauffe oder contract in schrifften verfasser für vnsern Rat oder Statgericht bracht vñ in bysyn beider teil des kauffers vñ verkauffers offenlich erkennet bewilliget mit handt vnd halme nach vnnser Statrecht vffgeben.
Spanier, Murner. Schelmenz. Vorr.
62
(
Frankf.
1512
):
Wen ich den [mundt] wol beschriben kundt, | Das man sich wißt vor ihm zuͦ hieten, | So solt man myr das helmly bieten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk. (
osächs.
,
1343
):
einer lif und fulte einen swamp mit ezzige und legite en umme einen halm
[
Luther
1545:
Rhor
]
, her gap ime trank.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
230, 9
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Verdecke dan das heufel auch mit nassen roßmist, das nicht viel helm oder geströe umb den haufen liege. Wens also zottet und die helm uber sich stehen und umb den haufen liegen, so werden sie balt vorbaint.
Haage, Hesel. Arzneib.
6r, 2
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Wiltu werczen vertreiben, so soltu nemen ainen halem und solt die werczen brennen mit des halems gelid.
Keil, Peter v. Ulm
138
(
nobd.
,
1453
/
4
):
vntz es begynne erwallen. So nym ein halm vnd stoß in dorein, vnd prynnet er ab, so hat es sein genug.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
in kriegen thet auch gar not, daz man vil stroes het und daz man halm lies fürhacken in 2 oder 3 türn.
Schmitt, Fachprosa
58, 12
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
So mach ein teyck vnd mach in gel vnd warmm duczent gutter helmm in den teick, das sie naß werdenn.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
24, 27
(
nobd.
,
um 1430
):
sunder iglicher sal’s dem anderen selbs ufgeben mit einem halm und mit einem virtel weins.
Voc. Teut.-Lat.
n vv
(
Nürnb.
1482
):
Halmleser. eherer. spicari’. od’ spigler.
Ebd.
m vjr
:
Halmknopff. zenolus. i. nodus calami.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
v. 1494
):
Do ich heim kam von unserm acker | Und hett bestellt ein halmhacker.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
18
):
Dein schenckel wern auch nicht zu lanck | Zu stollen in eine halmbanck.
Bihlmeyer, Seuse (Hs. ˹
mfrk.
,
15. Jh.
˺):
Uff der lude wort ist recht zu buwen, als abe eyn halme eyn brucke were uber den groszen Ryne und eyner dar uber wente gan.
Spanier, Murner. Narrenb.
56, 15
(
Straßb.
1512
):
so ir findt der selben lüt, | Die vns das helmlin ziehen für.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
darnach dancket der Keiser Constantius inen auch hoflich, wie sie weise Luͤt weren [...], und streich inen wol das Helmlin durch das Maul.
Grimm, Weisth. (
els.
,
1320
):
zu after halme und howe, so sol der kirwart geben eine gans.
Maaler (
Zürich
1561
):
Mit zesamen gemachten Haͤlmen / roͤrlinen oder pfeiflinen singen.
Ein halm / als am korn vnd dergeleychen saat. Loba. Mit einem Halm pfeyffen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
218
(
Genf
1636
):
Halmknode / m. Das gleych des halmen.
Meisen u. a., J. Eck
26, 20
(
Ingolst.
1526
):
das ewer vermainte predicanten listiglich euch das helmlin durch das maul zihen mit irem gefaͤlschten evangelio.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
do ich hinein kam da kam ich gleich als der schaur an die helm: mein herr was tod.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
sô nement si [schefläut] ain nâdeln und reibent die mit der spitz an den adamanten und steckent si dan übertwerch an ain halmstuck oder in ain spænel von holz.
Schmitt, Ordo rerum
409, 33
(
oobd.
,
15. Jh.
):
Stipula schoppel [...] stümphel [...] stempffel [...] strumpfel [...] halmstumpf.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
Sonst mueessen vnser geist so lang im fegfewr sitzen, bis sy auszgeprennt seinn, wie holtz (f), hey vnd halmach.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
wurden die Juden in Aegypten hart gedrückt mit der scharwerk, mit hälmaufsammen und ziglprennen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1573
):
ob aber der richter von Wienn nicht kombt [...], so soll man den zuepinden zu einem steken mit ainem zwieringfaden oder mit ainem halbm aus ainem schaub.
Ebd. (
A. 15. Jh.
, Hs.
1566
):
Umb verpotten red, umb halben rechen, das ist verpotten.
Wyss, Limb. Chron. U ;
Küther, UB Frauensee
107, 24
;
Mylius
E 5r
;
E 5v
;
Dietz, Wb. Luther
2, 207
;
Rwb ff.;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß f.;
2.
›Halm in seiner Verwendung als Schreibfeder‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Got gab Johanne den halm | Glich einer gerten gestalt.
Ders., H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
als der wise Davit | von minre martre da quit | und schribet mit sinem halmen | an dem zwenzigisten psalmen.
Bremer, Voc. opt.
282
(
alem.
,
1328
/
30
ff.):
Calamus griffel schribveder [...] calamus(/-mi) proprie est pars herbe fructiffere inter radicem et fructum concaua inter nodos, vulgariter halm.
Schmitt, Ordo rerum
161, 29
;
3.
›Stoppeln; Stoppelfeld‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat.
n vjr
(
Nürnb.
1482
):
Halm. [...]. culmus ide͂. oder. stupffel.
Maaler (
Zürich
1561
):
Haͤlm (die) oder stupfflen / so nach abgeschnittnem korn überbleybend. Stipula.
Müller, Lands. St. Gallen
102, 28
(
halem.
,
1564
/
5
):
Es soll ouch niemand in den helmen hüeten noch das vech sonst darin laufen lassen.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
287, 37
(
halem.
,
1594
):
[dürfen]
ire schwyn [...] an jedes ort gaan laßen, doch allein uff die braach und in die halmen, aber in den ackeret und in die höltzer gar nit.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1624
, Hs.
E. 17. Jh.
):
vill weniger gestattet werden ainichs rintvich, [...] auf ihre pröchnen, würf oder hälbnen zutreiben.
Schmitt, Ordo rerum
409, 32
;
4.
vereinzelt eine aus den Belegen nicht erschließbare Pflanze.
Phraseme:
der wolriechende halm
.
Wortbildungen:
halmblat
,
halmheu
.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Calamus aromaticus haizt der wolsmeckend halm und haizt nâch aim gemainen halm, wan dem ist er geleich.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
als die bintz, der halm, das graß, der cle, attich und die waldischen rotten pflumen.
Bremer, Voc. opt.
13168
;
Vorarlb. Wb.
1, 1303
.