gus,
der
,
wegen gleichlautenden Plurals nicht immer von (
die
) trennbar;
gusses
/auch
+ Uml.
1.
›Wasserschwall, plötzliches Ausbreiten von Wasser (auch von anderen Flüssigkeiten)‹; speziell: ›Regenfall, Gewitter‹; ›Überschwemmung; Sintflut‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , .
Wortbildungen:
gusregen
,
güssig
›angeschwollen (vom Wasser), Hochwasser führend‹,
3
guz
›ausfließender Strahl‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
18742
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die wazzer irn louf halden | Zu berge wider ir vluzze, | Die luft in regenes guzze | Vremde regene spreen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
631, 3906
(
Magdeb.
1608
):
Das Wasser nirgend ein durchbruch fand / | Lieff aus dem Wald / Acker vnd Awen | [...] | Zun Quellen / Seen / teichen / Fluͤssen / | Zusamen mit so grossen guͤssen / Das die Eyßschollen in eim krachen.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
66, 32
(
wmd.
,
1634
):
Auffs new die zähr verschwendet, | Mitt noch so starckem guß.
Beckers, Bauernpr.
55, 11
(
Köln
1515
/
18
):
wie vyll neuell synt in dem Mertzen soe vil guͦß synt jm jair.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1988
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
si [perlein] weren auch des blutes flöss, | das ess nicht machet grossen göss.
Chron. Strassb.
112, 20
(
els.
,
1362
):
ich han üch gesant durre jar und regen mit güsen und große waßer.
Merk, Stadtr. Neuenb.
66, 23
(
nalem.
,
1462
):
so si von gúßen oder rumenz wegen den [bach] abkeren wollent.
Geier, Stadtr. Überl.
244, 14
(
nalem.
,
A. 16. Jh.
):
wievil weins ir von dem gutz nemen.
Chron. Augsb.
1, 77, 17
(
schwäb.
, zu
1385
):
daz mer ward ser grozz von den güssen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
113, 20
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dâ von koment dike grôz güzz auz den pergen, ân regenwazzer.
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
59, 34
(
oobd.
,
n. 1427
):
wann es regendt, so pringen es [edel gestain] die güß herab.
Dirr, Münchner Stadtr.
354, 16
(
moobd.
,
1340
):
Ob aver holtz auf der Yser von guͤzzen [...] an die prugk rinnet.
Niewöhner, Teichner
123, 39
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
ein wazzer chlain | daz da nieman taͤt ein grain, | swellet mans ein chlain zeit | und laz dann rinnen, ez pricht weit | und wirt ein grozzer guͤzz der van.
Drescher, Hartlieb. Caes.
29, 37
(
moobd.
,
1456
/
67
):
wenn dasselb wasser chlain was, so rait er und swemt darüber, wenn es aber güssig was, so must er darüber schiffen.
Ebd.
280, 34
:
wann sy fürchten ain grossen gẅssregen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
5098
;
Gerhardt, Meister v. Prag
231, 4
;
Volz, Prophet Daniel E
11, 10
;
Bastian u. a., Regensb. UB
242, 4
;
Bremer, Voc. opt.
281
;
Schmitt, Ordo rerum
27, 44
;
2.
›Ausschüttung, Erguß, Ausfluß; Fülle‹; als Metonymie: ›Produkt des Ausgießens‹; Ütr. zu 1.
Gehäuft älteres und mittleres Frnhd.; vorwiegend Texte religiösen und mystischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
Vielfach mit genitivus explicativus.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb.
12153
(
md.
, Hs.
um 1400
):
si Jhesus Cristus der gehure. | sich deser kentnisse gusse | kumpt von des mundes kusse.
Jahr, H. v. Mügeln
110, 643
(
omd.
, Hs.
1463
):
der speren geiste wegen sich | gein im nach miner künste guß.
Jostes, Eckhart
58, 21
(
14. Jh.
):
Alz si an Johannes waz, da Johannes nicht ein menschen alein daz wort enphinch sunder got in dem menschen mit dem gusze der gnaden seiner gnaden.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
13ra, 28
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Es wirt ain brvnne ausfliezzen von vnses herren hause vnd er feuhtet di gvsse der dorn daz ist der gvzze der suͤnden.
Voc. Teut.-Lat.
l iiijv
(
Nürnb.
1482
):
Guß od’ trupff. stillicidium.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
767, 21
(
els.
,
1362
):
Die súben besprengunge bezeichent die suͤben guͤsse dez bluͦtes Cristi.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1130
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
wie der suͤsse Jhesus | Von ÿmmerwerender minne guss | Sich geben wolt durch úns in not.
Klein, Oswald
36, 27
(
oobd.
,
1426
):
O vas der barmung uberfluss, | [...] | Ich han vermodelt mangen guss | mit sündiklichem trepfen.
A. à S. Clara. Deo Gratias
15, 27
(
Wien
1680
):
uͤber mich ist kommen ein Guß und Uberfluß aller Truͤbsalen.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2278
;
Stackmann u. a., Frauenlob
10, 2, 13
;
Mayer, Folz. Meisterl.
82, 20
.
3.
›Wasserabfluß, Wasserrinne zum kontrollierten Ab- und Umleiten von Wasser‹.
Wortbildungen:
gusrunse
›Ablaufrinne für Unrat, Gosse‹,
gusstein
›Ablaufbecken für Wasser, Ausguß‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
312, 35
(
preuß.
,
1404
):
½ m. den gossteyn in des treszelers gemache zu legen den muweren.
Müller, Nördl. Stadtr.
234, 34
(
schwäb.
,
1489
?):
wer den freilos verbawt oder einzücht oder daruf güss oder fliss richt, one sonder erlauben ains rats.
Turmair
5, 293, 4
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Da kam ein sölch ungewitter, [...], daß die päch und güß überal anliefen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 76, 37
(
moobd.
,
1512
):
Ain ieder nachpaur [...] sol die gussrunsen vor seinem haus raumen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
154, 15
(
m/soobd.
,
1573
):
Ob einer die abker nit machet und die guß mit verschüdten schaden thuet.
Schwäb. Wb.
3, 939
.
4.
ein Volumenmaß.
Bedeutungsverwandte:
2
(s. v.
1
 1).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
355, 19
(
preuß.
,
1486
):
awff m melczhawsze: 4 gosz maltz.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 270, 22
(
Straßb.
1466
):
Zuͦ der selben achte vnd gestalt macht er x grunde eins gusses.
Ziesemer, a. a. O.
356, 20
;
Rwb
4, 1283
.
5.
›Metallguß, das Schmelzen und Verarbeiten von Metall und anderen Materialien‹; als Metonymie: ›Gießprodukt, Produkt, das aus dem Erstarren heißer Flüssigkeit entstanden ist‹.
Wortbildungen:
gusgürtel
›mit Metallbeschlägen verzierter Gürtel‹ (a. 1618),
gussenmacher
›Spengler‹,
guswerk
(a. 1629).

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
202, 4
(
Frankf.
1535
):
Es [...] macht sie [metall] kelten vnd trücknen. Es macht das eisen weych vnd alle metall / vnd macht sie zergehn oder fliessen im gusse.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
16, 31
(
Straßb.
1650
):
[Gäste] darunter der erste eine armer Gussenmacher oder Spingler gewest, vnd man denselben zu den Schlossern legen wollen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2546
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 ledig geschnittener saphir, ist ein pasta oder guß von cristall.
Schwäb. Wb.
3, 938/9
.
6.
›durch Trocknen in Form gebrachtes Tierfett‹.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
3, 722, 41
(
moobd.
,
1570
):
ob ainer ainen großen guß inßlet het, das sol er zustechen und davon ainem geben was er zu bezallen hat.