guft,
die
,
vereinzelt
der
;
, auch
güfte
(für:
die
)
/–
,
-es
(für:
der
)
/–
.
– Älteres Frnhd.; gehäuft Verstexte religiösen und dadaktischen Inhalts, vgl. dazu
v. Bahder, Wortwahl [...].
1925, 113
.
1.
›lautes Geschrei‹; hier anschließbar: ›Prahlerei, Übertreibung; Hochmut, Hoffart; Verschwendung‹;
vgl.  2.
Phraseme:
ane guft
›fürwahr‹;
durch kurze guft
›der Kürze halber‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
3303
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
der tufele uppige guft | viel da in jemerlichen suft.
Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
13, 11
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
der ungetruwen hofart wil ich sozen unde der starken guft wil ich nydirn.
Ebd. Jes.
23, 10
:
daz er [der engil herre] darnidir zoge alle irer hovart guft und brechte zu smaheit alle ire ediln.
Ebd. Jes.
28, 4
:
mit vuzen wirt getret di crone der hochvart der trunkennen von Effraym. und di hinvallende blume des guftis siner wunne
[
Wormser Proph.
1527:
zierd seines prachts
;
Froschauer
1530:
zierd seines prachts
;
Eck
1537:
glori seiner frolockung
;
Luther
1545:
lieblichen herrligkeit
].
Gerhard, Hist. alde e
1575
(
omd.
,
um 1340
):
Bi dem iazint an alle guft | Du solt vernemen wol die luft.
Jahr, H. v. Mügeln
102, 76
(
omd.
, Hs.
1463
):
got in irs reinen herzen ror | sin wort zu fleische werden liß, | das Luciferes guft verstiß.
Ebd.
105, 290
:
wo zornes swert des keisers reist, | da ist der finde guft verweist.
Ebd.
118, 1221
:
,was düt des richen wunders guft?‘ | Vernunst die sprach: ,es ist die luft‘.
Pyritz, Minneburg
1994
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
also mus ich durch kurtze guft | Geswigen hie ir zirde.
Stackmann u. a., Frauenlob
13, 33, 3
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
Snel ist hin durch ein guft der schaz, | und koufest du dir erste not. | Den du mit güfte vor verlür.
Koppitz, Trojanerkr.
8232
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Er liss hoffertigen man | Sich selber hoche blümen | Und och mitt güfte rümen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
10123
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
159
;
Schwäb. Wb.
3, 905
;
Vorarlb. Wb.
1, 1257
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›Wille, Begierde, Streben; böse, feindliche Absicht‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
5997
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Diz tet der arge schalk durch list, | Daz unser herre Jhesus Crist | Durch des hochvertigen vleisches guft | Sich lieze nider in die luft.
Reissenberger, Väterb.
10366
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Daz sie die wertliche guft | Icht besulte mit ir lobe.
Ebd.
32121
:
Als Abraham sich petens flais: | So innec sin gebet was. | Do die arge Sathanas | An im nicht schuf mit siner guft.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
14188
(
omd.
,
1338
):
[Gott zu Hiob:]
Hastu uz herzen grunde | Der grawen morgenstunde | Geboten daz sy so ordenlich | Irschine [...] | Nach dem willen diner guft?
Ebd.
15166
:
daz ist der tuvele guft.
Hübner, Buch Daniel
5628
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Du must in der lewen gruft | Kumen mit vientlicher guft.
Koppitz, Trojanerkr.
4524
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der unverzagtte uss Throye | On aller hande schoie | Ward da mit wirde | In güfte und mit begirde | Gesendett uff den burg graben.
Primisser, Suchenwirt
14, 343
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Al sust was er gestrechet rein, | Als er tzu tal nach preises guft | Kem geschozzen durch den luft.
Reissenberger, a. a. O.
2469
.
3.
›hoher Mut, Freude‹; metonymisch dazu: ›das Freuden Bringende: Fülle, Pracht, Herrlichkeit (letzteres zumeist von Gott oder Christus gesagt)‹;
vgl.  3.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
8477
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen der arn durch sine guft | Swinget hoger in die luft | Dan der vogele keiner tu.
Ebd.
13749
:
die sunne des rouches guft | Gedinster wart, sam tet die luft.
Ebd.
20355
:
Die dan zu vollem lone | Dar komen, die varnt dan mit guft | Criste zukegen in die luft.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
1130
(
preuß.
,
1331
):
Beid den odem und di luft, | Durch daz uz der grosen guft | Wil ich nu daz beczeigen | Daz Got sich wolde neigen | Von himel.
Fischer, Brun v. Schoneb.
1518
(
md.
, Hs.
um 1400
):
also machte got durch guft | von erde von wazzer von vuer von luft, | ein bette.
Hübner, Buch Daniel
2416
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Vogelin, die da schallen | Mit gesange in der luft, | Richlichen in irre guft | Zu einer spise.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 12, 6
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
Durch menschen gruft schein gotes guft.
Primisser, Suchenwirt
9, 26
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di vogel chlimment in den luft | Mit suͤzzer stimm, der vrewden guft | Jr hertze hat enphunden.
Ebd.
15, 86
:
Vogel sanch, noch mayen luft | Den hertzen gaben wenig guft.
Ebd.
30, 145
:
Sich hat dez mayen obdach | Geplüemet wol mit guͤften.
Ebd.
46, 25
:
Die liechten plümen, alle swanger, | Leuchtent auss der pluenden gufft.
Klein, Oswald
38, 80
(
oobd.
,
1409
/
10
):
sterbens geren | uns ze trost | hat
[Jesus]
erlosst | mit deiner früchte | güffte | von dem höchsten bam.
Fischer, a. a. O.
7065
;
7118
.